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Sprachgeschichte

19 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Geschichte, Sprache, Linguistik ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
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Sprachgeschichte

02.06.2018 um 11:28
Ich interessiere mich für Geschichte und Sprachen und mithin für eine Kombination aus beidem.

Besonders interessieren mich langlebige Sprachen.

Und hier besonders:

- Das Ägyptische:
Es hat seine Anfänge schon vor 3000 v. Chr. (> 5000 Jahre) und existierte über das Koptische bis in die Neuzeit.
Das Koptische wird aber mit mehrheitlich griechischen und einigen demotischen geschrieben und ist mit griech. Lehnswörtern durchsetzt. Als erste Sprachstufe des Ägyptischen gilt - je nach Einteilung - das frühe Altägyptisch oder das Frühägyptisch (eigene Sprachstufe?).

- Das Griechische:
Seine Anfänge liegen über das Mykenische Griechisch bei vor 1500 v. Chr. (> 3500 Jahre) und es existiert jetzt noch.
Leider sind viele schöne Wörter des Altgriechischen heute abgeschliffen und viele Vokale durch ein /i/-Laut (Jotazismus) ersetzt. Das Mykenische Griechisch liegt uns leider nur in der z. T. undurchsichtigen Schrift Linear B (ungenaue Silben, unklare Zeichen) vor. Das Urgriechisch ab 2000 v. Chr. liegt uns nicht in schriftlichen Quellen vor, sondern ist "zurückgerechnet" (rekonstruiert).

- Die Chinesische:
Das frühe Altchinesisch ist durch Orakelknochen aus der späten Shang-Zeit und damit von vor 1100 v. Chr. (> 3100 J.) belegt.
Eigentlich gilt Altchinesisch aber als Sprache der Zhou-Dynastie mit Inschriften (z. B. auf Bronze) und früher Literatur. Die letzte Stufe des Altchinesischen ist das klassische Chinesisch aus der Zeit der Streitenden Reiche. Es war vom 5. bis zum 3. Jhd. aktiv in Gebrauch und galt danach weiterhin als klassische und gehobene Sprache, die bis in die Neuzeit Verwendung fand.


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Sprachgeschichte

02.06.2018 um 13:54
Auch das Ägyptische, das Chinesische usw., auch diese SPrachen haben sich geändert im Laufe der Zeit. Und wenn Du einen Ägypter aus dem Alten Reich, einen aus der Ptolemäerzeit und nen heutigen Kopten in einen Raum stecken würdest, könnten die sich genauso wenig miteinander unterhalten wie drei Leute mit je eigener Sprache.

Wir könnten genauso gut sagen, die deutsche Sprache ist 5000 Jahre alt, sie hat sich nur etwas verändert. Nur sagen wir das nicht, weil die Sprache unserer Vorfahren vor 5000 Jahren nicht nur zum Deutschen geführt hat, sondern zu sämtlichen germanischen Sprachen und zu weiteren Sprachen innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie. Das wäre genauso "Deutsch", wie es "schwedisch" wäre oder "Friesisch", "Englisch"...

Beim Chinesischen oder Ägyptischen nennen wir es nur deshalb genauso wie die heutige Sprache, weil sie sich nicht in diverse weitere Sprachen aufgeteilt haben, die wir heute mit unterschiedlichen Bezeichnungen versehen. Aber das ist nur ne Frage der Definition. Davon hängt nicht ab, wie stark sich eine Sprache über die Zeit verändert hat.

Wenn wir heute die Texte von Walther vonder Vogelweide oder das Nibelungenlied im Original lesen, verstehen wir praktisch gar nichts. Altgermanisten müssen Alt- und Mittelhochdeutsch (sowie die damaligen Dialekte) erst lernen. So geht es sehr vielen Menschen mit ihrer Muttersprache, daß sie 1000 Jahre alte Texte ihrer Sprachvorfahren nicht verstehen können. Die Isländer dagegen können ihre Edda durchaus lesen und verstehen. Das liegt daran, daßsich das Isländische seit 1000 Jahren nur sehr wenig vom Altnordischen wegentwickelt hat. Es gibt alsodurchaus "konservative" Sprachen, die sich über lange Zeiträume nur wenig verändern.

