Das Unglück der Djatlow-Gruppe . Die natürliche Version von WladimirP (Естественная версия WladimirP )
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Für diejenigen die die Djatlow-Gruppegeschichte nicht kennen, erst eine Wikipediaseite: Unglück am Djatlow-Pass
Wikipedia: Unglück am Djatlow-Pass

Den Anfang dieser Geschichte kennt wahrscheinlich jeder, der sich für die Details des Todes der Djatlow-Gruppe interessiert. Ich bin der Meinung, dass die ersten Tage der Wanderung den Lauf der Dinge am letzten Tag in keiner Weise beeinflusst haben. Daher beginne ich direkt mit dem Aufbruch der Gruppe zum Ort der Tragödie.
Die Djatlow-Gruppe war auf Skiern im Tal des Flusses Auspija unterwegs und bewegte sich in Richtung dessen Oberlaufs. Anschließend war geplant, vom Auspija-Tal in das Tal des Flusses Loswa zu wechseln und weiter in Richtung des Berges Otorten zu ziehen. Einen Tag vor der Tragödie – am 31.01.1959 – begann die Gruppe mit dem Aufstieg aus dem Auspija-Tal zu dem Pass, der die Täler von Auspija und Loswa voneinander trennt. Dieser Pass wurde später als Djatlow-Pass bekannt.
Beim Aufstieg der Gruppe in Richtung des Passes frischte der Wind auf. Je höher die Gruppe in Richtung des Passes stieg, desto stärker wurde er. Am Abend notierte Djatlow in dem Tagebuch der Gruppe : „Wir haben die Waldgrenze erreicht. Der Wind ist westlich, warm und durchdringend, die Windgeschwindigkeit ähnelt der Luftgeschwindigkeit beim Start eines Flugzeugs.“ Der Wind und der Schneesturm machten ein Weiterkommen unmöglich, woraufhin sie beschlossen, wieder zum Fluss Auspija abzusteigen und dort zu übernachten.
Das nächste Ziel auf diesem Abschnitt der Wanderung war die Besteigung des Berges Otorten. Von dem Ort, an dem sie übernachteten, liegt der Otorten etwa fünfzehn Kilometer nördlich. Nach der Besteigung des Otorten mussten sie zu genau diesem Punkt zurückkehren, um ihre geplante Route fortzusetzen. Da sie ohnehin an diesen Ort zurückkehren würden, war es unlogisch, alle Sachen und alle Lebensmittel mit in Richtung Otorten zu schleppen. Es wurde beschlossen, einen Teil der Lebensmittel und Ausrüstung hier an der Auspija zurückzulassen und ein sogenanntes Depot (Labas) anzulegen.
Zum Otorten konnte man auf zwei Wegen gelangen:
1. Nach dem Überqueren des Passes in das Tal der Loswa absteigen und entlang ihres Flussbettes gehen. Das bedeutete Wald und tiefer Schnee.
2. Nach dem Passieren des Passes auf den Gebirgskamm aufsteigen und auf dem Kamm weitergehen. Der Gebirgskamm in Richtung Otorten besteht praktisch aus sanften Hügeln, auf denen verwehter, hartgepresster Schnee liegt. Auf diesem kann man sich zu Fuß fortbewegen, ohne einzubrechen, da die Schneedecke sehr dicht ist.
Die Gruppe lag bereits hinter ihrem Zeitplan zurück. Hätten sie sich entschieden, entlang des Flussbettes der Loswa zu gehen, hätte dies erneut ein mühsames Vorankommen im tiefen Schnee, Zeitverlust und einen hohen Kraftaufwand bedeutet.
Ich denke, dass sie bereits am Abend des 31. Januar beschlossen, das Risiko einzugehen, und in der Hoffnung auf eine Wetterbesserung in den Bergen den Weg über den Gebirgskamm zu wählen. Genau deshalb schrieb Djatlow am Abend:
Aus dem Tagebuch der Gruppe: „..31. Januar 1959... – Wir essen direkt im Zelt zu Abend. Warm. Es ist schwer, sich eine ähnliche Gemütlichkeit irgendwo auf dem Kamm vorzustellen, beim durchdringenden Heulen des Windes, hunderte Kilometer von Siedlungen entfernt. DJATLOW.“
Wenn man nicht vorhat, über den Kamm zu gehen, muss man sich auch nicht vorstellen, wie man dort oben im Zelt und ohne „Gemütlichkeit“ sitzen wird.
Am Morgen des 1. Februar werden Kundschafter in das Gebiet des Passes geschickt, um die Wetterbedingungen oberhalb der Waldgrenze mit denen des Vortrags zu vergleichen. Auf der Skispur von gestern einen Kilometer zurückzulegen, stellte für die sportlichen jungen Leute kein großes Problem dar. Die Kundschafter kehrten mit enttäuschenden Nachrichten zurück: Immer noch derselbe Wind und Schneesturm. Man musste warten.
Gegen Mittag wurden die Kundschafter erneut losgeschickt. Sie kehrten mit erfreulicheren Nachrichten zurück: Wind und Schneesturm hatten nachgelassen. Das deutete auf eine Wetterbesserung hin, was bedeutete, dass man aufbrechen konnte. Das Depot war bereits angelegt, sie packten zusammen und gingen los. Ihr Plan war es, so weit wie möglich zu kommen und bereits in der Dämmerung „irgendwo auf dem Kamm, beim durchdringenden Heulen des Windes, hunderte Kilometer von Siedlungen entfernt“ zu übernachten. Wenn sie an diesem Tag 5, 6 oder 7 Kilometer geschafft hätten, hätte ihnen das erlaubt, am nächsten Tag sehr früh aufzustehen, den Otorten zu erreichen, ihn zu besteigen, danach wieder in die Waldzone abzusteigen und dort vollwertig mit Lagerfeuer und warmem Essen zu übernachten.
Sie verlassen das Lager an der Auspija und bewegen sich in Richtung des Berges Cholat Sjachal. Genau diese, fast verwehte Skispur der Gruppe zeigte später den ersten Mitgliedern des Suchtrupps – Slobzow und Scharawin – in welche Richtung sie sich bewegen und wo sie nach der Gruppe suchen mussten.
Vermutlich waren der Wind und der Schneesturm auf der Höhe, auf der die Gruppe am Vortag beschlossen hatte, zur Auspija umzukehren, noch nicht so stark. Doch um auf den Gebirgskamm zu gelangen, mussten sie noch einige hundert Höhenmeter aufholen. Je höher sie stiegen, desto heftiger wurde der Wind und desto stärker blies der Bodenschneesturm. Nach einem Kilometer Wegstrecke am Hang des Cholat Sjachal, bei immer stärker werdendem Wind und Schneegestöber, wird ihnen klar, dass eine Orientierung absolut unmöglich und ein Weiterkommen unter diesen Bedingungen unrealistisch ist. Es wird beschlossen, einen Platz zu wählen, der zumindest etwas Schutz vor dem direkten Wind bietet, und das Zelt aufzuschlagen.
Ich denke, dass sie beim Aufstieg am Hang gelegentlich den Wald am Fuße des Berges sahen und die Entfernung dorthin in etwa abschätzen konnten. Es gibt moderne Videoaufnahmen von mehreren Forschern, die zeigen, dass selbst bei dichtem Bodenschneesturm am Hang des Cholat Sjachal in den Sturmlücken der dunkle Fleck des Waldes unten zu erkennen ist.
Warum ist die Djatlow-Gruppe nicht zum Wald abgestiegen? Vermutlich machte sich bereits die Erschöpfung bemerkbar. Am 31. Januar waren sie zuerst in Richtung des Passes aufgestiegen, dann wieder vom Pass zurück zur Auspija hinabgestiegen und hatten dabei etwa zweihundert Höhenmeter verloren, die sie am 1. Februar erneut aufholen mussten. Nun hätten sie wieder zum Wald absteigen müssen, was einen Verlust von rund dreihundert Höhenmetern bedeutet hätte – Höhe, die sie am nächsten Tag wieder hätten aufsteigen müssen. Sie beschlossen, Kräfte zu sparen und am Berg zu übernachten.
Der Sucher Moisej Akselrod schrieb im Vernehmungsprotokoll: „War die Entscheidung für ein Nachtlager im Freien (ich vermeide bewusst das Wort ‚Hang‘, da ich der Meinung bin, dass der Hang als solcher keine Rolle bei ihrem Tod spielte) begründet? Meines Erachtens ja. Warum? Im vergangenen Jahr hatten wir im Subpolaren Ural vier solche Nachtlager. Sie alle fanden unter Bedingungen statt, bei denen Sicherheitserwägungen der Gruppe geboten, dort anzuhalten, wo Platz war, solange noch Tageslicht zum Aufstellen des Zeltes vorhanden war. Das war bei starkem Frost (-25 bis -30 °C) und es gab keinerlei Anlass, diese Entscheidung taktisch als falsch anzusehen. Djatlow hatte also Präzedenzfälle, und sie hielten für die Nacht an, ohne feige zu sein und ohne sich den Naturkräften blind zu beugen. Es ist anzumerken, dass die Praxis des Höhenbergsteigens ausschließlich Übernachtungen im Schnee, nur bei starkem Frost und oft im Schneesturm und Blizzard vorsieht.“
Die Gruppe wählte einen Platz am Hang und begann, die Fläche für das Aufstellen des Zeltes vorzubereiten.
Wie aus meinen Berechnungen des Zeltplatzes anhand von Fotos, Steinen und Artefakten hervorgeht, stellten die Djatlow-Leute das Zelt unter einem teilweise schneebedeckten Vorsprung auf. Dies verringerte die direkte Windeinwirkung auf das Zelt. Es entstand jedoch ein anderes Problem: Der vom Wind aufgewehte Schnee des Bodenschneesturms löste sich vom Vorsprung und setzte sich auf den Zeltdach ab. Eine solche Schneeansammlung auf dem Zelt während einer Expedition im Jahr 1962 beschrieb der Meistersportler für Tourismus, G. A. Ptizyn, in seiner Rede auf der jährlichen Djatlow-Konferenz im Jahr 2009. Ich denke, die Djatlow-Leute machten sich wegen dieser Schneeansammlung keine allzu großen Sorgen, da der Schnee auf den Dachplanen eine Isolierung gegen die äußere Kälte bildete und die Zeltplanen im Wind nicht „flatterten“. Die zentrale Skiverspannung des Firstes hielt der Schneelast jedoch nicht stand (Ptizyn beschrieb, dass ihre Zeltdachplane praktisch bis auf die Nasen der liegenden Touristen durchhing). Zusätzlich zur zentralen Verspannung stützten die Djatlow-Leute die Zeltfirstmitte mit einem Skistock ab. An diesem Skistock waren zwei kreisförmige Rillen eingekerbt. Ich vermute, dass diese Rillen zur Fixierung des Zeltofens mit Draht dienten. Damit der Draht, der sich durch die Hitze erwärmte und ausdehnte, nicht zusammen mit dem Ofen auf der glatten Oberfläche des Birken-Skistocks abrutschte, wurden die zwei Rillen in den Stock geschnitzt.
