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Der Fall Sonja Engelbrecht - Zeitungsartikel, Links, Berichterstattung

Der Fall Sonja Engelbrecht - Zeitungsartikel, Links, Berichterstattung

19.01.2014 um 12:30
Hallo zusammen,

da der Hauptthread mittlerweile mehrere Hundert Seiten besitzt, möchte ich hier an dieser Stelle alle bisher veröffentlichten Zeitungsartikel, Verlinkungen und Veröffentlichungen, die den Fall betreffen, zusammentragen und einstellen.

Neueinsteigern im Hauptstrang gibt dies die Möglichkeit, sich in den Fall einzulesen und für uns "Stammbeobachter" bedeutet es, schneller auf Zeitungsartikel zurückgreifen zu können, ohne den Hauptthread durchsuchen zu müssen.

Achtung: die Artikel sind nicht chronologisch sortiert! Dies ist auf Dauer nicht machbar, da im Laufe der Zeit immer wieder bisher unbekannte Berichte gefunden und eingestellt werden.

Alle hier eingestellten Artikel befinden sich auch im Hauptstrang.
Vielleicht findet sich auch ein Ortsansässiger, der im Archiv der Münchner Tageszeitschriften Originalberichte kopieren und uns zur Verfügung stellen kann oder würde?
Wer weitere Artikel findet, kann mir diese melden, damit ich den Thread ergänzen kann.


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Der Fall Sonja Engelbrecht - Zeitungsartikel, Links, Berichterstattung

19.01.2014 um 12:34
TZ München, 03.07.2008

http://www.tz.de/muenchen/stadt/sonja-wo-bist-du-nur-62504.html

Aktualisiert am 03.07.08 - 02:00



Nach 13 Jahren ließen ihre Eltern sie schweren Herzens für tot erklären
Sonja, wo bist du nur?


Für die Rechtspfleger am Münchner Amtsgericht war es ein rein formaler Akt.

Eine so genannte „Allgemeine Verschollenheit“, die nach gründlicher Prüfung und Wahrung aller Fristen mit einem Siegel unter der offiziellen Todeserklärung endete. Für Sonjas Familie dagegen war dieser bedrückende Verwaltungsakt der verzweifelte Versuch, endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Einen Schlussstrich unter all die Jahre der tiefsten Verzweiflung, der enttäuschten Hoffnungen, der schwindenden Kräfte. Der Versuch, inneren Frieden zu finden und einen Weg zurück in ein halbwegs normales Familienleben. Das doch nie mehr normal sein kann. Weil noch immer der erste und der letzte Gedanke jedes neuen Tages Sonja gilt – jenem bildschönen, blonden Mädchen, das vor 13 Jahren mitten in München verschwand. Und zwar so erschreckend spurlos, dass sich in all den Jahren nie ein konkreter Fahndungsansatz ergab.


Im April 1995 wohnte Sonja Engelbrecht (19) bei ihren Eltern in Laim, besuchte die Wirtschafts-Fachoberschule und machte ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei. Das schöne Mädchen mit den langen, blonden Haaren hatte viele Verehrer, aber keinen festen Freund. Die Schülerin ging gern und oft aus – aber stets im Schutz ihrer Clique. Und sie teilte sich mit ihrer Schwester ein kleines Auto, das die Eltern ihren Töchtern geschenkt hatten. Damit holten sich die beiden gegenseitig ab, wenn es mal spät geworden war.

So war es auch in der Nacht zum 11. April 1995. Sonja war mit ihren Freunden im Lokal „Vollmond“ in der Schleißheimerstraße gewesen. Um 2.30 Uhr begleitete Schulfreund Robert (18) Sonja zum Stiglmaierplatz. Dort verschwand die 19-Jährige mal kurz im Gebüsch, war aber schnell wieder da: „Ich fühle mich beobachtet. Ich rufe jetzt meine Schwester an“, sagte sie ängstlich. Fürs Taxi hätte ihre Barschaft von 1,20 Mark nicht mehr gereicht. Robert lieh ihr seine Telefonkarte, begleitete sie sogar noch zur Telefonzelle. Dann jedoch kam seine Tram. Er verabschiedete sich und fuhr davon. Wie hätte er ahnen sollen, dass es ein Abschied für immer war …

Ihre Schwester hat Sonja in dieser Nacht nicht mehr angerufen und auch keinen ihrer Freunde. In den Tagen danach suchte die Polizei mit großem Aufgebot die ganze Umgebung ab. Doch weder Sonjas Ausweis, noch ihr Schlüssel wurden je gefunden – ebenso wie ihre Kleidung im Stil der 70er, für die sie schwärmte. Die schlanke, langbeinige Schönheit war in dieser Nacht komplett schwarz gekleidet und trug ihr blondes Haar offen über der Lederjacke mit langem, spitzen Kragen – ein auffälliger Kontrast.

Mit Drogen und Sekten hatte Sonja nichts im Sinn. Ihr Verhältnis zur Familie war ungetrübt. Kein Kummer belastete ihre Seele und die Schule machte ihr Spaß. So übernahm die Mordkommission 15 Tage nach ihrem Verschwinden den Vermisstenfall Engelbrecht.


Die Stunden, die Tage, die Monate zerrannen. Die Schule begann wieder – ohne Sonja. Das erste Weihnachten – ohne Sonja. Ihr 20. Geburtstag am 4. April 1996, der eigentlich groß gefeiert werden sollte. Jeder Tag ohne Sonja hielt scharfe Ecken und Kanten bereit, an denen sich die Familie unentwegt verletzte. Am schlimmsten war die Hilflosigkeit. Familie Engelbrecht und alle Freunde wurden auf ihre Weise aktiv. Sie gingen in die Radio-Studios, klebten Hunderte von Suchzetteln mit Sonjas Konterfei an Wände und Laternen. Sie klapperten sämtliche Kneipen ab, gaben 8000 Mark für einen unzuverlässigen Privatdetektiv aus, lasen Bücher über Sekten und Satanskult und ließen sich von Wahrsagern beraten. Im Mai 1995 eröffnete die Mordkommission den Eltern: „Wir müssen davon ausgehen, dass Sonja das Opfer eines Verbrechens geworden ist. Wir können nur warten, bis ihre Leiche gefunden wird.“

Warten, warten, warten – unerträglich für die Mutter, die sich nicht mit Sonjas Tod abfinden konnte. Tapfer sagte sie immer wieder: „Solange Sonjas Leiche nicht gefunden wird, hoffe ich. Mein Herz sagt mir: Sonja lebt und kommt zurück.“ Sie nahm Kontakt auf mit Sektenpfarrern und gleichgesinnten Eltern. Sie kaufte einen Videorecorder. Damit nahm sie jede Vermisstensendung, jeden Bericht über Mädchenhändler und Sekten-Aktivitäten auf.


Bei ihren Recherchen stieß Mutter Engelbrecht tatsächlich auf seltsame Parallelen an der Maria-Ward-Schule in Nymphenburg, die auch Sonja früher besucht hatte. Drei Schülerinnen dieser Schule fielen Verbrechen zum Opfer. Ingrid Sonnleitner (18) verschwand im Januar 1983. Sie wurde nie mehr gefunden. Im Dezember 1994 wurde die Schülerin Stephanie Karl (18) ermordet. Ihr Mörder Mario Abend (35) hätte es beinahe geschafft, ihre Leiche für immer im Müllverbrennungswerk verschwinden zu lassen.

Der gewaltsame Tod der Mitschülerin hatte Sonja tief erschüttert. Sie hatte ihre Unbefangenheit verloren und war seitdem nach Einschätzung ihrer Mutter noch vorsichtiger im Umgang mit Fremden geworden ….


Stieg sie ins Auto des Mörders?

An jeder deutschen Grenze lag damals im Frühjahr 1995 Sonjas Foto, Interpol war eingeschaltet. Auch Freund Robert wurde wieder und wieder vernommen. Bald jedoch war sich die Kripo sicher, dass er nichts mit Sonjas Verschwinden zu tun hatte. Sogar der kleine Garten von Sonjas Familie wurde umgegraben – „weil wir es uns nicht erlauben dürfen, auch nur irgendeinen Aspekt zu übersehen,“ sagte damals ein Polizeisprecher entschuldigend.

Über 80 Zeugen, Verwandte, Bekannte und Freunde hat die „SoKo Sonja“ damals vernommen. Auf 400 Seiten sind die Vorlieben, die Abneigungen, die kleinen Geheimnisse des Mädchens dokumentiert. Auch die Tatsache, dass Sonja zuweilen eben doch entgegen der Abmachung heimlich per Anhalter heimgefahren war nach Laim. Darum gehen die Ermittler davon aus, dass Sonja in jener Nacht in das Auto ihres Mörders stieg. Für diese Theorie jedoch gibt es bis heute keinen Beweis.

Hinweise nimmt die Münchner Mordkommission unter Tel. 089/ 29 10-0 entgegen.

Quelle: tz


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19.01.2014 um 12:38
Süddeutsche, 11.05.2010

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/morde-in-muenchen-drei-frauenleichen-zwei-morde-und-ein-suizid-1.736315

11. Mai 2010 02:41
Morde in München


Drei Frauenleichen: zwei Morde und ein Suizid

Drei Frauen sind in den 90er Jahren in München auf mysteriöse Weise verschwunden, zumindest eine ist ermordet worden. Geklärt werden konnte bislang keiner der Fälle. Die Arbeitsgruppe "Frauenmorde" meldet jetzt Ergebnisse: Die Ermittler glauben zu wissen, wer der Mörder von Kristin Harder ist und was es mit dem Verschwinden von Sonja Engelbrecht und Bettina Trabhardt auf sich hat.

Von Von Christian Rost
Noch im März schloss die Polizei bei ihren Ermittlungen nichts aus - der Mord an Kristin Harder 1991, das spurlose Verschwinden von Sonja Engelbrecht 1995 und Bettina Trabhardt 1997 könnten in Verbindung stehen, hieß es damals. Jetzt ist man sich sicher: "Es handelt sich nicht um einen Serienmörder, der in München umgeht", sagte der Chef der Mordkommission, Josef Wilfling, der SZ. Die Ermittlungen hätten keine Zusammenhänge zwischen den Fällen ergeben.

Wilfling glaubt vielmehr, dass der letzte Begleiter von Kristin Harder die 28-Jährige auf dem Gewissen hat - und dieser Mann kommt für die anderen Taten nicht in Frage. "Wir führen ihn als Beschuldigten im Fall Harder."

Es handelt sich um einen heute 38 Jahre alten Akademiker. Momentan könne man ihm den Mord nicht zweifellos nachweisen.

