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Der Fall Jens Söring

27.852 Beiträge, Schlüsselwörter: Mord, Kino, Gefängnis, Messer, Karten, Sohn, Doppelmord, Unschuldig, Richter, Schuldig, 1985 + 24 weitere
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Themen-Wiki: Der Fall Jens Söring

Der Fall Jens Söring

27.06.2020 um 08:08
Jamegumb schrieb:Mancher scheint tatsächlich einen Videobeweis zu erwarten. Aber selbst der würde vermutlich als Fake bezeichnet werden.
eben. Den gab es z. B. bei dem Mörderpärchen Homolka/Bernardo und trotzdem glaubt die neue Frau von Bernardo, er sei unschuldig. Wenn man etwas nicht sehen möchte, dann sieht man es nicht.


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Der Fall Jens Söring

27.06.2020 um 08:23
@Jamegumb
Ich verstehe es auch nicht , wieso immer darauf rumgeritten würd " es war NUR ein reiner Indizien Prozess "
Vor allem, wenn der Täter das beste Indiz selbst geliefert hat . Tat / spuren verwischt / flucht/ tatnachverhalten in GB / Geständnis inclusive der Nennung seines Motives .
da lacht jedes ermittlerherz . Jens Söring hat es allen sehr leicht gemacht .

Indizien Prozesse sind vollwertig und kein Ersatz für irgendetwas . Herr S . hatte wahrhaftig alle, aber auch alle Möglichkeiten über die Jahre , irgendetwas zu entkräften . Wie oft stand er vor dem Parole Board ? Und am Ende ist es ihm nicht gelungen . Die Ursache dafür hat er selbst geliefert. Indizien .

Würde man Indizien Prozesse bei allem und jeden so hinterfragen , würde zB eine Frau Tschäpe nicht sitzen . Eigentlich würde man erst gar keine Indizienprozesse bzw deren Urteile anerkennen dürfen .
Jens einziger Vorteil war, Deutscher zu sein , Spektakel zu veranstalten , Papier zu Büchern binden zu lassen , genug Leute vor seinen Karren zu spannen . Viel Phantasie zu haben . Nur so konnte er sich jahrelang regelmäßig als eigentlich " politischer " Gefangener inszenieren .
Man muss nur hartnäckig sein , die Mittel haben und auf die " richtigen " Knöpfe bei den richtigen Leuten draußen drücken .
Bei ihm hat das richtig gut funktioniert . Nur eben ohne Auswirkung auf das Urteil,. Und ich denke , das wird ihn für den Rest der Tage umtreiben . Das wird auch der Grund sein, dass seine Leute so bissig reagieren . Man hätte zu gerne, dass die Öffentlichkeit hier glaubt, man hätte ihn abgeschoben , weil man Zweifel am Urteil hatte. Das dem so nicht ist , hat das parole Board so dargelegt . Wer will schon abgeschiben werden aus " Kostengründen "


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27.06.2020 um 10:02
redsherlock schrieb:Aber generell muss ein rechtsgültiges Urteil nicht der Wahrheit entsprechen. Die Wahrheit kennen wir nicht.
So ist das. Wobei wir es uns angewöhnt haben, sowohl bei einer "prozessualen Wahrheit" grundsätzlich von einem Faktum auszugehen, wie auch bei einer "wissenschaftlichen Wahrheit", obwohl sie ja auch nur der Stand des letztmöglichen Irrtums ist.

Philosophisch betrachtet kennen wir nie die Wahrheit bzw. ist unsere Wahrheit das, was wir subjektiv dafür halten. Da man damit kaum vernünftig arbeiten könnte, hat man sich auf eine wie auch immer geartete objektive Wahrheit als Ergebnis geeinigt. Die lautet ungefähr so: "Der Täter wurde verurteilt. Deshalb wird er bestraft. Das Urteil ist rechtskräftig. Also hat es keine Fehler. Also wird der Täter auch der wirkliche (!) Täter sein."