Ich nehme an, dass die Djatlow-Leute bereits unter den Decken lagen, aber noch nicht schliefen. Einige unterhielten sich einfach... Solotarjow war damit beschäftigt, Fotofilme umzuspulen und zu wechseln. Er lag ganz außen an der Rückwand des Zeltes. Dort wurden später ein Fotoapparat und eine Schachtel mit Fotofilmen gefunden. Den Riemen der zweiten Fotokamera hatte sich Solotarjow um den Hals gehängt, um die Kameras im Dunkeln nicht zu verwechseln. Dubinina lag daneben und wärmte eine Filmrolle unter der Decke. Unbelichteter (neuer) Kinofilm wurde von den Djatlow-Leuten als Fotofilm verwendet – sie wickelten so viel wie nötig auf die Kassetten und schnitten es ab. Genau so hatte ich es während meiner Arbeit auf der Polarstation auf Nowaja Semlja in den achtziger Jahren auch gemacht. Dubinina wärmte die starr gewordene Filmrolle, damit Solotarjow sie auf die Kassetten wickeln konnte.
Als Erster am Eingang lag Thibeaux-Brignolle. Er hatte Dienst – er trug die zweite Uhr mit dem Leuchtzifferblatt. Sie wollten früh aufstehen, und jemand musste die Gruppe wecken. Der Diensthabende war für das Frühstück verantwortlich, daher musste Nikolai Thibeaux den Kakao bis zum Frühstück vor dem Einfrieren schützen – Kakao in der Feldflasche stammte noch vom Lagerplatz an der Auspija.
Im Moment der Tragödie lag Thibeaux auf der rechten Seite, und die Feldflasche mit dem Kakao befand sich zwischen seinem rechten Arm und der Schläfe. Auf Solotarjows Brust lag der Fotoapparat, und bei Dubinina die Filmrolle. Slobodin lag ebenfalls auf der Seite, höchstwahrscheinlich neben Thibeaux.
Die Djatlow-Leute bemerkten die kritische Schneeansammlung auf den Zeltdächern nicht. Ich vermute, dass sich zum Zeitpunkt des Beginns der Tragödie auf dem Zeltdach – auf der rechten und linken Segeltuchschräge – bis zu fünfzig Kilogramm dichter, komprimierter Triebschnee pro laufendem Meter angesammelt hatten. Der Skistock, der in der Mitte des Zeltes stand, hielt der Belastung nicht stand, bog sich allmählich und brach an einer der kreisförmigen Einkerbungen. Da die zentrale Stütze brach, vervielfachte sich die Last auf die zentrale Abspannschnur augenblicklich. Dieser abrupte Lastanstieg auf die zentrale Abspannung führte zu deren Reißen. Der mittlere Teil des Zeltdachs sackte nach unten ab, und über den First stieg die Belastung auf die Abspannungen des Eingangs und der Rückwand. Diese Abspannungen rissen ebenfalls.
Das Dach wurde von nichts mehr gehalten und stürzte vertikal nach unten. Der auf dem Dach liegende Triebschnee, der durch die windbedingte Vibration des Zeltes komprimiert worden war, hatte sich in eine harte, festsitzende Masse verwandelt. (Die Ptizyn-Gruppe musste den Schnee auf ihrem Zeltdach mit einer Axt hacken). Genau solch eine dichte Masse stürzte auf die Djatlow-Leute herab. Durch punktuelle Druckbelastungen (Konzentratoren) erlitten drei der Djatlow-Leute schwerste Verletzungen.
Ich habe dazu Experimente durchgeführt. An einem Gipsmodell des Schläfenbereichs eines Schädels hinterlässt eine eingedrückte Feldflasche einen Abdruck, der buchstäblich bis auf den Zentimeter den Beschreibungen des Gerichtsmediziners Wosroschdenny entspricht. Bis auf den Zentimeter passt auch der Abdruck der anderen Seite der Feldflasche, der in Form eines Blutergusses von 10 x 12 cm Größe auf der vorderen Innenseite des rechten Arms zurückblieb. (Übrigens habe ich in keiner anderen Version eine Erklärung für diesen Bluterguss gefunden). Das ist die Verletzung von Thibeaux.
Betrachten wir nun das Obduktionsprotokoll von Slobodin. Bei ihm heißt es: „Entsprechend der rechten Stirn-Schläfen-Region sowie dem Bereich des linken und rechten Schläfenmuskels diffuse Einblutungen mit Durchtränkung des Weichgewebes.“ Das bedeutet eine Einblutung sowohl im linken als auch im rechten Schläfenmuskel. Wie kann das sein? Ganz einfach: Slobodin lag auf der linken Seite. Der Schlag des herabstürzenden Dachs traf ihn in der rechten Stirn-Schläfen-Region. Die linke Schläfe wurde gegen etwas ziemlich Hardes gepresst, das unter seinem Kopf lag. So entstanden die Einblutungen auf beiden Seiten.
Aber wo ist dann die Einblutung auf der Schlagseite bei Thibeaux, werden Sie fragen? Slobodin wurde sofort gefunden. Thibeaux erst im Frühjahr. Bei ihm hatten bereits Verwesungsprozesse eingesetzt. Es hing davon ab, wie der Körper lag – einige Teile waren stärker abgekühlt, befanden sich beispielsweise im Wasser. Andere Körperteile lagen an der Luft über dem Wasser und nicht im Schnee. Gerichtsmedizinern ist bekannt, dass beim Auftauen einer Leiche die Verwesungsprozesse an Stellen mit Blutansammlungen wesentlich schneller ablaufen, da aufgetautes Blut einen hervorragenden Nährboden für Fäulnisbakterien darstellt. An der Schlagstelle entsteht ein Hämatom, also eine Blutansammlung. Wenn die Bedingungen auf einer bestimmten Körperoberfläche gleich sind, aber an einer Stelle eine Einblutung vorlag, wird diese Stelle folglich zuerst dem Verwesungsprozess zum Opfer fallen.
Thibeaux lag auf der rechten Seite. Das bedeutet, der Schlag des herabstürzenden Dachs müsste die linke Seite des Schädels getroffen haben. Einblutungen in der Schläfenregion der linken Seite sind bei Thibeaux jedoch nicht beschrieben. Wenn man sich aber auf die rechte Seite legt und den Kopf hin und her dreht, ist in einer bestimmten Position nicht die Schläfe der höchste Punkt, sondern das linke Jochbein. Das heißt, das linke Jochbein könnte den Schlag auf der linken Seite abgefangen haben. Sehen wir uns an, was im Obduktionsprotokoll steht: „Im Bereich des Oberkiefers links ein Weichgewebedefekt von unregelmäßig ovaler Form mit einer Größe von 3 x 4 cm, mit ausgedünnten, leicht gestauchten Rändern, unter Freilegung des Alveolarrandes des Oberkiefers...“ Der Verwesungsprozess legte den linken Teil des Oberkiefers genau im Bereich des Jochbeins frei. Zudem verfaulte nur dieser Bereich von 3 x 4 cm, während alles drumherum – der Beschreibung nach – in einem recht passablen Zustand war: Augen, Augenbrauen, Lippen, Zunge, Ohren... alles war noch da. Nur ein einziger Bereich war verfault und fehlte. Ich denke, wenn Thibeaux auf der anderen Seite gelegen hätte, hätte sich die rechte Seite nicht im Wasser befunden und wäre zuerst verwest.
Somit erhielt Thibeaux-Brignolle einen Schlag von links, und sein Kopf wurde gegen die Feldflasche gepresst, die auf seinem Arm lag und als Konzentrator wirkte.
Betrachten wir Solotarjow. Der Fotoapparat in der Kameratasche (möglicherweise auch nur die Kameratasche) lag rechts auf seiner Brust. Die Kameratasche lag quer über der Brust. Die Maße der Kameratasche betrugen 10 x 15 cm. Zehn Zentimeter entsprechen dem Abstand zwischen der zweiten und sechsten Rippe eines erwachsenen Mannes – ich habe das an mir selbst und an einem Skelettmodell nachgemessen. Dabei werden die zweite und sechste Rippe von der Breite der Kameratasche nicht einmal vollständig abgedeckt. Beim Einsturz des Dachs traf der Schlag die Kameratasche, die sich in die Rippen drückte.
Die Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ initiierte eine Exhumierung von Solotarjow, bei der sich herausstellte, dass die zweite und sechste Rippe angeknackst, die dritte, vierte und fünfte Rippe hingegen komplett gebrochen waren. Die Kameratasche drückte sich in den Brustkorb, wodurch die zweite und sechste Rippe anbrachen und auseinanderwichen. Die weiterhin drückende Kameratasche brach daraufhin die übrigen drei Rippen.
Bei der Exhumierung von Solotarjow wurde zudem festgestellt, dass das rechte Schulterblatt Risse aufwies. Diese Risse verlaufen auf einer vertikalen Linie von oben nach unten. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass Solotarjow auf dem Rücken lag. Unter dem Zelt lagen Skier. Im Moment des Dacheinsturzes wurde der Körper auf die Skier gepresst, wodurch das rechte Schulterblatt gegen die Seitenkante eines Skis gedrückt wurde. Daher rührt der Riss im rechten Schulterblatt.
