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Das Konstrukt des "Nazionismus" RSS

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Das Konstrukt des "Nazionismus"


06.04.2012 um 16:18, in der Kategorie Politik
Alfred Rosenberg, völkischer Spiritus Rector der Nazibewegung, hielt den Zionismus Anfang der 1920er Jahre noch für eine lächerliche Randnotiz der Geschichte. Er ging vom antisemitischen Stereotyp, dass Juden nicht zu schöpferischen Leistungen fähig seien und sich parasitär "Wirtsvölker" hielten, davon aus, dass die zionistische Aufbauarbeit im britischen Mandatsgebiet von vornherein zum Scheitern verurteilt wäre und bestimmte somit auch die Parteilinie der NSDAP. Entgegen dem Wunsch der Palästinenser, ließen die Nazis Juden in den ersten Jahren ihrer Herrschaft noch nach Palästina ausreisen, verboten sich dabei aber eine offene Parteinahme für eine Seite, weil man zu diesem Zeitpunkt auf einen Ausgleich mit dem Empire spekulierte und die Briten nicht verärgern wollte indem man sich in ihren Zuständigkeitsbereich einmischte.

Als die britische Peel-Kommission die Möglichkeit eines jüdischen Staates aufwarf, sorgte das bei den Nazis allerdings für tiefe Sorgenfalten. Ernst von Weizsäcker, damals Leiter der Politischen Abteilung des AA: Das deutsche Interesse an der Förderung der jüdischen Auswanderung nach Palästina wird daher durch das weitaus gößere Interesse an der Verhinderung der Bildung eines jüdischen Staates kompensiert. (...) Daher besteht ein eindeutiges Interesse daran, die Bildung eines jüdischen Staates zu verhindern. (...) Falls der jüdische Staat in Palästina doch verwirklicht wird, würde die deutsche Außenpolitik jedenfalls vor ein neues Problem gestellt werden, das in seiner schwere die innenpolitische Judenfrage weit überwiegen dürfte. (Bericht vom 7.08.1937, Akten zur deutschen Auswärtigen Politik, Serie D Bd. V, S. 641)

Die Schlussfolgerungen Nazideutschlands waren wie folgt:

1) Bildung eines Judenstaates oder jüdisch geleiteten Staatsgebildes unter britischer Mandatshoheit liegt nicht im deutschen Interesse, da ein Palästina-Staat das Weltjudentum nicht absorbieren, sondern zusätzliche Völkerrechtliche Machtbasis für internationales Judentum schaffen würde wie Vatikan-Staat für politischen Katholizismus oder Moskau für Komintern.

2) Es besteht daher ein deutsches Interesse an Stärkung des Arabertums als Gegengewicht gegen etwaigen solchen Machtzuwachs des Judentums.


(Freiherr von Neurath, Akten zur deutschen Auswärtigen Politik, Serie D Bd. V, s. 629)

Die geschilderten Standpunkte haben zu einer Revision des deutschen Standpunktes gegenüber dem Problem der Bildung eines Judenstaates in Palästina geführt. Bisher war es das primäre Ziel der deutschen Judenpolitik, die Auswanderung der Juden aus Deutschland nach Möglichkeit zu fördern. (...) In Wirklichkeit besteht aber ein größeres deutsches Interesse daran, die Zersplitterung des Judentums aufrecht zu erhalten. Denn die Judenfrage wird für Deutschland nicht gelöst sein, wenn kein angehöriger der jüdischen Rasse mehr auf deutschem Boden seßhaft ist. Vielmehr hat die Entwicklung der letzten Jahre gelehrt, das dass internationale Judentum zwangsläufig stets der Weltanschauliche und damit politische Gegner des nationalsozialistischen Deutschlands sein wird. Die Judenfrage ist daher zugleich eines der wichtigsten Probleme der deutschen Außenpolitik. Es besteht daher auch ein erhebliches deutsches Interesse an der Entwicklung in Palästina. Denn ein Palästinastaat wird das Judentum nicht absorbieren, sondern ihm - entsprechnd dem Wirkungskreis des Vatikanstaats - eine zusätzliche völkerrechtliche Machtbasis schaffen, die sich für die deutsche Außenpolitik verhängnisvoll auswirken könnte

(Akten zur deutschen Auswärtigen Politik, Serie D Bd. V, S. 633)

Es liegt nicht in unseren Bestrebungen, das jüdische Kapital im Auslande unterzubringen, sondern in erster Linie, jüdische Mittellose zur Auswanderung zu veranlassen. Da die erwähnte Auswanderung von 50000 juden pro Jahr in der Hauptsache das Judentum in Palästina stärken würde, ist dieser Plan unter Berücksichtigung der Tatsache, daß von reichs wegen eine selbstständige Staatsbildung der Juden in Palästina verhindert werden soll, undiskutabel.