Eine zwölfstündige Vernehmung des Mannes im Frühjahr - gegen die er später auch in den Medien protestierte - hatte die Polizisten noch nicht weiter gebracht. Offenbar verfügen sie jetzt über neue Erkenntnisse, die sich möglicherweise aus einer Zeugenaussage ergaben. Eine Frau deutete in einem Anruf an, das "Mordhaus" zu kennen. Von dem Verdächtigen wurde eine DNA-Probe genommen.


Die 28 Jahre alte Kristin Harder war am 12. Dezember 1991 spurlos verschwunden. Sie hatte ihren mutmaßlichen Mörder in der Gaststätte Frundsberg kennen gelernt. Zusammen gingen sie ins Nachtcafé.

Der Beschuldigte sagte aus, dort hätte er sich verabschiedet, Kristin habe noch ins Schumann's gewollt. Seither fehlte von ihr jede Spur. Bis ein Jahr später ein abgetrenntes Bein im Wald von Neubiberg und ein abgesägter Arm in der Wasserkraftanlage Altheim gefunden wurden. Bein und Arm waren vor dem Abtrennen tiefgekühlt worden.

Keinen Hinweis bekam die Polizei lange Zeit zum Schicksal der 1995 verschwundenen Sonja Engelbrecht, obwohl 130 Spuren ausgewertet und 150 Zeugen vernommen worden waren. Die 19-jährige Fachoberschülerin war am 11. April 1995 mit ihrem Begleiter, dem damals 17 Jahre alten Schüler Robert S., gegen 2.30 Uhr von einer Party zum Stiglmaierplatz gegangen.

Sonja wollte von einer Telefonzelle aus ihre Schwester anrufen. Robert S. lief unterdessen zur einfahrenden Trambahn. Weder ihre Schwester noch ihre Eltern hörten je wieder von hier. Die Polizei geht, anders als Sonjas Eltern, "aufgrund der sachlich betrachteten Fakten davon aus, dass Sonja tot ist".

Ermordet von einem bislang unbekannten Mann: Nach mehreren Fernsehsendungen, die zuletzt über den Fall Engelbrecht berichteten, gingen einige Hinweise bei der Mordkommission ein. Es hätten sich mehrere Frauen gemeldet, die in der Tatnacht von einem Mann angesprochen worden seien. Nach diesem Unbekannten wird derzeit gefahndet. Details dazu gibt die Polizei nicht bekannt. Nur so viel: Chef-Ermittler Wilfling hofft, "den Fall Engelbrecht in ein oder zwei Monaten abschließen" zu können.

Neue Erkenntnisse gibt es offenbar auch im Fall der am 17. August 1997 verschwundenen Krankenschwester Bettina Trabhardt. Die 45-Jährige verließ ihre Wohnung in der Gufidauner Straße in Harlaching gegen 19 Uhr. Eine Nachbarin, die sie getroffen hatte, beschrieb sie als "elegant gekleidet und bestens gelaunt".

Angeblich wollte Bettina Trabhardt in einen Biergarten. Entweder wurde sie abgeholt oder sie benutzte ein öffentliches Verkehrsmittel. Auch Bekannte beschrieben sie als "offen und kontaktfreudig", weshalb die Polizei auch lange Zeit von einem Verbrechen ausging.

Vielleicht war das Fassade, wie Kriminalrat Wilfling es andeutet. Er sieht den Fall heute völlig anders: Es handele sich vermutlich um einen Suizid. Die Leiche aber wurde nie gefunden.


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19.01.2014 um 12:40
Die offizielle Seite der Polizei:

http://www.polizei.bayern.de/fahndung/personen/vermisste/index.html/2296


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19.01.2014 um 12:59
Süddeutsche, 20.11.2012

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/mysterioeser-vermisstenfall-in-muenchen-seit-jahren-spurlos-verschwunden-1.1528518

20. November 2012 18:22
Mysteriöser Vermisstenfall in München


Seit 17 Jahren spurlos verschwunden

In einer Nacht im April 1995 verschwindet die damals 19 Jahre alte Sonja Engelbrecht. Bis heute ist sie nicht wieder aufgetaucht. Nun soll ihr Fall aufgerollt werden. In einer Sondersendung von "Aktenzeichen XY ... ungelöst".

Von Florian Fuchs


( Am 11. April 1995 spurlos verschwunden: die damals 19 Jahre alte Sonja Engelbrecht. (Foto: Polizei) )

Es ist einer der mysteriösesten Vermisstenfälle Münchens, und noch immer ist die junge Frau, die seit damals nicht mehr gesehen wurde, nicht wieder aufgetaucht: In einer Nacht im April 1995 verschwindet die damals 19 Jahre alte Sonja Engelbrecht, ein Freund sah sie zuletzt am Stiglmaierplatz. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus, hat bis heute keinen Hinweis, was mit der Frau passiert sein könnte. Die Eltern wollen die Hoffnung nicht aufgeben, noch Jahre nach dem Verschwinden heben sie alle Zeitungsartikel, alle Korrespondenz mit Ermittlern und Politikern auf und machen in zahlreichen Auftritten im Fernsehen auf den Fall aufmerksam.

In einer Sondersendung von "Aktenzeichen XY ... ungelöst" am Mittwoch in einer Woche, in der Vermisstenfälle von Kindern vorgestellt werden, soll nun auch noch einmal das Verschwinden von Sonja aufgerollt werden - um vielleicht, nach all den Jahren, doch einen Hinweis auf den Verbleib der damals noch so jungen Frau zu erhalten.


Die Nacht war ziemlich kalt, als die Schülerin am 11. April verschwand: Es war ein Dienstagmorgen, als sich ein Freund hastig von ihr verabschiedete, weil die Tram der Linie 20 gerade einfuhr, die er noch erwischen wollte. Das letzte Bild seiner ehemaligen Schulkameradin, erzählte er in Vernehmungen bei der Polizei, habe sich bei ihm eingebrannt: Sonja, wie sie um 2:30 Uhr in einer Telefonzelle an der Ecke Nymphenburger Straße und Seidlstraße stand, gekleidet in schwarzer Dark-Waver-Kluft, mit Lederhose, Lederjacke, Pulli, Schaftstiefeln, einem Amulett um den Hals und einem Ring im rechten Nasenflügel.

Die 19-Jährige habe ihre drei Jahre ältere Schwester Sylvia in Laim anrufen wollen, um sich abholen zu lassen. Der Anruf aber, er kam nie bei der Schwester an. Den Ermittlungen zufolge hatte Sonja Engelbrecht Ausweis, Führerschein, Hausschlüssel und 1,20 Mark bei sich. Am Mittwoch meldeten die Eltern ihre Tochter als vermisst.


Die Polizei richtet eine Sonderkommission mit sechs Mordermittlern und Vermisstenfahndern ein und vernimmt 80 Freunde, Bekannte und Verwandte, auch Prostituierte und Freier des nahegelegenen Drogenstrichs in der Gegend am Hauptbahnhof. 40 Seiten mit Unterlagen über den Fall sammeln die Polizisten in Ordnern, sie notieren jede Information: Das Tilt, das Flex und das Backstage sind Clubs, die Sonja gern besuchte. In der Nacht, kurz vor ihrem Verschwinden, war sie spontan mit ihrem ehemaligen Schulkameraden ins Vollmond an der Schleißheimer Straße gegangen, dann mit ihm zusammen in die Wohnung zweier Zufallsbekanntschaften in Schwabing. Man hörte Musik und trank angeblich nur Orangensaft. Dann geht es zum Stiglmaierplatz: Beim Austreten in einem Gebüsch habe sich Sonja auf dem Weg beobachtet gefühlt, gibt ihr Begleiter später zu Protokoll.

Die Kriminalpolizei stuft die Aussagen als glaubwürdig ein. Eine Entführung, ein Sexualverbrechen: Die Ermittler gehen davon aus, dass Sonja tot ist, beweisen können sie das allerdings nicht. Die Eltern sind verzweifelt, geben die Hoffnung aber nicht auf. Sie stellen eigene Nachforschungen an und wenden sich an die Öffentlichkeit: Von "Bitte melde dich" über "Hans Meiser" bis hin zu "Fliege" treten sie in vielen Sendungen auf, einen entscheidenden Hinweis auf den Verbleib ihrer Tochter erhalten sie nie. Nun, 17 Jahre nach deren Verschwinden, gibt es in "Aktenzeichen XY" einen neuen Anlauf.


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19.01.2014 um 13:06
"The Doe Network" (mit Age-Progression):

http://doenetwork.org/cases/1303dfdeu.html

Sonja Stephanie Engelbrecht
Missing since April 11, 1995 from Munich, Germany.
Classification: Endangered Missing

Vital Statistics

Date Of Birth: April 4, 1976
Age at Time of Disappearance: 19 years old
Height and Weight at Time of Disappearance: 5'7" (176 cm); 110 lbs.
Distinguishing Characteristics: White female. Blonde hair; greenish-blue eyes. Slim build.
Marks, Scars, Tattoos: Pierced ears and nose. Both little fingers bend towards the inside.
Clothing: She was wearing a purple sweater, a black leather jacket and black leather pants. Black high heel suede boots which laced knee high in front and a scarf. Silver rings and necklace.
Circumstances of Disappearance
Engelbrecht was last known to be in the company of a friend at 8:40 pm on April 10, 1995. Sonja had gone to meet him at the main train station in downtown Munich and from there they were to go to a nearby restaurant. According to the friend, they ran into 2 of his friends when they got to the restaurant and later left with them at about 1 am. April 11, 1995. The friend further stated that they went to an apartment rented by one of the friends and later left that apartment at about 2 am and walked to a subway - streetcar station on the way home. Shortly after arriving at the subway - streetcar station the friend apparently boarded a streetcar and left Sonja alone at the station. She has never been heard from since.
Munich Police believe Sonja was kidnapped and may have been either sold into slavery to the Middle East or South Eastern Europe.

Investigators
If you have any information concerning this case, please contact:

Munich Police Department
Udo Nagel
+49-89-2910-Ext 2121
E-Mail

Agency Case Number:
8533-002995-95/6

Source Information:
Missing Persons Throughout The World
Sonja ENGELBRECHT is missing
TroubleShooters International


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19.01.2014 um 13:11
TZ-online, 29.11.2012:

http://www.tz.de/muenchen/stadt/nach-aktenzeichen-xy-sendung-hinweise-vermisste-sonja-19-2643860.html

Aktualisiert am 29.11.12 - 18:35

Nach Aktenzeichen-XY-Sondersendung


20 Hinweise auf die vermisste Sonja (20)

Von Sonja fehlt seit dem 11. April 1995 jede Spur.
© Klaus Haag


München - Nach der Aktenzeichen-XY-Sondersendung sind 20 Hinweise auf die vermisste Sonja (19) eingegangen. Die Schülerin verschwand 1995 nach einem Kneipenbesuch.