Wenn ich davon ausgehe, dass Solotarjow im Moment des Einsturzes des Zeltdachs auf dem Rücken lag, müsste er neben den Brüchen am Körper auch Verletzungen (Einblutungen) im Gesicht aufweisen. Der Kopf konnte sich in verschiedenen Positionen befinden. In einer Position könnte die Nase der höchste Punkt gewesen sein. In einer anderen Position beispielsweise die Stirn. Sehen wir uns an, was der Gerichtsmediziner Wosroschdenny festhielt: „Die Stirn ist niedrig, nach hinten fliehend. Augenbrauen fehlen. Im Bereich der Augenbrauenbögen und Augenhöhlen ein Weichgewebedefekt von runder Form auf einer Fläche von 7 x 6 cm mit ausgedünnten Rändern, unter Freilegung der Gesichtsschädelknochen. Die Augenhöhlen klaffen. Die Augäpfel fehlen. Der Nasenrücken ist gerade. Die Knochen und Knorpel der Nase sind tastbar intakt.“ Und hier sehen wir nur ein teilweises Fehlen des Weichgewebes im Gesicht. Dies gibt mir Grund zu der Annahme, dass der Bereich der Augenbrauenbögen einen Schlag abbekam und es dort zu einer Einblutung kam. Deshalb verweste dieser Abschnitt zuerst. Während des Verwesungsprozesses flossen bzw. rutschten die Fäulnisprodukte nach unten – in den Bereich der Augen –, weshalb auch die Augen verrotteten.
Wenn der Schlag den Bereich der Augenhöhlen und der Stirn traf, muss der Kopf irgendwo hineingepresst worden sein, und möglicherweise bildeten sich dort ebenfalls Einblutungen? Sehen wir uns an, was der Gerichtsmediziner Wosroschdenny schrieb: „In der rechten Scheitelregion – ein Weichgewebedefekt von unregelmäßiger Form mit einer Größe von 8 x 6 cm mit ausgedünnten, leicht gestauchten Rändern, unter Freilegung des Scheitelbeins...“ Damit wäre der den Augenbrauenbögen gegenüberliegende Teil des Kopfes mit entsprechenden Verletzungen gefunden.
Kommen wir zu Dubinina. Ich nehme an, dass sie im Moment des Einsturzes des Zeltdachs genau wie Solotarjow auf dem Rücken lag. Auf ihrer Brust lag eine Filmrolle. Die Filmrolle war ohne Blechdose, höchstwahrscheinlich nur in lichtundurchlässiges Papier gewickelt. Der Durchmesser der Filmrolle betrug, den Brüchen und dem „Abdruck“ auf dem Brustbein nach zu urteilen, fünfzehn bis zwanzig Zentimeter.
Laut Wosroschdennys Beschreibung entsprechen die Verwesungsprozesse an Dubinas Kopf teilweise denen von Solotarjow – es fehlen die Weichgewebe der Augenbrauenbögen, der Augenhöhlen und die Augen. Zudem fehlen bei ihr die Weichgewebe der Nasenwurzel, der Jochbeinregion und die Lippen. All diese verwesten Einblutungen passen vollkommen zu einem Schlag von oben, während sich der Körper in liegender Position befindet. Wo ist die Zunge geblieben? Im Moment des Schlages hat sie sich auf die Zunge gebissen. Eine Zeit lang blutete diese, und sie schluckte das Blut herunter – „Im Magen befanden sich bis zu 100 cm³ einer schleimigen Masse von dunkelrötlicher Farbe...“ Die Zunge war voller Blut und begann nach dem Auftauen des Körpers ebenso zu verwesen wie die anderen Bereiche mit Einblutungen.
Der vertikale Einsturz des Zeltes, dessen Mechanismus ich in der Hauptversion ausführlich beschrieben habe, führte zu schweren Verletzungen bei drei Personen. Schreie, Stöhnen... die Körper waren von der Zeltplane und dem darauf liegenden Schnee eingequetscht. Niemand versteht, was passiert ist und ob es sich wiederholen wird. Man muss schleunigst irgendwie aus diesem engen Raum herauskommen, um die Lage draußen zu klären.
Der einfachste Weg wäre gewesen, die Plane am Eingang wegzudrücken und durch den Ausgang hinauszugehen. Dort lag jedoch Thibeaux, der möglicherweise bewusstlos war. Es ist auch nicht bekannt, in welchem Zustand sich Slobodin in den ersten Minuten befand, der als Zweiter daneben lag. Das bedeutet, der Weg zum Ausgang war durch die Verletzten versperrt. Die gleiche Situation bot sich an der Rückwand – dort lagen die verletzten Solotarjow und Dubinina. Daher wird beschlossen, die rechte Zeltdachplane aufzuschneiden. Den Schnitt setzt Kriwonischenko, der als Dritter lag. Als er das Messer unter der Plane bewegt, durchsticht er diese versehentlich. Das ist aber nicht die Stelle, an der er den Schnitt ansetzen wollte. Der Schnitt sollte klein sein, um die Zeltdachplane nicht zu stark zu beschädigen. Er macht einen Schnitt (Nummer 1) im Bereich seines Kopfes, etwa in Schulterbreite. Er versucht herauszukommen, aber da der gesamte Körper eingequetscht ist, gelingt es nicht. Er hat keine Möglichkeit, sich an etwas festzuhalten oder sich abzustützen. Es wird beschlossen, einen Schnitt im Brustbereich zu machen, um die Plane zu durchtrennen, die den ganzen Körper niederdrückt, und so den Oberkörper aufrichten zu können. Es wird der Schnitt Nummer zwei gemacht. Nun nicht mehr nur über sich selbst, sondern auch über dem Nachbarn zur Rechten, der die Plane ebenfalls hochdrückt. Der fünfte Djatlow-Mann übernimmt das Messer und macht über sich den Schnitt Nummer drei. Der genaue Mechanismus der Schnitte ist in meiner Hauptversion ebenfalls zentimetergenau aufgeschlüsselt. Solche Schnitte konnten nur aus der Liegeposition heraus gemacht werden.
Und wieder: In keiner einzigen Version habe ich bisher eine Erklärung für diese Schnitte gesehen – wie, aus welcher Position und warum überhaupt mehrere Schnitte gemacht wurden. In Lebedews Aussage heißt es: „...auf der Schräge (die rechte Zeltdachplane - WladimirP), die nach unten gerichtet war, befand sich ein klarer, glatter Schnitt, der meiner Meinung nach mit einem Messer gemacht wurde.“ Ein klarer, glatter Schnitt kann nur entstehen, wenn die Plane unter einer Zerreißspannung steht. Das heißt, wenn die Schneelast gleichmäßig auf der Plane liegt. Wenn das Zelt steht, ist es unmöglich, einen glatten Schnitt zu machen – vor dem Messer bilden sich Falten und der Schnitt wird zackig. Dies hat KAN in seinem Experiment demonstriert. Ebenso wenig gibt es einen glatten Schnitt, wenn die Plane durch eine Lawine zerknüllt wurde. Nur ein vertikaler Einsturz sorgt für eine glatt gespannte, nicht zerknüllte Plane mit der nötigen Schneelast-Spannung darauf.
Die Plane ist aufgeschnitten. Sie lagen auf dem Rücken. Der dritte, vierte und fünfte Djatlow-Wanderer können sich nun zusammenkauern, den oberen Teil der Plane wegschieben und sich aufsetzen. Das Aufsetzen ist kein Problem. Das Problem ist, dass ihnen bei der Bewegung des Oberkörpers unter der Plane die Mützen vom Kopf rutschen. Das zweite Problem: Die Beine befinden sich unter der Plane der linken Schräge und sind von dem darauf liegenden Schnee eingezwängt. Die Filzstiefel (Valenki) stecken fest. Beim Versuch, die Beine herauszuziehen, bewegen sich die Filzstiefel nicht und bleiben an Ort und Stelle. Es bleibt keine Zeit zum Graben. Die Beine werden herausgezogen, doch die Filzstiefel bleiben unter der linken Zeltdachplane im Zelt zurück.
Die ersten drei Djatlow-Leute klettern nacheinander ins Freie. Sie helfen den anderen, die keine schweren Verletzungen erlitten haben, herauszukommen bzw. ziehen sie unter der Plane hervor. Durch dieselben Schnitte ziehen sie auch Slobodin und Thibeaux heraus. Slobodin und Thibeaux lagen auf der Seite. In der Seitenlage liegen die Beine übereinander und die Filzstiefel sind aneinandergepresst. Aus der Seitenlage heraus ist es viel einfacher, eine Person mitsamt den Filzstiefeln herauszuziehen (besonders gut, wenn beide Beine zudem angezogen/angewinkelt sind). So wurde Thibeaux herausgezogen. Ich denke, bei Slobodin war die Haltung etwas anders. Genauer gesagt lag er zwar auch auf der Seite, aber ein Bein war angewinkelt und das andere ausgestreckt. Das ausgestreckte Bein wurde vom Schnee auf der linken Zeltdachplane eingeklemmt. Als die Kameraden Slobodin nach draußen zogen, blieb der Filzstiefel dieses Beins im Zelt zurück. Den Filzstiefel am angewinkelten Bein konnte er zusammen mit dem Bein herausziehen.
Als Dubinina herausgezogen wurde, rutschten ihr nicht nur die Filzstiefel von den Füßen und blieben im Zelt, sondern auch ihre Skihose. Die Hose stammte vom UPI (Ural-Polytechnisches Institut) und war vermutlich ein paar Nummern zu groß. Um sie zumindest irgendwie zu wärmen, zog man ihr die Filzstiefel von Thibeaux an.
Solotarjow wurde in seinen Filzschuhen (Burki) und mit der um den Hals hängenden Fotokamera herausgezogen. In der Dunkelheit und dem Schneesturm achtete niemand darauf, und später warf niemand die Fotokamera irgendwo am Hang weg. So blieb sie bei ihm.
Die Verletzten wurden einige Meter unterhalb des Zeltes abgesetzt. Dort war der Schneestrom vermutlich nicht so stark wie unter dem Vorsprung im Bereich des Zeltplatzes. Beim Transport von Dubinina rutschte die Filmrolle unter ihrer Jacke hervor und blieb auf dem Hang liegen. Diese Rolle wird später von den Suchern gefunden.
Es stellt sich die Frage: Was sollte die Gruppe als Nächstes tun? Wind, Schneesturm, Frost. Sie sind diesen Faktoren bereits seit zehn bis fünfzehn Minuten ausgesetzt. Sie haben weder Mützen noch Fäustlinge noch Jacken. Wie lange hält ein Mensch unter solchen Bedingungen durch, ohne Erfrierungen an Nase, Ohren und Fingern zu erleiden?
