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Vermeintliche Selbsttötung mit Vorgeschichte

9 Beiträge, Schlüsselwörter: Selbsttötung Schusswaffe
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Vermeintliche Selbsttötung mit Vorgeschichte

09.01.2019 um 21:55
Hallo liebe Spürnasen,
ich lese seit einer Weile hier mit und hab mich jetzt angemeldet um mitdiskutieren und einen besonders merkwürdigen Fall aus Österreich vorstellen zu können, der vielleicht in Deutschland nicht so bekannt ist.

Es geht um einen Landarzt aus der Steiermark, der über Jahre seine (mittlerweile Ex-)Frau und die gemeinsamen Kinder gequält, terrorisiert und teilweise drogenabhängig gemacht haben soll. So weit, so unspektakulär, sowas kommt ja leider häufiger vor. Brisant macht es aber die Tatsache, dass er der Bruder eines hochrangigen Politikers einer Regierungspartei ist.

Eigentliches Thema hier soll aber nicht der Umgang mit der Familie sein, die Infos darüber dienen nur dem besseren Verständnis.


Es geht um den ungeklärten Todesfall seines Patienten, der sich mit der Waffe des Landarztes erschossen haben soll. Oder eben doch nicht.
Alois H. starb durch einen Schuss aus Pistole, die dem umstrittenen Arzt Eduard Lopatka gehört hat
Das Bild passte einfach nicht. Alois H. wurde am 25. September 2014 tot in seiner Küche gefunden; Todesursache: Kopfschuss. Neben ihm lag eine Pistole, Modell Unceta Cia-Guernica. Alois H. hatte nie eine Pistole besessen. Außerdem war er nach einem Sturz so stark eingeschränkt, dass er kaum ein Trinkglas halten konnte. Und: Schmauchspuren wurden an Alois H. auch keine gefunden. Was den Fall noch brisanter machte: Die Waffe gehörte seinem Hausarzt, dem Allgemeinmediziner Eduard Lopatka, der gleich in der Nachbarschaft seine Ordination hatte.

Zweifel
Polizei und Justiz werteten den Todesfall als Suizid. Jetzt hat sich das allerdings geändert. Die „Annahme eines Selbstmordes“ kann „nicht mehr mit ausreichender Sicherheit aufrecht erhalten werden.“ Deshalb werden die Ermittlungen wieder aufgenommen, gab die Staatsanwaltschaft Graz nun bekannt.

Nachdem bereits der Wiener Gerichtsmediziner Johann Missliwetz in einem Privatgutachten zu dem Schluss gekommen war, dass der tödliche Schuss durch eine fremde Hand abgegeben wurde, bestätigte dies jetzt auch ein Schießgutachter. Waffenhaltung, die körperliche Beeinträchtigung des Opfers und die fehlenden Schmauchspuren sprechen gegen einen Selbstmord.

„Damals hatten wir keinen Grund, am Suizid zu zweifeln. Jetzt müssen wir das unter einem anderen Licht sehen“, sagt Hansjörg Bacher von der Staatsanwaltschaft Graz.

Treibende Kraft, dass Gutachter und Ermittler sich überhaupt noch einmal mit dem Tod von Alois H. beschäftigten, war seine 29-jährige Tochter. „Ich bin noch am selben Tag zur Polizei gegangen und habe gesagt, dass ich nicht an einen Selbstmord glaube“, schildert sie. „Ich wurde lange nur belächelt und verspottet. Hätte ich nicht so lange Druck gemacht, wäre der Fall als Suizid ad acta gelegt worden.“

Was die 29-Jährige nicht versteht: Dass bis jetzt keine Untersuchungshaft über den Besitzer der Tatwaffe verhängt wurde. Die junge Frau hatte einst selbst ein Verhältnis mit Dr. Lopatka, beendete dies laut eigenen Angaben aber aus Angst vor ihm.
https://kurier.at/chronik/oesterreich/brisanter-todesfall-wird-neu-aufgerollt/400369571

https://derstandard.at/2000095448083/Neues-Gutachten-in-Nebenfall-von-Dr-L-koennte-zu-Mordermittlungen

Schon im Februar letzten Jahres gab es ein entsprechendes Gutachten.
Der Fall des Grazer Arztes hat verstörende Seitenstränge. Beim Tod des Vaters einer Ex-Geliebten hat ein Gutachter massive Zweifel an der Selbstmordtheorie

Graz/Wien – Es sind 21 sehr verstörende Seiten, die das Protokoll der polizeilichen Zeugenvernehmung der jungen Frau H. vom 23. Oktober 2014 umfasst. Darin beschreibt H. ihre – damals bereits beendete – Beziehung zum Landarzt Eduard L. und warum sie vor ihm Angst hatte.