Der Schmerz ist unfassbar groß – seit 17 Jahren. Und trotzdem hat das Ehepaar Engelbrecht noch einmal den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt, ihre traurige Geschichte in der Sondersendung Aktenzeichen XY – Wo ist mein Kind erzählt. Die Geschichte von einer Tochter, die spurlos verschwand. Und seitdem nichts mehr ist, wie es war. Bis heute fehlt jede Spur von Sonja (19) aus München.


Die Schülerin kehrt nach einem Kneipenbesuch am 11. April 1995 nicht zurück. Ihre Spur verlor sich am Stiglmaierplatz. Warum Sonja verschwand, ist bis heute ungeklärt. Keine Spur, kein Lebenszeichen, kein Tatort, kein Mörder. Doch die Hoffnung aufgeben? Nie! Und so flehten die Eltern: „Wer kann etwas zum Verschwinden unserer Tochter sagen?“ Die Eltern kündigten an, zum letzten Mal an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. „Wir schaffen das nicht mehr.“ Immerhin besteht ein klein wenig Hoffnung: Nach der Sendung gingen bei der Polizei 20 Hinweise zu Sonja ein. Ein konkreter war nicht dabei.

Auch im zweiten bayerischen Vermisstenfall gab es 50 Hinweise. Mehr als ein halbes Jahr nach dem mysteriösen Verschwinden der Maria Baumer (26) aus der Oberpfalz hat die Polizei hier eine konkrete Spur. „Eine Zeugin gab an, die Vermisste hätte ihr im Sommer im Ruhrgebiet mitgeteilt, dass sie auf den Jakobsweg gehen wollte, um abzuschalten“, sagte ein Polizeisprecher.

aw


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19.01.2014 um 13:18
21.09.2012

http://germanmissing.blogspot.de/2012/09/munchen-der-17-jahrestag-nahert-sich.html?m=1

SUCHBLOG für Vermisste/ Ungeklärte Morde

Lieber Leser, dies ist eine Seite für Vermisstenfälle und für ungeklärte Morde, denn jedes Jahr verschwinden Menschen spurlos oder es werden Menschen ermordet, aber der Täter ist unbekannt und nicht gefunden. Der Zweck der Seite ist es, vielleicht durch andere, einen Vermissten zu finden, oder Zeugen zu finden oder etwas zur Aufklärung des Falls beizutragen. Auch gibt es die Möglichkeit von einer finanziellen Hilfe für die suche eines Vermissten oder zur Aufklärung eines Mordfalls.

Freitag, 21. September 2012

MÜNCHEN: Der 17. Jahrestag nähert sich - Wir geben Dich niemals auf

Vermisst
Vor 17 Jahren verschwand Sonja Engelbrecht spurlos


19 Jahre ist Sonja Engelbrecht, als sie im 11. April 1995 am Stiglmaierplatz in München verschwindet. Seit 17 Jahren beißen sich Münchner Ermittler an dem Fall die Zähne aus, und seit 17 Jahren lebt Sonjas Familie zwischen Bangen und Hoffen.


"Im Unterbewusstsein ist sie immer da. Und wenn ich einen Hinweis bekomme oder etwas an sie erinnert, dann ist es sofort da. Man kann das nie vergessen, bis zum letzten Atemzug hat man das immer im Gedächtnis. Das vergisst man nie, das kommt immer wieder hoch."
Ingrid Engelbrecht, Mutter von Sonja


Viele Bilder von Sonja hängen an den Wänden der Engelbrechts, Sonja als Kleinkind, Sonja als Grundschülerin, Sonja als Teenager… Enkel werden geboren, wachsen heran, die Gesichter auf den Fotos reifen, Sonjas nicht.

Wie vom Erdboden verschluckt

Sonja steht auf Nirvana und Pearl Jam, sie geht gern aus, aber immer im Schutz der Clique. So war es auch in der Nacht als sie verschwand. Damals trug sie trug sie eine schwarze Lederhose, schwarze Schnürstiefel, eine schwarze Lederjacke, einen Nasenring und viele Ringe.


Die Polizei hat rekonstruiert, dass Sonja mit Freunden in Schwabing unterwegs war. Sie ging mit ihnen in eine Kneipe, dann zu einem Freund und wollte schließlich heim. Ein Kumpel begleitete sie zum Stiglmaierplatz, gab ihr seine Telefonkarte und nahm selbst die Nachttram. Am 11. April 1995 um 2.30 Uhr wurde Sonja zum letzten Mal gesehen, sagt Robert Bastian von der Münchner Mordkommission.


"Wir wissen bis heute nicht, was mit Sonja ist, weil wir von ihr kein Lebenszeichen mehr haben. Wir haben keine Kleidungsstücke oder sonstige Sachen von ihr aufgefunden. Und was wir auch nicht haben, heute wäre das vielleicht nicht der Fall: damals gab es keine Handys."
Kriminalhauptkommissar Robert Bastian


Hinweise unbedingt melden!



Rund 150 Spuren haben die Münchner Ermittler verfolgt - vergeblich. Selbst dem Tipp eines Hellsehers ging man nach, ebenfalls ohne Erfolg. Die Kripo braucht daher dringend neue Hinweise - und Kriminalhauptkommissar Bastian hat auch eine Vermutung: In der Gegend zwischen dem Stiglmaierplatz und dem Hauptbahnhof war 1995 ein Drogenstrich. Freier fuhren mit ihren Wagen die Straßen ab. Viele von ihnen haben eine kriminelle Vergangenheit.


"Das ist unsere Hauptermittlungsrichtung, dass wir befürchten, dass Sonja zu einer solchen Person ins Auto gestiegen ist, um nach Hause zu kommen und dass dann ein Verbrechen passiert ist."
Kriminalhauptkommissar Robert Bastian


Achterbahnfahrt der Gefühle


Der Ermittler setzt auf den Faktor Zeit: Einige Prostituierte von damals haben den Sprung aus der Szene geschafft und sind nun Hausfrau und Mutter. Auf sie hofft Robert Bastian.


Sonjas Familie hat eine 17-jährige Achterbahnfahrt der Gefühle hinter sich: falsche Privatdetektive kassierten 16.000 D-Mark, Sonja wurde vermeintlich im Iran und im Irak gesehen, ein Hundeknochen in Augsburg wurde für ihre sterblichen Überreste gehalten - und das sind nur wenige Erlebnisse von vielen. Ingrid und Harry Engelbrecht erleben einen endlosen Albtraum. Auch sie appellieren an mögliche Zeugen, sich zu melden.

Zuständige Dienststelle:
Polizeipräsidium München
Ettstraße 2
80333 München

Telefon: 089/2910-0
Fax: 089/2910-4863


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19.01.2014 um 14:01
Anbei 2 google-Maps Ansichten des Stiglmaierplatzes in München, an dem sich die Wege von Sonja und ihrem jüngeren Begleiter getrennt haben müssen:

https://www.google.de/maps/preview#!data=!1m8!1m3!1d3!2d11.558677!3d48.147331!2m2!1f184.09!2f86.76!4f75!2m9!1e1!2m4!1s54...

und

https://www.google.de/maps/preview#!data=!1m8!1m3!1d3!2d11.558621!3d48.14714!2m2!1f207.99!2f73.34!4f75!2m9!1e1!2m4!1sSuy...

Die Aufnahmen sind natürlich neueren Datums.


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19.01.2014 um 14:18
"Aktenzeichen xy ungelöst Spezial - Wo ist mein Kind?", ZDF, 28.11.2012.
Der Fall Sonja Engelbrecht ist Filmfall Nr. 2, ab Min. 21:00:

http://www.youtube.com/watch?v=dXJjR1B_ciU

"Menschen bei Maischberger", ARD, 21.10.2013:
Hier kommt Frau Engelbrecht, die Mutter von Sonja Engelbrecht, gegen Ende der Sendung zu Wort (ca. Min 53:00):

http://www.youtube.com/watch?v=Jl2axyKvM0c


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19.01.2014 um 15:17
"Ungeklärte Morde - dem Täter auf der Spur", RTL II, 22.01.2013 (Wdh., ab 22 Uhr abrufbar):

http://rtl2now.rtl2.de/ungeklaerte-morde-dem-taeter-auf-der-spur/soko-spatzen.php?film_id=98719&player=1&season=2


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19.01.2014 um 16:40
Frischluft-Magazin, München, ca. 2005
Auf Seite 4 der Bericht über Sonja Engelbrecht und Gespräch mit den Eltern:

http://www.frischluft-magazin.de/download/FRISCHLUFT_03.pdf


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19.01.2014 um 17:13
Die Welt, 28.11.2012

http://www.welt.de/regionales/muenchen/article111579782/Seit-17-Jahren-wird-Sonja-Engelbrecht-vermisst.html

Seit 17 Jahren wird Sonja Engelbrecht vermisst

Verzweifelt gesucht: 1995 verschwindet die Münchnerin Sonja Engelbrecht spurlos. Die Polizei vermutet ihren Tod. Einen Beweis dafür gibt es nicht. Heute ist ihr Fall bei "XY...ungelöst" Von Bettina Ullrich

Wenige Tage nach ihrem 19. Geburtstag verschwindet die Fachoberschülerin spurlos. Davor war sie mit Freunden in einer Kneipe

ie ist das große Fragezeichen in den Ermittlungsakten der Münchner Polizei: Sonja Engelbrecht. 36 Jahre alt wäre sie heute. Oder ist sie, vielleicht, irgendwo. Das zumindest glauben ihre Eltern noch immer. 17 Jahre nach Sonjas mysteriösem Verschwinden am Stiglmaierplatz im April 1995. Die Polizei vermutet, dass die junge Frau aus Laim getötet wurde. Konkrete Hinweise haben die Ermittler dafür allerdings nicht. So wie es in dem Fall keine einzige heiße Spur gab, in all den Jahren nicht.

Mutter: "Für mich ist Sonja nicht tot"

Sonjas Eltern dagegen haben die Hoffnung nicht aufgegeben, ihre Tochter lebend wiederzusehen: "Für mich ist Sonja nicht tot", sagte kürzlich ihre Mutter Ingrid Engelbrecht der "Abendzeitung". Ein neuer Hoffnungsschimmer für die Münchnerin und ihren Ehemann Harry flackert heute Abend auf. Im Fernsehen: In einer Spezialausgabe von "Aktenzeichen XY...ungelöst" im ZDF geht es um vermisste Kinder – auch um Sonja Engelbrecht. Ihre Eltern sind dabei und hoffen auf neue Hinweise. Sie werden von jenem 11. April 1995 erzählen. Der Nacht, in der Sonja zuletzt gesehen wurde.