In alttestamentlicher Zeit lebten im Syrisch-Palästinischen Raum Menschen mit verschiedenen semitischen Sprachen. Hebräisch, Kanaanäisch, Phönikisch, Aramäisch (letzteres sind wieder mehrere Sprachen). Damals schrieben sie alle mit nahezu der selben Schrift. Wenn Menschen dieser Völker sich unterhielten, konnten sie einander nicht verstehen. Aber alle konnten ein und den selben Text lesen und weitestgehend richtig verstehen. Denn es war eine Konsonantenschrift. Hätten wir eine Konsonantenschrift, so würden wir auch "stn" lesen und verstehen, egal ob es deutsch "Stein", schwedisch "sten" oder englisch "stone" wäre. Freilich unterscheiden sich dennoch zahlreiche Wörterbei uns auch in den Konsonanten, Wasser wäre wsr, wtr, vtn. Bei den alten semitischen Sprachen sind diese Unterschiede deutlich seltener.


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Sprachgeschichte

02.06.2018 um 19:25
Wenn man das als klassisch geltende Mittelägyptisch neben das Koptische legt, erkennt man doch klare Gemeinsamkeiten.
Einige Änderungsstrukturen sind sogar mit der Veränderung Latein (Vulgärlatein) → Romanische Sprachen vergleichbar.

Beim Altgriechischen aus der klassischen Zeit 5./4. Jhd. und dem Neugriechischen ist es ähnlich: Man erkennt den anderen.

Das Chinesische kann ich nicht so gut beurteilen.


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02.06.2018 um 20:52
Als Fremdsprachler erkennt man in zwei verwandten Fremdsprachen die Übereinstimmungen tatsächlich besser, als wenn man Muttersprachler einer der beiden verglichenen Sprachen ist. So kann auch ein Fremdsprachler, wenn er deutsch lernt, durchaus niederländisch leidlich verstehen. Anders als ein Deutsch-Muttersprachler. Die Menschen romanischer Zunge tun sich hingegen schwer damit, einander zu verstehen, während unsereins, wenn wir eine jener Sprachen beherrschen, oft die anderen etwas mitverstehen können.

Ich erinnere mich an eine Veranstaltung, bei der Menschen aus diversen Ländern anwesend waren, und alle konnten Deutsch, jedoch in sehr unterschiedlicher "Qualität". Ich hatte Schwierigkeiten, die Lateinamerikaner zu verstehen, wenn diese deutsch sprachen. Ebenso einige Südostasiaten. Witzigerweise konnten die sich alle auf deutsch miteinander unterhalten und einander problemlos verstehen. Dabei nuschelte jede Nationalität ihr Deutsch auf völlig verschiedene Weise.

Erst allmählich, Jahre später, kam ich dann auf den Trichter. Mir fiel auf, daß wenn ich einem Muttersprachler in dessen Sprache etwas sagte, er mich nicht verstand. Bis mir auffiel, daß ich ein Wort falsch betonte oder einen Laut falsch aussprach. WIeso ist ein "diver" ein "deiwer", aber ein "shiver" ein "schiwwer"? Mit meinem "scheiwer" konnte niemand was anfangen. So verstehen auch Deutsche viele Wörter nicht, wenn diese falsch ausgesprochen werden. "Puffer-Mehlchen" für "Puff-Ärmelchen" sind ein uralter Klassiker. Wer hingegen ein Fremdsprachler ist, der eine Sprache z.B. auch mit Büchern erlernt hat, der sieht bei "Schiwwer" wie "Scheiwer" in Gedanken "shiver" und versteht beide Aussprachen richtig.