Drohungen
Die Leser des Protokolls brauchen einen soliden Magen. Von Vorfällen, die teils in der Ordination stattfanden, erzählt H. da. Von Angeboten des Arztes, sich gemeinsam mit ihr, der Geliebten, die schon als Kind seine Patientin war, das Leben zu nehmen. Oder von der Drohung, dass L. das Haus seiner Ex-Frau "samt Inhalt" sprengen wolle. Die Zeugin spricht von Angst um sich und ihre kleinen Kinder. L. ist jener steirische Arzt, dem seine vier heute erwachsenen Kinder vorwerfen, sie psychisch und körperlich gequält zu haben. Gegen den aufsehenerregenden Freispruch des Arztes wurde berufen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall wird neu verhandelt. Dem "Nebenschauplatz", den Leiden der jungen Frau H., räumte Richter Andreas Rom in der Erstverhandlung kaum Platz ein.

Kopfschuss
Es gibt weitere Nebenschauplätze, denn der Vater von H. kam 2014 durch einen Kopfschuss ums Leben. Doch der anfangs von der Polizei vermutete Selbstmord wirft einige Fragen auf. Tatsächlich bestätigte die Staatsanwaltschaft Graz dem STANDARD bereits vor einigen Wochen, dass wegen Mitwirkung zum Selbstmord ermittelt wurde, das Verfahren wurde abgebrochen, aber nicht eingestellt. Dem STANDARD liegt nun ein Gutachten des bekannten Gerichtsmediziners Johann Missliwetz vor, das die Tochter des Toten privat in Auftrag gegeben hatte. Darin wird vor allem auf die fehlenden Schmauchspuren auf den Händen des Opfers hingewiesen, das in der Nachbarschaft der Familie L. wohnte.

Fragliche Herkunft
Missliwetz analysierte unter anderem die Unterlagen der Obduktion vom September 2014. Herr H., den seine Frau, deren Freund ebenfalls im Haus anwesend war, in der Küche liegend auffand, soll durch den Schuss einer kleinen Pistole der Marke Unceta y Cía Guernica gestorben sein. Über die Herkunft der Tatwaffe gibt es widersprüchliche Aussagen von Zeugen. Jedenfalls sei der Tote nicht nur schwer an Leberzirrhose und Atherosklerose erkrankt gewesen, er soll im rechten Schulterbereich eine Gelenkprothese gehabt haben und deshalb unfähig gewesen sein, seinen Arm überhaupt über Schulterhöhe zu heben. Das allein ist aber für Gutachter Missliwetz kein Grund, an der Selbsttötungstheorie zu zweifeln: "Man kann den Kopf auch hinunterbeugen, man muss den Arm nicht heben können, um sich in die Schläfe zu schießen", erklärt er im STANDARD-Gespräch. Was aber den Fall für ihn "sehr, sehr auffällig macht", seien eben die fehlenden mikroskopischen Partikel, die eine Schmauchwolke bei einer Schussabgabe jedenfalls auf der Hand des Schützen hinterlassen hätte. Außer man hätte Handschuhe getragen.

"Positive Schusshand" fehlt
"Wenn Sie von einem Suizid ausgehen, dann brauchen Sie auf jeden Fall eine sogenannte positive Schusshand, also Schmauchspuren", sagt Missliwetz. Diese fehle aber, obwohl die Hand auf Schmauchspuren untersucht wurde. Missliwetz findet es bedenklich, dass auch keine "polizeiliche Sicherung" des Tatorts am Tag der Auffindung des Opfers, am 25. September 2014, erfolgte, da man zuerst nicht am Selbstmord zweifelte. Nach von der Tochter des Toten geäußerten Zweifeln wurde eine Obduktion angeordnet, die die Theorie des Selbstmordes stützte. Erst das Ergebnis einer kriminaltechnischen Untersuchung am 10. Februar 2015 erweckte Zweifel.