Die Wahrscheinlichkeit, ob die prozessuale Wahrheit mit der objektiven Wahrheit übereinstimmt, ist umso höher, je besser das Rechtssystem ist. Und die Übereinstimmung mit der subjektiven Wahrheit hängt davon ab, wie groß das Vertrauen in die Institution oder der persönliche Kenntnisstand sind.
borabora schrieb:Demnach wären weder Söring noch Elizabeth die Täter.
Nein. Das ist nur eine Möglichkeit. Die Unwahrscheinlichste. Es können auch beide zusammen gewesen sein, oder nur Elizabeth, oder Elizabeth und Dritte oder Jens und Dritte.


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27.06.2020 um 10:17
monstra schrieb:Nein. Das ist nur eine Möglichkeit. Die Unwahrscheinlichste. Es können auch beide zusammen gewesen sein, oder nur Elizabeth, oder Elizabeth und Dritte oder Jens und Dritte.
Also wenn Du schon Wert darauf legst, dass auch wirklich alle möglichen Varianten genannt werden:

In Deiner Aufzählung fehlt die Möglichkeit eines gemeinschaftlich verübten Selbstmordes des Ehepaar Haysoms mit der anschließenden Leichenschändung durch Mrs. Massie.


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27.06.2020 um 10:46
Mr.Stielz schrieb:die Tennisschuhe der Marke New Balance hatten vorne und hinten nach oben gewölbte Sohlen, was wahrscheinlich auch die exakte Bestimmung der Größé nicht vereinfacht hat.
Und den Ermittlern ist nicht aufgefallen, dass ein "running type tennis shoe", den sie als Spurenverursacher im Verdacht hatten, Spuren hinterlässt, die kleiner ausfallen als vermutet. Weswegen sie auch Jahre später noch glaubten, die Schuhspur stamme von einer Frau.

Sie haben sich vertan, wie der Beamte, der das Fax schrieb, in dem von einem Täterprofil die Rede ist. Und wie Staatsanwalt Updike, der irrtümlicherweise mit einem Täterprofil argumentierte, das es eigentlich gar nicht gab.

Auch eine Möglichkeit.

Aber nachdem ich die Aufnahme mit dem Verhör gehört habe, wundere ich mich, dass sich die Ermittler mit der Version, Söring wäre alleine am Tatort gewesen, zufrieden gaben.

Klar, Söring sagt immer wieder, Elizabeth sei nicht dabei gewesen. Er sagt einmal, falls Elizabeth was anderes sage, dann nur "to try to play the hero" (Min 20:00). Das schon alleine ist merkwürdig. Mich wundert, dass daraus nicht die Hypothese eines gemeinschaftlich verübten Mordes entstand.

Und in Anbetracht dessen, wirken die Spuren, die auf eine Frau am Tatort hindeuten wie passende Puzzleteile.

Keine Ahnung, was wirklich passierte. Aber ich verstehe nach Anhören des Verhörs noch weniger, warum sich die Ermittler auf Söring als Alleintäter festlegten.

Mich würde an dieser Stelle die restlichen Aufnahmen der Verhöre interessieren. Und vor allem die Aufnahmen aus den Verhören mit Elizabeth Haysom.


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27.06.2020 um 11:13
monstra schrieb:Nein. Das ist nur eine Möglichkeit. Die Unwahrscheinlichste. Es können auch beide zusammen gewesen sein, oder nur Elizabeth, oder Elizabeth und Dritte oder Jens und Dritte.
oder es waren völlig andere gewesen und die beiden sind aus einem ganz anderen Grund geflohen. Es könnte sein, dass die Briefe ein anderer gelesen hat und die Morde begangen hat. Sie fühlten sich schuldig und sind geflohen und haben in einem lichten Moment gemeinsam gestanden. Einfach so, mit dem Wissen, dass sie zum Tode verurteilt werden können.