Das Forumsmitglied ZSM-5 führte dazu ein Experiment durch: Er schaufelte mit bloßen Händen eine Minute lang Schnee weg. Danach folgte eine Minute zum Reiben und Wärmen der Hände, dann die nächste Minute Schneeschaufeln... Er hielt fünf Zyklen durch und konnte nicht mehr weiter. Die Lufttemperatur betrug -6 °C bei einer Windgeschwindigkeit von etwa 5 bis 10 m/s. Hier ist sein Kommentar:
„Subjektiv: Während des ersten Zyklus gab es keine besonders unangenehmen Empfindungen. Zu Beginn des zweiten Zyklus entstand beim Kontakt der Finger mit dem Schnee ein Gefühl von extremer Hitze; dieses Gefühl wiederholte sich bis zum 5. Zyklus. Nach dem 3. Zyklus wollte ich alles hinwerfen. Gegen Ende des 5. Zyklus spürte ich meine Finger praktisch überhaupt nicht mehr, und das Experiment musste abgebrochen werden. Beim ‚Auftauen‘ der Finger bei Raumtemperatur setzten höllische Schmerzen ein, die etwa 5 Minuten anhielten. Nach dem vollständigen ‚Auftauen‘ waren die Schmerzen weg, aber die Spitzen und die Außenseiten beider kleinen Finger habe ich mir wohl leicht erfroren. Nach subjektiver Einschätzung wird niemand und niemals mehr als 10 solcher Zyklen durchstehen – es sei denn, man verlängert die Zeit zum Aufwärmen der Hände erheblich (sagen wir auf 5 Minuten). Oder man muss die Ärmel des Pullovers über die Hände ziehen usw.“
Würden die Djatlow-Leute versuchen, das Zelt auszugraben und wieder aufzustellen, würde das eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Drei Menschen mit schweren Verletzungen stehen oder liegen auf dem Hang, während sie vom Triebschnee zugeschüttet werden. Neben jedem der Verletzten muss eine Person bleiben. Das bedeutet, dass für das Freischaufeln des Zeltplatzes und das Wiederaufstellen des Zeltes nur drei Personen abgestellt werden könnten. Sie würden eine Zeit lang arbeiten, bräuchten dann aber Zeit zum Reiben von Ohren und Nase sowie zum Wärmen der Finger... Selbst wenn sie das Zelt wieder aufrichteten, wies die rechte Dachschräge einen Schnitt von (nach meinen Berechnungen) insgesamt 155 cm Länge auf. Mit diesem Loch hätten sie nichts anfangen können. Der Triebschnee würde hineingeblasen und der Wind würde durch das Zelt fegen. Unter solchen Bedingungen ist es für gesunde Wanderer unmöglich, sich dort aufzuhalten – ganz zu schweigen von Verletzten, die man ausziehen, untersuchen, tränken und wärmen müsste...
Die Verletzten mussten unweigerlich vom Hang weg in den Wald gebracht werden. Dort war es windstill, es gab ein Lagerfeuer und man konnte Wasser beschaffen.
Sie hatten auch keine Zeit, irgendwelche Sachen herauszuholen. Mit jeder Minute, die sie auf dem Hang saßen oder lagen, kühlten die Verletzten weiter aus, und ihr Adrenalinspiegel sank. Nach wenigen Minuten wären sie nicht mehr in der Lage gewesen, sich selbstständig zu bewegen. Ich denke, dass Solotarjow als Frontsoldat, der mehr als einmal verwundete Kameraden gesehen hatte, dies besser verstand als alle anderen.
Dubinina und Solotarjow konnten sich noch selbstständig fortbewegen. Thibeaux musste möglicherweise von jemandem getragen werden. Im tiefen Schnee des unteren Abschnitts mussten alle drei irgendwie gezogen werden, was bedeutete, dass jeder Verletzte zwei Begleitpersonen brauchte. Folglich mussten alle sechs unverletzten Personen mit den drei Verletzten nach unten gehen. Daraus ergab sich folgender Aktionsplan: Mit den Verletzten hinab zum Wald steigen. Dort von allen die warme Kleidung einsammeln, ein paar Personen damit zusätzlich wärmen und sie zurück zum Zelt schicken, um Sachen und Ausrüstung zu holen.
Die Gruppe aus drei Verletzten und vier Begleitpersonen setzt sich nach unten in Bewegung. Zwei Personen bleiben am eingestürzten Zelt zurück. Sie ziehen den Zelteingang aus dem Schnee und binden ihn an ein Skistock fest. Dieser dunkle Fleck von dem Zeltstoff sollte als Orientierungspunkt dienen. Zudem könnten sie nach dem Wegbringen der Verletzten und der Rückkehr zum Zeltplatz die Knebelverschlüsse am Eingang öffnen und in das stehende Dreieck des Eingangs hineinkriechen – also Schutz vor dem Wind suchen. Von innen heraus könnten sie dann, indem sie die Zeltplane nach und nach wegdrücken, das gesamte Zelt durchgehen und die notwendigen Sachen zusammensuchen.
Nachdem sie das Dreieck des Eingangs aufgerichtet und an den Skiern festgebunden haben, legen sie eine eingeschaltete Taschenlampe auf den höchsten Punkt des Schneehügels über dem Zelt. Sie wird einige Dutzend Minuten leuchten. Möglicherweise reichte diese Zeit aus, um abzusteigen und auf dem Rückweg zum Zelt das Licht der Taschenlampe als Orientierung zu nutzen. Nachdem sie die Taschenlampe abgelegt haben, holen diese beiden die bereits vorausgegangene Gruppe ein. Die Gruppe geht in einer Reihe/Linie. Warum? Man hätte sich in Dreiergruppen aufteilen können (wie es in der Serie „Djatlow-Pass“ dargestellt wurde). Doch bei einer Bewegung zu dritt würden sich die Gruppen auf dem Hang in die Länge ziehen. Jemand würde anhalten, um etwas festzuziehen oder zu richten... Jemand würde zu weit nach rechts, jemand zu weit nach links abkommen. In der Dunkelheit und dem Schneesturm würden sie sich unweigerlich verlieren. Deshalb wurde beschlossen, in einer einzigen, geschlossenen Reihe zu gehen. Jeder stützte seinen Nachbarn, und niemand konnte zurückbleiben oder verloren gehen. Die Gruppe ging strikt in Windrichtung – das bot den geringsten Widerstand und diente als weiterer Orientierungspunkt für die Rückkehr zum Zelt: hinab strikt mit dem Wind, hinauf strikt gegen den Wind.
Die Dyatlow-Gruppe steigt den Hang hinab, indem sie sich in einer geschlossenen Reihe gegenseitig stützt. Da sie eine Taschenlampe auf dem Zelt zurückgelassen haben, konnten sie bei zunehmender Entfernung und beim Zurückblicken deren Licht sehen. Möglicherweise half ihnen das, die Bewegungsrichtung anzupassen, indem sie sich am Lichtsignal und der Windrichtung orientierten – der Wind musste demnach aus der Richtung der Taschenlampe wehen. Nach etwa fünfhundert Metern beschließen sie, ein zweites Lichtsignal zu hinterlassen. Entweder war das Licht der ersten Taschenlampe im Schneesturm bereits kaum noch zu erkennen, oder die erste Taschenlampe hatte sich bereits ausgeschaltet. Dabei waren nicht die Batterien leer, sondern das Gerät schaltete sich von selbst aus.
Der gesamte Mechanismus, wie sich die Kontakte einer Taschenlampe durch das Gefrieren eines Wassertropfens dazwischen trennen, ist in meiner Hauptversion ausführlich beschrieben. Ich habe dazu Experimente in einem Kühlraum durchgeführt. Die Raumtemperatur lag bei etwa -20 °C, der Luftstrom des Ventilators betrug rund 2–3 m/s. Die Taschenlampe wurde vorab draußen bei Plusgraden präpariert und anschließend in den Kühlraum gelegt. Insgesamt wurden elf Versuche unternommen (wobei für die Vorbereitung und den Versuch selbst jeweils etwa eine Stunde benötigt wurde). Ein Versuch (der sechste) war erfolgreich: Eine chinesische Taschenlampe schaltete sich um die zwanzigste Minute herum ab. Davon existiert eine Videoaufnahme, die ich allerdings noch nicht auf YouTube hochgeladen habe.
Slobzow (ein Mitglied der Suchmannschaft, er war der Erste, der, zusammen mit Scharawin, das Zelt fand), der die Taschenlampe auf dem Zelt fand, betätigte den Schiebeschalter. Dadurch wurde das Eis zwischen den Kontakten weggeschoben, und die Taschenlampe leuchtete durch die Restspannung der tiefgekühlten Batterien für kurze Zeit wieder auf. Genau das überraschte Slobzow. „Ich nahm die Taschenlampe als Erster und stellte fest, dass sie nicht eingeschaltet war. Als ich sie einschaltete, leuchtete das Licht auf.“ So protokollierte der Ermittler Romanow die Vernehmung von Slobzow. Der Leiter der Sucharbeiten, Maslennikow hingegen schrieb in seinen Aussagen zwei Wochen nach dem Fund des Zeltes und nach Gesprächen mit den Entdeckern Scharawin und Slobzow Folgendes: „Auf dem Zelt lag eine chinesische Taschenlampe im eingeschalteten Zustand (leuchtete aber nicht).“ Es wird also betont, dass die Taschenlampe in der Position „Ein“ aufgefunden wurde.
Die Gruppe legt eine zweite eingeschaltete Taschenlampe auf die Steine der dritten Felsreihe und setzt ihren Weg fort. Nach einiger Zeit erreichen sie eine Zone mit Schneeablagerungen. Der Wind ist hier etwas schwächer als einige hundert Meter weiter oben am Hang, weshalb sich hier der vom Wind herangetragene Triebschnee abzulagern begann. Im tiefen Pulverschnee ist es schwer, Verletzte in einer Reihe zu führen – es ist allgemein schwer, dort voranzukommen. Man muss die Beine hoch anheben und viel Kraft aufwenden. Für die Verletzten war dies mühsam und schmerzhaft. Ich gehe davon aus, dass die Unverletzten eine Spur bahnen mussten. Drei Unverletzte gingen in einer Reihe einige Dutzend Meter voran und kehrten dann wieder um. Anschließend nahmen zwei Unverletzte einen Verletzten unter den Armen und folgten der gebahnten Spur. Auf diese Weise bewegte sich die gesamte Gruppe vorwärts, woraufhin der nächste Abschnitt gespurt wurde. Nur so kann ich mir das Vorankommen der Gruppe vorstellen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man jemanden wie Dubinina mit ihren Verletzungen einfach an den Armen durch den Schnee hätte schleifen können; auch die klammen, steif gefrorenen Finger der Retter hätten kaum die nötige Kraft besessen, um sie über längere Zeit so festzuhalten.
