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Es gibt keinen Weg zum Glück

... aus dem Blog von boisse   Profil von boisse

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Es gibt keinen Weg zum Glück


28.01.2008 um 21:16, keine Kommentare
Der Buddhismus wurde vom Buddha bezeichnet als die Lehre von:

1. der Erkenntnis der Existenz von Leid an sich,
2. der Erkenntnis der Bedingungen von Leid als Wirkung dieser Ursachen,
3. der Erkenntnis der verursachten Aufhebung von Leid durch die Veränderung der dazu führenden Bedingungen,

sowie

4. der Möglichkeit zur Entwicklung von Ursachen, deren Wirkung die Befreiung von Leid als Wirkung leidvoller Ursache ist.

Die nicht entwickelte Erkenntnis dieser „Vier Edlen Wahrheiten“ bezeichnete der Buddha entweder als Dummheit - „das Offensichtliche nicht wissen wollen“ oder als Nichtwissen -„das Offensichtliche nicht sehen können“- welches von ihm als einzige Ursache für Leid - als Leid an sich definiert wird, da aus Leid selbiges resultiert. Leid bedingt sich selbst und eben darin sah der Buddha den tieferen Sinn von Leid. Die Erkenntnis der Selbstbedingung von Phänomenen, ob Leid oder Glück, enthält den Schlüssel zu ihrer Verwirklichung.

Diese, als Konditionalnexus bezeichnete, und vor ca. 2500 Jahren geschaute Lehre der gegenseitigen Abhängigkeit, respektive irreversiblen Verbindung der Ursachen von Phänomenen, mit ihren Wirkungen, den daraus entstehenden Phänomenen selbst, definiert alle Phänomene als Wirkung von sie bedingenden Ursachen. Somit sind Phänomene als Wirkung ihrer eigenen Ursachen erkennbar. Eine Wirkung ist sichtbare Ursache und damit sind Ursache und Wirkung zwei sich bedingende Zeitaspekte von Phänomenen. Die Gegenwart von Phänomenen ist der, die Ursache als Vergangenheit und ihre Wirkung als Zukunft verbindende, und damit beide beeinflussende Moment.

Die zur Befreiung von Nichtwissen ursächlichen Intensionen, und die mit ihnen verbundene Hinwendung zur Erkenntnis dieser sich gegenseitig bedingenden Aspekte der Wirklichkeit, bezeichnete er als den "Edlen Achtfachen Pfad" und definierte die Not wendenden Bedingungen zur Leidbefreiung:
1. Vollkommene Einsicht – als geistiges Resultat der Konsequenz der Erkenntnis dieser Lehre,
2. Vollkommener Entschluss - als Wille zur Nutzung dieser Konsequenz als Montagepunkt der Wahrnehmung und Schaffung von Phänomenen,
3. Vollkommene Rede – als die Fähigkeit zur Definition von immateriellen Beziehungskoordinaten und damit syntaktische Bedingung für die Entstehung von Phänomenen,
4. Vollkommenes Handeln – als Verifizierung, Justierung und Entwicklung der Erkenntnis der Entstehung von Phänomenen.
5. Vollkommene Lebensweise – als Resultat der Einsicht, des Entschlusses, der Rede und des Handelns,
6. Vollkommene Bemühung – als allumfassende Aufmerksamkeit auf die Erhaltung und Erneuerung der Einsicht, des Entschlusses, der Rede und des Handelns,
7. Vollkommene Verinnerlichung – als Wirkung und Bedingung des Schaffens dieser Bedingungen,
sowie
8. Vollkommene Vertiefung – als Wirkung aller Bedingungen und Ausdruck der aus Erkenntnis resultierenden, sich selbst bedingenden, von Leid befreiten Existenz als Wirkung ihrer Ursache – sich selbst.

Die einzig mögliche Schlussfolgerung aus dieser Interpretation der Realität, zugleich Chance und Bedingung, ist die individuelle Interpretation der Wahrnehmung von Glück und Leid als Wirkung aufgrund verursachender Intensionen. Diese individuelle Interpretation ist Bedingung ihrer kollektiven Wirkung, welche als Bedingung ihrer selbst solange wiederkehrt, bis sie in ihrem intendierten Impetus durch den Willen des sie erschaffenden Bewusstseins verändert wird. Dies bedeutet letztendlich keinen Zwang zum Glück oder Leid, jedoch immer eine mindestens 50%ige Wahrscheinlichkeit der Realisierung der individuellen Intension, welche die kollektive Wirkung und damit zukünftige individuelle Ursachen erschafft.