Es ist also kein Wunder, wenn wir bei fremden verwandten Sprachen große Ähnlichkeiten entdecken und den Eindruck haben, daß man, wenn man die eine als Muttersprache hat, die andere gut verstehen müsse. Aber für Muttersprachler geht das nicht so gut. Für uns sind laben, leben, lieben und loben vier Verben, die nichts miteinander zu tun haben; für Fremdsprachler sehen die Verben schon total "gleich" aus. Oder Galle Gel, Gelb, Geld, Gold, Gulden, Gallier, Cholera, cholerisch, Kelten, auch diese Wörter sind für Menschen, deren Muttersprache nicht deutsch (oder sonst eine indogermanische) ist, zuweilen schneller in ihrem Zusammenhang erkennbar. Für uns sind selbst Weg (wehg) und weg (weck) zwei völlig verschiedene Vokabeln trotz der selben Buchstaben in selber Abfolge. Als Muttersprachler hören wir anders. Und andere Muttersprachler genauso.

Es gibt beim Verstehen verwandter Sprachen noch eine Eigentümlichkeit. Zu Sowjetzeiten haben viele Esten das finnische Fernsehen gesehen. Und sie konnten das eng verwandte Finnisch auch recht gut verstehen. Auf der anderen Seite dagegen können Finnen estnisch kaum verstehen. Dieser Unterschied rührt daher, daß das Finnische sich von der gemeinsamen Ausgangssprache stärker wegentwickelt hat als das Estnische. Wer also eine urtümlichere Sprachstufe beherrscht, kann die abgeleitete, weiterentwickelte Sprache besser verstehen, als umgekehrt der Sprecher der fortgeschritteneren Sprachstufe die ursprünglichere Sprachstufe zu verstehen vermag. So kommt man mit Latein besser durch die romanische Welt, als man mit einer romanischen Sprache durchs Latinum kommt.


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Sprachgeschichte

04.06.2018 um 17:15
Noch ein Bißchen was hinterdreingeschoben.
Zitat von perttivalkonenperttivalkonen schrieb:Wer also eine urtümlichere Sprachstufe beherrscht, kann die abgeleitete, weiterentwickelte Sprache besser verstehen, als umgekehrt der Sprecher der fortgeschritteneren Sprachstufe die ursprünglichere Sprachstufe zu verstehen vermag.
Hätte man also einen Ägypter aus dem Alten Reich, einen aus dem ptolemäischen Ägypten und einen heutigen Kopten in ein Zimmer gesteckt, so könnten die sich zwar nicht miteinander unterhalten, aber immerhin hätten der Ptolemäer und der ausm Alten Reich den Kopten irgendwie verstehen können, und der Ptolemäer wäre auch von seinem Ahnen verstanden worden. Deswegen schrieb ich auch mit Bedacht in meinem vorvorigen Beitrag über die drei Ägypter im Zimmer:
Zitat von perttivalkonenperttivalkonen schrieb:könnten die sich genauso wenig miteinander unterhalten
und nicht "könnten die einander genauso wenig verstehen", eben weil das so nicht stimmt.

Daß Sprache, selbst wenn es die selbe sit, sich ständig verändert, kann man auch oft an der Rechtschreibung erkennen. Diese sowie die Regeln der Lautwiedergabe von Buchstaben bzw. Buchstabenkombinationen sind meist so ne Art "historische Momentaufnahme". Zu einer bestimmten Zeit einigte man sich in einem Sprachraum drauf, wie etwas geschrieben wird. Und später, wenn sich die Sprache verändert, weicht das Geschriebene vom Gesprochenen voneinander ab. Je häufiger sich die "Rechtschreibung" ändert, desto eher hat der Buchstabensatz einer Schrift die Chance, die ursprüngliche Lautbedeutung beizubehalten, sodaß ein "E" eben "kurz oder lang wie "ee"ausgesprochen wird. Je seltener die Schreibweise der veränderten Sprache angepaßt wird, desto komplizierter wird die Ausspracheregel.