Die Dyatlow-Gruppe verliert enorm viel Zeit, büßt einen Großteil ihrer Energie und Körperwärme ein, kühlt stark aus und erschöpft zusehends. Sie erreichen die Senke des ersten Bachs. Die Kräfte sind am Ende, aber ein normaler Wald ist noch immer nicht in Sicht. Hinter der Senke beginnt ein leichter Anstieg. Was verbirgt sich dahinter – nur eine Anhöhe, hinter der sich bereits der Wald befindet, oder der Fuß des nächsten Berges? An der Senke gibt es eine hohe Schneewehe, die Schutz vor dem – wenn auch schwachen – Wind bietet. Sie beschließen, im Schutz dieser Wehe einen Bodenbelag aus Tannenbäumchen zu errichten, die Verletzten dort zu betten, die Umgebung aufzuklären und anschließend je nach Lage weiterzuhandeln. Sie schneiden junge Bäumchen ab, die in der Nähe wachsen. Daraus fertigen sie den Bodenbelag und legen die drei Verletzten darauf ab.
Es war geplant, dass die Gruppe nach dem Abstieg zum Wald dort sofort Bedingungen vorfinden würde, um ein Lagerfeuer zu entfachen. Daher hätte man problemlos allen Personen einige warme Kleidungsstücke abnehmen können, um diejenigen einzukleiden, die zum Zelt zurückgehen. In der Senke gibt es jedoch keinerlei Bedingungen für ein Lagerfeuer; in der Nähe existiert schlichtweg kein geeignetes Material für ein ordentliches Feuer, das mehrere Personen wärmen könnte. Während die Kundschafter einen neuen Platz für die Gruppe suchen, um dort ein Feuer zu machen, würden in der Zwischenzeit alle frieren – insbesondere die Verletzten. Das bedeutet, dass in diesem Moment schlicht niemandem Kleidung abgenommen werden kann. Dyatlow konnte niemandem warme Sachen wegnehmen im Wissen, dass es noch lange kein Feuer geben würde. Zum Zelt muss jedoch in jedem Fall zurückgegangen werden. Erstens leuchtet dort möglicherweise noch immer mindestens eine Taschenlampe, die die Richtung zum Zelt vorgibt. Zweitens werden die Verletzten ohne warme Sachen und vor allem ohne Ausrüstung (um Holz zu hacken oder Wasser zu schmelzen) nicht lange durchhalten. Drittens könnte die festgebundene Dreiecksplane des Zelteingangs vom Wind losgerissen werden, was dazu führen würde, dass die Sachen am Hang zerzaust und verstreut werden. Dyatlow und Slobodin beschließen, zum Zelt zurückzukehren. Womöglich wurden ihnen dennoch ein paar Kleidungsstücke überlassen – Dyatlow trug eine Weste, Slobodin eine Mütze...
Alle Unverletzten haben bereits viel Energie und Wärme verloren. Ich denke, dass dieser Verlust bei Dyatlow am größten war. Als Gruppenleiter versuchte er, allen zu helfen, sie zu unterstützen, zu tragen und den Weg zu spuren. Die Mägen sind leer, die Kräfte erschöpft. Dyatlow und Slobodin gehen in der Schneespur zurück, die die Gruppe beim Abstieg angelegt hat. Diese ist bereits teilweise verweht, sodass sie sich anstrengen müssen, um die Schneeverwehungen zu überwinden. Sie bewegen sich bergauf. Mit jedem Dutzend Meter nimmt der Gegenwind zu und bläst die verbliebene Körperwärme fort. Bei Dyatlow rutscht im tiefen Schnee eine Socke – oder vielleicht sogar mehrere – herunter. Er hat keine Mütze, die Unterkühlung schreitet immer schneller voran, und an einem bestimmten Punkt verliert er das Bewusstsein. Slobodin versucht, ihn aufzurichten, ihn zu schleppen... Das erfordert einen enormen Energieaufwand, der ohnehin bereits am Minimum ist. Slobodin erkennt, dass er Dyatlow nicht tragen kann. Er lässt ihn an einer kleinen Birke zurück und hofft, das Zelt schnell zu erreichen, um mit warmen Sachen zu Dyatlow zurückzukehren. Mit jedem Meter wird der Schnee tiefer und der Wind stärker... Er schafft noch einhundertfünfzig Meter, dann setzt sein Bewusstsein aus und er stürzt.
Slobodin wurde unter einer Schneeschicht gefunden. Er lag auf dem Bauch (mit dem Rücken nach oben). Das rechte Bein befand sich in etwa auf Höhe des Rückens, während das angewinkelte linke Bein nach unten unter den Körper ragte. Das bedeutet, dass er nach dem Sturz auf der Schneeoberfläche lag, während das linke Bein nach unten in den lockeren Pulverschnee eingesunken war.
Ich weiß nicht, zu welchem Zeitpunkt Dyatlow und Slobodin den Rückweg zum Zelt antraten – ob sie noch halfen, den Bodenbelag zu errichten, oder direkt nach dem Erreichen der Senke aufbrachen. Rein logisch betrachtet ist es unwahrscheinlich, dass sie Zeit für den Bau des Unterschlupfs verloren haben, solange am Hang möglicherweise noch eine Taschenlampe leuchtete; zudem blieben bei den Verletzten vier Personen zurück, die in der Lage waren, die Bäumchen abzuschneiden und den Belag zu bauen. Vermutlich machten sie sich sofort auf den Rückweg zum Zelt.
Bei den drei Verletzten bleiben vier Unverletzte zurück. Die erste Aufgabe besteht darin, den Bodenbelag zu bauen, um die Verletzten zu betten. Junge Bäumchen werden abgeschnitten und der Belag errichtet. Dies sind genau die Bäumchen, deren Schnittstellen im Mai 1959 entdeckt wurden und von denen eine Spur aus abgefallenen Nadeln und Zweigen wegführte. Die Schneewehe in der Senke des ersten Bachs ist recht hoch. In den letzten Jahren haben mehrere Winterexpeditionen, meist im März, Aufnahmen der Schneesituation am Bach gemacht. Auf einigen Fotos ist die Wehe sehr gut zu erkennen. Ihre Höhe (zusammen mit dem Bachufer) übersteigt die Körpergröße eines Menschen. Im Jahr 1959 gab es zwischen dem Hang und der Senke deutlich weniger Vegetation, weshalb der Schnee nicht aufgehalten wurde. Dadurch wurde bereits im Januar und Februar eine derartige Menge Schnee in den Bereich der Senke geweht, dass sich eine massive Schneewehe bildete. Die darauffolgenden Winde und Schneefälle ebneten das Bett des ersten Bachs vollständig ein, sodass sich über dem Bachbett eine Schneeschicht von mehr als zwei Metern Dicke bildete.
Die Dyatlow-Gruppe errichtet einen provisorischen Bodenbelag am Fuß der Schneewehe, praktisch auf den Steinen des Bachbetts. Ich gehe davon aus, dass sich im Bach überhaupt kein Wasser befand oder nur ein Minimum, das kaum spürbar zwischen den Steinen hindurchsickerte. Im Jahr 1957 gab es eine Dürre; 1958 fielen zwar mehr Niederschläge (laut Statistik für Iwdel), allerdings meldeten einige Regionen der Oblast Swerdlowsk auch für 1958 eine Dürre.
Nachdem der Bodenbelag fertiggestellt ist, werden die Verletzten darauf gebettet, und zwei Pfleger bleiben zurück – Kolmogorowa und Kolewatow.
Kriwonischenko und Doroschenko haben die nächste Aufgabe: Sie sollen ein Signalfeuer für die Kameraden entzünden, die zum Zelt aufgebrochen sind. Das Feuer muss sich auf einer Anhöhe befinden, damit es für die vom Hang Zurückkehrenden sichtbar ist. Kriwonischenko und Doroschenko steigen durch den tiefen Schnee auf die Anhöhe hinter der Senke und halten auf die Zeder zu, deren dunkler Umriss in einigen Dutzend Metern Entfernung zu erkennen ist. Die Lage des Baumes sagte ihnen zu, und sie hatten ohnehin keine große Auswahl. In der Umgebung brachen sie Totholz ab und entfachten ein Feuer. Das Lagerfeuer befand sich in unmittelbarer Nähe der Zeder. Nach den Erinnerungen von Scharawin lag der Abstand bei dreißig bis fünfzig Zentimetern. Von der Perspektive des Zeltes aus gesehen befand sich das Feuer hinter der Zeder. Dies deutet darauf hin, dass an der Zeder Wind herrschte und das Feuer durch den Baumstamm vor diesem Wind geschützt werden musste. Die Signalfunktion litt darunter kaum, da nicht das gesamte Feuer verdeckt werden konnte; die Flammen waren ohnehin zu den Seiten hin sichtbar, und der Feuerschein spiegelte sich auf den verschneiten Bäumen ringsum wider.
Ihre erste Aufgabe haben Kriwonischenko und Doroschenko erfüllt. Sie gehen zur nächsten Aufgabe über: einen dauerhaften Bodenbelag für die Verletzten so zu errichten, dass in der Nähe ein Feuer gemacht werden kann und die gesamte Gruppe Platz findet. Sie beginnen mit der Suche nach einem geeigneten Ort.
Auf einer Fotografie der Jakimenko-Expedition aus dem Jahr 1963 ist unweit der Zeder ein umgestürzter Baum zu sehen. Offenbar handelte es sich ebenfalls um eine Zeder. Schura Alekseenkow entdeckte die Reste des Stammes. Sie befinden sich in einer Entfernung von sieben Metern von der Zeder der Dyatlow-Gruppe. Ich vermute, dass genau dieser Stamm ihre Aufmerksamkeit erregt haben könnte. Der Stamm lag gewissermaßen quer zur Windrichtung, und hinter diesem Stamm mit seinem herausgerissenen Wurzelwerk gab es einen kleinen Windschatten, der später durch den Bau einer Wand aus Ästen und kleinen Stämmen hätte erweitert werden können. Die ursprüngliche Aufgabe bestand jedoch darin, den Bodenbelag und ein Feuer vorzubereiten und die Verletzten hierher zu überführen.
Kriwonischenko und Doroschenko beginnen, die Stämme junger Bäume rund um die Zeder abzuschneiden und sie hinter die umgestürzte Zeder zu schaffen.