Ein Grund warum JS auch noch gestanden haben könnte ist, weil er die Todesstrafe umgehen wollte. Sein Geständnis beruht darauf, dass es keine geplante Tat gewesen ist. Die Situation sei eskaliert. Also quasi eine Tötung aus dem Affekt heraus.


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27.06.2020 um 12:41
monstra schrieb:Nein. Das ist nur eine Möglichkeit. Die Unwahrscheinlichste. Es können auch beide zusammen gewesen sein, oder nur Elizabeth, oder Elizabeth und Dritte oder Jens und Dritte.
Ja es gibt viele Möglichkeiten, habe ich doch jetzt erst mit Interesse den Fall der Lizzy Borden gelesen, die ihren Vater und ihre Stiefmutter mit einer Axt getötet haben soll.

Es gibt noch ein paar andere Beispiele, wo Frauen mit Messer oder eben auf sehr brutale Art und Weise töten.

Deshalb sollte man schon auch eine Einzeltat von EH in Betracht ziehen, auch wenn kein Blut oder nur ein kleiner Teil gefunden wurde.
DNA war ja sowieso egal , sie lebte mehr oder weniger dort.


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27.06.2020 um 12:55
@Venice2009
Richtig und Andrew Hammel hat es wunderbar zusammengefasst. Wenn man seine Situation zu der Zeit ins Gedächtnis ruft, sind die Geständnisse absolut nachvollziehbar. Er hatte Schiss vor dem Old Sparkey und betrieb Schadensbegrenzung. Tatsächlich hätte man ihn mit den umfassenden, detaillierten Geständnissen wohl auch nicht auf den elektrischen Stuhl gesetzt. Zu dem Zeitpunkt dachte er uA auch, dass man Videoaufnahmen aus dem Marriott hatte. Dass dem nicht so ist, erfuhr er erst viel später.


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27.06.2020 um 14:29
Jamegumb schrieb:Wenn man seine Situation zu der Zeit ins Gedächtnis ruft, sind die Geständnisse absolut nachvollziehbar. Er hatte Schiss vor dem Old Sparkey und betrieb Schadensbegrenzung. Tatsächlich hätte man ihn mit den umfassenden, detaillierten Geständnissen wohl auch nicht auf den elektrischen Stuhl gesetzt. Zu dem Zeitpunkt dachte er uA auch, dass man Videoaufnahmen aus dem Marriott hatte. Dass dem nicht so ist, erfuhr er erst viel später.
Du schaust in Köpfe, weißt was jemand warum gedacht und gesagt hat und dass jemand Angst hatte, dann weißt du anscheinend auch noch, dass ihm keine Todesstrafe gedroht hätte.
Danach meinst du auch noch zu behaupten, dass er dachte es gäbe Videoaufnahmen.

Der blanke Wahnsinn.


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27.06.2020 um 14:42
http://www.eugrz.info/PDF/EGMR4/EGMR04-27.pdf
Das von @Watt freundlicherweise hier eingestellte Urteil des Europäischen Gerichtshofes wirft einem Nicht-Juristen wie mir auch weiter einige Fragen auf. Wenn man z.B. liest:
"c) Verfahren vor den englischen Behörden
[21.] Im Verfahren zur Prüfung der Auslieferungshaft fand am 16. Juni 1987 vor dem Bow Street Magistrates’ Court eine mündliche Verhandlung statt. Die Regierung der Vereinigten Staaten legte Beweise dazu vor, dass der Bf. in der Nacht vom 30. März 1985 William und Nancy Haysom in deren Haus getötet hat. Die Regierung stützte sich im Wesentlichen auf das Geständnis, wie es in der Niederschrift des Polizeiinspektors von Bedford wiedergegeben war."


Warum zog JS sein Geständnis nicht einfach schon in England zurück, nachdem seine schrecklich Geliebte vor der Todesstrafe gerettet war?
Weil er als selbernannter „Unschuldiger“ sonst ausgeliefert worden wäre?

