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Varusschlacht oder Überfall im Lager? RSS

3 Beiträge, Schlüsselwörter: Varus, Varuslager, Varusschlacht, Saltus Teutoburgiensis

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Wydmond
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Varusschlacht oder Überfall im Lager?

28.11.2011 um 18:37



Mit Caecina auf der Suche nach dem Lager des Varus


Immer noch wird seit Jahrhunderten wild spekuliert um den Ort dieses Geschehens, wobei fast alle echten oder Möchtegern-Historiker fast sklavisch dem auf „geschönten“ Senatsunterlagen basierenden Autor Dio Cassius folgen, jedenfalls, was einen angeblichen dreitägigen Todesmarsch durch unwegsame Wälder unter strömendem Regen und in stürmischem Wetter angeht.

Bei solchen, einen ideologische Zweck (die Exkulpierung der geschlagenen Legionäre und ihrer hehren Anführer als unschuldige Opfer von Sturm, Sumpf und Regen) verfolgenden Darstellungen muss man zwischen den Zeilen lesen und hier und da eine vergessene Tatsachendarstellung finden, um die Wahrheit doch noch erschließen zu können.

Nun fällt ins Auge, dass der so genannten Schulwissenschaft einige, ganz offen bekannte, Sachverhalte scheinbar nie aufgefallen sind. Es sind dies folgende Punkte –

Erstens hat sich Varus, schon selbst mehrfach verwundet, ins Schwert gestürzt, worauf seine Leibwache den Leichnam immerhin zum Teil einäschern konnte (die siegreichen Germanen gruben den halb verbrannten Leichnam wieder aus). Hierzu erforderte es einmal einen wenigstens behelfsmäßigen Scheiterhaufen aus Holz, dazu eine Menge Öl, um die Hölzer zu tränken, dann musste das schließlich entfachte Feuer den Scheiterhaufen in Brand gesetzt, den Leichnam des Varus ergriffen und auch eine ganze Weile gelodert haben, um ihn immerhin doch halb zu verbrennen. Was dürfen wir aus diesen nie bestrittenen Umständen schließen? Zum einen dürfte sich die kolportierte Mär über strömenden Regen und Stürme als der übliche Topos vom regnerischen, stürmischen, kalten Germanien herausgestellt haben, denn regendurchfeuchtetes Holz brennt nicht, also war es, da trockenes Holz gesammelt werden musste, längere Zeit trocken gewesen, was den Todestag des Varus wohl eher in den Spätsommer fallen lassen dürfte. Zum anderen, und das ist noch ausschlaggebender, können die erforderlichen Verrichtungen keineswegs im angeblich „wilden Kampfesgetümmel“, kurz vor der endgültigen Niedermetzelung der verbliebenen Legionäre, vorgenommen worden sein, allein die bloße Vorstellung entlarvt diese Legende als aberwitzig.

Wo also nun hat Varus sich in sein Schwert gestürzt, und wo war der Platz seiner versuchten Einäscherung? Ganz sicher nur an einer Stelle, die in einem offenen Gelände lag, das jedenfalls so lange von Feindeinwirkung verschont blieb, bis die Leiche des Varus immerhin halb verbrannt und danach auch noch begraben worden war, der behelfsmäßig errichtete Tumulus zeigte dann den angreifenden Germanen den Weg zum Grabe und zu den sterblichen Überresten des Prokonsuls. Da jedoch der Leichnam nur zur Hälfte verbrannt werden konnte, dürften die damit in Zusammenhang stehenden Verrichtungen in gewisser Eile geschehen sein, auch unter dem Eindruck der vorübergehenden Abwehr angreifender Germanen.