"Suizid nicht beweisbar"
Missliwetz betont: "Ich konzentriere mich ausschließlich auf die Fakten." Seine Conclusio: "Nach der derzeitigen Befundlage ist ein Suizid nicht beweisbar und die Fremdbeibringung des Schusses nicht auszuschließen, sondern nicht unwahrscheinlich."
https://derstandard.at/2000073472511/Verstoerender-Nebenschauplatz-im-Fall-Eduard-L

Zusammenfassung vom Prozess gegen den Arzt die Misshandlungen seiner Kinder betreffend:
https://derstandard.at/2000085508263/Prozess-gegen-oststeirischen-Arzt-Eduard-L-muss-wiederholt-werden

Da tritt ein unglaublicher Sumpf zutage, den man gar nicht für möglich halten möchte, weil man den Glauben an den Rechtsstaat verlieren MUSS.
Es scheint ja schon länger ein österreichisches Phänomen zu sein, Selbsttötungen anzunehmen, auch wenn es noch so an den Haaren herbeigezogen ist, aber das ist schon eine neue Dimension. Ich komme nicht umhin, hier politische Interventionen zu vermuten.


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Vermeintliche Selbsttötung mit Vorgeschichte

10.01.2019 um 05:14
@Blutgräfin
Vielen Dank für deine Mühe. Deine Links verweisen auf weitere Artikel. Ich habe diese Artikel überflogen und finde die Vorkommnisse um den Arzt Dr. L. als aufklärenswert. Das bisher nicht ausreichende Anstrengungen staatlicherseits unternommen wurde, erscheint naheliegend.

Mittlerweile scheint die Justiz aufgrund öffentlichen Drucks tätig zu werden. Ende Februar beginnt die Berufungsverhandlung.


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Vermeintliche Selbsttötung mit Vorgeschichte

10.01.2019 um 14:01
Analyst schrieb:Mittlerweile scheint die Justiz aufgrund öffentlichen Drucks tätig zu werden. Ende Februar beginnt die Berufungsverhandlung.
Dabei geht es um die Misshandlung der Kinder. Der Arzt wurden in erster Instanz freigesprochen, der Richter mit seiner mehr als abenteuerlichen Urteilsbegründung erlangte einige Berühmtheit.
In der umstrittenen Urteilsbegründung räumt Richter Rom zwar der gesamten Familie psychische Probleme ein, doch sei L., etwa "was sein spirituelles Wesen betrifft, äußerst sakral im Sinne der katholischen Kirche eingestellt, mit diesen christlichen Werten vertraut und bemüht, dies nach außen in Erscheinung zu bringen, indem er sonntags immer den Gottesdienst besucht". Während seiner aufrechten Ehe erhielt der Arzt aber "offensichtlich zu wenig Aufmerksamkeit, sodass er diesen sexuellen Kick außerehelich ausleben musste", heißt es in der Urteilsbegründung wörtlich.
https://derstandard.at/2000068463943/Christlicher-Vater-ueberladene-Mutter-Wie-der-Richter-Arztfamilie-L-sah

Auch in Deutschland wurde das thematisiert:
So schreibt Rom über eine Tochter, die ihrem Vater unter anderem vorwirft, er habe sich einen Schraubenzieher in den Bauch gerammt und sie aufgefordert, das Werkzeug wieder herauszuziehen: "Offensichtlich legt sie auf Kleidung, dem Anlass entsprechend, keinen Wert. Sie ist, was den Körperschmuck betrifft, in keiner Weise als konservativ zu bezeichnen. Sie ist auch bestrebt, diesen, ihren Geschmack, für das jeweilige Gegenüber, demonstrativ durch etliche, sichtbare Piercings zu präsentieren. Die Angaben der Zeugin an sich wirken wie auch schon zuvor bei den anderen Zeugen stereotyp auswendig eintrainiert, enthalten aber in sich keine Substanz."
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oesterreich-richter-loest-mit-freispruch-fuer-landarzt-empoerung-aus-a-1180138.htm...

Im "Selbstmordfall", der anscheinend doch keiner war, werden jetzt erst - viereinhalb Jahre später - die Ermittlungen wieder aufgenommen. Es stellt sich die Frage, was dabei rauskommen kann, wenn damals keine Spuren gesichert wurden.