Aber wie ich hier auch lese, scheint es gar nicht so wichtig für eine Auslieferung zu sein, was der Beschuldigte äußert ("schuldig oder nicht schuldig"). Entscheidend ist, ob in den USA eine Mordanklage existiert:
"[30.] Die Auslieferung an die Vereinigten Staaten ist in einem Auslieferungsabkommen von 1972 (und Vertragszusätzen von 1982 und 1986) geregelt. Ausgeliefert werden sollen alle Personen, die wegen einer Straftat angeklagt oder verurteilt wurden, die im Herrschaftsbereich der anderen Parteibegangen wurde"

Aber angeklagt wurde er in den USA doch hauptsächlich wegen seines Geständnisses?
Warum zog er dieses nicht allein deshalb wieder zurück?

Dass das Geständnis für den Europäischen Gerichtshof nicht so entscheidend war, sagt doch auch folgende Passage, wo eingeräumt wird, dass diese Geständnis an anderer Stelle gar nicht so stabil sei:
"94. Wie der Bf. selbst hervorhebt, hat er gegenüber amerikanischen und britischen Polizeibeamten und gegenüber zwei Psychiatern eine Beteiligung an der Tötung der Haysom Eltern zugegeben, obwohl er dies im Verhör beim deutschen Staatsanwalt wieder etwas zurücknahm (s.o. Ziff. 13, 16 und 21)."

Für den Europäischen Gerichtshof schien es auch keine Rolle zu spielen, ob es bei einer Auslieferung zu einer Verurteilung oder einem Freispruch kommt. (Wer kann das schon vorhersagen?):
"Es ist nicht Aufgabe des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, sich die Funktion der Gerichte in Virginia anzumaßen und auszusprechen, dass die Verteidigung wegen Geisteskrankheit aufgrund der vorliegenden psychiatrischen Beweislage möglich oder nicht möglich ist. Es muss daher der Regierung des Vereinigten Königreichs Recht gegeben werden, dass eine Vorhersage kaum möglich ist, ob der Bf. auf jeden Fall oder nur wahrscheinlich wegen des ihm zur Last gelegten Mordes verurteilt wird (s.o. Ziff. 13 a.E. und 40). Dennoch besteht, wie der Generalstaatsanwalt im Namen der Regierung in der mündlichen Verhandlung eingeräumt hat, „ein signifikantes Risiko“, dass der Bf. tatsächlich [der Anklage entsprechend] verurteilt wird."

Bisher hatte ich als Laie immer verstanden, dass Söring an seinem „falschen Geständnis“ festhalten musste, weil Europa ihn sonst als „Unschuldigen“ in jedem Fall ausgeliefert hätte. Weil in den USA kein Unschuldiger zum Tode verurteilt würde.

Ich find das alles sehr verwirrend.