Ein erfolgreicher Angriff selbst von wohl höchstens 15 - 20000 germanischen Kämpfern auf ein von bewaldeten Sumpfgebieten und einem fast uneinnehmbaren Vorkastell geschützten Dreilegionslager (wobei das vermutete Varuslager Wilhelmsberg nur mit zwei Legionen belegt gewesen sein dürfte, da nur zwei Lagerpräfekten erwähnt werden, mit etwa 7600 Legionären und ca. 700 Reitern – zur Zeit des Varus verfügte laut Paul Höfers Forschungen eine Legion nur über etwa 3600 Legionäre) ist ausgeschlossen, später gelang es sogar der vielleicht ca. 3000 Köpfe zählenden Besatzung des Legionslagers „Aliso“ der Berichte mit ca. 23 ha Umfang, den angreifenden Germanen schwere Verluste beizubringen und sie zurückzuschlagen. Es bleibt also nur eine Schlussfolgerung – Varus mit seiner Leibwache und einigen höheren Offizieren befand sich in einer nur notdürftig hergerichteten Befestigung, man könnte es ein „Notlager“ nennen, und in diesem Notlager erfüllte sich letztlich das Schicksal der dort Eingeschlossenen, geschätzt zwei Stunden nach dem halb missglückten Einäscherungsversuch. Wenn das sich nun so verhält, stellt sich die Frage nach dem Schicksal des für drei Legionen errichteten Lagers, und hierzu darf man getrost die entsprechende Stelle bei Tacitus und Florus heranziehen und vergleichen.

Tacitus erwähnt, dass die Legionäre des Caecina „die Unglücksstätte betraten, grässlich anzusehen und voll schrecklicher Erinnerungen“ und damit nämlich
das Varuslager, eben die „Unglücksstätte“, in seiner ganzen Größe erblickten, offenbar unversehrt, jedoch fiel der Blick dann beim langsamen Betreten des immerhin ca. 60 - 70 Hektar messenden, mit den Baracken, Bauten, dem Kommandanturgebäude großenteils überbauten Lagers (zum Vergleich: 65 Hektar misst etwa die gesamte Altstadt von Paderborn!) und bei der weiteren Inaugenscheinnahme auf einen halb eingestürzten Verteidigungswall, wohl in einer erst nicht auffallenden Lagerecke, nach kurzer Zeit das zweite Lager, das die Reste zweier Legionen errichteten, eben das bewusste Notlager. Was konnte geschehen sein? Keine Zerstörungsspuren am ersten Lager, dem eigentlichen Lager, aber ein Notlager mit nur noch niedrigem Verteidigungswall in einer unübersichtlichen Lagerecke? Überall auf dem freien Gelände des „Campus“ des Lagers fand man die gebleichten Gebeine der abgeschlachteten Besatzung, die Caecina sammeln und unter einem aufgeschütteten Erdhügel bestatten ließ. Tacitus, wohl unter dem Eindruck der geschönten Senatsakten, welche die für Rom schändliche Lagereroberung durch die frei erfundene Version des „Todesmarsches“ ersetzten (möglicherweise der Schilderung des „Todesmarsches“ von Cotta und Sabinus in Caesars „De bello Gallico“ nachempfunden) , sagt weiter nichts über den tatsächlichen Hergang des Lagerdramas, wohl jedoch Florus, der als angeblicher Phantast viel gescholten wurde und noch wird. Nach ihm (durch Velleius Paterculus bestätigt) brachte er die Zeit des Sommerfeldzugs damit zu, von seinem (erhöhten) Tribunal aus Recht zu sprechen und Prozessformalitäten abzuhandeln. Somit hat Varus also wider alle Vorsicht zum Gerichtstag geladen („ausus ille agere conventum“), Germanen (mit ihren Waffen) strömten zum Tribunal mit erfundenen Rechtshändeln, im Lager hielten sich die römisch bewaffneten Hilfstruppen der Cherusker des Arminius, alias Erminiomerus, auf, bei drei Legionen dürften es etwa 700 - 900 Berittene gewesen sein, angesichts des Verrates des Cheruskerfürsten waren um das Lager herum in den Wäldern noch viele tausende seiner Verbündeten versteckt.