Das war gegen 2.30 Uhr, in der Nähe einer Telefonzelle am Stiglmaierplatz. Hier verabschiedete sich die damals 19-Jährige von ihrem Schulfreund Robert. Mit ihm und weiteren Freunden war sie an jenem Abend in der Kneipe "Vollmond" an der Schleißheimer Straße gewesen, anschließend noch bei Freunden in der Schellingstraße.

Am Stiglmaierplatz trennten sich ihre Wege, Robert sprang in die Nachttram, Sonja wollte von der Telefonzelle aus ihre Schwester Silvia anrufen und bitten, sie abzuholen. So verliert sich Sonjas Spur: Das Telefon klingelte in jener Nacht nicht bei ihrer Schwester. Am nächsten Tag gaben Sonjas Eltern eine Vermisstenanzeige bei der Polizei auf.

Nichts. Keine Spur, keine Leiche

Die ging zunächst davon aus, dass sie ausgerissen war. Später, ihre Akte war da längst von den Schreibtischen der Vermisstenstelle auf jenen der Mordkommission gelandet, dass sie bei einem Fremden ins Auto gestiegen war. Auch in der Drogenszene, die es damals am Stiglmaierplatz gab, wurde ermittelt. Nichts. Keine Spur. Keine Leiche.

Für ihre Eltern ist diese Ungewissheit quälend, sagt Ina-Maria Reize-Wildemann, Redaktionsleiterin von "XY...ungelöst". Sonjas Mutter habe ihr in den Vorgesprächen gesagt, dass sie wissen möchte, was damals geschehen ist – "selbst wenn Sonja tot sein sollte". Hinweise, nach der langen Zeit? "Die Hoffnung ist absolut berechtigt", sagt Reize-Wildemann. Schließlich sei ein leibhaftiger Beweis dafür heute Abend ebenfalls zu Gast in der in München produzierten Sendung: Natascha Kampusch, die zehn Jahre gefangen gehalten wurde und sich schließlich aus ihrem Verlies befreien konnte.

Jahrelang haben Sonjas Eltern – der Vater inzwischen fast 80, die Mutter zehn Jahre jünger – auf eigene Faust, mithilfe von Privatdetektiven und TV-Sendungen nach ihrer Tochter gesucht. Sie haben durchblicken lassen, dass sie nach dem heutigen "Aktenzeichen XY" nicht mehr aktiv in die Öffentlichkeit gehen wollen. Es ist ihre letzte Hoffnung.

"Aktenzeichen XY...ungelöst: Wo ist mein Kind?", heute, 20.15 Uhr, ZDF


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19.01.2014 um 17:17
Fahndungsaufruf mit kurzer Zusammenfassung:

https://www.fahndung.de/bundesweit/person/vermisst/sonja-engelbrecht/1235


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Der Fall Sonja Engelbrecht - Zeitungsartikel, Links, Berichterstattung

19.01.2014 um 17:53
Ein Artikel, der zwar nur bedingt zum Thema gehört, aber aufgrund des Interviews mit Josef Wilfing trotzdem sehr interessant ist:

Baltische Rundschau, 28.03.2012

http://baltische-rundschau.eu/2012/03/ermittler-josef-wilfling-menschen-morden-aus-angst/

Ermittler Josef Wilfling: «Menschen morden aus Angst»

Posted by: nde , März 28, 2012
Josef Wilfling ist eine Ermittlungslegende, er gilt als der deutsche Columbo. Die Hälfte seiner Jahre als Ermittler arbeitete er in der Münchner Mordkommission – und klärte in dieser Zeit die Morde am homosexuellen Volksschauspieler Walter Sedlmayr und an Mode-Ikone Rudolph Moshammer auf


(Mit Foto) Ein simples Eichenblatt hat schon einen Mörder überführt. Es wurde bereits im Jahr 1998 im Auto eines Mannes gefunden, der im Verdacht stand, seine Frau getötet zu haben. Sechs Jahre später konnten Kriminaltechniker das Blatt der Stileiche zuordnen, unter der die Leiche vergraben war.

Heute schreibt der 65-Jährige Bücher über Morde und Mörder. Sein Erstwerk Abgründe warf einen Blick auf die dunkle, blutige Seite der Bestie Mensch. Jetzt hat Wilfling sein zweites Buch veröffentlicht. Es heißt Unheil, präsentiert weitere Kriminalfälle aus Wilflings Ermittlungsgeschichte und beginnt mit der provokanten These, dass jeder Mensch ein Mörder werden könne.

Herr Wilfling, kann denn wirklich jeder zum Mörder werden?

Wilfling: Ich habe es in den 22 Jahren als Mordermittler nicht anders erlebt. 90 Prozent der Fälle waren Beziehungstaten. Dabei hatte ich es mit Täterinnen und Tätern zu tun, die vorher unbescholten waren, die aus bestimmten Motiven heraus zum Mörder wurden.

Wie sieht denn der typische Mörder aus?

Wilfling: Meist werden die grausamsten Taten von Menschen verübt, die sich ganz normal unter uns bewegen. Das hintergründige Motiv ist oft die Angst: Existenzangst, Zukunftsangst oder die Verlustangst um die eigene Familie, etwa wenn die Frau sich trennen will. 90 Prozent der Morde werden übrigens von Männern verübt, 40 Prozent der Opfer sind Frauen.

Wie oft haben Sie bei einem brisanten Mordfall im Büro übernachtet, wie es oft in Krimis gezeigt wird?

Wilfling: Auf der Liege im Büro habe ich einige Male geschlafen. Denn bei einem aktuellen Fall sind die ersten Tage für die Ermittlungen wahnsinnig wichtig. Da ist das Gedächtnis, etwa von Zeugen, noch frisch. Ich erinnere mich an ein Wochenende, an dem es fünf Tötungsdelikte gab. Da bin ich vielleicht auf insgesamt vier Stunden Schlaf gekommen.

Ihre berühmtesten Fälle waren die Aufklärung der Morde an Schauspieler Walter Sedlmayr und Mode-Ikone Rudolph Moshammer. Aber waren es auch die spannendsten Fälle?

Mordermittler Josef Wilfling Foto: Guido Krzikowski
Mordermittler Josef Wilfling Foto: Guido Krzikowski
Wilfling: Wenn ein Zuhälter den anderen ersticht, Messer rein und raus, bedeutet das zwar für uns viel Arbeit, ist aber nicht das Interessanteste. Das Spannendste für uns Ermittler ist sicher der geplante Mord. Der Sedlmayer-Mord im Jahr 1990 stand am Anfang meiner Karriere. Ich war gerade drei Jahre bei der Mordkommission dabei. Ich hatte eine Spur zu bearbeiten, und diese Spur hat letztlich zu den Tätern geführt. Dieser Fall war mein größter, er ging über drei Jahre, er hat mich aber auch an meine psychischen und physischen Grenzen geführt. Der Fall Moshammer wiederum war ein klassischer Strichermord, nach zwei Tagen aufgeklärt und ein toller Erfolg für uns. Es war der DNA-Spurenanalyse zu verdanken, die es beim Sedlmayr-Mord noch nicht gab.

Ärgert Sie es, dass es beim Sedlmayr-Mord bis heute kein Geständnis der Täter gab?

Wilfling: Es war ein Brüderpaar, und einer hat ein Teilgeständnis abgelegt. Aber an der Schuld gab es für mich nicht die geringsten Zweifel, es gab viele Indizien, deshalb sind die beiden auch verurteilt worden.

Sie gelten als Experte für Vernehmungen. Wo verläuft im Verhör die Grenze zwischen psychischem Druck und psychischer Folter?

Wilfling: Es ist ein schmaler Grad, auf dem man sein Gegenüber überzeugen muss, die Wahrheit zu sagen. Man muss sich an die Vorgaben halten, beim geringsten Verstoß ist die Aussage vor Gericht nicht verwertbar. Ich habe die unterschiedlichen Mordtypen über die Jahre kennengelernt. Ich weiß, wie ein Sexualverbrecher tickt im Unterschied zu einem, der aus Habgier oder Mordlust tötet. Es geht nicht ums Anbrüllen, sondern ums Einfühlungsvermögen, um die Gewinnung des Vertrauens.

Haben Sie bei Ihren Ermittlungen mal daneben gelegen?

Wilfling: Wir ermitteln immer von Innen nach Außen. Als erstes ist da das Opfer, dessen Umfeld untersucht wird. Wir stellen Hypothesen auf, welcher Mordtyp es war. Wenn ein weibliches Opfer vergewaltigt aufgefunden wird, ist die Richtung klar. Es gibt aber auch Fälle, bei denen man lange suchen muss, bis man ein mögliches Motiv findet. Denn wo kein Motiv, da kein Verbrechen. Das gilt fast immer, außer bei einigen psychisch kranken Tätern, die aber keine Verbrecher, sondern krank sind.

Handeln Täter intelligenter, weil Krimiserien wie CSI die genaue Ermittlungsarbeit von Profilern und Spurensicherung zeigen?

Wilfling: Überhaupt nicht. Vielleicht gibt es ganz selten mal einen Täter, der sich daran orientiert. Die Methode, Fingerabdrücke sicherzustellen, gibt es schon so lange, trotzdem finden wir an Tatorten immer wieder welche.

Wie hat die DNA-Analyse die Arbeit der Kriminalisten verändert?

Wilfling: Dadurch wurde die Tatortarbeit revolutioniert, sie spielt bei fast jeder Mordaufklärung eine Rolle. Zudem hat die DNA-Analyse zu einem drastischen Rückgang von Tötungsdelikten geführt.

Sie sind jetzt im Ruhestand und haben Zeit zum Fernsehen. Schauen Sie gern Krimis?

Wilfling: Meine Lieblingsserie ist Columbo. Da kann ich mich köstlich amüsieren. Mir gefällt seine Art, dieses zurückhaltende Understatement.

Autor: Josef Wilfling
Titel: Unheil. Warum jeder zum Mörder werden kann.
Verlag: Heyne
Preis: 19,99 Euro
Seiten: 304
Veröffentlichungstermin: 12. März 2012


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Der Fall Sonja Engelbrecht - Zeitungsartikel, Links, Berichterstattung

19.01.2014 um 17:59
Zum xy-Spezial vom 28.11.2012 (ZDF) anbei der begleitende Text der e110-Homepage:

http://www.e110.de/index.cfm?event=page.detail&cid=23&fkcid=7&id=61327

Aus der Telefonzelle verschwunden - Wo ist Sonja Engelbrecht?

(XY-Spezial vom 28. November 2012)
Wer hat uns unsere Tochter Sonja genommen? Diese Frage stellen sich die verzweifelten Eltern seit 17 Jahren. War ihr Verschwinden geplant? Warum musste sie an diesem dramatischen Abend unbedingt ausgehen? Warum hat sie nicht zuhause angerufen?