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27.06.2020 um 14:50
silentlistener schrieb:In Deiner Aufzählung fehlt die Möglichkeit eines gemeinschaftlich verübten Selbstmordes des Ehepaar Haysoms mit der anschließenden Leichenschändung durch Mrs. Massie.
Nein. Dafür gibt es keine Anhaltspunkte. Die Verletzungsspuren lassen diese Variante kaum zu...
Bluelle schrieb:Du schaust in Köpfe, weißt was jemand warum gedacht und gesagt hat und dass jemand Angst hatte, dann weißt du anscheinend auch noch, dass ihm keine Todesstrafe gedroht hätte.
Danach meinst du auch noch zu behaupten, dass er dachte es gäbe Videoaufnahmen.
Sehe das eher als These für die Frage, warum Söring gestanden hat. Nicht als Behauptung. Mir bleibt schleierhaft, warum die beiden in Großbritannien überhaupt gestanden haben. War es ein Plan? Dachte man, man könne so eine Auslieferung verhindern? Die Variante: Aus Angst vor dem E-Stuhl und der Beweismittel und Videos wegen halte ich für eher fernliegend.
Die beiden hatten Monate Zeit, ggf. jeder für sich, zu überlegen, was man denn in einer solchen Situation machen würde. Nur wenn sie in den USA festgenommen worden wären, hätte ich die Möglichkeit eines Geständnisses, "um zu retten, was noch zu retten ist" in Betracht gezogen. In UK hätte ich erst einmal gewartet, was passiert.
silentlistener schrieb:Warum zog JS sein Geständnis nicht einfach schon in England zurück, nachdem seine schrecklich Geliebte vor der Todesstrafe gerettet war? Weil er als selbernannter „Unschuldiger“ sonst ausgeliefert worden wäre?
Wie das taktisch einzuordnen ist, die Erfolgsaussichten vor dem EuGH, weiß ich nicht. Ob es dazu des Geständnisses bedarf. Es erscheint jedenfalls nicht abwegig, wenn man argumentiert, mir droht die Todesstrafe, weil ich gestanden habe. Ob die verhängt wird kann der EuGH nicht sagen, aber das Risiko ist mit Geständnis jedenfalls deutlich höher.
silentlistener schrieb:Dennoch besteht, wie der Generalstaatsanwalt im Namen der Regierung in der mündlichen Verhandlung eingeräumt hat, „ein signifikantes Risiko“, dass der Bf. tatsächlich [der Anklage entsprechend] verurteilt wird."
Deshalb hat der EuGH dann auch entschieden: Auslieferung nur gegen Zusicherung, nicht die Todesstrafe zu verhängen. So hätte er vielleicht auch ohne Geständnis entschieden, aber das ist Spekulation.


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27.06.2020 um 15:14
monstra schrieb:Mir bleibt schleierhaft, warum die beiden in Großbritannien überhaupt gestanden haben.
Schätzungsweise, weil die Vernehmungsbeamten beide gegeneinander ausgespielt haben.

Elizabeth wurde suggeriert, Söring schiebe ihr alles in die Schuhe:
yasumi schrieb am 13.06.2020:Late Sunday night she called for Ken Beever who decided it was time to play a little game of his own:

"Initially she asked me if I'd spoken to Jens. I told her that I had and she asked me, she said, well what has Jens said to you, has he told you anything? I said well I can't discuss that with you Elizabeth, but one thing I will tell you is that I'm extremely pleased with the way the investigation is going.
In saying that I close the wicker, lock the door. I wanted to give an air of confidence I walked away from the door whistling as I walked along the solo passage."

Minutes later Elizabeth Haysom asked to make a statement waving her right to wait for a lawyer. She than detailed her version of the events surrounding the murders.
Und ihm wurde vermutlich gesagt, sie habe gestanden.
Und er hat darauf erwidert, das tue sie nur,
yasumi schrieb:to try to play the hero
Und hat dann selber gestanden: Er war es. Und zwar allein.

So ist das vielleicht abgelaufen.


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27.06.2020 um 15:19
monstra schrieb:Es erscheint jedenfalls nicht abwegig, wenn man argumentiert, mir droht die Todesstrafe, weil ich gestanden habe.
Das Geständnis war einmal in der Welt und damit auch die Mordanklage. Unabhängig davon, ob er das Geständnis wieder zurückgezogen hätte.

Aber zumindest für sein eigenes Gewissen und seine heutige Glaubwürdigkeit hätte er das Geständnis zurückziehen müssen.

Schließlich ist ihm das äußerst wichtig. Denn wie er bei Lanz sinngemäß meinte, sei er lieber im Gefängnis geblieben, als fälschlicherweise zu sagen, dass er schuldig sei:
"Man muss sagen: Ich wars und es tut mir leid. Und das waren Worte, die ich nie sagen können würde .... Deshalb würde ich nie entlassen werden."

Dass er das jahrelang gesagt hat, wird aus dramaturgischen Gründen an dieser Stelle wieder verschwiegen.
Oder meint er den Teil mit der Reue?