Als Resultat dieser Interpretation kommt nur die Annahme eines Absoluten Raumes kollektiven Bewusstseins in Frage, welcher als Wirkung der Relativen Form individuellen Bewusstseins entsteht und gleichermaßen dessen Ursache ist. Das Bewusstsein nimmt demnach seine eigenen, sich in der Zeit befindlichen Bewusstseins-Inhalte im Raum der Ursache und als Form der Wirkung wahr.

Das Verständnis der Einbettung von Raum als Ursache und Form als Wirkung in der Dimension der Zeit als Erfahrungszeitraum, ist die Chance zur Ablösung des individuellen Anhaftens an förmliche, also ebenso individuelle Aspekte der Erfahrung als einzigen Maßstab der Wahrnehmung der Realität. Diese Ablösung und die daraus resultierende Erweiterung des Definitionsspielraumes räumt dem Bewusstsein einen großzügigeren Umgang mit seinen Inhalten ein.

Die Definition individuellen Glücks als Ziel verursacht zwangsläufig die Annahme der Möglichkeit einer Abwesenheit von Glück. Da Leid jedoch im Bewusstsein ebenfalls die Abwesenheit von Glück bedeutet, verursacht jede Zielsetzung und Definition von Glück einen Zustand in dem Glück a priori abwesend ist – also Leid. Daran kann der so genannte „gute Wille“ nur etwas ändern, wenn er jenseits von Gut und Böse nach Möglichkeiten der Interpretation einer jenseitigen Realität sucht, womit wir verstehen können, warum diese Theorie als „Vier Edle Wahrheiten“ und die Praxis als „Edler Achtfacher Pfad“ bezeichnet wird, da beides zur vollkommenen, weil alles einbeziehenden Wahrnehmung der Realität führt – ohne alles wahrnehmen oder wissen zu müssen.

Der Buddha bezeichnete diese Lehre als Fahrzeug über den Fluss der ewigen Wiederkehr von ewig gleicher Ursache zu ewig gleicher Wirkung – dem „Samsara“. Das Ufer der Erkenntnis, welches durch den Fluss in Ewigkeit verbunden bleibt – sie bedingen sich – nannte er „Nirvana“. Aus dieser Verbundenheit ist Samsara die Bedingung seiner Wirkung, des Nirvana, sowie die Wirkung Nirvana, neue Ursache für Samsara bedeutet. Der Weg ist das Ziel. Diese Erkenntnis führt zur endgültigen Auflösung eines als Ursache nie vorhanden gewesenen, aber als wirkende Realität empfundenen, weil durch Nichtwissen erschafften Widerspruchs zwischen Samsara als Form und Nirvana als Raum. Beide bedingen sich zeitlos, aber beide sind leer von zeitlosen Bedingungszuständen, weil der „Ewige Fluss des Seins“ – voll ist mit sich ewig verändernden, also temporären, weil sich gegenseitig erzeugenden und verändernden Aspekten kollektiven Bewusstseins. Die Leere ist mit ihrem formlosen Bewusstsein gefüllt, welches ewig scheinbare Form als individuellen und temporären Ausdruck ihrer selbst erzeugt. Sie ist das Ewige und Zeitlose, welches alles Entstehen, jede Veränderung und damit alles Unbeständige in ihrer Beständigkeit bewahrt.

Ab dieser Erkenntnis ist das Bewusstsein nicht mehr an Form gebunden – es ist zeitlos – jenseits von Zeitraumerscheinungen. Durch diese Wirkung kann das Bewusstsein an sich, als eine „die Zeit, den Raum und die Form transzendierende, dadurch alles einschließende Metadimension“ interpretiert werden. Eine daraus resultierende Realität kann wahrhaftig als unmenschlich oder als eine über den menschlichen Bewusstseinszustand hinaus weisende Wahrnehmung bezeichnet werden.

Auf dieser, Erleuchtung genannten Stufe der Erkenntnis, gibt es keine andere Ursache als Mitgefühl zu allen Wesen, keine andere Erkenntnis als die Lehre von den Ursachen der Entstehung von Phänomenen und keine andere Wirkung als Glück.
"Es gibt keinen Weg zum Glück - glücklich Sein ist der Weg."

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