Im Deutschen gab es lange Zeit keine Art der "Rechtschreibung", weswegen unsere Art der Buchstaben-Lautung noch recht urtümlich / original ist. Ein E ist ein E, ein A ein A, ein U ein U. Bei den Franzosen aber ist ein EAU (wahlweise mit X am Ende) ein langes O. Verstehe das mal einer. Und auch das Englische erscheint uns arg verquer. Ein langes "iiieh" schreiben die mal "see", mal "sea". mal "reid". Oder ein geschriebenes EA ist mal ein lauthaftes langes I (sea), mal ein langes "Ö" (pearl) oder bei den keltischen Angelsachs-Rednern ein langes Kurz-O (Sean).

So, wie heute das Englische geschrieben wird, so haben vor vielleicht 3...400 Jahren die Leute auf der Insel gesprochen, und zwar mit ungefähr der "alten" Lautaussprache der Buchstaben. Das Wort "earl" für Graf, wohl ein dänisches Mitbringsel des Frühmittelalters, wurde auf der Insel vor ein paar Jahrhunderten noch so ähnlich ausgesprochen, wie damals die Dänen und Norweger ihre "local chiefs" bezeichneten: "jarl".

Aber auch im Deutschen spricht man die Buchstaben nicht mehr komplett exakt aus. Im Mittelalter stand das Wort "naht" nicht für etwas Genähtes, sondern für das Gegenteil des hellen Tages. Ein H war kein Dehnlaut, sondern hörbar wie heut noch immer H am Wort- bzw. Silbenanfang: "heute", "eher"... Die Finnen z.B. fingen erst in der Reformationszeit an, ihre Sprache zu schreiben; den Anfang machte ein Mikael Agricola, der in Wittenberg Theologie studiert hatte und dann zu Hause die Bibel ins Finnische übersetzte. Deswegen heißt eine Stadt bei denen "Lahti" und wird "Lachti" ausgesprochen, nicht "Laati".

Und auch unsere Aussprache von SCH als dunkler Zischlaut ist nicht ursprünglich. Die Niederländer sind da ursprünglicher, wenn die "Geschiedenis" (Geschichte) als "Ches-chiedenis" aussprechen (beide CH wie in"ach"). Das H macht aus einem P ein F (Ph wie Philipp), und so macht ein H aus einem K-lautenden C ein Ach-CH. Also war ein Sch mal ein S-Ch. Und selbst die Aspirierung ist sekundär hinzugekommene Veränderung. Deswegen sagen wir zur lateinischen scola (skola) Schule, heißen den apple Apfel, die porta eine Pforte. Und die Heimat der Skoten nennen wir Schottland stat Skotland. die Heimat Michels aus Lönneberga Schonen, obwohl sie Skane geschrieben wird und der antike Ursprung für die Bezeichnung Skandinavien ist. Und es entschuldigt kein bisserl, daß selbst die Schweden manches K wie Sch aussprechen, etwa die Stadt Jönköping als "Jönschöping").

Wie Sprachen sich verändern, wie man das herausfinden kann, und wie uns dabei heutige Rechtschreibregeln bzw. Lautregeln und der Vergleich mit verwandten Sprachen helfen kann, das ist ein bisserl so wie eine archäologische Ausgrabung, bei der man Schicht um Schicht abträgt, aber auch den Oberflächenbewuchs beachtet und mit Bodenfotos arbeitet, die aus der Luft aufgenommen wurden und Strukturen unter dem Boden verraten können. Hat auch ein Bisserl was von Sherlock Holmes. Ich find das total spannend. Allerdings muß man sich da erst ne Weile einarbeiten, sonst kommt man auch mal schnell zu falschen Schlüssen. Sonst hört man wie Erhard Landmann Ähnlichkeiten heraus, die keine sind. Der Typ führt alle Sprachen und Schriften der Welt auf "Elidiutisch" ("Altdeutsch") zurück. Bei dem heißt "Döner Kebap" ursprünglich "De Nahr gepapp", die Nahrung zusammengepappt.


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Sprachgeschichte

04.06.2018 um 18:53
@perttivalkonen
Wow, danke für diesen Beitrag.
Das ist ja echt mega interessant.