(Adolf Eichmann, Akten zur deutschen Auswärtigen Politik, Serie D Bd. V, S. 633)


Spätestens ab 1938 hat man Amin al-Husseini, den Großmufti von Jerusalem und antisemitischen Islamisten, der schon in den 1920 Jahren durch Massaker an der alteingessenen jüdischen Gemeinschaft Palästinas bekannt wurde, und seinen Terrortrupp logistisch unterstützt; beispielsweise kamen ihm 1941 neben den monatlichen 75.000 RM für die Agitation des Mufti über den Libanon 30.000 Karabiner, 600 leichte Maschinengewehre & 600 leichte Maschinenpistolen zugute.

Das die Nazis, je weiter sie in Nordafrika vordrangen, auch explizit Pläne zur Vernichtung der Juden dieser Region in den Schubladen hatten, ist ebenfalls eine historische Tatsache. Im April 1941 überquerte Rommels Afrika-Korps das erste mal die ägyptische Grenze, worauf sie die britischen Streitkräfte aber zurückdrängen konnten. Jedoch kamen die deutschen Vernichtungskrieger 1942 erneut sehr nah an Palästina heran. Als man kurz vor El-Alamein stand und somit nur noch wenige Tagesmärsche von Palästina entfernt war, flog ein gewisser Walter Rauff ein, seines Zeichens Obersturmbannführer der SS und Erfinder des an der Ostfront für Judenvergasungen eingesetzten Gaswagens. Ihm unterstand das Einsatzkommando "SS-Kommando bei der Panzerarmee Afrika", sechs weitere SS-Führer und 17 Unterführer, die seit Juli 1942 auf Kreta auf ihren Einsatzbefehl warteten. Dieser lautete so:

Mit Zustimmung des Reichsführers SS und Chefs der deutschen Polizei wird wird der Einsatz des SS-Kommandos bei der Panzer-Armee Afrika folgendermaßen geregelt:

I) Das SS-Einsatzkdo. erhält seine fachlichen Weisungen vom Chef des S.P. und S.D. und führt seine Aufgaben in eigener Verantwortlichkeit durch. Es ist berechtigt, im Rahmen eines Auftrages in eigener Verantwortung gegenüber der Zivilbevölkerung Exekutivmassnahmen zu treffen.


(Oberkommando der Wehrmacht an deutschen General beim HQu der ital. Wehrmacht, zur Weiterleitung an Panzerarmee Afrika, 13. 07.42, Bundesarchiv-militärarchiv Freiburg, RW 5/690, Blatt 170.)

Die Richtlinie der Einsatzkommandos, die sich zu dieser Zeit bereits im sowjetischen Hinterland austobten, war nahezu identisch zu jener, die an der Ostfront ausgegeben wurden. Im rückw. Heeresgebiet werden Einsatzgruppen und Einsatzkommandos der SP (SD) eingesetzt. (...) Sie erhalten ihre fachlichen Weisungen vom Chef der SP und des SD. (...) Die Einsatzgruppen bzw. -Kommandos sind berechtigt, im Rahmen ihres Auftrages in eigener Verantwortung Exekutivmassnahmen gegenüber der Zivilbevölkerung zu treffen. (Oberkommando des Heeres, 28.04.41, Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg, RH 22/155, Blatt 29)


Das was die Einsatzgruppen in der SU "im rückwirkenden Heeresgebiet" anrichteten, ist bekannt, es stand auch den palästinensischen Juden bevor. Wie schon im Baltikum sollten Einheimische Kollaborateure beim Morden helfen. Wie die Autoren Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers in ihrem lesenswertem Buch "Halbmond und Hakenkreuz" erwähnen, war der Mufti auch bereit, bandenartige Kräfte zu organisieren, wie er seinem Berliner SS-Verbindungsoffizier anbot.