Markus Lanz vom 14. Mai 2020 (Jens Söring sowie der Jurist und Kriminologe Prof. Bernd Maelicke)
(ca. 12:40)


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Der Fall Jens Söring

27.06.2020 um 15:27
yasumi schrieb:Und er hat darauf erwidert, das tue sie nur,
yasumi schrieb:
to try to play the hero
Und hat dann selber gestanden: Er war es. Und zwar allein.
War dem so "to try to play the hero"? Wann und wo sagt er das?

Ich habe da einen völlig anderen Kontext im Kopf:
19:39: “She did in fact not” go with me to Loose Chippings. Söring claims he’s worried Elizabeth will “try to play the hero”.
https://hammeltranslations.com/2020/06/22/jens-sorings-june-5-1986-recorded-interview-in-full/

So ähnlich auch im Geständnis gegenüber dem deutschen Staatsanwalt später: Er sei deswegen alleine zu Elizabeths Eltern gefahren.


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27.06.2020 um 15:32
silentlistener schrieb:Aber zumindest für sein eigenes Gewissen und seine heutige Glaubwürdigkeit hätte er das Geständnis zurückziehen müssen.
Das hat er 1990. Und dabei ist er dann geblieben. Hätte er es 1986 zurückgezogen, hätte sich weder an seinem Gewissen (warum auch?) noch an seiner Glaubwürdigkeit etwas ändern müssen.

Auch dann hätte man sagen können/ja müssen: Das Geständnis hat er zurückgezogen, weil sich seine Motive geändert haben, nicht aber der Wahrheitsgehalt des Geständnisses.

Rein taktisch hat er es jedenfalls 1990 zurückgezogen, weil er gemerkt hat, dass die Beweise gegen ihn so schwach waren, dass er ohne Geständnis eine Chance haben könnte, aus der Nummer mit Freispruch rauszukommen. Mit wäre er nie rausgekommen. Jedenfalls nicht bei einer Jury.


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27.06.2020 um 15:40
monstra schrieb:Das hat er 1990. Und dabei ist er dann geblieben. Hätte er es 1986 zurückgezogen, hätte sich weder an seinem Gewissen (warum auch?) noch an seiner Glaubwürdigkeit etwas ändern müssen.

Auch dann hätte man sagen können/ja müssen: Das Geständnis hat er zurückgezogen, weil sich seine Motive geändert haben, nicht aber der Wahrheitsgehalt des Geständnisses.

Rein taktisch hat er es jedenfalls 1990 zurückgezogen, weil er gemerkt hat, dass die Beweise gegen ihn so schwach waren, dass er ohne Geständnis eine Chance haben könnte, aus der Nummer mit Freispruch rauszukommen. Mit wäre er nie rausgekommen. Jedenfalls nicht bei einer Jury.
Alles richtig.

Mir persönlich geht es alleine um die Beantwortung der Frage:
War er es oder war er es nicht?
Und weil keine Videokamera auf den Täter gerichtet war:
Ist Jens Söring glaubwürdig oder nicht?
Sehe ich bei Lanz den wahren Söring?
Oder gibt es noch einen anderen Söring?

Ob eine Frau Haysom aus (in) Kanada es auch war, ist für meine persönliche Neugierde unerheblich.
Ich möchte ausschließlich wissen, ob dieser Schriftsteller, Doku-Darsteller, Meinungsmacher aus dem Fernsehen echt ist oder nicht.
Sorry für meinen Egoismus.