Sonja Engelbrecht ist 19 Jahre alt, als sie am 11. April 1995 nach einem Kneipenbesuch mit ihrem Freund Markus nicht zurückkommt. Das hübsche blonde Mädchen geht noch zur Schule. Sie wohnt zuhause bei ihren Eltern in München.

Vor dem Verschwinden
Sonja geht in die 11. Klasse der Fachoberschule. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten mit ihren Freunden. Das Verhältnis zu ihren Eltern ist gut, vor allem die Mutter unterstützt sie sehr. Die 19-Jährige möchte Abitur machen.

In der Nacht zum 11.April 1995 ist Sonja zusammen mit einem Schulfreund unterwegs. Nach einem Lokalbesuch halten sie sich bis etwa zwei Uhr in der Wohnung von Bekannten in der Schellingstraße im Stadtteil Schwabing auf. Von dort gehen die Beiden zu Fuß zum Stiglmaierplatz. Von einer Telefonzelle aus will Sonja ihre Schwester anrufen, sie will abgeholt werden. Als die Straßenbahn einfährt, läuft Sonjas Begleiter Markus los. Er will die Bahn nicht verpassen. Sonja bleibt alleine zurück. Seitdem fehlt von ihr jede Spur.

Ist die junge Frau freiwillig zu einem Unbekannten ins Auto gestiegen? Die Kriminalpolizei befragt und überprüft Prostituierte und Freier des nahegelegenen Drogenstrichs. Doch niemand will Sonja gesehen haben.

Personenbeschreibung:
19 Jahre alt. 1,70 m groß, sehr schlank, braune Augen, langes blondes Haar, Nasenring im rechten Nasenflügel.
Am Tag ihres Verschwindens trägt Sonja eine schwarze, hautenge Lederhose, hohe schwarze Schnürstiefel, eine schwarze 70er Jahre-Lederjacke mit spitzem Kragen, einen violett-farbenen Pullover, silberne Fingerringe, eine Halskette und ein Halstuch.

Fragen nach Zeugen:
Wer hat in der Nacht zum 11. April 1995 etwa um 2.30 Uhr Beobachtungen im Zusammenhang mit Sonja Engelbrecht am Stiglmaierplatz in München gemacht?

Zuständig: Kripo München, 089 / 29 10 21 21


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Der Fall Sonja Engelbrecht - Zeitungsartikel, Links, Berichterstattung

20.01.2014 um 19:59
Der User DieKrähe aus dem Hauptthread hat die Erlaubnis gegeben, seine aus dem Archiv der Süddeutschen Zeitung gezogenen Artikel hier im Sammelthread einstellen zu dürfen.
Ein ganz dickes Danke schön dafür!
Da diese Archiv-Meldungen kostenpflichtig sind, war es mir wichtig, diese nicht ungefragt hier einzustellen.

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15.04.1995
Süddeutsche Zeitung


Schülerin wird vermißt: Wo ist Sonja Engelbrecht ?

Die 19jährige Schülerin Sonja Engelbrecht wird seit Dienstag vermißt. An diesem Tag wurde sie zuletzt gegen 2.30 Uhr von einem Bekannten in einer Telephonzelle am Stiglmaierplatz gesehen. Seither fehlt von dem 1,70 Meter großen und ganz in Schwarz mit Lederjacke und -hose, Pullover und hohen Schnürstiefeln gekleideten Mädchen, das eine Silberkette mit Amulett und einen Nasenring trägt, jedes Lebenszeichen. Sonja Engelbrecht hat sich auch ganz gegen ihre Gewohnheit nicht mehr bei ihren Eltern gemeldet, bei denen sie wohnt und die in großer Sorge sind.


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20.05.1995
Süddeutsche Zeitung

19jährige seit 40 Tagen spurlos verschwunden

Kripo befürchtet Mord an Sonja Engelbrecht

Am 11. April wurde die Schülerin zum letztenmal gesehen

Von Dieter Fabritius


Vierzig Tage nach dem mysteriösen Verschwinden der 19jährigen Schülerin Sonja Engelbrecht geht die Kripo davon aus, daß das Mädchen einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Eine sechsköpfige Sonderkommission aus Mordermittlern und Vermißtenfahndern hat mit den Vernehmungen von 80 Freunden, Bekannten und Verwandten 400 Seiten dicke Aktenordner gefüllt. Der Leiter des Dezernats 11, Udo Nagel: 'Unser Bild von dem Mädchen und seinen Kontakten ist abgerundet. Mit größter Wahrscheinlichkeit ist sie nicht fortgelaufen. Eine Spur gibt es nicht.'

Das letzte Bild des schlanken blonden Mädchens hatte sich ihrem ehemaligen Schulkameraden, dem Begleiter dieser Nacht, Robert S., 17, eingeprägt: Sonja stand in der kalten Nacht zum 11. April, Dienstagfrüh um 2.30 Uhr, in der Telephonzelle am Stiglmaierplatz, Ecke Nymphenburger/Seidlstraße, in ihrer schwarzen Dark-Waver-Kluft, Lederhosen, Lederjacke, Pulli, Schaftstiefeln, das Amulett um den Hals, einen Ring im rechten Nasenflügel. Er hatte sich hastig verabschiedet, weil seine Trambahnlinie N 20 gerade einfuhr, und ihr seine Telephonkarte überlassen,

damit sie ihre drei Jahre ältere Schwester Sylvia in Laim anrufe,

von der sie sich abholen lassen wollte. Sonja Engelbrecht hatte den Ermittlungen zufolge Ausweis, Führerschein, Hausschlüssel und 1,20 Mark bei sich. Weder bei der Schwester, mit der sich die Fachoberschülerin einen Kleinwagen teilte, noch bei den Eltern, bei denen sie in Laim wohnte, ging nach deren Aussagen ein Anruf Sonjas ein - auch später nie mehr. Am Mittwoch meldeten sie ihre Tochter als vermißt.

Das Mädchen, dessen Bekanntschaft zu der im Januar getöteten Stefanie Karl nur flüchtig war, ließ am 20. März einen unglücklichen studentischen Verehrer, der ihr eine Rose vor der Tür ablegte, abblitzen. Überhaupt wird Sonja in Liebesdingen als zurückhaltend geschildert. Sie besuchte vorwiegend folgende Diskotheken und Lokale: das 'Liberty' im Motorama, 'Tilt' und 'Backstage' am Containerplatz Helmholtzstraße, 'Hexe' in Gröbenzell, 'Flex' in der Ringseis- und 'Pulverturm' an der Schleißheimer Straße. In der Nacht ihres Verschwindens ging sie spontan mit Robert S. ins 'Vollmond' an der Schleißheimer Straße, dann mit ihm in die Wohnung zweier Zufallsbekannter in Schwabing, hörte Musik, trank angeblich nur Orangensaft. Nach 2 Uhr ging man zu Fuß zum Stiglmaierplatz.

Zwei Auffälligkeiten vermerkte Robert S. dabei: Beim Austreten in ein Gebüsch hinter dem Gesundheitsamt habe sich seine Begleiterin beobachtet gefühlt. Und am Stiglmairplatz stiegen sechs Engländer oder Amerikaner zu ihm in die Trambahn. Auf die Frage des sehr jung wirkenden Teenagers, wie spät es sei, scherzten sie: 'Zu spät für dich!' Die Kripo bittet diese Zeugen sowie alle noch nicht vernommenen Bekannten von Sonja Engelbrecht , sich unter der Rufnummer 089/55172-188 bei der Sonderkommission zu melden.


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28.08.1995
Süddeutsche Zeitung


Obwohl die Ermittlungen auf Hochtouren laufen

Fünf ungeklärte Akten machen der Kripo Sorgen

Je 5000 Mark Belohnung in den Fällen Sonja Engelbrecht und Dagmar Bohn-Knirim / Drei Mordversuche noch im dunkeln

Vier ungeklärte Tötungsdelikte und ein vermißtes Mädchen, die der Münchner Mordkommission besonderes Kopfzerbrechen bereiten, werden zur Zeit mit besonderer Intensität unter die Lupe genommen. Es geht um eine spurlos verschwundene 19jährige, um eine in der Badewanne ertränkte Prostituierte, um einen Hausmeister, um einen nigerianischen Staatsangehörigen und um einen Gastwirt. Die letzteren drei überlebten zwar schwere Attacken mit Messer und Pistole, der Gastronom ist jedoch seit dem Anschlag auf sein Leben querschnittgelähmt.

Von Johann Freudenreich

Am 11. April dieses Jahres um 2.30 Uhr nachts wurde die 19jährige Fachoberschülerin Sonja Engelbrecht am Stiglmaierplatz vor einer Telephonzelle von ihrem Begleiter auf einer Party, dem 17jährigen Schüler Robert S., zum letzten Mal lebend gesehen, ehe dieser die Trambahn bestieg. Das Mädchen hatte erklärt, seine Schwester anrufen zu wollen.

Später ergab sich, daß sie deren Telephonnummer nicht auswendig wußte und auch nicht notiert hatte.

Ist die 19jährige von einem Anhalter mitgenommen worden oder hat sie sich mit einem anderen Bekannten telephonisch verabredet? Auch die Ermittlungen einer eigenen 'Arbeitsgruppe Engelbrecht ' hat bisher nicht auf die Spur eines Täters geführt, 5000 Mark Belohung wurden ausgesetzt.

50 Personen vernommen

Nach Ansicht von Hauptkommissar Ewald Seubert von der Mord-Dienststelle muß mit dem Schlimmsten gerechnet werden. Angeblich war die Schülerin - Lieblingsmusik 'Dark Wave', Lieblingsfarbe schwarz - nicht der Typ, auf den die Männer fliegen. Sie hatte jedoch nach Aussage von Freundinnen etliche Bekannte. Die Vernehmung von bisher rund 50 Personen hat jedoch bisher keinen Erfolg gebracht.


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04.09.1995
Süddeutsche Zeitung

Kripo bittet um Mitteilungen aus dem Umfeld von Sonja Engelbrecht

Von Johann Freudenreich

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Kein einziger Hinweis ist dagegen auf den Verbleib der spurlos verschwundenen Fachoberschülerin Sonja Engelbrecht gekommen. Die 19jährige war nach den bisherigen Ermittlungen von ihrem 17jährigen Begleiter Robert S. zuletzt am 11. April dieses Jahres um 2.30 Uhr am Stiglmaierplatz vor einer Telephonzelle gesehen worden. Der 17jährige gab an, daß er noch eine Telephonkarte in den Apparat gesteckt habe und dann mit der Trambahn heimgefahren sei.

Die Polizei befürchtet, daß die 19jährige tot ist. Nach einer Leiche allerdings wurde vergeblich gesucht. Die Kripo bittet nun um Hinweise auf die Kreise, in denen das 19jährige Mädchen verkehrte. Eine eigene 'Arbeitsgruppe Engelbrecht ' ist gegründet worden. Die ausgesetzte Belohnung beträgt 5000 Mark. Hinweise werden auch telephonisch unter den Rufnummern 2 91 00 oder 55 17 20 entgegengenommen.


