Oder: Das feurige Ende eines Schneeballs

Für die Erde wäre ein Einschlag dieser Größenordnung nicht ganz leicht zu verkraften gewesen, für die Sonne hatte er keine Folgen. Und doch sind die Bilder etwas ganz Besonderes, die Forscher der University of California in Berkeley am Montag auf einer Tagung der American Astronomical Society vorgestellt haben: Noch nie wurde ein Kometen bei seiner Kollision mit der Sonne so detailliert beobachtet.

Die Wissenschaftler konnten unter anderem mit Hilfe der "Stereo"-Sonden der Nasa den Weg des kleinen Himmelskörpers durch die unteren Schichten der Sonnenatmosphäre verfolgen - bis der Komet bei Temperaturen um die 100.000 Grad verdampfte. Die Zone der sogenannten Korona hatte der Kamikaze-Flieger noch weitgehend unbeschadet überstanden. In der tiefer liegenden Schicht aus Wasserstoff und Helium, der sogenannten Chromosphäre, war dann aber Schluss.

Normalerweise ist es schwierig, Brocken aus Eis, Staub und Fels bei ihrem finalen Kontakt mit der Sonne zu beobachten - zumindest in der letzten Phase des Anflugs. Dann strahlt die Sonne für die meisten Beobachtungsgeräte zu hell und macht die Beobachtung lichtschwächerer Objekte in ihrer unmittelbaren Nähe unmöglich.

Den Forschern gelang es nun aber, aus den "Stereo"-Daten die Bahn des Kometen um die Sonne zu berechnen - und mit Hilfe dieser Informationen die letzten Tage seines kosmischen Lebens zu beobachten. Dafür nutzten sie auch das Mauna-Loa-Teleskop auf Hawaii. Weil sie mit Hilfe der Bahnkalkulation das Areal des Kometenaufschlags auf 1000 Kilometer genau berechnet hatten, wussten die Wissenschaftler, welche Bereiche der Sonnenatmosphäre sie in den Blick nehmen mussten.

Aus der Länge des Kometenschweifs von drei Millionen Kilometern schließen die Forscher, dass er zumindest zum Teil aus schwereren Elementen bestanden haben muss. Das würde auch erklären, warum er den Höllenritt durch die Sonnenatmosphäre zumindest einige Zeit überstanden hat.

Die Forscher vermuten, dass der Komet zur sogenannten Kreutz-Gruppe gehört. Einige Mitglieder wurden im Jahr 2004 von der Gravitation des Jupiters aus ihrer bisherigen Umlaufbahn um die Sonne befördert - und kommen ihr nun auf ihren neuen Bahnen gefährlich nahe.

Bilder:
image-91117-galleryV9-qydu
image-91134-galleryV9-pngd
image-91131-galleryV9-qnst
image-91115-galleryV9-cyew
image-91118-galleryV9-plli
image-91137-galleryV9-lmxu

Video:
http://www.spiegel.de/video/video-1067027.html

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,696542,00.html