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Sacred Weeds - Henbane (Bilsenkraut)

... aus dem Blog von lesslow   Profil von lesslow

"Es gibt immer noch Menschen die Psychedelika wehement ablehnen.

Kaum einer davon hat sie je ausprobiert und die Ablehnung geht zu 99% auf das Konto von Leuten,

die nicht die geringste Ahnung von ihren Wirkungen haben.

Aber ob sich daran in nächster Zeit wesentlich etwas ändern wird, ist schwer zu sagen."



Duncan Blewett - ehem. Dekan der Psychologischen Fakultät, Universität Saskatchewan

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Sacred Weeds - Henbane (Bilsenkraut)


01.01.2010 um 21:26, keine Kommentare
Eine wissenschaftliche Studie über das Bilsenkraut:



Hyoscyamus albus - Gelbes Bilsenkraut

Familie

Solanaceae (Nachtschattengewächse); Solanoideae, Tribus Hyoscyameae, Subtribus Hyoscyaminae

Formen und Unterarten
Meist werden die drei Varietäten unterschieden:
Hyoscyarrtits albies L. var. desertorinn Hyoscycirrtus albus L. var. canariensis Hyoscyarritis albus L. var. albus

Synonyme
Hyoscyamus hiteus nom nud.

Volkstümliche Namen
Altersum, Apollinaris, Bily blin (Böhmisch), Diskiamos (mod. Griechisch), Dontochorton (Zypriotisch), Helles Bilsenkraut, Hyoskyamos, Obecny (Böhmisch), Sikran (Marokkanisch), Weiß Bülsen, Weiß Bülsenkraut, Weißes Bilsenkraut, Zam Bülsenkraut11j

Geschichtliches
Diese Bilsenkrautart war das in der Antike am meisten verwendete Zauberkraut und Heilmittel (SCHNEIDER 1974 11: 184*). Es wurde ausführlich von Dioskurides (IV, 69) beschrieben und als die medizinisch wertvollste Art dargestellt. Ähnlich äußerte sich der Römer Plinius in seiner Naturgeschichte (l. Jh.): »Dem Herakles schreibt man auch die Pflanze zu, die bei uns Apollinaris oder von manchen altercum, bei den Griechen aber hyoskyarrios genannt wird. Es gibt von ihr mehrere Arten: die eine hat einen schwarzen Samen, fast purpurrote Blüten, ist am Kelch stachelig und wächst in Galatien [Hyoscyamus niger]; die gewöhnliche Art ist aber weißer, buschiger und höher als der Mohn [Hyoscyamus muticus (?)]; der Same der dritten Art ist dem des Hederichs ähnlich; alle drei Arten erzeugen Raserei [insania] und Schwindel. Die vierte Art ist weich, wollig, fetter als die übrigen Arten, hat einen weißen Samen und gedeiht in Küstengegenden. Diese [Art, Hyoscyamus tilbits] haben die Ärzte verwendet, ebenso die mit dem rötlichen Samen. Manchmal wird aber auch der weiße Same rötlich, wenn er nicht reif geworden ist, und man verwirft ihn. Überhaupt sammelt man nirgends die Pflanze, bevor sie nicht dürr geworden ist. Sie hat die Eigenschaft des Weins, daher verunsichert sie Sinn und Kopf. Man verwendet den Samen sowohl für sich als auch den ausgepreßten Saft. Man preßt ihn gesondert aus, auch aus den Stengeln und Blättern. Man bedient sich auch der Wurzel; es handelt sich aber jedenfalls, wie ich glaube, um ein gewagtes Arzneimittel. Es ist bekannt, daß auch die Blätter den Geist verwirren, wenn man mehr als vier im Getränk nimmt; sie sollen aber nach Meinung der Alten in Wein das Fieber vertreiben. Aus den Samen bereitet man ( . . . ) ein Öl, das, selbst in die Ohren geträufelt, den Verstand verwirrt, und es ist merkwürdig, daß man denen, die es getrunken hatten, Heilmittel wie gegen ein Gift verabreicht und es doch selbst als Heilmittel verwendet.« (PLINIUS XXV 17, 35-37) In England identifizierte man den aus der Neuen Welt stammenden Tabak
(Nicotiana rustica, Nicotiana tabacum) als eine Art des Bilsenkrauts (Hyoscyamus periivianus). Das Wort »Tabak« war im 17. Jahrhundert eine Art Synonym für Kräuter, die sich rauchen ließen. Deshalb wurde das »Kleine gelbe Bilsenkraut« (Hyoscyamus luteits), das in vielen englischen Gärten anpflanzt wurde und sich anscheinend selbst aussäte, English Tobacco genannt (GERARD 1633: 3560. Ein deutlicher Hin weis dafür, daß das in Europa heimische Bilsen kraut schon früher zu den Rauchkräutern gehör hat und möglicherweise rituell verwendet wurde (vgl. GOLOWIN 1952'0. Das Gelbe Bilsenkraut hat heute nur eine geringe pharmazeutische Bedeutung in der Produktion von Tropanalkaloiden (SAUERWEIN und SHI MOMURA 1991).