Wenn man nun davon ausgehen muss, dass die Legionen bis auf die Leibwache des Varus „gerichtsfrei“ bzw „dienstfrei“ hatten („tres vacuas legiones“ erwähnt Marbod ins einer abschlägigen Antwort an des Arminius Angebot, sich ihm anzuschließen) und sich in ihren Unterkünften unbewaffnet und ungepanzert ergingen, vielleicht dem Weine zusprachen (es mag des Kaiser Augustus Geburtstag gewesen sein, ein hoher Feiertag), dann trifft die Schilderung des Florus zu, dass sich die Hilfstruppen plötzlich (auf ein Zeichen) als Feinde zeigten und die wehrlosen Legionäre, oft noch in ihrem Unterkünften, niedermetzelten, während sich die im Lager befindlichen „Prozessteilnehmer“ am Massaker beteiligten und die in Sichtweite der Lagertore befindlichen Verbündeten über das Lager hereinbrachen – so Florus. Dabei ist es weniger wichtig, ob die Lagertore offen standen, sie wären von den meuternden Hilfstruppen in jedem Falle als erstes geöffnet worden, die Torwachen niedergemacht worden, um die außerhalb befindlichen Stammeskrieger hineinzulassen. Es ist nachvollziehbar, dass Germanicus, eingedenk dieses ruchlosen Überfalls auf Wehrlose, die ebenfalls infolge eines großen Festes betrunken umher liegenden und somit ebenfalls wehrlosen Marser gnadenlos niedermachen ließ (Tacitus: „In solcher Sorglosigkeit lagen sie überall zerstreut umher; sie fürchteten durchaus keinen Krieg, und auch der Friede, dem sie sich träge und schlaff hingaben, war nichts anderes als die Folge ihrer Betrunkenheit …
Bei der Truppe gab es keine Verluste, da sie Halbschlafende und Waffenlose oder einzeln Umherstehende erschlagen hatten“).


Und wenn man nun weiter bedenkt, dass in diesem Massaker nur noch ein Ausweg schien, nämlich sich in eine Lagerecke mit Leibwache und den Dienst habenden Wachen zurückzuziehen (vielleicht nur die erste Elitekohorte, etwa 800 Legionäre) und hastig ein Notlager zu errichten – die Lage bei der riesigen Größe des Lagers war völlig unübersichtlich geworden – so haben wir bereits das Schlussszenario, und hier stimmen dann wiederum Tacitus und Florus überein.

Als die Lage im Notlager hoffnungslos schien, riet einer der sich dort aufhaltenden Lagerpräfekten, Ceionius, zur „Übergabe“, gemeint ist, zur Übergabe des Notlagers, in der Hoffnung, das Leben der Verbliebenen zu retten („schändlich“ nennen die Quellen diesen Rat), während sein Mitpräfekt Lucius Eggius bis zum bitteren Ende kämpft, vermutlich, um den Rückzug der noch kampffähigen Legionäre sowie die Herrichtung der Notumwallung zu decken. Frontinius berichtet, dass Arminius abgeschlagene und auf Lanzen gespießte Köpfe gemeuchelter Legionäre an den Wall des Notlagers tragen ließ, wohl, um eine vorzeitige Übergabe zu erreichen, zu der Ceionius dann ja auch geraten hatte. Über das weitere Schicksal der Notlagerbesatzung ist nichts bekannt, wahrscheinlich wurden sie Verbündeten als unfreie Bauernknechte übergeben, während man sich der höheren Offiziere bemächtigte, um sie in umliegenden heiligen Hainen den Göttern als Opfer darzubringen.

Betont werden muss in dem Zusammenhange, dass ein Dreilegionslager drei Lagerpräfekten hatte, also einen pro Legion, was den Schluss nahelegt, dass der dritte, zusammen mit etwa einer Legion, sich in einem anderen Lager befunden haben musste, womöglich eben im Vorkastell „Aliso“, wo tatsächlich der fehlende dritte Lagerpräfekt Caedicius erwähnt wird. Das passt zu den Quellen, die verlauten lassen, dass Varus seine drei Legionen nicht an einem Platze konzentrierte, sondern – vermutlich nicht in allzu weiter Entfernung – über das Land verteilte. Und etwa eine knappe Legion insgesamt dürfte sich auch zum Lager Castra Vetera gerettet haben, wie die Reaktion des Augustus andeutet, der, anfangs sehr bestürzt, sich doch wieder fasste, als berichtet wurde, dass doch nicht alle (Legionen) umgekommen seien.