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25.07.2000
Süddeutsche Zeitung

Warten auf die Rückkehr der verlorenen Tochter

Vor fünf Jahren ist Sonja Engelbrecht auf mysteriöse Weise verschwunden – und noch immer hoffen ihre Eltern, sie lebend wieder zu sehen

Von Eva-Maria Graw
und Sylvie Menning

Seit dem 10. April hat Harry Engelbrecht nicht mehr aufgehört, Briefe zu schreiben. Dicke, dunkelgraue Aktenordner stapeln sich in der engen Wohnung. Fünf Jahre seines Lebens hat der Münchner Rentner sorgsam abgeheftet – Korrespondenz mit Polizei, Justiz, Ministerien, durch Klarsichthüllen geschützt, mit Eingangsdatum versehen. Fünf Jahre ist es her, dass seine 19-jährige Tochter Sonja auf mysteriöse Weise verschwand.

Harry Engelbrecht ist ein schmächtiger Mann. Bis zu seinem 65. Lebensjahr arbeitete der Diplomingenieur in der öffentlichen Verwaltung für das Verteidigungsministerium. Vielleicht, so hoffen der 67-Jährige und seine Frau Ingrid, landet eines seiner Schriftstücke auf dem richtigen Schreibtisch, und sie erhalten einen Hinweis. Einen winzigen Hinweis, der zu Sonja führt.

Sonja – hübsch, schlank, mit langen blonden Haaren – hinterließ nichts, kein Lebenszeichen, keine Spur eines gewaltsamen Todes. Sie ging abends mit einem Freund aus und kehrte nie wieder heim. Sie wollte, so der Bekannte, sich nachts von ihrer Schwester Silvia am Stiglmaierplatz abholen lassen. Aber bei der hat das Telefon nie geläutet.

Schleppend langsam, frustrierend verliefen die Ermittlungen der Polizei für die Eltern. Harry und Ingrid Engelbrecht sind sich sicher, dass ihr Kind lebt. „Das weiß ich gefühlsmäßig”, sagt die Mutter. „Sie haben ja keine Leiche gefunden”, argumentiert der Vater.

Eigene Recherchen

Irgendwann haben sie sich E-Mail zugelegt, ein Fax gekauft – für eigene Recherchen. Das hat seinen Platz im Wohnzimmer, gegenüber dem Klavier. Der Raum in dem Wohnblock an einer vierspurigen Straße ist nicht mal 15 Quadratmeter groß. Über dem Instrument hängt eine kleine Marienstatue neben einer selbst gemalten Landschaft ohne Rahmen und einem Kalender. Platz für Gäste gibt es kaum: ein Zweiersofa, ein Sessel, der Klavierhocker, in der Ecke noch ein Stuhl. Ausgefüllt wird die Wohnung von der Person, die nicht da ist, von der verschwundenen Tochter.

Die Privatsphäre der Engelbrechts wurde aufgefressen von der zähen Suche. Von „Bitte melde dich” über „Hans Meiser” bis hin zu „Fliege” haben sie keine Talk-Show ausgelassen. Die Zeitungsartikel über den „Fall Sonja E. ” füllen einen Extra-Ordner. Gleichzeitig versuchten sie, alle Hebel im Staatsapparat in Bewegung zu setzen. „An den Stoiber haben wir als Erstes geschrieben”, erklärt der Vater, „weil ich mir dachte, der ist der Chef vom Ganzen hier. ” Die Antwort enttäuschte ihn: „Es sind immer nur dieselben warmen Worte: Wir tun unser Möglichstes, es ist noch kein Täter auszumachen. ” An den ehemaligen Innenminister Manfred Kanther wandte er sich ebenfalls. Der habe nicht mal geantwortet. „Das macht nichts, man sieht ja, was aus dem geworden ist”, fügt der Vater hinzu und lacht.

Mindestens 16 000 Mark haben die Eltern an zwei Betrüger verloren. Einer gab sich als Jugendpsychologe aus, ein anderer wollte Sonja in Ungarn gesichtet haben. Beide brauchten dringend Geld für geheimnisvolle Informanten. Besonders Frau Engelbrecht glaubte an die Hinweise. „So spontan wie meine Frau wäre ich nicht gewesen”, meint der Vater. Nimmt sie dann sofort in Schutz: „Aber es war ja eine Verzweiflungstat. Das ist auch die Schuld der Polizei, weil das Vertrauen erschüttert war. ”

Und zwar gründlich. „Wir haben in den ersten zwei Wochen oft gehört: ,Lassen Sie uns mit der Ausreißerin in Ruhe, wir haben Wichtigeres zu tun‘!”, empört sich die Mutter. Auch habe die Polizei ihnen zu verstehen gegeben, wenn jemand, so wie Sonja , nachts in dieser Art Lederkleidung herumstehe, müsse man sich über ihr Verschwinden nicht wundern. Verständnislosigkeit bei den Eltern: „Dabei war das eine ganz normale, moderne Lederjacke, wie sie alle jungen Leute heute tragen. ” Sie fühlen sich von der Polizei verraten.

Sonja könne gar nicht ausgerissen sein, sagt das Ehepaar. Sie hatte nur etwas Kleingeld dabei, ihre Ersparnisse aber in der Schreibtischschublade zurück gelassen. „ Sonja hat immer wissen wollen, wo wir sind. Wenn wir wegfuhren, mussten wir einen Zettel hinlegen”, erinnert sich die Mutter. „Umgekehrt hat sie auch immer gesagt, wo sie hingeht und wann sie wiederkommt. ”

Zweifel an Zeugenaussagen

Sie tragen bis heute unermüdlich Beweise zusammen. Und so sind dann eigene Theorien entstanden. Darüber, was wirklich passiert sein könnte. „ Sonja ist nie an der Telefonzelle aufgetaucht”, sagt Vater Engelhard. Das passe schon von den Uhrzeiten her nicht zusammen. Robert, dem einzigen Zeugen, der den Verlauf des Abends geschildert hat, misstrauen sie sowieso. Mehrmals habe er seine Aussagen korrigiert, sich in Widersprüche verstrickt. Nach Meinung der Eltern hat er die Tochter ihren Kidnappern ausgeliefert: „Ein Judas ist der, er hat sein Geld bekommen, und das war’s”, sagt die sonst so ruhige Ingrid Engelbrecht erregt. Das Ehepaar glaubt, Sonja sei auf Bestellung in arabische Länder entführt worden. Und dass wichtige Leute damit zu tun haben, eine deutsche Variante des Falls Dutroux.

Die Mutter mutmaßt, Satanisten könnten ihre Hände im Spiel haben. Freunde ihrer Tochter hatten, so Ingrid Engelbrecht , Kontakt zu dunklen, spiritistischen Kreisen. Beweisbar ist das nicht, aber in diesem komplizierten Fall kann sowieso niemand irgend etwas mit absoluter Sicherheit behaupten. Nicht die Polizei, nicht die Staatsanwaltschaft.

Für die Ermittler ist Robert glaubwürdig und Sonja sehr wahrscheinlich tot. Vielleicht Entführung, vielleicht ein Sexualverbrechen. „Beweisen kann ich es nicht”, sagt Udo Nagel, Leiter des Münchner Morddezernats, fünf Jahre nach Sonjas Verschwinden. „Weil der Fall auch für uns so mysteriös ist”, meint der Beamte, „konnten wir die Eltern nie zufrieden stellen. ” Jährlich verschwinden in München etwa 1600 Menschen. Statistisch gesehen sind nach drei Tagen zwei Drittel wieder da, nach einem halben Jahr mehr als 99 Prozent. Nur jeder Tausendste bleibt länger als ein Jahr spurlos verschwunden.

„Es ist schon fast schön, mit der Ungewissheit zu leben”, sagt die Mutter. Und fügt schnell hinzu: „Schlimm ist es dann, wenn man weiß, das Kind wurde brutal umgebracht. ” Die schmale Frau mit den dunklen, stark ausgeprägten Augenbrauen war immer für die Kinder zuständig. Etwas anderes als Hausfrau und Mutter wollte sie nie sein. Natürlich ist sie oft verzweifelt. Aber ihren Glauben daran, dass Sonja lebt, kann nichts erschüttern: „Immer wenn ich ein Foto von ihr angeschaut habe, spürte ich eine Botschaft darin. ” Wie ein Blitz habe es sie durchzuckt, es war, als rede die Tochter mit ihr: „Ich komme ja wieder. ” Und auf Gottes Hilfe hofft sie. Vielleicht ist es eine Art Bestimmung. Eine Prüfung, an der sie nicht zerbrechen darf. „Es kamen schließlich immer irgendwoher Zeichen – neue Hinweise oder Informanten – wenn ich mal wirklich mutlos war. ”

Ingrid Engelbrecht redet darüber, wie es sein wird, wenn Sonja wieder da ist. Ihr Mann mag dagegen nicht „über ungelegte Eier” sprechen. Und tut es dann, viel später und in anderem Zusammenhang, doch. Er sucht nach rettenden, unverbindlich klingenden Worten, die ihm sonst leicht von den Lippen gehen. Und findet sie nicht. Verheddert sich. Spricht davon, was Sonja widerfahren sein könnte. Dass sie sich möglicherweise ganz erheblich verändert hat. Äußert Zweifel, ob sie wieder zurück ins normale Leben finden kann. Sieht sich in seinem Wohnzimmer um und sagt: „Ich meine, falls sie in einer pompösen, kriminellen Umgebung gelebt hat. ” Zwischendrin sein gequältes Lachen und gleich dreimal der Tabu-Nebensatz: „Falls sie noch lebt. ”

Bis auf die großen Posten und ein paar Kleinigkeiten ist Sonjas Zimmer so, wie sie es zurück gelassen hat. Der kleine Blechkalender, vor -zig Jahren in einem Souvenirgeschäft in Berchtesgaden gekauft, ist beim 10. April stehen geblieben. Auf einem Regal steht ein Sonja -Porträt zwischen Bildern von Maria und Jesus. Die mystischen Darstellungen mit den verschwommenen Konturen haben für die Engelbrechts große Bedeutung: „Sie sind eine gute, weiße Macht, die Sonja schützt, wenn ihr Foto dazwischen steht. ” Der Schrank ist voll mit ihren Kleidungsstücken: „Ich wollte die Sachen in einen Koffer packen”, sagt die Mutter. Geschafft hat sie es nicht. Wenn Sonja wieder kommt, soll sie sich in ihrem alten Zimmer wohl fühlen.