Ich habe täglich mit Dänen, und fast genauso oft mit Norwegern und Schweden zu tun.
Bei den Dänen fällt mir immer wieder auf, dass sie viele englische Wörter für bestimmte Dinge benutzen. Teils modern, aber teils auch seit je her.
Z.B. Das Wort für Wochenende: Weekend
Ich spreche fließend Dänisch, und wüsste jetzt nicht dass es überhaupt ein dänisches Wort dafür gibt.
Kommt das englische Weekend also doch aus dem skandinavischen?
Naja, all sowas finde ich auch immer sehr interessant.


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Sprachgeschichte

04.06.2018 um 19:57
Kurzer Blick in die Wikipedia, den deutschen wie den dänischen Artikel: die Briten haben das Wort Ende des 19.Jh. erfunden. Die Dänen haben es übernommen, die Deutschen haben es übersetzt. Das Grimmsche (etymologische) Deutsche Wörterbuch (die Grimms haben es nicht zuende geschrieben, es wurde erst 1961 beendet) weiß noch zu berichten, daß unser "Wochenende" erst nach dem (ersten) Weltkrieg in Mode kam.

Bis weit in die Neuzeit hinein empfand man den Sonntag als ersten Tag der Woche und benötigte auch überhaupt keine Bezeichnung für den "arbeitsfreien Wochenteil". Erst in einer säkularisierten und individualisierten Zeit empfand man den Sonntag nicht mehr vorrangig als "heilig", sondern vor allem als Erholung nach sechs Tagen Arbeit. Somit rutschte der Sonntag ans Ende der individuell erlebten Woche. Wie es schon bei den Juden/Israeliten mit dem Sabbat als siebtem Wochentag war: die Ruhe nach der Arbeit.
Zitat von skagerakskagerak schrieb:Ich spreche fließend Dänisch
Hast Du Dir mal die Wochentage angesehen, angefangen mit dem Sonntag? Und hast Du den Witz mit dem Samstag bemerkt?

Danke für das Lob...


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Sprachgeschichte

04.06.2018 um 23:04
@perttivalkonen
Ja okay, hab jetzt extra nicht Wiki bemüht, wusste um dein Engagement ;-)

Das klingt sehr einleuchtend und schlüssig.

Und nee, sorry, habe mir jetzt alle dänischen Wiki-Beschreibungen und die deutsche Wiki-Samstag-Beschreibung durchgelesen, aber weiß nicht welchen Witz du meinst. Vielleicht das Beispiel im deutschen mit der Miete zur Wohnimmobilie, indem der Samstag als Wochenbeginn gilt? Oder halt im dänischen dass es eigentlich Waschtag bedeutet?
Ansonsten sorry, stehe da auf‘nem Schlauch :-)


Interessant finde ich, dass es immer mit Planeten zu tun hat bzw mit römischen Göttern. Allerdings entzieht es sich auch meinem Wissen, wie und wo die Zusammenhänge oder auch nicht in Bezug zur kirchlichen Geschichte und deren
Bezeichnungen stehen oder standen.
Ich dachte immer, die Bezeichnungen im deutschen hatten immer biblischen Ursprung, also weniger mit Planeten zu tun. Aber wie gesagt, kenne mich mit dem Römerkram und so nicht aus.
Muss man also die Ethymologie differenzieren, zwischen den rein kalendertechnischen Sachverhalten und den reinen Wortherkünften der allgemeinen Sprache? Mir scheint es sehr komplex.


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Sprachgeschichte

05.06.2018 um 00:03
Zitat von skagerakskagerak schrieb:aber weiß nicht welchen Witz du meinst
Mit einem warst Du dicht dran.

Die Germanen hatten irgendwann die Siebentagewoche von den Römern übernommen, aber den Tagen eigene Namen gegeben. Nach eigenen Göttern. OK, die Franzosen übernahmen dann doch die lateinischen Götter, und auch bei den Briten ist der Samstag wie bei den Römern der Saturnstag (saturday). Aber sonst.