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Vermeintliche Selbsttötung mit Vorgeschichte

13.01.2019 um 11:27
Mahlzeit! Wenn noch nicht bekannt:

Heute ist in der Kronen Zeitung (Papierausgabe 13.1.2019) ein 3 Seiten langer Bericht über den Fall Alois H. abgedruckt, unteranderem kommt seine Tochter Monja zu Wort.


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Vermeintliche Selbsttötung mit Vorgeschichte

13.01.2019 um 12:26
Bumfuzzle schrieb:Heute ist in der Kronen Zeitung (Papierausgabe 13.1.2019) ein 3 Seiten langer Bericht über den Fall Alois H. abgedruckt, unteranderem kommt seine Tochter Monja zu Wort.
Eine kurze Inhaltsangabe mit den wesentlichen Punkten wäre schon recht hilfreich.


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Vermeintliche Selbsttötung mit Vorgeschichte

13.01.2019 um 13:16
Monja H. sitzt in einem kleinen Café in einem abgelegenen Dorf irgendwo in der Steiermark. „Ich will nicht, dass bekannt wird, wo ich gerade bin“, sagt die 29-Jährige und streicht mit einer nervösen Handbewegung eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Die Altenpflegerin spricht mit leiser Stimme, fixiert mit Blicken die Gäste im Lokal: „Ich weiß, ich wirke, als würde ich unter Verfolgungswahn leiden, aber es sind halt viele fürchterliche Dinge in meinem Leben geschehen“, versucht sie ihr Verhalten zu erklären: „Und die Angst ist eben in mir. Auch jetzt noch.“

„Es wollte mir einfach niemand glauben“
Als hysterisch, als rachsüchtig, als verrückt habe sie gegolten, „so viele Jahre hindurch“, für die Menschen in ihrem Heimatort, für die Polizei und die Justiz: „Es wollte mir einfach niemand glauben.“ Diese Geschichte, ihre Geschichte, die klingt, als hätte sie ein Krimi-Autor erfunden - „doch Beweise dafür, dass sie wahr ist, hat es gegeben, von Anfang an“. Was war der Anfang? „Alles begann 2013. Eine Verwandte von mir starb damals, es ging mir danach seelisch sehr schlecht. Ich weinte ständig, fühlte mich entsetzlich alleine gelassen.“ Nachsatz: „Und er war in meiner Not für mich da.“

„Bei einer Sitzung verlangte er einen Kuss“
Er, um 30 Jahre älter als sie, der Hausarzt ihrer Familie, einer der angesehensten Bürger der Gemeinde; angeblich glücklich verheiratet, vier Kinder; Bruder eines bekannten Politikers. „Ich kannte Edi von meiner Kindheit an, ich vertraute ihm, es tat mir gut, mich bei ihm ausreden zu dürfen.“ Stundenlang, immer wieder, in seiner Praxis. „Ich merkte zunächst nicht, dass er bloß deshalb so nett zu mir war, weil er mich psychisch von ihm abhängig machen wollte. Und als er das geschafft hatte, verlangte er bei einer Sitzung plötzlich einen Kuss von mir.“

Es wurden mehr Küsse, „rasch geriet ich vollends in seinen Bann, und wir gingen eine Affäre ein. Die für mich bald zu einem Albtraum wurde. Weil Edi grauenhafte Dinge von mir verlangte.“ Ständig habe der Mediziner von seiner Todessehnsucht gesprochen und von seinem Wunsch nach einem gemeinsamen Suizid. „Irgendwann wollte ich nur noch weg von ihm.“ Bei einem letzten Treffen in seiner Ordination im August 2014 sei dann „der totale Wahnsinn“ geschehen: „Er betäubte mich mit Drogen, fesselte mich an einen Behandlungsstuhl, vollzog perverseste Sexualpraktiken an mir.“

Der Mediziner schoss währenddessen mit seinem Handy Fotos. Sie wurden später bei ihm sichergestellt.