Verbreitung
Das Gelbe Bilsenkraut ist vor allem in Südeuropa (Spanien, Italien, Griechenland) und im Nahen Osten verbreitet. Sehr häufig kommt es auf den israelischen Golanhöhen vor (DAFNI und YANIV 1994: 12*). Es wächst bevorzugt an sonniger Stellen in Meeresnähe.

Anbau
Diese ein- bis dreijährige Bilsenkrautart läßt sich am erfolgreichsten anbauen. Die Samen müssen nur locker auf sandigen oder lehmigen, auch kargen Böden verstreut werden. Am Anfang gelegentlich gießen, aber niemals übergießen. Da; hitzebeständige Kraut kann auch in Ritzen, altem Mauerwerk und zwischen Felsen gedeihen. Im Mittelmeergebiet ist die Blütezeit zwischen April und Mai, in Mitteleuropa (als Kulturpflanze) zwischen Juni und September. Das ganze Kraut wird noch während der Blüte geerntet und an der Wurzel an einem luftigen Ort aufgehängt. Das Trocknen dauert 3 bis 6 Wochen.

Aussehen
Das ca. 40 bis 50 cm hoch wachsende Kraut hat zwar aufrechte Stengel, erscheint aber oft buschig. Die hellgrünen Stengel und gezackten Blätter sind ebenso wie die Blütenkelche und Früchte stark behaart. Das Kraut blüht auf Zypern und in Griechenland von Januar bis Juli. Die Blüten haben eine hellgelbe Farbe. Im Innern sind sie oft tiefviolett. Die Samen haben eine weißliche oder ockerfarbene, seltener eine graue Färbung.

Droge
- Blätter
- Kraut
- Samen

Zubereitung und Dosierung
Das getrocknete Kraut kann bei Asthma, Bronchitis und Husten geraucht werden (in der Menge einer Zigarette). Mit Hantblüten (Cannabis indica, Cannabis sativa)
und getrockneten Fliegenpilzen (Amanita muscaria) zu je gleichen Teilen kann man eine aphrodisierende Rauchmischung herstellen. Einen »prophetischen Wahnsinn« kann man durch das Inhalieren glosender Bilsenkrautsamen erzeugen. Das frische oder getrocknete Kraut kann, in Wein eingelegt, als Mittel gegen Schmerzen und Krämpfe dienen. Zur Dosierung siehe Hyoscyamus muticus und Hyoscyamus niger.
In Marokko sagt man, daß die Menge, die man zweimal mit den Fingerspitzen aufnehmen kann, halluzinogen wirkt (VRIES 1984).

Rituelle Verwendung
Das Bilsenkraut, besonders diese Art, war sicherlich das wichtigste antike Mittel zur Erzeugung einer Trance und wurde offensichtlich bei vielen Orakeln und von weissagenden Frauen (Sibyllen, Pythias) eingenommen. Als »Drachenkraut« im alten Erdorakel der Gaia, als »Rasendmachende« im kolchischen Orakel der Hexengöttin Hekate, als »Zeusbohne« beim Orakel des spätantiken Zeus-Ammon und römischen Jupiter und als »Apollonpflanze« in Delphi und anderen Orakeln des Gottes des »prophetischen Wahnsinns«",' (RÄTSCH 1987). Meist wurden die Samen einzeln oder finit anderen Substanzen vermischt als rituelles Räucherwerk verbrannt und inhaliert, oder die Blätter wurden, in Wein eingelegt, getrunken. Wenn die Wahrsager und Prophetinnen nach rituellen Waschungen den Rauch inhalierten bzw. den Wein tranken, riefen sie die Orakelgottheit, meistens Apollon, an. Wenn sie, vom Gott erfüllt, das menschliche Bewußtsein verloren hatten, gaben sie die Botschaften Apolls durch ihren Mund bekannt. Das meist unverständliche Gebrabbel, Geächz und Gestöhn wurde von Priestern »übersetzt«, d.h. interpretiert und als Orakelspruch verlesen (KERI~NYI 1983, MAAS 1993, PARKE 19()5 und 1988, ROBERTS 1984). Das Kraut oder die Samen der sikrani, »Rauschmittel«, genannten Pflanze (vgl. Hyoscyamus mu
ticus) werden in Marokko heute noch für psychoaktive Zwecke geräuchert oder als Bestandteil psychoaktiven Räucherwerks, meist mit den Samen von Peganum harmala
kombiniert, benutzt (VRIES 1994).