Während in der Senke der provisorische Bodenbelag gebaut wurde, danach der Platz für das Signalfeuer gesucht und dieses entfacht wurde, und anschließend nach dem Ort für den dauerhaften Bodenbelag gesucht und mit dessen Vorbereitung begonnen wurde, verging einige Zeit. Ihrem Empfinden nach mussten Dyatlow und Slobodin, die zum Zelt aufgebrochen waren, dort bereits alles Nötige erledigt haben und sich auf dem Rückweg nach unten befinden. Obwohl das Signalfeuer leuchtete, waren sich die Kriwonischenko und Doroschenko nicht sicher, ob es vom Hang aus zu sehen war. Doroschenko klettert auf die Zeder. Vom Zelt aus waren sie am Hang strikt mit dem Wind gelaufen; das bedeutet, wenn man in den Wind blickt, muss sich dort der Hang befinden. Doroschenko späht in die Dunkelheit und versucht, das Aufblinken einer Taschenlampe am Hang zu erkennen. Die verschneiten Äste der Zeder schwanken vor ihm und beeinträchtigen die Sicht. Er schneidet ein paar Äste an, und diese brechen unter der Schneelast ab und bleiben hängen. Nun ist in der Krone der Zeder eine Lücke entstanden, die einen ungehinderten Blick in Richtung des Hanges ermöglicht. Doch dort ist nichts zu sehen. Kriwonischenko reicht ihm einen brennenden Ast aus dem Feuer. Doroschenko winkt damit in der Hoffnung, dass das aus dieser Höhe abgegebene Lichtsignal besser wahrnehmbar ist. Da er kein Antwortsignal sieht, steigt er von der Zeder herab. Beim Absteigen rutscht er am Baumstamm ab, wodurch seine Hose, die lange Unterhose und die Socken zerreißen: „Im Bereich des mittleren Drittels des Oberschenkels auf der Innenseite links und rechts auf der Vorderseite weist die lange Unterhose Risse auf, mit den Maßen 22 x 33 cm rechts und 13 x 13 cm links.“ „Am linken Fuß zwei Paar hellbraune Stricksocken mit Rissen im Bereich des Fußrückens und des Knöchels;“
Dank der gemeinsamen Anstrengungen der Forumsmitglieder konnte festgestellt werden, dass Kolewatow, als er gefunden wurde, eine Latzhose trug, die Doroschenko gehört hatte. Es wird vermutet, dass Kolewatow Doroschenko die Latzhose erst nach dessen Tod ausgezogen hat. Nach den Beschreibungen des Gerichtsmediziners Wosroschdenny weist die Latzhose jedoch keine nennenswerten Beschädigungen auf. Wie konnte es also sein, dass die lange Unterhose erhebliche Beschädigungen aufwies, während die Latzhose, die sich logischerweise über der langen Unterhose befinden müsste, unbeschädigt war?
Die Frage mit den Hosen und ihren Wechseln hat mich lange Zeit beschäftigt. Gedanklich wies ich die Latzhose den Verletzten zu, obwohl außer Ljuda Dubinina alle halbwegs passabel gekleidet waren. Bei Dubinina wurde eine andere Hose gefunden. Es ist unwahrscheinlich, dass man ihr die Hose mehrmals gewechselt hat. Diese Variante schied aus. Doroschenko konnte seine Latzhose auch nicht einfach an Kolewatow abgegeben haben. Kolewatow trug eine Lange Unterhose und eine Skihose, war also nicht schlechter isoliert als Doroschenko. Die nächste Variante.....
Mit dieser Frage wie mit einem Dorn im Fleisch lief ich Tag für Tag herum, bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel: Wie haben die Dyatlow-Leute die Bäumchen abgeschnitten und getragen? Niemand hat Handschuhe. Wenn man mit bloßen Händen bei Frost und im Schnee etwas abschneidet, hält man das vielleicht fünf Minuten durch und das war's – danach kann man das Messer nicht mehr halten. Wie konnten sie also ein solches Arbeitspensum ohne Handschuhe bewältigen? Sie mussten einen Ersatz für Handschuhe finden. Die Ärmel des Pullovers vorzuziehen funktioniert nicht – man muss ständig mit der einen Hand schneiden und mit der anderen zupacken; der Ärmel würde hochrutschen, man könnte ihn nicht fixieren und der Nutzen wäre gering. Es brauchte einen vollwertigen Handschuh-Ersatz. Ich begann, mich in ihre Lage zu versetzen. Was hätte ich benutzt? Eine Hose! Doroschenko und Kriwonischenko zogen ihre Überhosen aus! Sie zogen die Hosenbeine über die Arme und nutzten sie wie Stulpenhandschuhe. Kriwonischenko verblieb in langer Unterhose und einer Hose. Auch Doroschenko verblieb in langer Unterhose und einer weiteren Hose (die später Dubinina angezogen wurde). Bevor Doroschenko auf die Zeder kletterte, hatten sie bereits Bäumchen sowohl für den provisorischen als auch teilweise für den Haupt-Bodenbelag vorbereitet. Das bedeutet, Doroschenko hatte seine Latzhose bereits ausgezogen und nutzte sie als Handschuhe. Deshalb kletterte er nur noch in langer Unterhose und einer weiteren Hose auf die Zeder. Genau aus diesem Grund wiesen die lange Unterhose (und die Hose, die später Dubinina angezogen wurde) erhebliche Beschädigungen durch das Rutschen am Baumstamm auf, während die Latzhose fast unbeschädigt blieb.
Kriwonischenko und Doroschenko schneiden weiter Bäumchen ab und bauen den Haupt-Bodenbelag. Rund um die Zeder zählten die Suchmannschaften etwa zwanzig stehende Baumstümpfe und mehrere Kerben, sprich Versuche, ein Bäumchen abzuschneiden. Die abgeschnittenen Bäumchen wurden (bis auf eines) nicht gefunden. Ich denke, das war das letzte Bäumchen, das sie nicht mehr zum im Bau befindlichen Bodenbelag transportieren konnten. Wie ich bereits schrieb, errichteten sie den Bodenbelag meiner Vermutung nach hinter der umgestürzten Zeder. Diese umgestürzte Zeder ist auf dem Foto von 1963 zu sehen, aber auf dem Foto der Suchmannschaften von 1959, das aus etwa derselben Richtung aufgenommen wurde, sehen wir hinter der stehenden Zeder der Dyatlow-Gruppe Sträucher und ein Schneefeld. Die umgestürzte Zeder befindet sich irgendwo unter der Schneeschicht. Die Suchmannschaften suchten mit Sonden nach den Leichen und dürften kaum darauf geachtet haben, dass unweit der Zeder, neben dem Stamm der umgestürzten Zeder, irgendwelche Äste lagen. Alles befand sich unter dem Schnee, und höchstwahrscheinlich wurden diese abgeschnittenen Bäumchen als Äste der umgestürzten Zeder selbst und des von ihr untergrabenen Unterholzes wahrgenommen. Ich denke, dass man diesen Bodenbelag im Jahr 1963 noch in gutem Zustand hätte vorfinden können. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass einer der Studenten die im Jahr 1963 die Zeder betrachteten, Informationen über die Situation rund um die Zeder zum Zeitpunkt des Fundes der Leichen besaß. Möglicherweise wurden die Stämmchen zwar entdeckt, aber die Studenten könnten gedacht haben, dass dieser Bodenbelag von den Suchmannschaften während der Bergungsarbeiten angelegt worden war.
Im Bereich der Zeder wehte Wind. Vermutlich war er nicht sehr stark. Da sich das Lagerfeuer jedoch im Schutz der Zeder befand, ist anzunehmen, dass der Wind dennoch Probleme bereitete. Das bedeutet, dass er kontinuierlich die Wärme unter der Kleidung wehte; zudem waren die Köpfe unbedeckt (obwohl doch eine Sturmhaube vorhanden war). Kriwonischenko und Doroschenko leisteten ein enormes Arbeitspensum, sie waren erschöpft und durchfroren. Möglicherweise verlor einer von ihnen das Bewusstsein, während sie das später entdeckte Bäumchen transportierten. Die Organismen waren vollständig unterkühlt. Sie begaben sich zum Signalfeuer und legten sich zu beiden Seiten davon nieder. Einer lag auf der Nordseite, der andere auf der Südseite. Die Zeder befand sich ungefähr im Westen. Als Variante: Einer der beiden verliert das Bewusstsein. Der Zweite fängt ihn auf, schleppt ihn zum Feuer und legt ihn auf eine der beiden Seiten, während er sich selbst auf der gegenüberliegenden Seite hinlegt. Das Lagerfeuer kann sie nicht mehr retten. Es wärmt zwar einen Teil des Körpers, aber der Großteil ist der Einwirkung von Kälte und Wind ausgesetzt. Die Körper kühlen immer weiter ab. Niemand kümmert sich um das Feuer, und es beginnt zu erlöschen. Kriwonischenko und Doroschenko schlafen für immer ein.
Im Forum pereval1959.kamrbb.ru beschrieb der Foren-Nutzer Nikolay A, der nach meinen Begriffen über hervorragende medizinische Fachkenntnisse verfügt, den Tod von Kriwonischenko und Doroschenko wie folgt. Es war die Frage gestellt worden: „Warum starben die Kräftigen, Gesunden und gut Gekleideten zuerst?“
Seine Antwort: „Weil die Abkühlung des ‚Körperkerns‘ schneller kritische Werte erreichte (hohe Wärmeverluste bei der Verrichtung körperlicher Arbeit, das Aufwärmen erfrorener Gliedmaßen am Feuer, was einen Einstrom von ‚kaltem Blut‘ zum ‚Körperkern‘ auslöste).“
In der Physiologie wird dieses gefährliche Phänomen offiziell als „Bergungstod“ oder Afterdrop (fortlaufendes Absinken der Körperkerntemperatur) bezeichnet. Der Mechanismus des „Bergungstods“ (Afterdrop) stellt sich wie folgt dar: Bei einer tiefen Unterkühlung leitet der Organismus zum Schutz des Körperkerns eine Verengung (einen Spasmus) der peripheren Gefäße ein. Das Blut zieht sich aus der Haut und den Gliedmaßen in den „Körperkern“ – bestehend aus Herz, Lunge und Gehirn – zurück, um das Leben der lebenswichtigen Organe aufrechtzuerhalten. Als die stark unterkühlten Kriwonischenko und Doroschenko sich an das Lagerfeuer legten, kam es zu einem fehlerhaften Aufwärmen, da die Wärme des Feuers begann, die Haut zu erwärmen. Diese Wärmesignale führten zu einer Gefäßerweiterung (Vasodilatation), durch die sich die zuvor verengten Gefäße der Gliedmaßen schlagartig erweiterten. Dadurch setzte ein tödlicher Kreislauf ein: Das eiskalte, gestaute Blut aus den Gliedmaßen strömte zurück in den warmen Körperkern, während das relativ warme Blut aus dem Zentrum in die Haut und die Gliedmaßen abfloss. Dies führte zum Kollaps, bei dem die Temperatur von Herz und Gehirn augenblicklich um weitere Grade abfiel. Dies löste einen abrupten Abfall des Blutdrucks (Schock), schwere Herzrhythmusstörungen und letztlich den Herzstillstand aus.