OK, Sonntag und Mondtag blieben ebenfalls wie bei den Römern, aber bei den Germanen heißen Sonne und Mond eben auch nur Sonne und Mond. Aber der Dienstag ist dann schon dem südgermanischen Gott Ziu gewidmet (tuesday, in manchen deutschen Gegenden Ziestag), der bei den Nordgermanen Tyr heißt (dänisch Tirsdag), der Gott des Things (niederländisch Dingesdag, unser Dienstag). Unser schnöder Mittwoch gilt anderen Germanenvölkern als südgermanisch Wotanstag (Wednesday, niederländisch Woensdag) oder nordgermanisch Odinstag (Onsdag). Donnerstag gilt natürlich dem südgermanischen Donar, nordgermanisch Thor (thursday, dänisch torsdag). Freitag, friday, fredag gilt dem Frey.

Und der siebte Tag? Da scheinen den Germanen die Götter ausgegangen zu sein, oder was sonst sie geritten haben mag. Die Briten nahmen den Römergott Saturn, die Altengländer hatten zuvor allerdings sowas ähnliches wie wir mit unserem Sonnabend, nämlich sunnanaefe. Beide Bezeichnungen sind eigentlich nicht vollständig. Komplett muß der Samstag mal "Sonntagvorabend" geheißen haben, altenglisch "sunnandagaefe" (vergleiche evening=Abend; eve=Vorabend). Dann haben wir noch Samstag, althochdeutsch sambaztac. Meint Sabbat-Tag, wie auch die Italiener, Spanier, Franzen... zum Sonnabend sagen oder die Russen.

Aber eigentlich hieß der Sonnabend bei den Germanen laugrdag. Lördag bei den Schweden, Lørdag bei den Dänen und Norwegern, laugardagur auf Island. In der Tat hängt lör/laugar/laugr mit unserer "(Wasch-)Lauge" zusammen.

WIe schnöde ist das denn? Da widmen die Germanen jeden Tag der Woche einem göttlichen Gestirn, einem Asen- oder Vanengott, aber der letzte Tag heißt dann "Waschtag"??? In einer Reihe mit strahlendem Gestirn und hehrem Gotte ein Waschzuber??? Als Ase würde ich mich doch echt angepinkelt fühlen, in einer Aufzählung mit "Badewanne" vorzukommen. Ja, so sindse, die Germanen: keinen Respekt vor nix und niemand!

Lustig auch, daß in den germanischen Nachfolgekulturen wie D-Land bis ins 20.Jh. der Sonnabend tatsächlich der klassische Waschtag war, wo Mami die Wäsche schrubbte und die Family in die Wanne hüpfte. Manche Bräuche halten sich echt über Jahrtausende.


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Sprachgeschichte

05.06.2018 um 01:30
Zitat von perttivalkonenperttivalkonen schrieb:Freitag, friday, fredag gilt dem Frey
Dem Bruno?

Wikipedia: Bruno S. Frey

Ich dachte immer, Freya ist die Namesgeberin.

Wikipedia: Freya

Just for the klugscheissering.


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Sprachgeschichte

05.06.2018 um 02:09
Zitat von NarrenschifferNarrenschiffer schrieb:Just for the klugscheissering.
Hättste mal noch eins weitergeschissen, wärste bei Freyr gelandet. Aber in der Tat geht der Freitag auf Freya/Frigg zurück, nicht auf Frey(r). Schließlich war der Freitag bei den Römern der des Veneris, der Tag der Venus, und das war'n Mädchen, kein Knabe.


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Sprachgeschichte

05.06.2018 um 09:18
@perttivalkonen
He he, ja, gewundert habe ich mich darüber. Dachte halt typisch deutsch ;-)
Hab grad mit meinem Kumpel drüber gequatscht.
Wir mussten lachen bei dem Versuch, ein dänisches Wort für Weekend zu erfinden :-D


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Sprachgeschichte

05.06.2018 um 09:46
Zitat von perttivalkonenperttivalkonen schrieb:Lustig auch, daß in den germanischen Nachfolgekulturen wie D-Land bis ins 20.Jh. der Sonnabend tatsächlich der klassische Waschtag war, wo Mami die Wäsche schrubbte und die Family in die Wanne hüpfte. Manche Bräuche halten sich echt über Jahrtausende.
Ist ja auch praktisch, wenn man sich die ganze Woche schmutzig macht, und für den Sonntagsgottesdienst sauber sein will.