Denise, das Kind der älteren Schwester Silvia, hat es zu „ihrem Studierzimmer” gemacht. Die Engelbrechts nennen die Achtjährige manchmal „unsere kleine Sonja ”. Sie ist der verlorenen Tochter nicht nur äußerlich sehr ähnlich. „Sie stellt auch so viele Fragen, ist auf dieselbe Art bockig”, sagt die Oma. „Sie identifiziert sich stark mit ihrer Tante und weiß alles von ihr. ” Vor kurzem hat Denise ihren Großeltern ein Saftgebräu vorgesetzt. „Süß, sauer, da war alles drin”, erinnern sie sich. Und habe gedroht: „Wenn ihr das nicht austrinkt, kommt Sonja nie zurück. ”


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Der Fall Sonja Engelbrecht - Zeitungsartikel, Links, Berichterstattung

21.01.2014 um 20:37
Danke an Schnaki, da dieser Link sehr interessant ist:

http://www.juramagazin.de/2-Welche-Mittel-der-polizeilichenstaatsanwaltlichen-Ermittlungsarbeit-wurden-im-Fall-von-S-E-g...

Bayerischer Landtag 14. Wahlperiode Drucksache 14/2304
Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Tausendfreund BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN vom 28. 09. 1999
Vermißtenfall S.E., vermißt seit dem 11.04.1995
Vor dem Hintergrund der öffentlichen Kritik an der Ermittlungsarbeit des Polizeipräsidiums München im Vermißtenfall S. E., vermißt seit dem 11.04.1995, frage ich die Staatsregierung:



1. Wie ist der Stand der polizeilichen/staatsanwaltlichen Ermittlungsarbeit im Fall von S. E. und welche Ergebnisse liegen vor?

2. Welche Mittel der polizeilichen/staatsanwaltlichen Ermittlungsarbeit wurden im Fall von S. E. genutzt und welchen Spuren wurde nachgegangen?

3. Wurde die Gleichstellungsbeauftragte der Polizei einbezogen, wenn ja, welche Maßnahmen resultierten daraus?

4. a) Ist es im Laufe des Verfahrens zu einer Störung im Verhältnis der Ermittlungsbehörden und den betroffenen Eltern gekommen, die zu einer Kontakteinstellung seitens der Eltern geführt hat? Wenn ja, woraus resultieren diese?

b) Sind die betroffenen Eltern und ihre anwaltliche Vertretung ausreichend über den aktuellen Stand der Ermittlungen informiert worden? Welche Informationen wurden ihnen übermittelt? Wurde Akteneinsicht gewährt?

c) Welche Vorschriften und Anweisungen bestehen bei der bayerischen Polizei und bei der Staatsanwaltschaft für den Umgang mit den Angehörigen von Vermißten und eventuellen Verbrechensopfern?

5. Welche Maßnahmen hat die Staatsregierung in den letzten fünf Jahren zur Erhöhung der Sicherheit und Bewegungsfreiheit von Mädchen und Frauen, die in städtischen Bereichen nach Einbruch der Dunkelheit öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder durch Parks laufen, ergriffen?


Antwort des Staatsministeriums des Innern vom 22. 11. 1999:

Die schriftliche Anfrage beantworte ich im Einvernehmen mit dem Staatsministerium der Justiz wie folgt: Zu 1.: Seit der Vermissung der S. E. am 12. Mai 1995 konnten im Verlauf der polizeilichen Ermittlungen keine Lebenszeichen oder nachvollziehbare Erklärungen über ihren Verbleib gewonnen werden. Aufgrund der gesamten Vermissungsumstände muß bei objektiver Fallbetrachtung von einem Verbrechen ausgegangen werden. Der Vermißtenfall wird jedoch nicht als abgeschlossen betrachtet.

Sofern neuerliche Ermittlungsansätze gewonnen werden können, werden die Ermittlungen selbstverständlich fortgeführt und entsprechend ausgeweitet.

Zu 2.: Die in der Erstphase vom Kommissariat 114 (Vermißtenstelle des Polizeipräsidiums München) bearbeitete Vermissung wurde, nachdem aufgrund der Erstermittlungen ein Verbrechen nicht auszuschließen war, schon nach wenigen Tagen von einer sechsköpfigen Arbeitsgruppe des Kommissariats 111 (Mordkommission) übernommen.

Sowohl vom logistischen als auch vom personellen Ansatz wurde analog einer Mordfallbearbeitung in engster Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft München I vorgegangen.

Im Rahmen der Abarbeitung von über 130 Spurenkomplexen wurden u. a. 50 Personen, darunter Angehörige, Lehrer, Mitschüler, Bekannte und Freunde, zeugenschaftlich vernommen.

Der Vermißtenfall S. E. wurde vom sachbearbeitenden K 111 in zahlreichen Presseveröffentlichungen (Tages-/Wochenzeitungen; Fernsehbeiträgen) publiziert und ist immer noch im Internet unter ,,http://www.polizei.bayern.de/ppmuc/fahndung/index.htm" eingestellt.

Zudem wurden 55 Hinweise zu angeblichen Aufenthaltsorten der Vermißten ebenso überprüft wie mehrere Einzelpersonen, die bereits in der Vergangenheit wegen entsprechender Sexualdelikte auffällig geworden waren. Die Ergebnisse waren in allen Fällen negativ.

Zu 3.: Die Gleichstellungsbeauftragte des Polizeipräsidiums München wurde zu keiner Zeit in die Ermittlungen des K 111 eingebunden.

Dafür besteht und bestand auch keine fachliche Notwendigkeit.

Zu 4. a): Hier wie auch beim Polizeipräsidium München bestand und besteht auch weiterhin vollstes Verständnis, daß sich die Eltern E. mit der Ergebnislosigkeit der polizeilichen Ermittlungen nicht zufrieden geben können.

Den Eltern E. wurde seitens des Polizeipräsidiums München immer wieder Gesprächsbereitschaft signalisiert. Konkrete Gesprächsangebote des Leiters des Dezernats 11 fanden in der Folgezeit der Ermittlungen bei den Eltern E. ebensowenig Akzeptanz wie ein ursprünglich von Herrn E. selbst vorgeschlagenes Gespräch mit dem Leiter der Kriminalpolizeidirektion 1 Ende Dezember 1997.
Der Gesprächsvorschlag wurde am 20.01.98 nach mehrmaligen Nachfragen polizeilicherseits von Frau E. selbst zurückgezogen.

Zu 4. b): Bei einer Vielzahl von auch persönlichen Gesprächen mit den Eltern durch den Leiter des Dezernates 11 und die kriminalpolizeilichen Sachbearbeiter wurde immer wieder versucht, die polizeiliche Ermittlungsführung für die Eltern E. möglichst transparent darzustellen und die einzelnen Ermittlungsschritte zu erläutern.

Auch über die Ergebnisse einzelner Ermittlungskomplexe wie Befragungen und Zeugenvernehmungen, insbesondere über die Resultate der Vernehmungen des von der Familie E. mehrfach als Tatverdächtigen bezeichneten letzten Begleiters ihrer Tochter wurden die Eheleute E. fortlaufend zeitnah informiert.

Darüber hinaus wurde dem Rechtsanwalt der Familie E. in der Geschäftsstelle der Staatsanwaltschaft München I Akteneinsicht gewährt.

Zu 4. c): Die polizeiliche Bearbeitung von Vermißtenfällen richtet sich nach der bundesweit gültigen Polizeidienstvorschrift (PDV) 389 (,,Vermißte, unbekannte Tote, unbekannte hilflose Personen"). Die Angehörigen von Vermißten und Verbrechensopfern werden von den Sachbearbeitern-/innen der kriminalpolizeilichen Fachdienststellen parallel zur Fallbearbeitung so gut wie möglich betreut und beraten.

Mit dem bayernweit einzigen speziellen Kommissariat für Opferschutz (K 314) steht dem Polizeipräsidium München ein Instrumentarium zur Verfügung, in dem gezielter Opferschutz/-beratung möglich ist, auch Angehörige von Opfern für ihre Belange kompetente Ansprechpartner finden und je nach Fallgestaltungen auch Vermittlungen zu weiterbegleitenden sozialen Einrichtungen ermöglicht werden.

Zu 5.: Zu dieser Frage darf bezüglich der Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Bayern allgemein auf die ,,Aktion Sicherheitsnetz" in Bayern in Umsetzung des Beschlusses der Innenministerkonferenz vom 2. Februar 1998 zum Thema ,,Verstärkung der Kriminalitätsbekämpfung in Bund und Ländern" hingewiesen werden.

Als Beispiel ist in diesem Zusammenhang die Konzeption des Polizeipräsidiums München zur Steigerung des Sicherheitsgefühls vom April 1998 anzuführen, die die hohe Wertigkeit der polizeilichen Präsenz insbesondere im Bereich der Münchner Verkehrseinrichtungen sowie auch an wenig frequentierten Bahnhöfen im Landkreis festschreibt. Die Präsenz wird speziell in den Abend- und Nachtstunden hoch gehalten.

Im gesamten MVV-Gebiet werden täglich gemischte MVVStreifen, bestehend aus Polizeibeamten und Angestellten der Münchner U-Bahn-Bewachungsgesellschaft, durchgeführt.

Zusätzlich kommen tägliche Schwerpunktstreifen im MVVBereich von Kräften geschlossener Einheiten der bayer. Polizei hinzu.

Die Größenordnung dieser polizeilichen Präsenz durch geschlossene Einheiten des Polizeipräsidiums München wird anhand der Zahlen des Jahres 1998 von · 15.697 Beamtenstunden · 11.278 Identitätsfeststellungen · 1.287 Platzverweise · 258 Festnahmen · 9 Strafanzeigen und · 40 Owi-Anzeigen deutlich.

Seite 2 Bayerischer Landtag · 14. Wahlperiode Drucksache 14/2304


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24.05.2014 um 10:06
Von Vernazza2013 ein aktueller Bericht von heute:

http://www.merkur-online.de/aktuelles/bayern/kind-bist-3581513.html?cmp=defrss

Hamburger Initiative

"Tag der vermissten Kinder": Hilfe durch neue Medien

München - Hunderte Kinder werden jeden Tag als vermisst gemeldet. Meist tauchen sie bald wieder auf. Bleiben sie länger weg, schweben sie häufig in Gefahr. Dann muss es schnell gehen. Neue Medien sollen helfen.


Sonja Engelbrecht fühlt sich beobachtet. Es ist nachts, sie steht allein am Stiglmaierplatz in München, gerade kommt sie von einer Party in Schwabing. Sonja ist 19, hat lange, blonde Haare, bis zwei Uhr früh hat sie in der Wohnung von Bekannten gefeiert. Ihr Schulfreund Robert hat sie hierher begleitet und ist dann in eine Tram gestiegen. Weil das Geld fürs Taxi nicht reicht, will sie ihre Schwester aus einer Telefonzelle anrufen. Dazu kommt es nicht mehr. 19 Jahre ist das her – seit jener Nacht hat niemand mehr etwas von Sonja Engelbrecht gehört.