Kolmogorowa und Kolewatow kümmern sich so gut es geht um die Verletzten. Große Möglichkeiten haben sie nicht – eine Schneekugel formen und dem Verletzten zum Lutschen geben... die drei dichter aneinander rücken... den Verletzten sagen, dass alles gut wird, dass die Kameraden gleich kommen und alles mitbringen... dass sie bald zum großen Feuer gehen und sich aufwärmen werden...
Möglicherweise gelang es ihnen dennoch, ein minimales Feuer neben dem Bodenbelag zu entfachen. Das Feuer schmolz sich bis zum Grund des Bachs durch, wurde später vom Schnee zugeweht, und die Suchmannschaften fanden nichts. Vielleicht gab es aber auch überhaupt kein Feuer, und alle hofften darauf, bald zum dauerhaften Bodenbelag am großen Feuer zu wechseln.
Die Zeit verging, doch niemand kehrte zurück. Weder diejenigen, die zum Hang aufgebrochen waren, noch diejenigen, die den Haupt-Bodenbelag bauen sollten. Vom Hang aus war weder etwas zu sehen noch zu hören. Aus der Richtung derer, die den Haupt-Bodenbelag anlegten, waren die Reflexionen des Signalfeuers zu erkennen, die sich in den Baumkronen widerspiegelten. Die Zeit verging, doch nichts geschah. An einem bestimmten Punkt bemerken Kolmogorowa und Kolewatow, dass auch der Feuerschein nicht mehr zu sehen ist. Kolewatow beschließt, zur Zeder zu gehen.
Er nähert sich der Zeder und sieht neben dem kaum noch glimmenden Feuer zwei Körper zu beiden Seiten des Feuers liegen. Er versucht sie zu wecken, doch alles ist vergebens, es gibt keinerlei Reaktion. Ich weiß nicht, in welchem Zustand Kolewatow war und welche Gedanken ihm durch den Kopf gingen. Es ist schwer, sich in seine Lage zu versetzen. Neben den Leichen zweier Kameraden zu stehen, mit denen er noch vor Kurzem Schulter an Schulter die Verletzten getragen hatte. Ich weiß nicht, ob ich ebenso hätte handeln können wie er...
Kolewatow beginnt, die Verstorbenen zu entkleiden. Es scheint mir, dass er bei Doroschenko anfing, da alle Kleidungsstücke von Doroschenko ohne Beschädigungen ausgezogen wurden. Zwar wurde ein abgerissenes Ärmelbündchen des Pullovers gefunden, doch dies könnte beim Herunterziehen des Ärmels passiert sein, wenn man am Bündchen zieht.
Meiner Vermutung nach mussten die Leichen in einem Abstand von etwa 60 bis 70 cm von den Flammen des Feuers entfernt gelegen haben. Solange ein Mensch noch bei Bewusstsein ist, kann er diesen Abstand regulieren – näher heranrücken oder sich weiter entfernen. Wenn die Körpertemperatur so weit gesunken ist, dass das Bewusstsein verloren geht, kann der Mensch nicht mehr auf äußere Reize reagieren. In einer Entfernung von 60 bis 70 cm (möglicherweise weniger) kann die Wärmestrahlung der Flammen auf die Haut einwirken, wodurch Verbrennungen entstehen; die Strahlung kann auf die Haare einwirken, sodass sie ein versengtes Aussehen erhalten. Die Wärmestrahlung kann sich auch auf die Kleidung auswirken – sie fängt zwar kein Feuer, aber es entstehen versengte Stellen.
Nach meinen Annahmen lag Doroschenko, als Kolewatow an ihn herantrat, auf dem Rücken, möglicherweise befanden sich die Hände bereits hinter dem Kopf. Rechts von ihm befand sich das Feuer (etwa 60 bis 70 cm entfernt). Kolewatow zieht Doroschenko die Hose aus, sodass dieser in der langen Unterhose zurückbleibt. Am Oberkörper trug er einen Pullover und zwei Holzfällerhemden – eines mit langem Ärmel, das andere mit kurzem. Um alles schnell und mit dem geringsten Zeitaufwand auszuziehen, zieht Kolewatow den Pullover und das Hemd von der Brustseite her, vom Bund aus, so nah wie möglich zum Kopf hinauf, dreht Doroschenkos Körper über die linke Schulter auf die Brust und zieht alles auf der Rückenseite erneut zum Kopf hin. Nun muss alles über den Kopf und die Arme abgestreift werden. Möglicherweise musste er die Ärmelbündchen des Hemdes aufknöpfen. Er streifte den Pullover und das Hemd ab. Das Hemd mit dem kurzen Ärmel verblieb an Doroschenko. Möglicherweise zog Kolewatow auch die Hose beim Umdrehen des Körpers herunter.
Vermutlich lag unter Doroschenko die Latzhose, die dieser als Handschuhe benutzt hatte. Kolewatow findet die Latzhose und zieht sie an. Womöglich wollte er noch etwas anziehen – das Hemd oder den Pullover. Doch aus irgendwelchen Gründen überlegte er es sich anders oder wurde abgelenkt. Das Hemd blieb unter der Zeder liegen. Kolewatow beginnt, Kriwonischenko zu entkleiden. Dieser lag ebenfalls auf dem Rücken, das linke Bein angewinkelt (ungefähr dieselbe Pose wie auf dem Foto zum Zeitpunkt des Auffindens). Der linke Arm lag entlang des Körpers, mit dem Handrücken nach außen. Auf der linken Seite von Kriwonischenko befand sich das Feuer. Der linke Ärmel von Kriwonischenkos Jacke war der Wärmestrahlung des Feuers ausgesetzt. Daher gab es dort eine große versengte Stelle. Ebenso war die Außenseite der linken Handfläche der Wärmestrahlung ausgesetzt. Dort entstand eine Verbrennung. Wahrscheinlich befand sich das linke Bein näher am Feuer. Das Hosenbein und das Bein der langen Unterhose fingen im unteren Bereich Feuer, und da das Bein angewinkelt stand, stieg das Feuer (oder einfaches Glimmen) bis zum Knie auf. So entstand die Verbrennung des linken Unterschenkels. All dies ist in meiner Textvariante der Hauptversion ausführlich und mit Bildern beschrieben.
Kolewatow öffnet den Reißverschluss an Kriwonischenkos Jacke. Er versucht, die Jacke auszuziehen. Das Ärmelbündchen der Jacke verfängt sich an der Verbrennung auf der linken Handaußenseite Kriwonischenkos und reißt einen Teil der Haut mit sich. Dies ist die Hautabschürfung, die auf den Fotografien zu sehen ist und die von Wosroschdenny beschrieben wurde: „Entlang des gesamten Durchmessers des linken Handrückens eine skalpierte Wunde mit abgelöster Epidermis von dunkelbrauner Farbe und pergamentartiger Dichte mit den Maßen 8 x 2 cm.“
Kolewatow zieht die Jacke aus und zieht sie selbst an. Den Reißverschluss kann er nicht mehr schließen. Kolewatow hat viel Zeit verloren, er muss den Prozess des Ausziehens irgendwie beschleunigen. Neben den Körpern findet er ein Messer. Die restliche Kleidung an Kriwonischenko schneidet er mit dem Messer auf. Das ist jene im Schritt aufgeschnittene Hose, an die sich Wladimir Michailowitsch Askinadsi erinnerte. Beim Aufschneiden der Hose wurde zusammen mit der Hose auch die lange Unterhose zerschnitten. Auf ihr sind Schnittspuren zu sehen. Bei der Vor- und Zurückbewegung des Messers durchstach er mehrmals die Haut am Bein: „Auf der Innenseite des oberen Drittels des linken Oberschenkels drei Hautwunden von linearer Form mit glatten Rändern, einer Tiefe von bis zu 0,3 cm und scharfen Winkeln mit den Maßen 1,5 mal 0,4 cm.“ Ebenso wurde die Strickjacke aufgeschnitten und ausgezogen.
Kolewatow nimmt Kriwonischenko von hinten unter den Achseln und zieht ihn zu Doroschenko rüber, damit die Kameraden nebeneinander liegen. Ich denke, dass die von Wosroschdenny beschriebenen Hautabschürfungen beim Hinüberziehen von Kriwonischenko entstanden sind: „An der rechten Seitenfläche des Brustkorbs auf Höhe der Achselhöhle blassrote Hautabschürfungen von 7 mal 2 cm Größe, ohne Einblutungen in das darunter liegende Gewebe.“
Kolewatow sammelt alle ausgezogenen und aufgeschnittenen Sachen ein. Er findet auch Kriwonischenkos Hose, die dieser als Handschuhe benutzt hatte. Er nimmt alles auf den Arm, greift nach dem Messer und geht zur Senke. Einige Sachen bemerkte er nicht – das Holzfällerhemd und Kleinigkeiten blieben an der Zeder liegen. Ein Teil der Kleidung ging beim Transport verloren – die Hälfte einer Hose und die Hälfte einer Strickjacke.
Ich kann mir nicht vorstellen, wie Sina Kolmogorowa ihn empfing und wie er ihr alles erzählte.
Sie beginnen, die Verletzten wärmer einzupacken. Ljudmila Dubinina ( Ljuda) werden die Filzstiefel (Walenki) ausgezogen, die Nikolai Thibeaux-Brignolle gehörten. Im Stiefel bleibt Ljudas heruntergerutschte braune Socke zurück. Die Filzstiefel werden Thibeaux-Brignolle angezogen. Mit dieser braunen, zusammengeknüllten Socke in einem der Stiefel wurde er später auch gefunden. Ljuda wurde mit nur einer braunen Socke aufgefunden. Ljuda wird Doroschenkos Hose angezogen, in der er auf die Zeder geklettert war: „Die Leiche ( Ljuda) trägt eine zerrissene, dunkle Baumwollhose mit elastischem Bund. Die Hose ist stark zerrissen und stellenweise brandfleckig.“ Ljudas Beine werden in die Hälfte der Strickjacke eingewickelt (womöglich war ein Ärmel über das Bein gezogen worden, weshalb diese Hälfte der Jacke später nicht wegflog).