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12.06.2018 um 09:44
@Philipp
Nur daß der Seiftag schon so hieß, als die Germanen am Freitag noch der Freya gedachten statt der Kreuzigung Christi.


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30.06.2018 um 09:23
@Momjul
Verstehe was du meinst.
Wobei ich mich eher auf die deutsche bzw. genauer gesagt auf die bayerische Sprache interessieren würde.

Stelle mir ja vor wie weit man rein theoretisch in die Vergangenheit zurück reisen kann damit man sich noch mit den Menschen unterhalten kann.

Wenn ich mal meine Familie nehme: sie wohnt seit 500 Jahren nachweislich in Bayern, genauer gesagt Oberpfalz. Also die Sprache und auch der Dialekt sollten ähnlich sein wie meiner heute. Jedoch verändert sich im laufe der Jahrhunderte ja auch schon die Sprache merklich^^


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Macfo ehemaliges Mitglied

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Sprachgeschichte

02.07.2018 um 01:27
Kann @perttivalkonen 's Beispiel voll bestätigen.

Habe damals im Ausland mit andere Ausländern (also Auslandshausländer :) ) zusammengewohnt.


Alle am Schnattern, wir haben uns alle super verstanden. Ab und an ein Wort gesucht, was soll's. Der einzige, der immer wieder Mal Probleme hatte verstanden zu werden oder uns zu verstehen war der einzige Inländer.

Außerdem lustig: für mich klangen die anderen Recht sprachsicher. Nur bei der anderen Deutschen ist mit ihr krasser, deutscher Akzent aufgefallen. Als ich ein paar Jahre später ein paar von den alten Hausbewohnern wiedergesehen habe, viel mit plötzlich der starke, ausländische Akzent auf, der früher nie da war.

Gleiches auch in diversen Werkhallen. Deutsche,. Polen, Tschechen, Ungarn, Marokkaner, Portugiesen, Kolumbianer usw. usf. Keiner kann so richtig Englisch. Aber alle verständigen sich mit fies akzentuiertem Englisch und alle verstehen sich beinahe problemfrei.
Zitat von perttivalkonenperttivalkonen schrieb am 05.06.2018:(niederländisch Dingesdag, unser Dienstag)
Zum Schluss Klugscheißer spielen: Dienstag auf NL ist Dinsdag. Dingesdag wäre allerhöchsten Drenter Dialekt.


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Sprachgeschichte

02.07.2018 um 02:02
Zitat von MacfoMacfo schrieb:Zum Schluss Klugscheißer spielen: Dienstag auf NL ist Dinsdag. Dingesdag wäre allerhöchsten Drenter Dialekt.
Jepp, hast recht. Dingesdag ist ostniederländisch / nedersaksisch. Und zwar eine von zehn verschiedenen nedersaksischen Unterdialekt-Varianten für Dienstag.

Wieder was gelernt.

Wikipedia: Niedersächsische Dialekte in den Niederlanden
https://nl.wiktionary.org/wiki/dingesdag


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Sprachgeschichte

03.07.2018 um 13:21
Zitat von perttivalkonenperttivalkonen schrieb am 02.06.2018:Für uns sind selbst Weg (wehg) und weg (weck) zwei völlig verschiedene Vokabeln trotz der selben Buchstaben in selber Abfolge.
Genauso wie umfahren & umfahren, sogar mit exakt gegenteiliger Bedeutung.


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Sprachgeschichte

11.07.2018 um 11:07
der zusammenhang von sprache und denken ist eines meiner interessensgebiete. oder zb auch der unglaubliche bedeutungsreichtum von redewendungen, metaphern usw.


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