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27.06.2020 um 15:54
monstra schrieb:War dem so "to try to play the hero"? Wann und wo sagt er das?
Er befürchtet, dass sie aussagt, sie sei mit ihm in Loose Chippings gewesen. Nicht weil sie tatsächlich mit dabei war, sondern um den Helden zu spielen. Sie war aber nicht dabei, sie blieb in DC.
So würde ich folgende Passage verstehen:
Earlier before the tape was on I made [??] gave the impression that Elizabeth had come with me to Loose Chippings. She did in fact not. And I am worried that she say to try to play the hero and in her statement suggest that she did come with me to [???] sharing [???] whatever punishment more equally. As I said in fact she did not come with me. She stayed in DC. (Ab Min 19:40) https://hammeltranslations.com/2020/06/22/jens-sorings-june-5-1986-recorded-interview-in-full/
Deine Erklärung dazu habe ich nicht verstanden.
monstra schrieb:Ich habe da einen völlig anderen Kontext im Kopf:

19:39: “She did in fact not” go with me to Loose Chippings. Söring claims he’s worried Elizabeth will “try to play the hero”.

https://hammeltranslations.com/2020/06/22/jens-sorings-june-5-1986-recorded-interview-in-full/

So ähnlich auch im Geständnis gegenüber dem deutschen Staatsanwalt später: Er sei deswegen alleine zu Elizabeths Eltern gefahren.


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27.06.2020 um 19:29
monstra schrieb:Wie das taktisch einzuordnen ist, die Erfolgsaussichten vor dem EuGH, weiß ich nicht. Ob es dazu des Geständnisses bedarf.
Aber genau das ist doch das Entscheidende, wenn seine Story weiter funktionieren soll.
Ist das in diesem Forum mal abschließend diskutiert worden? Ich habe auf Anhieb nichts gefunden.
monstra schrieb:Es erscheint jedenfalls nicht abwegig, wenn man argumentiert, mir droht die Todesstrafe, weil ich gestanden habe.
Ihm drohte ja nur die Todesstrafe, weil er gestanden hat. Und dann gesteht er weiterhin, damit ihm die Todesstrafe droht? Um Europa dazu zu bringen ihn nicht auszuliefern?
Das war aber ein riskantes Spiel. Ist ja auch nicht aufgegangen. (Oder doch? Zumindest das Minimalziel?) Den USA wurde schließlich ein geständiger Doppelmörder ausgeliefert. Und er "wundert" sich am Schluss, dass er dort verurteilt wird? (Auf den Filmaufnahmen zu der Urteilsverkündung wirkt er allerdings so, als sei er nicht sonderlich verwundert.)

Auf jeden Fall klingt das alles sehr konstruiert, wie er das heute darstellt. Er macht es einem aber auch schwer, ihm zu glauben. Hat er übrigens auch so ähnlich auch bei Lanz eingeräumt. Seine Unterstützer brauchen sicher viel Kraft.

Also ich bleibe dabei: Ich lese aus dem Europäischen Urteil, dass es keine Rolle spielte, ob er geständig ist oder nicht. Hätte es in den USA aufgrund einer Mordanklage weiterhin die Möglichkeit einer Todesstrafe gegeben, wäre er nicht ausgeliefert worden. Seine heutige Story wird dadurch wieder ein Stück weit unglaubwürdiger.
monstra schrieb:Rein taktisch hat er es jedenfalls 1990 zurückgezogen, weil er gemerkt hat, dass die Beweise gegen ihn so schwach waren,
Das müsste ja im Umkehrschluss auch für Dich heißen, dass er zuvor gestanden hat, weil er dachte, dass Beweise gegen ihn vorlagen? Das hieße ja dann zwingend, dass er ein ausführender Täter in Sachen Mord ist. Sonst hätte es diese Beweise ja gar nicht geben können. Oder welchen Umkehrschluss ziehst Du?


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27.06.2020 um 19:48
yasumi schrieb:Er befürchtet, dass sie aussagt, sie sei mit ihm in Loose Chippings gewesen. Nicht weil sie tatsächlich mit dabei war, sondern um den Helden zu spielen. Sie war aber nicht dabei, sie blieb in DC.
Alles OK. So interpretiere ich die von Dir transskripierte Stelle auch.