Die restlichen Kleidungsstücke werden unter die Verletzten gelegt, und man deckt sie damit zu.
Sie warten weiter auf die Rückkehr von Dyatlow und Slobodin. Nach einiger Zeit stirbt Dubinina. Ich weiß nicht, ob sie teilweise entkleidet wurde. Es scheint, als sei ihre Jacke bei Solotarjow gelandet. Die Umverteilung der Kleidungsstücke lässt sich nur sehr schwer nachverfolgen.
Niemand lässt eine Leiche neben den Lebenden liegen. Kolewatow und Kolmogorowa ziehen Ljudas Körper einige Meter vom Bodenbelag weg und lassen sie auf dem Rücken liegen.
Als Nächster stirbt Thibeaux-Brignolle . Er wird hinübergezogen und neben Ljuda gelegt. Ich weiß nicht, warum ihm keine Kleidung mehr abgenommen wurde. Man hätte Thibeaux sowohl die Jacke als auch die Filzstiefel ausziehen können, aber das geschah nicht. Möglicherweise war der physische und psychische Zustand von Kolewatow und Kolmogorowa bereits völlig am Ende. Sie spürten nichts mehr, weder die Kälte, noch empfanden sie irgendwelche Emotionen – sie funktionierten nur noch wie Maschinen.
Solotarjow stirbt. Auch er wird zu den Toten hinübergezogen und auf dem Rücken neben Thibeaux gelegt. Auf dem Bodenbelag bleiben zwei Personen zurück. Sie sind stark unterkühlt und nicht mehr in der Lage, adäquat zu handeln. Nach einiger Zeit verliert Kolewatow das Bewusstsein und stirbt. Sina Kolmogorowa zieht ihn, vermutlich schon rein reflexartig – genau so, wie sie es zuvor getan hatten –, zu den Körpern der Verstorbenen und legt ihn auf dem Rücken neben Solotarjow ab.
Sina bleibt allein zurück. Eine Zeit lang verweilt sie noch auf dem Bodenbelag. Mit bereits getrübtem Bewusstsein verrichtet sie irgendeine Arbeit – sie legt die auf dem Bodenbelag verbliebene Kleidung in Stapeln zusammen... (In der Rechtsmedizin ist ein Fall beschrieben, bei dem ein Erfrierender seine Kleidung auszog und ordentlich zusammenlegte). Neben dem Bodenbelag liegen die toten Kameraden, an der Zeder liegen die toten Kameraden... Das Zelt ist der einzige Ort, der sie noch retten kann. Vielleicht sind Dyatlow und Slobodin noch dort... Sie beschließt, zum Zelt zu gehen. Es ist noch die Spur zu sehen, auf der die Dyatlow-Gruppe durch den tiefen Schnee zur Senke gelangt war. Kolmogorowa folgt dieser Spur. Nach dreihundert Metern stößt sie auf einen vom Schnee leicht verdeckten Körper. Es ist Dyatlow. Wahrscheinlich hat sie ihn umgedreht, um sich zu vergewissern, dass er tot ist. Sie geht weiter. Der Gegenwind wird stärker, Schnee und Eiskristalle peitschen ihr ins Gesicht... Slobodins eingeschneiten Körper bemerkte sie nicht und ging an ihm vorbei (oder vielleicht kroch sie, falls dort noch die Spur zu sehen war, über den eingeschneiten Körper hinweg). Auf den Knien, auf allen vieren, kämpft sie sich den Hang hinauf. Frost, Wind und Schnee haben ihr Werk vollbracht. Sie legt sich hin, um auszuruhen, und schläft ein.
Wenn man es ganz ohne Sentimentalitäten analysiert, hatten die Dyatlow-Leute eine Chance zu überleben. Überleben konnten jedoch nur die Unverletzten.
Entweder hätten sie am Zelt bleiben müssen – dann wären die Verletzten dort gestorben, aber die anderen hätten überlebt. Oder sie hätten nach dem Abstieg alle gemeinsam um das Überleben kämpfen müssen. Das bedeutet: sich nicht aufteilen und nicht wieder zum Zelt zurückgehen. Wenn sie alle zusammengeblieben wären, hätten sie höchstwahrscheinlich ein ordentliches Feuer entfachen, einen Haupt-Bodenbelag und einen Windschutz bauen können, um den Morgen und eine Besserung des Wetters am Hang abzuwarten. Die Unverletzten hätten überleben können. Aber auch in diesem Szenario wären die Verletzten mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit gestorben. Einen solchen Ausgang konnte und wollte niemand aus der Dyatlow-Gruppe zulassen – getreu dem Motto: „Geh selbst zugrunde, aber rette den Kameraden!“

Bezüglich der Totenflecke (Livores) und deren Diskrepanz zu den Auffindepositionen der Touristen
Ich gehe davon aus, dass überhaupt keine postmortale Umlagerung der Totenflecke stattgefunden hat. Sie haben sich unter den Bedingungen, denen die Dyatlow-Leute ausgesetzt waren, schlichtweg nicht gebildet. Durch die vom Wind durchblasene Kleidung kühlte die Hautoberfläche ab. Die Gefäße und Kapillaren verengten sich, und das Blut wurde in den Körperkern gedrückt. Nach dem Tod lag der Mensch im Schnee, hinzu kamen Frost und Wind – die äußere Hülle des Körpers kühlte ab und fror recht schnell durch. Zudem nimmt mit dem allgemeinen Sinken der Körpertemperatur die Viskosität des Blutes zu, das heißt, seine Fließfähigkeit verschlechtert sich. Auf die Blutviskosität der Dyatlow-Leute wirkte sich auch die geringe Flüssigkeitsmenge aus, die sie in den letzten Tagen zu sich genommen hatten. All dies verhinderte in seiner Gesamtheit, dass größere Blutkassen in die unten liegenden Hautbereiche sacken konnten.
„TOTENFLECKE. ... In Fällen einer lang andauernden Agonie, wenn sich im Herzen und in den Gefäßen Blutgerinnsel bilden, sind die Flecke weniger intensiv, ihr Auftreten verzögert sich ...“
„WIRKUNG NIEDRIGER TEMPERATUREN ... Die Entwicklung von Totenflecken und der Totenstarre wird beim Tod durch Unterkühlung stark verzögert oder kommt völlig zum Stillstand ...“ (Vgl. Forens-Med Buch ID 22)
Das bedeutet, dass die Totenflecke entweder gar nicht entstanden oder kaum wahrnehmbar waren, und Wosroschdenny erst jene Flecke registrierte, die beim Auftauen der Leichen entstanden. Bei den ersten fünf Toten bildeten sich diese Flecke beim Auftauen der Körper im Raum vor der Obduktion. Bei den letzten vier Personen entstanden die Flecke beim Auftauen der Körper im Bach.
Ein charakteristisches Beispiel für solche „Auftauflecke“ weist Solotarjow auf. Aus dem Bericht der Leichenschau: „Die Totenflecke sind von lila-grauer Farbe, reichlich vorhanden auf der Rückseite des Halses, des Rumpfes und der Gliedmaßen sowie an der rechten Seitenfläche des Brustkorbs.“
Sollte hier etwa die Schwerkraft in zwei Richtungen gewirkt haben – im rechten Winkel zueinander? Wosroschdenny registriert Totenflecke auf der Rückseite („reichlich“) und auf der rechten Seitenfläche des Brustkorbs. Wie kann das sein?
Meiner Ansicht nach hat Wosroschdenny keine klassischen Totenflecke registriert, sondern Auftauflecke. Im Frühjahr erwachte der Bach, das Wasser begann zu fließen. Solotarjow lag auf dem Rücken. Das Wasser berührte die Rückenfläche, und diese Körperpartien begannen aufzutauen. Das aufgetaute Blut floss in die tiefer gelegenen Bereiche, dickte dort ein und fixierte sich. Danach schwoll der Bach stärker an. Ein Körper im Wasser wird leichter. Durch den Druck der Strömung begann sich der Oberkörper auf die rechte Seite zu drehen. Wobei die Beine durch den Schnee am Ufer des Bachs fixiert blieben. Dies ist auf dem Foto des geborgenen Körpers mit der Fotokamera zu sehen, auf dem der Rumpf in die eine Richtung gedreht ist, die Fußsohlen jedoch in die andere. Beim Drehen auf die rechte Seite gelangten die noch nicht aufgetauten Körperpartien ins Wasser. Das Blut taute auf und floss unter dem Einfluss der Schwerkraft nun in die seitlichen Bereiche des Brustkorbs. Dort bildeten sich dann ebenfalls die sogenannten „Totenflecke“. In Wirklichkeit handelt es sich um Auftauflecke.
Dubininas Körper lag ebenfalls auf dem Rücken im Bach und höchstwahrscheinlich parallel zu den anderen Körpern. In dieser Rückenlage bildeten sich beim Auftauen des Körpers im Bachwasser auch die sogenannten „Totenflecke“. Aus dem Obduktionsprotokoll: „– Die Totenflecke sind von bläulich-grauer Farbe, reichlich vorhanden auf der Rückseite und den Seitenflächen des Halses, des Rumpfes und der Gliedmaßen.“
Ich vermute, dass sich im Bereich von Ljuda kurzzeitig ein Wasserstau gebildet haben könnte, beispielsweise wenn ein Teil des Schnees über den Körpern eingebrochen ist. Dadurch stieg der Wasserstand für kurze Zeit an. Als dieser Wasserstau durchbrach, wurde Ljudas Körper auf den Stein gespült, wobei der Körper gleichzeitig umgedreht und in Strömungsrichtung gedreht wurde. Die Beine landeten unten, und der Körper rutschte allmählich ab. Dies ist auf dem Foto ihres Auffindens an der hochgerutschten Kleidung auf der Brust zu erkennen.
Genau so ist das alles meiner Meinung nach entstanden.

Die vollständige Version des Textes „Natürliche Version von WladimirP“, mitsamt erklärenden Schemata, Bildern, Fotografien und Experimenten, ist hier auf russisch zu finden:
Естественная версия WladimirP
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