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Indianerperlen Eine Kindheit im Kohlenpott

... aus dem Blog von bluish   Profil von bluish

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Indianerperlen Eine Kindheit im Kohlenpott


04.06.2007 um 11:04, keine Kommentare

Man.Ind. Erinnerungen


Mein Freund,der Baum.

1963 schrieben wir und ich hatte nicht die Lehre, alsTankwart angetreten.Durfte auch nicht, Krankenschwester lernen.Mußte auf den Rat meiner Mutter, erst mal ein Haushaltsjahr hinter mich bringen.
Obwohl die Nonne im Krankenhaus ,mich schon auf den Weg bringen wollte.Nach einem Armbruch, der doch ziemlich kompliziert war,hielt ich mich noch mal 14 Tage, im Krankenhaus auf,es muß Ende November 1962 gewesen sein.Ich hatte mir Anfang August, meinen linken Arm gebrochen.Nicht nur einmal sondern gleich dreimal.Handgelenk,Unterarm und im Ellenbogen,dazu noch eine große Wunde, aus der ein Stück des Unterarmknochens herausguckte.Ich war mit Rollschuhen gelaufen.Der Dieter, der neben uns eingezogen war, wollte mich mal wieder jagen,er hatte mich schon öfter geärgert und ich hatte Angst, vor diesem Jungen.Er hatte Schuppenflechte und er war ziemlich frech.Ich beschleunigte mit meinen Rollschuhen,aber er war hinter mir her ,sah noch den Baum ,verschätzte mich,streckte meinen linken Arm aus, um mich fest zuhalten,aber schon haute ich mit voller Wucht ,mit meinem ganzen Arm vor den Stamm Als wenn ein Holzscheit zersplitterte,so wie ein leises Krachen,hörte und spürte ich ,wie mein Arm in mehreren Stücken einknickte.Ich fiel hin,spürte keinen Schmerz, aber als ich sah ,das mein Arm verdreht wie ein Fragezeichen da an mir hing ,das Stück Knochen rosaweiß aus dem Fleisch guckte,bekam ich Panik und schrie heulend los.Hellas Vater hatte das wohl mit angesehen,rannte über die Strasse,sagte zu mir ich soll schön ruhig sitzenbleiben,er würde schnell sein Auto holen.Packte mich dann hinein in seinen DKW und fuhr auf dem schnellsten Weg zum Krankenhaus mit mir.Als wir auf dem Wege waren ,sah ich Mutti.Sie kam uns mit ihrem Fahrrad entgegen Hatte zwei Eimer voll mit Gemüse am Lenker hängen.Sie war im Garten gewesen. Schaute in Gedanken, ins Auto hinein.Später erzählte sie mir,das sie so bei sich dachte,ach,das Mädchen sieht fast aus wie unsere Margell.Aber sie erfuhr dann auch bald ,das ich es war.
Die Nonne mochte mich wohl und schlug mir vor,wenn meine Schulzeit vorbei wäre,mich bei ihr zu melden.Ich müßte dann aber im Schwesternhaus, ein Zimmer bewohnen.Davon war Mutti nicht so begeistert und verbot mir überhaupt daran zu denken.Hermännchen hatte auch mit seinem Chef gesprochen und auch da sollte ich mich vorstellen.Aber Mutti meinte nur,das ist ja wohl nichts für Mädchen.Was sollte ich machen,sie meinte dazu noch,meine schulischen Leistungen,wären ja auch nicht so doll.Und ein Gespräch meiner Eltern,das ich belauschte,nahm mir jeden Ergeiz ,mich durchzusetzen.Ich war lange Zeit wie betäubt,als ich hörte,das ich wegen meines Herzfehlers,wohl nicht sehr alt werden würde und auch eigentlich später keine Kinder bekommen solle.Nun verstand ich erst den Wortlaut ,eines Gesprächs meiner Mutter,mit unserem Hausarzt,als wir dort wegen einer Untersuchung waren.Irgendwann vergaß ich es aber wieder,fügte mich und so nahm ich eine Stelle im Haushalt an.Versorgte einen kleinen Säugling,lernte Kochen ,konnte schon mit 15 Jahren ein kleines Büffee anrichten ,wußte wie leckeres Qittengelee zubereitet wurde und lernte sehr schnell, was sonst noch zu einer Haushaltsführung, dazu gehörte.....