Ich hatte die Zusammenfassung Hammels anders interpretiert, aber so ist das, wenn man sich nicht mit dem Original-Wortlaut auseinandersetzt.
silentlistener schrieb:War er es oder war er es nicht?
silentlistener schrieb:Ist Jens Söring glaubwürdig oder nicht?
Sehe ich bei Lanz den wahren Söring?
Oder gibt es noch einen anderen Söring? (...)
Ich möchte ausschließlich wissen, ob dieser Schriftsteller, Doku-Darsteller, Meinungsmacher aus dem Fernsehen echt ist oder nicht.
Nach dem momentanen Stand menschlicher Erkenntnisfähigkeit hängt das von ab, ob Du ihn für glaubwürdig hältst - und seine Aussagen für glaubhaft. Es gibt viele Argumente dafür - und dagegen. Warum wird ein Geständnis gemacht und dann zurückgezogen? Zu wem gehört der Sockenabdruck? Was bedeuten die Briefe? Wer blieb in Washington?

Zum Schluss bleibt vermutlich dann die Intuition/Sympathie/Antipathie oder die Unentschiedenheit (so ich). Aber selbst wenn Du glaubst, er war es, oder er war es nicht, weißt Du es noch nicht (was hier immer wieder verwechselt wird).
silentlistener schrieb:Ist das in diesem Forum mal abschließend diskutiert worden? Ich habe auf Anhieb nichts gefunden.
Das wundert mich nicht. Es gibt das Urteil des EuGH und das geht von der Voraussetzung aus, dass Söring gestanden hat. Wenn man da mehr wissen will, müsste man vermutlich einen der damals beteiligten Rechtsanwälte fragen, ob die Erwägung diskutiert worden ist. Da es ein Präzedenzurteil war, kann man kaum auf aufklärende Quellen zugreifen.
silentlistener schrieb:Auf jeden Fall klingt das alles sehr konstruiert, wie er das heute darstellt.
Er sagt sinngemäß: "Das glaubt mir kein Mensch. Das ist einfach auch kaum zu glauben." So einzigartig ist er jedoch nicht, wenn wir an Günther Kaufmann denken. Wobei es in den USA noch etliche Täter geben dürfte, die gestanden haben und erst nach einer Jahre später erfolgten DNA-Probe als Täter ausgeschlossen werden konnten.
silentlistener schrieb:Das müsste ja im Umkehrschluss auch für Dich heißen, dass er zuvor gestanden hat, weil er dachte, dass Beweise gegen ihn vorlagen?
Nein. Das hat nichts miteinander zu tun. Sondern das ist unabhängig von der Begehung der Tat rein taktisch motiviert: "Jetzt werde ich doch ausgeliefert. Plan A ist gescheitert. Jetzt kommt Plan B: Jetzt kämpfe ich gegen eine Verurteilung. Was kann ich dafür machen?" Klar, Geständnis zurückziehen.

Vermutlich hätte er das schon gerne 1987, nach der Verurteilung Haysoms zu 90 Jahren. Denn sie hat ihn ja vorher die Liebe gekündigt und dann dabei irgendwie in die Pfanne gehauen (wie auch immer, das verstehe ich nicht). Warum er dann gestanden hat (aus Liebe?), ist dann nochmal eine andere Frage. Jedenfalls zog er 87 das Geständnis nicht zurück, angeblich wegen des Auslieferungsverfahrens. So wäre das in sich schlüssig und wie ich finde, nicht völlig abwegig.


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27.06.2020 um 20:04
monstra schrieb:weißt Du es noch nicht (was hier immer wieder verwechselt wird).
Die Indizien belasten ihn mehr als sie. Die männliche BG 0 am Tatort kann letztlich nicht von ihr hinterlassen worden sein. Daher müsste man einen völlig anderen Täter suchen. Wie wahrscheinlich ist das? Wieso würde sie mit jemandem fliehen, der unbeteiligt ist und nicht mit dem wahren Täter? Wieso konnte niemand anderer ermittelt werden, immerhin hat man über ein halbes Jahr im Dunkel getappt.
Ich finde nicht, dass es wirklich so schwer ist. Wissen kann man es nicht, aber man kann es logisch ableiten.


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