Artefakte
Eigenartigerweise gibt es keine antiken Hinterlassenschaften, die sich als Darstellungen des Gelben Bilsenkrautes interpretieren ließen.

Medizinische Anwendung
Der medizinische Gebrauch des Bilsenkrauts wurde schon vom legendären Arzt Hippokrates (uni 460 bis um 370 v. Chr.) gerühmt. Seine Schüler, die Hippokratiker, gaben die Samen zusammen mit Wein bei Fieber, Tetanus und Frauenleiden. Als Gegenmittel (Antidot) bei Oberdosierungen wurde Eselsmilch angegeben. Das Gelbe Bilsenkraut gehörte zu den bedeutendsten Schmerzmitteln der Antike. Nach Galen (um 130-199 n. Chr.) ist es der Hauptbestandteil eines Schlaf- und Betäubungsmittels names philonion. Dieses bestand aus 5 Teilen Safran (Crocus sativus), je einem Teil
Pyrethrum, Eitphorbium, Spica nardi, je 20 Teilen weißem Pfeffer (Piper albuni = Piper nigrum) und Bilsenkraut und 10 Teilen Opium (vgl. Schlafschwamm). Auf Zypern werden heute noch die zerdrückten Blätter als schmerzstillendes Pflanzenpflaster aufgelegt. Mit Tabak (Nicotiana tabacum) zusammen werden die getrockneten Blätter gegen Asthma geraucht (GEORGIADES 1987 II: 56*). In der israelischen Volksmedizin der Bewohner der Golanhöhen werden die Blätter in verschiedenen Zubereitungen (Dekokt, Paste) zur äußerlichen Behandlung von Hautkrankheiten, offenen Wunden, Kopfschmerzen, Rheuma, Augenentzündungen und Insektenstichen benutzt (DAFNI und YANIV 1994: 13*).

Inhaltsstoffe
Das ganze Kraut enthält die Tropanalkaloide Hyoscyamin und Scopolamin, daneben Aposcopolamin, Norscopolamin, Littorin, Tropin, Cuskohygrin, Tigloidin und Tigloyloxytropan in ähnlicher Konzentration wie Hyoscyamus niger.

Wirkung
Die psychoaktive Wirkung des Bilsenkrauts war in der Antike sehr gut bekannt und wurde -als rnania oder »Wahnsinn« bezeichnet. Mit »Wahnsinn« beschrieben die Griechen keinesfalls einen pathologischen Zustand, sondern eine dramatische Bewußtseinsveränderung: »Wahnsinn (rnania): Der Gattung nach gibt es nur einen Wahnsinn; aber seine Formen sind tausendfältig. Er ist seinem Wesen nach ein dauerndes Außersichsein. ( . . . ) Auch der Wein kann ja im Rausch bis zur Verrücktheit erhitzen; sogar Eßbares erzeugt Raserei, wie Alraun [Mandragora
officinarum] oder Bilsenkraut. Aber all das fällt noch nicht unter den Namen Wahnsinn; so plötzlich wie er gekommen ist, so schnell verschwindet er wieder.« (ARETAEUS, De calisis et signis niorborurn chrotiicorlirft 1, 6) Dieser »Wahnsinn« galt als eine »göttliche Veränderung des gewöhnlichen, ordentlichen Zustandes«: »Den göttlichen Wahnsinn aber teilten wir nach vier Göttern in vier Zeile und eigneten den weissagenden Wahnsinn dem Apollon zu, den der Weihen dem Dionysos, den dichterischen den Musen, den vierten aber der Aphrodite und dem Eros, und den Wahnsinn der Liebe nannten wir den besten.« (SOKRATES in PLATON, Phaidros 48)
Da das Bilsenkraut das nach außen gerichtete Bewußtsein betäubt, öffnet sich der Mensch für das Göttliche: »Wenn der göttliche Wahnsinn prophetischer Begeisterung über den Menschen kommen soll, so muß die Sonne des Bewußtseins in ihm untergehen; das menschliche Licht muß in dem göttlichen verschwinden.« (PHILON VON ALEXANDRIA) Genau der »weissagende Wahnsinn«, eine Art prophetisch-hellsichtiger Bewußtseinszustand (oder eine Form der Trance), wurde durch die heilige »Pflanze des Apollon« ausgelöst (Vgl. PLINIUS XXVI, 140). Ansonsten ist die Wirkung dieser Bilsenkrautart den Effekten der anderen Arten ähnlich oder gleich.

Marktformen und Vorschriften
Keine

aus: Christian Rätsch - Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen
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