Unter den palästinensischen Juden herrschte Angst; einige von ihnen hatten sich bereits Zyanid besorgt, um den deutschen Schlächtern und ihren arabischen HiWis zu entgehen; wieder andere entwickelten den Plan der "Masada auf dem Berg Karmel", d.h. sie wollten sich bei einem Einmarsch deutscher Truppen ins Karmel-Gebirge zurückziehen und bis zum letzten Mann kämpfen. In Arthur Koestler's "Promises and Fulfilment" erfährt man auch, das, je näher die Deutschen kamen, die Kalkzeichen an jüdischen Häusern sich mehrten - die Araber beanspruchten den jüdischen Besitz bereits für sich.

Über die Rolle al-Husseinis am Holocaust hat Dieter Wisliceny, seines Zeichens "Beauftragter für jüdische Angelegenheiten" für die Slowakei, Ungarn und Griechenland (von 1940-44) und Vertrauter Eichmanns in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen belastende Aussagen gemacht.

Dieser mehr und mehr grundsätzlicher, am Antisemtismus geschulte Antizionismus des NS kann nicht verhindern, das Revisionisten, Verschwörungsideologen und sonstige Idioten "den Zionismus" - der für sie nicht aus Strömungen und Fraktionen (Buber, Ben-Gurion, Jabotinsky stehen alle drei für verschiedene Intepretationen des zionistischen Gedankens) besteht, sondern selbstredend als, homogene politische Bewegung vorgestellt wird - als ideologischen Staathalter des NS in Nahost und willigen Vollstrecker seiner Vernichtungspolitik geißeln. Da es sich dabei mehrheitlich um verschwörungstheoretischen Unsinn oder Übertreibungen handelt, soll hier nur auf die Fraktion eingegangen werden, die real am nähesten im Verdacht stand, mit dem Faschismus zu paktieren.

Die "Revisionistische Partei" wurde 1925 von Zeev Jabotinsky gegründet, der bereits 1920 nach Jerusalem kam und dort die jüdische Selbstverteidigung organisieren sollte. Nach heftigen Meinungsverschiedenheiten verließ er die zionistische Exekutive allerdings, um zunächst den Jugendverband "Betar" und im Folgenden die bereits erwähnte Revisionistische Partei zu gründen, die ihren Namen logischerweise daher hatte, den Zionismus einer Revision unterziehen zu wollen. Als die Haganah 1929 nicht im Stande war, die Übergriffe auf den alten Yishuv (d.h. die seit Jahrtausenden ansässigen Juden und nicht etwa die neuangesiedelten Zionisten) zu verhindern, spaltete sich unter der Führung des District Commander Avraham Tehomi eine Gruppierung ab, die später unter dem Namen "Irgun Zvai Le'umi" populär wurde. Tehomi war der Auffassung, das eine zionistische Verteidigungsmiliz alle politischen Ideologien, auch die rechts der Sozialisten, von denen die Haganah beeinflusst war, repräsentieren müsste; später kehrte Tehomi allerdings zur Haganah zurück - Irgun aber verblieb bei den Revisionisten, gab weiterhin den antisozialistischen Strömungen eine politische Heimat und rekrutierte sich mehrheitlich aus den bürgerlichen bzw. kleinbürgerlichen jüdischen Schichten; das schloß allerdings nicht den Umstand aus, weiterhin durch Bündnisvereinbarungen mit der Haganah zu kooperieren, was zu bestimmten Zeiten des arabischen Aufstandes, des zweiten Weltkrieges und während des israelischen Unabhängigkeitskrieges der Fall war.

Irgun unterschied sich nicht nur in der antisozialistischen Haltung grundlegend von Haganah, sondern auch in der Auffassung des Kampfes und der Gruppenorganisation. Während die Haganah sich auf das Prinzip reiner Selbstverteidigung, der Havlaga, berief, beantwortete Irgun den arabischen Terror gegen die jüdische Zivilbevölkerung mit Gegenterror; ihr Anspruch war, im Laufe der Zeit zu einer Armee des jüdischen Staates beiderseits des Jordan heranzuwachsen, während die Haganah weiterhin den Gedanken einer "jüdischen Heimstätte" artikulierte und sich mit der Abtrennung Transjordaniens abfand. Die Vorliebe für straffe Hierarchien, strenge Disziplin, uniformes und martialisches Auftreten brachten ihr schnell den Vorwurf ein, "Militarismus" und "faschistische Methoden" in die zionistische Selbstverteidigung einzuführen; bei sozialistischen Politikern waren sie auch tatsächlich als Faschisten verschrien und Lion Feuchtwanger resümiert in seinem Aufsatz "Nationalismus und Judentum" das es "eine Art jüdischer Hitlerei" gebe.