„Ich wurde mit dem Umbringen bedroht“
Monja H.: „Nach der Tat war ich völlig geschockt, ich vertraute mich meiner Mutter an, ich erzählte ihr von meinem Plan, die Polizei zu informieren.“

Die Altenpflegerin zeigte den Arzt wegen Vergewaltigung an, trotz des belastenden Bildmaterials wurde er im Prozess freigesprochen. Auch, weil Monja H.s Mutter vor Gericht unter Eid geschworen hatte, sie sei niemals über den Übergriff informiert worden. In einer weiteren Verhandlung widerrief die Frau diese Angaben, sie bekam eine Verurteilung wegen falscher Zeugenaussage - zu der sie, wie sie beteuerte, der Mediziner genötigt habe. Für den Mediziner hatte diese Beschuldigung keine Folgen, auch das Missbrauchsverfahren wurde bislang nicht fortgesetzt.

Zurück zu den Ereignissen im August 2014: „Gleich nach der Trennung von Edi begannen auch schon diese schrecklichen Drohungen“, so Monja H., „eine seiner Geliebten rief mich ständig an, beschwor mich, über das, was er mir angetan hatte, zu schweigen. Andernfalls würde er mich von der russischen Mafia töten lassen.“

Monja H. nahm die Telefonate auf - und übermittelte die Tonbandaufzeichnungen der Kripo. Die Freundin des Arztes wurde in der Folge wegen gefährlicher Drohung angeklagt. Ihre Strafe: lediglich 800 Euro.

Der Altenpflegerin ist das milde Urteil bis heute unverständlich: „Ich hatte doch Todesangst.“

Vater in „endloser Verzweiflung“ eingeweiht
In ihrer „endlosen Verzweiflung“ habe sie dann beschlossen, ihrem Vater von ihrem Drama zu berichten: „Das fiel mir nicht leicht. Weil ich ja wusste, dass er selbst viele Probleme hatte.“ Alois H., schwer leberkrank, seit einem Arbeitsunfall konnte der einstige Zimmerer den rechten Arm kaum bewegen, „und gerade erst hatte er sich bei einem Sturz die linke Schulter gebrochen“.

Auch seine Situation daheim war angespannt: „Meine Mutter und er führten seit Langem keine eheliche Beziehung, sie lebten trotzdem zusammen, sie vertrugen sich gut.“ Aber kürzlich war der neue Partner der Frau in das Haus eingezogen - ein Mann mit einer zwielichtigen Vergangenheit, polizeibekannt. „Dennoch“, so Monja H., „mein Papa ließ sich nicht unterkriegen. Als ich ihn am 23. September besuchte und ihm von meinen Schwierigkeiten erzählte, sagte er gleich, ich brauche mir keine Sorgen zu machen. Er würde nämlich den Schnorrer - er nannte Edi so, weil er ständig Patienten beerbte - zur Räson bringen.“

„Meine Mama fand ihn in einer Blutlache“
Es war das letzte Mal, dass die Altenpflegerin ihren Vater sah. Zwei Tage später war er tot. „Meine Mama fand ihn am frühen Morgen des 25. September in der Küche in einer Blutlache.“

Neben ihm ein Revolver, der dem Mediziner gehörte. In Vernehmungen beteuerte der Arzt, er wisse nicht, wie die Waffe in den Besitz von Alois H. gekommen sei.

Der 63-Jährige habe Selbstmord begangen, sich eine Kugel in den Kopf gejagt, so das rasche Urteil der örtlichen Polizei. „Ich erklärte den Beamten, dass mein Papa sich sicherlich nicht selbst umgebracht hat, dass er ermordet worden sein muss.“

Monja H.s Aussage wurde zu Protokoll genommen, allerdings fanden keine weiteren Erhebungen statt. Obwohl Gerichtsmediziner bei der Obduktion der Leiche feststellten, dass an den Händen des Verstorbenen Schmauchspuren - wie bei einem Suizid üblich - fehlen würden. Und obwohl eine Tatortanalyse des Bundeskriminalamts dasselbe alarmierende Ergebnis brachte.