Im Notlager und auf den freien Plätzen um die Kommandantur sahen die Legionäre des Caecina dann nur noch Haufen bleichender Gebeine („medio campi“ – zu übersetzen als „mitten auf dem Gelände“, was an die Bedeutung des „Campus“ einer heutigen Universität erinnert, der ja auch teilweise überbaut ist), unklar ist, ob sich angesichts dieser Lage überhaupt noch wesentliche Teile der Besatzung retten konnten – ins nahe Lager Aliso bzw. Elison (hier fällt die starke Ähnlichkeit zum westlich von Paderborn, ganz nahe bei Neuhaus gelegenen Orte Elsen auf, dessen Name in Verbindung mit der Neuerrichtung einer „Burg Elison“, 1036 als „Nyenhus Ilasan“ in der „Vita Meinwerkii“ urkundlich erwähnt, auftaucht).

Und hier kommen wir zum Orte des Geschehens. Das Sommerlager des Varus kann nur ganz nahe am Nachschublager Aliso-Elison gelegen haben, sonst hätten sich, wie übereinstimmend berichtet, nicht Überlebende des Gemetzels nach dorthin gerettet haben, man bedenke, das Lager war voll von kämpfenden Germanen, durch die Lagertore drangen stets weitere Scharen nach. Es dürfte ausgeschlossen sein, anzunehmen, dass Varus sich mehr als einen Tagesmarsch vom Reservelager Aliso-Elison, in dem wohl der überwiegende Teil einer Legion untergebracht war, entfernt hatte. Varus, der für ca. 14000 Personen pro Tag etwa 400 Tonnen Verpflegung und für diese wie für tausende von Pferden und Maultieren sicher mehrere hunderttausend Liter Wasser benötigte, kann zur Stelle des Sommerlagers nur den Weg auf höher gelegenem Terrain an der Lippe entlang genommen haben, nur hier war Wasser in so großer Menge stets frisch vorhanden, nur auf der Lippe konnten die benötigten riesigen Nachschubmengen auf Lastkähnen transportiert werden.


Man dürfte aus allem wohl den Schluss ziehen, wie zuvor bereits Paul Höfer und Liese, dass als „Aliso/Elison“ nur ein ganz in der Nähe des heutigen Dorfes Elsen (einstmals „Elesen“ bzw. „Elisan“) gelegenes Kastell, höchstwahrscheinlich in Neuhaus gelegen, in Frage kommt, das gut verteidigt werden konnte, da drei Seiten des Lagers von Flussläufen geschützt waren. Nur Aushungern blieb bei einer solch sonst uneinnehmbaren, von Bogenschützen erfolgreich verteidigten Inselfestung den Germanen noch übrig. Damit darf durchaus vermutet werden, dass sich Varus im Lager (Paderborn?) ins Schwert stürzte und dass sich Reste der Lagerbesatzung, auf welche Weise auch immer, ins nahe, nur drei Kilometer vom Wall des Lagers Paderborn entfernte Vorkastell Neuhaus und von da weiter ins etwa acht Kilometer benachbarte Uferkastell Anreppen retteten, von wo, teils sicher auf den Marsch begleitenden Lastkähnen, letztlich der Durchbruch zum Lager Haltern, das Asprenas – so mag man vermuten - entsetzt hatte, um Ihnen zu Hilfe zu kommen, und dann zum Rheine gelang.


Das Geheimnis der von Tacitus verwendeten Bezeichnung Saltus gelöst



Europäischer Bruchwald - Morasko, Poznan, Frühsommer 2002
Urheber: Radomil auf Wikipedia GNU Free Documentation License
“umgeben von Sümpfen und Wäldern”


Laut dem Griechisch-lateinischen etymologischen Wörterbuch von Alois VaniCek. Erschienen bei Teubner, 1877, hat „Saltus“ auch die Bedeutung von Bruch² , was (laut dem deutschen Wörterbuch in sechs Bänden von Brockhaus-Wahrig die Bedeutung von Sumpfland, gar von bewaldetem Sumpf, hat.


