leopold schrieb am 23.08.2012:Wenn deine Firma das haben will, müssen sie dich eben ein paar Tage dahin schicken.
Die Prüfung sollte dann kein Problem sein.
Ein paar Tage Vorbereitung haben 2012 vermutlich nicht geschickt.
Einige Monate sind realistischer, es sei denn man arbeitet schon lange im Büro nur mit diesen Sachen wie das beim Themenersteller wohl der Fall war.
Als Lkw-Fahrer ohne Vorkenntnisse ist das ein langer Weg der aber wenn man es will auch zu schaffen ist.
Einem Berufskraftfahrer würde ich in dem Fall dringend raten den SVG Kurs zu absolvieren, ja auch wenn das nicht billig ist.
Die Fachkundeprüfung besteht aus einer theoretischen und praktischen Prüfung die man bei der jeweils zuständigen IHK nach Voranmeldung bestehen muss.
Zur Gründung und Führung eines Unternehmens, welches gewerblichen und genehmigungspflichtigen Güterkraftverkehr betreibt, muss die zur Führung der Geschäfte bestellte Person die fachliche Eignung nachweisen. Dies geschieht in der Regel durch das Ablegen einer Fachkundeprüfung
https://www.frankfurt-main.ihk.de/branchenthemen/verkehr-logistik/gueterkraftverkehr/fachkundepruefung-fuer-unternehmer Die IHK-Webseiten (hier Frankfurt) unterscheiden sich minimal von Stadt zu Stadt.
Man kann auch bei der IHK anrufen. Die erklären und helfen einem gerne, auch beim zurechtfinden auf der Webseite der IHK. Das ist aber auf der Webseite der IHK ,
Industrie- und Handelskammer nicht schwer.
Vor der Prüfung sollte man folgenden SVG Vorbereitungs-Kurs online besuchen.
https://www.svg-akademie.de/aus-und-weiterbildung/gueterkraftverkehrDort werden die Fragen durchgenommen die in der Prüfung vorkommen.
Das kostet einiges an Geld, dauert auch einige Monate, ist aber der einfachste Weg, sofern man keine Vorkenntnisse hat.
Wer denkt er müsse sich das Geld für diesen Online-Kurs sparen macht (als einfacher Lkw-Fahrer) einen Fehler.
Alternativ müsst ihr sonst 2 oder 3 Bücher auswendig lernen und dann ohne zu wissen was auf euch zukommt hoffen die Prüfung zu bestehen.
Das wären z.B. folgende Bücher vom Vogel Verlag.
https://www.heinrich-vogel-shop.de/shop/aus-und-weiterbildung/fachkunden/ausbildungspaket-gueterkraftverkehrs-unternehmer.htmlOhne Kurs und nur mit den Büchern müsst ihr etwa doppelt oder dreimal soviel lernen.
Wenn auch sich nur wenige Dinge von Jahr zu Jahr ändern, solltet ihr von den Büchern die möglichst aktuellsten haben.
Ein paar Sachen würde ich gern noch einem Fahrer sagen der an eine mögliche Selbstständigkeit denkt.
Ihr solltet vor und nicht erst nach der Prüfung wissen wo ihr in Zukunft fahrt.
Es macht kein Sinn zu glauben man müsse nur die Prüfung schaffen und dann läuft der Rest wie von alleine.
Die Speditionen warten nicht sehnsüchtig darauf euch mit Geld zu überschütten.
Ihr werdet hin und wieder krank werden.
Der LKW kommt zur Reparatur und zur Inspektion.
In einem Satz: ihr solltet ein eigenes Unternehmen (z.B. im Speditionsbereich) nur dann wagen wenn ihr sicher seit damit genug zu verdienen.
Ein Plan oder eine klare Grenze festzulegen wo man Stop sagt bevor man in den Schulden landet wäre keine schlechte Idee.
Um zu verstehen warum wäre folgende Seite lesenswert:
Branchentrend: Mehr Pleiten, weniger Perspektive
https://trans.info/de/insolvenzen-deutschland-429233Geht man auf gut Glück zu XYZ-Spedition und sagt denen man hat die Prüfung und alles gemacht, möchte nun Aufträge fahren werden die euch Aufträge geben und das wird finanziell nur dann funktionieren wenn ihr die nächsten 20 Jahre kaum krank werdet, jeden Stau umfliegen könnt und euer LKW nahezu unkaputtbar ist, etwas überspitzt ausgedrückt.