Es gibt viele solcher Fälle. Zu viele. Der „Tag der vermissten Kinder“ an diesem Sonntag will an sie erinnern. Auf knapp 2800 Info-Screens werden bundesweit Bilder von Vermissten aus der ganzen Welt gezeigt. Auch Sonjas Foto wird als digitales Plakat aufleuchten.

Die Aktion heißt „Vermisst – aber nicht vergessen“ und wird von der Hamburger Initiative Vermisste Kinder organisiert. 100.000 Menschen werden jedes Jahr vermisst. Das ist so, als wäre ganz Erlangen leergefegt. „Die allermeisten Fälle klären sich innerhalb der ersten Stunden oder Tage“, sagt Lars Bruhns. Er leitet die Initiative Vermisste Kinder. Viele Kinder oder Jugendliche tauchen nach kurzer Zeit wieder auf. Andere bleiben noch nach Jahren oder Jahrzehnten verschwunden. Wie Peggy Knobloch aus Lichtenberg.

Aktuell sucht die Polizei in Deutschland nach rund 2300 Kindern und Jugendlichen – egal ob Ausreißer oder Langzeitvermisste. Tag für Tag werden 200 neue Vermisste gemeldet, doch ebenso viele tauchen jeden Tag auch wieder auf. In Bayern wird nach 113 Kindern und 144 Jugendlichen gesucht, die schon lange unauffindbar sind. „Die Zahl erscheint hoch“, sagt ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamts. „Dazu zählen jedoch auch Unglücksfälle, bei denen die Leiche nicht gefunden wurde oder sogenannte Kindesentziehungen.“ Bei diesen verschleppt meist ein Elternteil seine minderjährigen Kinder ins Ausland. „Man weiß zwar, wo das Kind ist, kann aber nichts machen, weil Kindesentziehung in seinem Heimatland nicht strafbar ist.“ Den Behörden fehlt die rechtliche Handhabe.

Weltweit sucht die Initiative Vermisste Kinder seit 1997 nach Verschollenen – über das Internet, soziale Netzwerke oder eben Info-Screens an Bahnhöfen. Die derzeit 27 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Portals „Vermisste Kinder“ stellen zudem Kontakte zu Behörden her, betreuen die Angehörigen und betreiben ein Notfall-Telefon, das rund um die Uhr besetzt ist.

Um die Suche besser koordinieren zu können, wünscht sich Lars Bruhns eine bundesweit zentrale Stelle bei der Polizei: Dort könnten sich Experten um Verschwundene kümmern – ähnlich wie in den USA. „Manchmal werden Vermisstenfälle zu spät in diese Kategorie eingeordnet“, sagt der 33-Jährige. „Dabei sind die allerersten Stunden entscheidend. Die Suche muss ganz, ganz schnell anlaufen.“

Bruhns und seine Mitarbeiter haben ihre Arbeitsweise daher optimiert. Anfangs wollte die Initiative möglichst viele Menschen erreichen, wenn irgendwo ein Kind vermisst wurde – was aber zu einem Überschuss an Hinweisen führen kann. Es mache daher mehr Sinn, gezielt Leute in der betroffenen Region zu alarmieren und eine „konzentrierte Suche“ zu starten. Der Verein will dafür noch in diesem Jahr ein neues Projekt starten – über Handys.

Dabei arbeitet er eng mit dem Info-Screen-Betreiber Ströer zusammen: „Wenn ein Kind vermisst wird, bekommen Handynutzer, die sich in der Region befinden und per GPS orten lassen, auf Internetseiten statt Werbung eine Vermisstenanzeige zu sehen“, erklärt Unternehmenssprecher Marc Sausen.

Im Ernstfall hilft der sogenannte Amber Alert, ein Alarmsystem, mit dessen Hilfe in den USA seit 1996 mehr als 680 entführte Kinder gerettet wurden. Teilnehmer erhalten per App, SMS oder soziale Netzwerke Foto und Steckbrief des vermissten Kindes. Zudem läuft der mit der Polizei abgestimmte Aufruf auf digitalen Anzeigen in Großstädten und Bahnhöfen. Derzeit erreicht der Alarm nach maximal drei Stunden über acht Millionen Menschen in Deutschland.

Ist ein Kind verschwunden, bedeutet das für die Angehörigen: Ungewissheit. Quälendes Warten. Ständige Unruhe. Und: Je länger der Fall zurückliegt, desto geringer werde die Unterstützung, sagt Bruhns. „Man wird relativ schnell gedrängt, wieder normal in der Spur zu laufen – und wieder so fröhlich zu sein wie zuvor.“

Tassilo Pritzl


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Der Fall Sonja Engelbrecht - Zeitungsartikel, Links, Berichterstattung

24.05.2014 um 15:24
Vielen, vielen Dank an seli:

http://www.ovb-online.de/bayern/kind-bist-3582363.html



Kind, wo bist Du?
Hunderte Kinder werden jeden Tag als vermisst gemeldet. Meist tauchen sie bald wieder auf. Bleiben sie länger weg, schweben sie häufig in Gefahr. Dann muss es schnell gehen. Neue Medien sollen helfen.

Vermissten-Tag
Hunderte Kinder werden jeden Tag als vermisst gemeldet. Meist tauchen sie bald wieder auf. Bleiben sie länger weg, schweben sie häufig in Gefahr. Dann muss es schnell gehen. Neue Medien sollen helfen.

Von Tassilo Pritzl

München – Sonja Engelbrecht fühlt sich beobachtet. Es ist nachts, sie steht allein am Stiglmaierplatz in München, gerade kommt sie von einer Party in Schwabing. Sonja ist 19, hat lange, blonde Haare, bis zwei Uhr früh hat sie in der Wohnung von Bekannten gefeiert. Ihr Schulfreund Robert hat sie hierher begleitet und ist dann in eine Tram gestiegen. Weil das Geld fürs Taxi nicht reicht, will sie ihre Schwester aus einer Telefonzelle anrufen. Dazu kommt es nicht mehr. 19 Jahre ist das her – seit jener Nacht hat niemand mehr etwas von Sonja Engelbrecht gehört.

Es gibt viele solcher Fälle. Zu viele. Der „Tag der vermissten Kinder“ an diesem Sonntag will an sie erinnern. Auf knapp 2800 Info-Screens werden bundesweit Bilder von Vermissten aus der ganzen Welt gezeigt. Auch Sonjas Foto wird als digitales Plakat aufleuchten.

Die Aktion heißt „Vermisst – aber nicht vergessen“ und wird von der Hamburger Initiative Vermisste Kinder organisiert. 100 000 Menschen werden jedes Jahr vermisst. Das ist so, als wäre ganz Erlangen leergefegt. „Die allermeisten Fälle klären sich innerhalb der ersten Stunden oder Tage“, sagt Lars Bruhns. Er leitet die Initiative Vermisste Kinder. Viele Kinder oder Jugendliche tauchen nach kurzer Zeit wieder auf. Andere bleiben noch nach Jahren oder Jahrzehnten verschwunden. Wie Peggy Knobloch aus Lichtenberg.

Aktuell sucht die Polizei in Deutschland nach rund 2300 Kindern und Jugendlichen – egal ob Ausreißer oder Langzeitvermisste. Tag für Tag werden 200 neue Vermisste gemeldet, doch ebenso viele tauchen jeden Tag auch wieder auf. In Bayern wird nach 113 Kindern und 144 Jugendlichen gesucht, die schon lange unauffindbar sind. „Die Zahl erscheint hoch“, sagt ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamts. „Dazu zählen jedoch auch Unglücksfälle, bei denen die Leiche nicht gefunden wurde oder sogenannte Kindesentziehungen.“ Bei diesen verschleppt meist ein Elternteil seine minderjährigen Kinder ins Ausland. „Man weiß zwar, wo das Kind ist, kann aber nichts machen, weil Kindesentziehung in seinem Heimatland nicht strafbar ist.“ Den Behörden fehlt die rechtliche Handhabe.

Weltweit sucht die Initiative Vermisste Kinder seit 1997 nach Verschollenen – über das Internet, soziale Netzwerke oder eben Info-Screens an Bahnhöfen. Die derzeit 27 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Portals „Vermisste Kinder“ stellen zudem Kontakte zu Behörden her, betreuen die Angehörigen und betreiben ein Notfall-Telefon, das rund um die Uhr besetzt ist.

Um die Suche besser koordinieren zu können, wünscht sich Lars Bruhns eine bundesweit zentrale Stelle bei der Polizei: Dort könnten sich Experten um Verschwundene kümmern – ähnlich wie in den USA. „Manchmal werden Vermisstenfälle zu spät in diese Kategorie eingeordnet“, sagt der 33-Jährige. „Dabei sind die allerersten Stunden entscheidend. Die Suche muss ganz, ganz schnell anlaufen.“

Bruhns und seine Mitarbeiter haben ihre Arbeitsweise daher optimiert. Anfangs wollte die Initiative möglichst viele Menschen erreichen, wenn irgendwo ein Kind vermisst wurde – was aber zu einem Überschuss an Hinweisen führen kann. Es mache daher mehr Sinn, gezielt Leute in der betroffenen Region zu alarmieren und eine „konzentrierte Suche“ zu starten. Der Verein will dafür noch in diesem Jahr ein neues Projekt starten – über Handys.

Dabei arbeitet er eng mit dem Info-Screen-Betreiber Ströer zusammen: „Wenn ein Kind vermisst wird, bekommen Handynutzer, die sich in der Region befinden und per GPS orten lassen, auf Internetseiten statt Werbung eine Vermisstenanzeige zu sehen“, erklärt Unternehmenssprecher Marc Sausen.

Im Ernstfall hilft der sogenannte Amber Alert, ein Alarmsystem, mit dessen Hilfe in den USA seit 1996 mehr als 680 entführte Kinder gerettet wurden. Teilnehmer erhalten per App, SMS oder soziale Netzwerke Foto und Steckbrief des vermissten Kindes. Zudem läuft der mit der Polizei abgestimmte Aufruf auf digitalen Anzeigen in Großstädten und Bahnhöfen. Derzeit erreicht der Alarm nach maximal drei Stunden über acht Millionen Menschen in Deutschland.

Ist ein Kind verschwunden, bedeutet das für die Angehörigen: Ungewissheit. Quälendes Warten. Ständige Unruhe. Und: Je länger der Fall zurückliegt, desto geringer werde die Unterstützung, sagt Bruhns. „Man wird relativ schnell gedrängt, wieder normal in der Spur zu laufen – und wieder so fröhlich zu sein wie zuvor.“



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