Untermauert wird das durch den Flügel der Neorevisionisten innerhalb der Revisionsitischen Partei, zu denen u.a. Uri Zvi Grinberg, Aba Achimeir, Jewin, Altman oder Weinstein gehörten. Ihr Einfluss war vor allem in der palästinensischen Sektion der Revisionistischen Partei sehr stark; ihre Programmatik war absolut kritikabel: beispielsweise äußerten(n) sie die Ansicht, der deutsche Nationalsozialismus wäre bis auf den Antisemitismus durchaus akzeptabel, und Hitler hätte immerhin Deutschland gerettet. Die Nazis wurden als große nationale Bewegung die Europa von machtlosen Parlamenten befreit und vor allem von der Diktaktur der sowjetischen Geheimpolize bewahrt hätten, verklärt.

Innerhalb der Gesamtbewegung konnten sich die Neorevisionisten aber nicht durchsetzen. Jabotinsky stimmte nicht mit ihnen überein und er lehnte die Ansichten Achimers und seiner Freunde über Nazideutschland ab. Oder in seinen eigenen Worten, die er an die Zeitung der Neorevisionisten richtete:

Die Artikel und Berichte über Hitler und die Hitlerbewegung sind für mich und uns alle wie ein Messerstich in den Rücken. Ich fordere die bedingungslose Einstellung dieser Ungeheuerlichkeit. Im Hitlerismus irgendwelche Merkmale einer 'nationalen Befreiungsbewegung' zu sehen, kommt blanker Unwissenheit gleich. (...) Ich fordere, das sich das Blatt bedingungslos und eindeutig, nicht nur unserer Kampagne gegen Hitlerdeutschland anschließt, sondern auch unserer Jagd auf den Hitlerismus im vollsten Sinne des Wortes.

(Alle kursiv gesetzten Zitate nach: Walter Laqueur, Der Weg zum Staat Israel, S. 380-383)


Jabotinsky selbst trat auch für einen totalen wirtschaftlichen Boykott der Nazis ein: Seriously alarmed by Hitler's rise to power in Germany, Jabotinsky pressed in 1933 for a worldwide Jewish boycott of Germany, hoping to crush Germany economically (http://www.mfa.gov.il/MFA/) Michael Wolfssohn schriebt in seiner Zusammenfassung über den Nahost-Konflikt das Jabotinsky den NS in seinen eigenen Worten als Todfeind des jüdischen Volkes beschrieb

Auch wenn sich die Neorevisionisten aufgrund des Antisemitismus der Nazis an Anti-Nazi-Demonstrationen bzw. Aktionen teilnahmen, bleibt eine Nähe zum italienischen Faschismus nicht von der Hand zu weisen. Achimer sah allen Ernstes in Mussolini das größte politische Genie des Jahrhunderts und versuchte immer wieder auch Jabotinksy auf diesen Kurs zu bringen: Als Jabotinksy in Palästina eintraf, beschwor Achimer ihn, er solle ein "Duce" und nicht nur ein Parteiführer sein. Jabotinksy war zutiefst bestürzt und wies dieses Ansinnen zurück. (Laqueur, S.380) Jabotinsky selbst beschreibt Walter Laqueur als einen Anhänger eines aristokratischen Liberalismus; als eingefleischter Individualist. Er hatte nichts übrig für einen totalitären Staat, für Diktaktur und Unterdrückung politischer Gegner, und obwohl er nicht frei von Eitelkeit war, glaubte er keineswegs an das Führerprinzip. Laqueur verschweigt aber keinesfalls, das innerhalb der Bewegung einige Gruppen, manche davon nicht ohne Einfluß, die nicht so tief von den altmodischen Grundsätzen des Liberalismus durchdrungen waren wie Jabotinsky. sich tummelten: Unter ihnen hatten faschistische Ideen erheblich an Boden gewonnen. (Laqueur, S. 398-401)

Die Neorevisionisten haben sich vor allem am italienischen Faschismus begeistert und suchten dessen Nähe, was sich durch eine Parteischule, die sie in Italien unterhielten, zeigt. Aber die Achsenmächte setzten letzten Endes auf die arabisch-islamischen Kollaborateure unter Al-Husseini, zunächst im Mandatsgebiet und im späteren Verlauf dann auch auf dem Balkan, wo der Mufti eine muslimische SS-Freiwilligendivision aufstellte - und damit auf die Endlösung aller Juden, egal welcher Herkunft oder Gesinnung.
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