"Es war ein Kampf gegen Windmühlen“
„Jahrelang führte ich einen Kampf gegen Windmühlen“, klagt die 29-Jährige: „Immer wieder versuchte ich die Behörden davon zu überzeugen, die Causa aufzurollen. Aber es hieß immer nur: Lassen Sie Ihren Vater in Frieden ruhen, er ist freiwillig aus dem Leben geschieden, finden Sie sich mit dieser Tatsache ab.“

„Kugel unmöglich selbst abgefeuert“
Letztlich wandte sich die Steirerin an Gerichtsmediziner Johann Missliwetz und bat ihn um eine Überprüfung der Akten. Wochenlang studierte er dann die medizinischen Befunde, die Aufzeichnungen über den Schusswinkel - und kam letztlich zu dem eindeutigen Schluss: „Alois H. kann die Kugel unmöglich selbst abgefeuert haben.“

Die Ausführungen wurden der Justiz übermittelt, die daraufhin Manuel Fließ, einen Waffensachverständigen, mit Untersuchungen beauftragte. Auch er stellte schließlich in einem Gutachten fest: „Es ist von Fremdverschulden auszugehen.“

Die Staatsanwaltschaft Graz hat mittlerweile ein Verfahren eingeleitet wegen des Verdachts des Mordes, an Alois H., gegen unbekannte Täter.

„Warum erst jetzt?“
Fahnder des Landeskriminalamts, so ein Gerichtssprecher, sollen demnächst Ermittlungen in dem mysteriösen Todesfall starten. Um endlich die wahren Umstände und Hintergründe der Tragödie zu klären. „Warum erst jetzt?“, fragt Monja H. und sieht sich wieder einmal ängstlich im Lokal um: „Ich fürchte mich davor, dass der oder die Killer meines Vaters hinter mir her sind. Denn sie ahnen sicherlich, dass mein Wissen für sie gefährlich werden könnte.“

Der Mediziner will zu den neuen Entwicklungen keine Stellungnahme abgeben. „Mein Klient“, so seine Anwältin Klaudia Reißner, „hat das in früheren Verfahren nicht getan - und er wird diese Strategie beibehalten. Aber fest steht natürlich: Er ist unschuldig.“

Ein Freispruch und noch ein Prozess
Ihr Vater habe sie von klein an schwer misshandelt, psychisch und physisch, behaupten die vier Kinder des Arztes, und erst nach der Scheidung ihrer Eltern im Jahr 2014 wollen sie den Mut gefunden haben, der Mutter von dem jahrzehntelangen Drama zu berichten. Davon, dass ihnen der Arzt regelmäßig Drogen verabreicht, ihnen ständig mit Selbstmord gedroht, sie körperlich verletzt und sich einer seiner drei Töchter sogar sexuell genähert habe.

2017 wurde dem Arzt wegen dieser Vorwürfe im Landesgericht Graz der Prozess gemacht - er endete mit einem Freispruch für ihn. Das Oberlandesgericht hat das Urteil mittlerweile wegen diverser Verfahrensfehler aufgehoben. Am 26. Februar beginnt nun der Prozess in zweiter Instanz. Abermals im Landesgericht Graz.
https://www.krone.at/1842407


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Vermeintliche Selbsttötung mit Vorgeschichte

13.01.2019 um 13:30
@Seefahrer
Hätte ich nachgereicht war nur beim Mittag essen.


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Vermeintliche Selbsttötung mit Vorgeschichte

13.01.2019 um 16:53
Merkwürdig finde ich, dass der Arzt, wenn er Alois H. mit einer ihm gehörenden Pistole erschossen haben sollte, diese Pistole praktisch als Visitenkarte neben dem Toten liegen gelassen hat. Wenn der Arzt es wie Selbstmord aussehen lassen wollte, warum hat er sich nicht eine Waffe besorgt, die man ihm nicht zuordnen konnte?

Und wo könnte ein Motiv zu suchen sein? Eduard L. war ja bereits vom Anklagevorwurf Vergewaltigung der Tochter Monja H. freigesprochen worden, welche Bedrohung hätte Alois H. also noch dargestellt, vorausgesetzt, er hätte überhaupt gewusst, dass Monja H. zwei Tage vorher ihren Vater um Unterstützung gebeten hatte?

Es lohnt sich vielleicht, zwecks Aufklärung des Falls auch in der näheren Umgebung von Monja H. zu recherchieren.


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Vermeintliche Selbsttötung mit Vorgeschichte

14.01.2019 um 01:30
Meine Güte, was für ein Sumpf, da tun sich ja Abgründe auf ! Wenn der Arzt wirklich schuldig an all dem ist, was man ihm vorgeworfen hat, dann ist es unfassbar, daß er damit bisher durchgekommen ist.


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