Speziell bezieht sich das auf die von Tacitus erwähnten Befehl des Germanicus an seinen Legaten Caecina: „Præmisso Cæcina ut occulta saltuum scrutaretur pontesque et aggeres umido paludum et fallacibus campis imponeret“


(„Caecina wurde vorausgeschickt, um mögliche Schlupfwinkel in den Bruchwäldern zu durchsuchen und um Übergänge <über Wasserläufe> wie auch Dammwege über moorige Böden anzulegen“)


Wenn man die Stelle bei Tacitus „ … haud procul Teutoburgiensi saltu, in quo reliquiæ Vari legionumque insepultæ dicebantur“ ansieht als eine Änderung eines früheren Kopisten aus „haud procul Teutobrugiensi saltu“, käme man auf eine Übersetzung, die lautete etwa „unweit des Sumpflandes mit Namen Teutebruk“. Dieser Name bestünde aus dem Grundwort „Brug/Bruk, im heutigem Niederdeutschen entspräche dem „Brook“ bzw. Brok, aus dem sich „Bruch²“ hergeleitet hat, sowie aus dem Bestimmungswort „Teuto-„ in der Bedeutung „Grenze, Grenzregion“. Der Name „Teutobrug“ wiese somit auf die Bewohner des Bruchwaldgebietes im Oberlauf von Ems und Lippe, die Brukterer, zum anderen trüge es die Bedeutung der ausgedehnten Ödlandregion westlich des Osnings, die heute „Senne“ (aus „Sint-hidi“ für „Große Heide“) heißt. Bekanntlich rühmten germanische Stämme sich großer Einöden, die ihr Stammesgebiet von dem eines Nachbarstammes trennte, hierzu könnte die Senne gehört haben, die vor rund 2000 Jahren im westlichen und südwestlichen Teil in großen Bruchwaldzonen zwischen den Quell- und Unterlaufzonen der Ems und Lippe bestanden haben dürfte, die teils zusammenhängend waren, aber auch trockene, höher gelegene Flächen mit germanischen d.h. brukterischen, Streusiedlungen aufwiesen. Das Lager des Varus befand sich also in einer öden, von sumpfigen Bruchwaldgebieten durchzogenen Gegend, welche als Grenzwildnis die Siedlungsgebiete der Cherusker, Brukterer, Marser und Chatten voneinander trennte. Das Todeslager des Varus lag nach dieser These inmitten eines bewaldeten Sumpfgebietes ( Velleius Paterculus: „inclusus silvis, paludibus“), natürlich auf einer erhöhten, trockenen Fläche. Und das alles traf vor rund 2000 Jahren auf die Gegend der Senne nordöstlich von Paderborn zu. Vom wahrscheinlichen Ort des Standlagers der Varuslegionen gab es nur einen Weg zurück – Richtung Lippe und Richtung Rhein. Sicher nicht nach Paderborn und von da durch das Eggegebirge und weiter nach Norden bis zum Wiehengebirge (die Senne war damals ohne ausgedehnte Pionierarbeiten völlig unpassierbar) Damit ist die These von Kalkriese als Ort der Vernichtung der Varuslegionen hoffentlich endgültig vom Tisch.

Und tatsächlich sind noch heute deutliche Spuren eines großen Mehrlegionenlagers auf dem Wilhelmsberg nordwestlich des Nachschublagers Aliso erkennbar, im nordöstlichen Teil allerdings überbaut. Das vermutliche Lager des Varus lehnt sich, wie es scheint, mit dem südlichen Wall an einen kleinen Bachlauf an. Im Luftbild zeichnet sich etwa 90 Meter vom früheren Westtor sogar eine rundliche Erhebung, wohl der ehemalige Tumulus, ab, unter welchem die Gebeine der niedergemetzelten Legionäre beigesetzt wurden.