Ansonsten kommt ihr auch nicht mit mehr Geld raus als im Angestelltenverhältniss. Aber mit mehr Sorgen und Risiken.
Die ganze Sache hängt also nicht von so einer Prüfung ab sondern einzig und allein davon ob ihr damit sicher mehr verdient als der LKW und alles andere im Monat zusammen kostet.
Genau das solltet ihr vor allen anderen Dingen wissen.
Vermutlich braucht es gute Bekannte um gut bezahlte Aufträge zu bekommen.
Im Stückgutbereich (7,5 Tonner) solltet ihr sehr deutlich über 500 Euro am Tag bekommen.
Bei >3 Achser (>12Tonner) und größere Sachen wären 700 Euro wohl das Mindeste. Die Zahlen habe ich von etwa 2023 im Kopf.
Bei den Rechnungen solltet ihr mit 3 Wochen, also 15 Tagen arbeit im Monat kalkulieren und nicht mit 20 Tagen bzw 4 Wochen im Monat.
Seit ihr bei 15 Tagen noch im Minus macht das ganze Risiko keinerlei Sinn denn ihr werdet nicht regelmäßig 20 Tage pro Monat über die nächsten Jahre problemlos fahren.
Der Unterschied von Brutto und Netto sollte vielleicht auch schemenhaft bekannt sein genauso wie die Adresse vom Finanzamt.
Fachkundeprüfung.
Man lernt dort im Detail nur ausreichend wie die unterschiedlichen Punkte eines Unternehmens theoretisch funktionieren.
Wie das Unternehmen funktionieren soll, Versicherung, Leasing,
Aufträge, das sollte
alles genau fest stehen bevor man die Prüfung in Angriff nimmt, nicht umgekehrt.
Das Zertifikat der bestandenen Prüfung ist nur eine von >12 Dokumenten die ihr zur Gründung eines Unternehmens braucht. Genauer braucht ihr die für die EU-Lizenz.
Ihr müsst in jedem Fall mit finanziellen Risiko umgehen können und das ständig ohne diese Sorgen ablegen zu können. Und, vielleicht nicht unwesentlich, ihr solltet gerne da draußen unterwegs sein. Die Arbeit sollte euch neben manch Stress und Problemchen doch Spaß machen.
Zudem sollte euch Verantwortung Freude bereiten.
Und wenn ihr gut seit, tragt ihr womöglich in wenigen Jahren Verantwortung für eure Angestellten.
Wenn euch nicht klar ist das eure Verantwortung dann hauptsächlich darin besteht die Arbeitsplätze eurer Angestellten zu sichern, ihr lieber das Geld für Sinnloses ausgebt, seit ihr weder im Speditionsbereich noch sonst wo als Selbstständiger am richtigen Platz.
Zudem benötigt ihr eine einwandfreie weiße Weste, Strafrechtlich (keine Vorstrafen wäre schonmal gut), Steuerrechtlich und ein paar anderen Dingen ( z.B. Flensburg: schwerwiegende Vergehen im Straßenverkehr?).
Vielleicht noch,.. denkt auch darüber nach wie alt ihr seid. Bis 35 Jahre ist das wohl alles kein Problem.
40 und älter, bist du sicher das es finanziell garantiert funktioniert? Kann ja sein Stichwort Bekannte, Aufträge ggf. lange gute Verträge.
Wenn du nun nahe der 50 bist und denkst du ziehst das mal eben 20 Jahre durch mit 12 Stunden am Tag mimimum, frag dich wofür und ob du in 20 Jahren auch noch lebst. Kommst du so über die Runden? Bist du gesund und willst es bleiben?
Legst du Wert auf ein Privatleben?
Schlussendlich ist es immer besser bei einem Versuch zu versagen anstatt es nie zu probieren.
Kaum was schmerzt mehr als der Spruch: "ach, hätte ich es mich doch früher mal getraut. Es einfach ausprobiert." Und wenn man jung ist kann das richtig sein.
Bei soviel Geld und Risiko ist der Mut jedoch nicht die wichtigste Charaktereigenschaft, sondern die Fähigkeit Chancen und Risiken genau abwägen zu können um so eben möglichst schlau und nicht möglichst mutig handeln zu können.
Noch ein Punkt zu eurer Krankenversicherung.
Ihr könnt als Selbstständige in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben.Vielleicht wusste das jemand nicht. Dem würde ich empfehlen folgende Seite zu lesen.
https://www.krankenkassen.de/meine-krankenkasse/freiwillig-versichert/vorteile/