Es muß später Nachmittag gewesen sein,als ich wie immer zu Fuß, meinen Heimweg,von meiner Arbeitstelle antrat,vorbei an der alten Wassermühle und dem Wegkreuz, mit gemauertem Bogen ging.Mulmig war mir jedes mal, wenn ich an diesem schwarzen Kreuz vorbei ging und mein Schritt wurde schneller.Unter der ersten Eisenbahnbrücke angekommen,hatte ich Herzstiche ,blieb stehen um etwas zu verpusten.Eigenartig still und geräuschlos war es.Keine Lock puffte wie sonst, über mir her.Kein lauter grüner Doppeldeckerbus, fuhr schratternd und stinkend an mir vorbei.Es war eine eigentümliche Stille,nicht ein Vogel sang in den Eschen, die rechts und links am Strassenrand standen.
Unter der zweiten Eisenbahnbrücke angelangt,ging ich wieder mit schnellerem Schritt und da hörte ich dieses kreischende Geräusch.Ich sah,während ich in die kleine Strasse, zu unserem Haus einbog,zwei große Laster quer über der Strasse stehen.Mehrere Leute standen auch dabei.Sie versperrten die Sicht,auf ein Geschehen,das ich mir nicht erklären konnte.Aber nun näherkommend ,sah ich es mit großem Schrecken.
Ich stand starr vor Schreck.Sah, wie ein Arbeiter mit einer großen Motorsäge Hand anlegte.Hand anlegte, an meine standhafte, alte Kastanie.Ilkas und mein wunderbarer, dicker Baum,in dem ich in Gedanken so oft herumgeklettert war.Der Schatzbaum,der unsere Kinderzeit bewahren sollte, auf ewige Zeit.
Mit kreischender Säge, die dazu auch noch einen klirrenden hohen Ton von sich gab,war der Arbeiter gerade dabei einen Keil, am unteren Stamm des Baumes hinein zu sägen.Am liebsten hätte ich ihm die Motorsäge aus der Hand geschlagen,machte schon einen Schritt vor,aber ein anderer Arbeiter hielt mich fest und schnautzte mich an.Ob ich wohl nicht wüßte, wie gefährlich das wäre.Es könnten sich Äste und große Splitter lösen,usw,"sagte er.
Fassungslos mußte ich mit ansehen,als die Säge sich immer tiefer, in den Stamm fraß.Aber meine starke Kastanie stand trotzdem fest und unbeweglich,wie eine Säule, auf ihrem Platz.Doch schon schob der Laster sich rückwärts an sie heran, stieß den Stamm mit einem krachenden,starken Ruck um.
Mit lauten Ächzen,fiel meine arme Kastanie zu Boden,Ich stand wie angenagelt und empfand diese Minuten wie in Zeitlupe.Und als wenn sie mir noch einmal zum Abschied winken wollte,zeigte ein langer Ast,der an seinem Ende, wie eine Hand aussah,in die Richtung unseres Küchenfensters.Von dort hab ich ja immer zugesehen,wenn sie kahl im Winter,dann aber ihre Äste oft, voller Schnee beladen waren. Und konnte es gar nicht erwarten,das sie wieder im Mai, mit zartem Grün ausschlug und dann später, ihre wunderbaren weißen Kerzen, in vollem Duft blühten.Aber auch nach einigen Wochen später,ihre Früchte,die schönsten glänzenden Kastanien,die es im ganzen Umkreis gab, los zu lassen, um sie uns Kindern zu geben.Wenn die Tage im Herbst nicht so gemütlich waren,wir uns mit ihren Kastanien ,zu gebastelten Figürchen ,die Zeit vertrieben.Und unter ihren schattenspendenden Ästen lag ich dann im Sommer an vielen Tagen angelehnt und schaute durch sie hindurch in den blauen Himmel.Ich spielte hier nun für mich allein,auch als Ilka nicht mehr kam.
Mit einem Ächzen,fast wie ein Schrei,den ich nie vergessen konnte,hörte ich sie fallen.Ach mein wunderbarer,starker Baum.
Ich schritt nun so schnell ich konnte ,durch die Lücke ,die sich gebildet hatte.Nahm kaum die anderen Leute, aus unserer Straße wahr,sie interessierten mich nicht.Rannte die Treppen, unseres Hausflurs hoch,und schaute mir nun,ausser Atem ,von oben das Drama an.
Eine große Leere war nun dort, wo der Baum einmal weit ausladend seine Äste ausstreckte.Ich heulte vor Wut und Trauer.Diese Mörder,sie haben mir meinen Baum erschlagen.
Der Stamm lag noch mehrere Tage dort,wo sie hingefallen war.Äste und Gezweig, wurden noch am gleichen Tag abgefahren.Das Wurzelwerk zogen sie mit einer dicken Kette und einem Bagger heraus.Auch dieser große entwurzelte Klumpen ,lag nun neben dem Stamm ,dunkel und zerupft.Am nächsten Morgen, lief ich so früh ich konnte, zu ihr hin.Dachte ,vielleicht liegt ja unser Kamm und der Löffel noch dort.Aber ich fand nichts mehr.
So streichelte ich noch einmal ihre Rinde,ach wie oft hatte ich diesen Baum umarmt, um zu messen,wie dick er war,oder wie lang unsere Arme waren. Nahm nun endgültig Abschied von meinem Weggefährten.Ein kleines Stückchen Rinde brach ich heraus,legte es zu den anderen Erinnerungen ,die ich in einer kleinen Schachtel aufbewahrte.Der Blick aus dem Küchenfenster war nun seiner Schönheit und die Herbst und Winternächte,eines vertrauten Geräusches beraubt.Er flüsterte nicht mehr, erzählte mir keine Sommermärchen in windigen Nächten, um mich in den Schlaf einzulullen.Er spielte nicht mehr mit den Schatten seiner Zweige an der Wand,zeigte mir keine Wundergestalten,Riesen,Kobolde,Feen ,Hexen und Löwen mehr.
Ein Abschnitt war nun zu ende. Fünfzehn Jahre alt,sagte ich nun ,"
Ade Kindheit ."
Ade Ilka und Schatz.Ade meine wunderschöne Kastanie.
Verf.Bluish
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