Grundwassermoorböden mit einer Torfmächtigkeit von 30-80 cm gab es früher großflächig in der Unteren Senne, z.B. die Espelner Wiesen, die Lauerwiesen, der Rengeringsbruch sowie der Sander Bruch unweit Paderborns). Erst nach dem 2. Weltkriege wurden in diesen Bereichen verstärkt Grundwasserabsenkungen vorgenommen, um die Flächen besser bewirtschaften zu können (Quelle: http://www.senne-portal.de/auskunft/allgemein/Moore.htm).


Da in Sumpfgebieten hauptsächlich Erlen, aber auch Grauweiden, wachsen, lag es nicht weit von Erlenbewuchs aufweisenden Überschwemmungszonen, den Flussauen. Tatsächlich finden sich Hinweise der römischen Quellen auf einen Fluss „Elison“, der in die Lippe mündet. Wenn man annimmt, es sei die heutige Alme gewesen, mit „ad caput Juliae“ sei die Einmündung der Pader in die Lippe gemeint, gelangt man ganz zwangsläufig zur hochwasserfreien Halbinsel, die heute von Schloss Neuhaus eingenommen wird.

In die Alme mündet, weiter von deren Mündung in die Lippe entfernt, der Ellerbach („Erlenbach“), dessen vermutete germanische Vorstufe „Alisan-Beke“ bzw. Alisan-Aha“ (Erlenbach) gewesen sein müsste. In germanischer Zeit dürfte die ganze Fluss-Strecke von der heutigen Almemündung bis zur Quelle des Ellerbachs als ein durchgehender Fluss angesehen worden sein. Der Name „Alme“ hingegen kann sich nur auf den Oberlauf der heutigen Alme beziehen, denn deren Name, der „Ulme“ bedeutet, weist auf Bäume hin, die in Flussauen nicht gedeihen. Laut Paul Höfer sind abweichende Namen für Oberlauf und Unterlauf gerade der Fließgewässer im in Frage stehenden Raum sehr häufig.

Auf der besagten hochwasserfreien, von drei Wasserläufen (Lippe, Elison, Pader –Julia) geschützten Fast-Insel Neuhaus wird das so gut wie uneinnehmbare römische Kastell „Aliso“ mehrfach erwähnt. Im Jahre 16 haben die Truppen des Germanicus die das Kastell Aliso belagernden Germanen vertrieben, um aber auch festzustellen, dass diese sowohl den Grabhügel mit den Gebeinen der Varuslegionäre als auch den Drususaltar zerstört hatten. Hieraus drängt sich die hohe Wahrscheinlichkeit auf, dass beide Landmale sozusagen in Sichtweite von Aliso lagen, jedenfalls unweit des Belagerungsringes der Germanen. Es kann sich allenfalls um eine Entfernung von wenigen hundert Metern gehandelt haben. In einem Halbkreis von ca. 3-500 Metern in nördlicher bis südlicher Richtung von Neuhaus - Aliso dürfte sich also das Lager des Varus befunden haben, da der Grabhügel der Varuslegionäre nicht weit von einem der Wälle des Todeslagers gelegen haben muss. Das Lager selbst wurde nach Tacitus unzerstört aufgefunden, wohl als gebannter, den Göttern geweihter Ort, der mit einem Tabu belegt war.

Anhänge


Elsbruch (d.h. „Erlenbruchwald“) bei Saarmund, Brandenburg

Urheber Urheber: Lienhard Schulz, Licensed under the GFDL Wikipedia



Hochwasser im Biosphärenreservat Mittelelbe,Dessau Mulde Flussaue Auwald (Urheber: M_H.DE, unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation auf Wikipedia veröffentlicht)

So etwa sahen die Lippe-Auen damals aus

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Varusschlacht oder Überfall im Lager?

28.11.2011 um 18:49

@Wydmond
Du bist Christian Nekvedavicius?

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Varusschlacht oder Überfall im Lager?

28.11.2011 um 18:50

Fein zusammenkopiert, Quellenangaben vergessen und Diskussionsgrundlage gibt es auch nicht, oder sie entgeht mir...

Außerdem:
Diskussion: Germanische Verschwörung im Jahre 9 A.D.



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