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Frage zur normativen Ethik

10 Beiträge, Schlüsselwörter: Praktische Philosophie, Normative Ethik
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Frage zur normativen Ethik

25.10.2012 um 21:03
Bin aktuell dabei mal ein paar alte Basics aufzufrischen und die letzten Tage ein wenig auf den teleologischen Ansätzen kleben geblieben.
Ich bin konkret auf der Suche nach Hinweisen auf primär teleologisch orientierte Ethiker (gern Utilitaristen) die jedoch auch eine tugendethische und/oder deontologische Perspektive in ihre Philosophie integriert haben. Also auch Intention und Handlung selbst ernstzunehmend Platz einräumen, obwohl primär an den Handlungsfolgen orientiert und interessiert.
Sowas muss es doch geben, aber kenn mich da leider viel zu wenig aus, um mir das ohne enormen Aufwand selbst zu erarbeiten.
Kann da wer ein paar Namen droppen, am besten mit kurzer Erläuterung? Thx schon mal.


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26.10.2012 um 00:09
Was mir als erstes dazu einfällt, wäre Aristoteles. Er vertrat einen objektivistischen Konsequenzialismus und begründete auch die Tugendethik. Konkret würde ich dir die "nikomanische Ethik" empfehlen. Allerdings sind die Antiken Philosophen teilweise etwas schwierig zu lesen, da die Texte eben doch schon recht alt sind. Epikur geht auch noch ein bisschen in die Richtung.

Kant wäre natürlich auch noch zu sehr zu empfehlen, zu dem Thema, er war zwar kein Tugendethiker im eigentlichen Sinn, vertrat aber zumindest eine Tugendlehre. Am einschlägigsten zu dem Thema dürfte seine "Metaphysik der Sitten" sein.

Die Begründerin der modernen Tugendethik ist natürlich Philippa Foot, sie darf auch auf keinen Fall vergessen werden, zu dem Thema empfiehlt sich von ihr "Die Wirklichkeit des Guten".

Um noch einen eher unbekannteren modernen Philosophen zu nennen: Alasdair MacIntyre ist auch Tugendethiker. Zum Thema hat er "Die Anerkennung der Abhängigkeit. Über menschliche Tugenden." als sein aktuellestes Werk geschrieben, aber auch "Dependent Rational Animals. Why Human Beings Need the Virtues". Seine Werke habe ich aber noch nicht gelesen. Falls du dich zur Lektüre entscheidest, könntest du ja kurz Rückmeldung geben, wie die sie fandest.


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26.10.2012 um 00:26
@DragonRider
Besten Dank für die Empfehlungen.
Ich frag mich aber gerade, wo die Genannten primär teleologisch orientiert sind? Ich kenn mich da nicht gut aus, aber die Kantianer und die Utilitaristen (die soweit ich weiß, die größte Gruppe innerhalb der teleologisch orientierten Ethiker ausmachen) hassen sich doch wie die Pest?

Auch das Aristoteles stark auf die Handlungsfolgen schaut hab ich noch nie gehört.
Und die anderen Beiden sind auch Tugendethiker.

Ich weiß es wirklich nicht, deshalb bitte ich meine Frage zu entschuldigen falls sie dumm ist ;) :
Haben die genannten PhilosphInnen wirklich stark teleologische Einschläge?

Ich kam einfach bei der Beschäftigung mit den verschiedenen Strömungen auf den Trichter, dass es doch naheliegend ist, auch wenn man primär teleologisch orientiert isein sollte, die anderen Ebenen einer Handlung nicht völlig zu vernachlässigen. Da muss doch mal wer ne Synthese probiert haben.


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26.10.2012 um 00:33
@DCWS
Ok, ich hatte primär nach Tugendethikern geschaut. Also Aristoteles hat auf jeden Fall eine teleologische Orientierung, er ist hedonist. Das dürfte auch der bei weitem einschlägigste sein. Genauso wie Epikur, der allerdings nicht wirklich Tugendethiker ist.

Ja, Kantianer und Utilitaristen verstehen sich nicht wirklich :) Wobei ich auch Philosophen kenne, die sich für beide Richtungen sehr interessieren. Sie sind halt nicht wirklich vereinbar.

Aber eigentlich glaube ich, dass eigentlich jeder Tugendethiker teleologisch orientiert sein müsste. Teleologisch bedeutet ja nichts anderes, als die Annahme, dass Menschen Naturgegebene Ziele verfolgen. Und die sind in der Regel bei Tugendethikern hedonistischer oder eudämonischer Natur.


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26.10.2012 um 00:39
@DCWS
Zu Aristoteles werd ich dann morgen nochmal etwas rumlesen und/oder -schauen.

Aber teleologisch meint in der normativen Ethik meines Wissen nicht "dass Menschen Naturgegebene Ziele verfolgen", sondern dass auf die Handlungsfolgen geschaut wird.
Hab (leicht verunsichert^^) direkt mal auf Wikipedia geschaut und da steht es so wie ich es gelernt habe:
"Des Weiteren bezeichnet man Ethiken als teleologisch, wenn diese Handlungen lediglich an dem herbeigeführten Zustand messen, ohne dabei auf Handlungsmotive oder moralische Pflichten zu rekurrieren." Wikipedia: Teleologie#In_der_normativen_Ethik
hast du das mit irgendwas anderem verwechselt oder peil ich den Zshg. nicht? ;)


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26.10.2012 um 00:46
Ok, das ist dann recht unklar bei Wikipedia formuliert. Beim Eintrag Wikipedia: Teleologische_Ethik steht nämlich: Die teleologische Ethik (von gr. télos „Ziel“) basiert auf der Grundidee, dass Lebewesen (also auch der Mensch) so angelegt sind, dass sie naturgegebene Ziele verfolgen bzw. Zwecke intendieren.

Vielleicht ist einfach der Wikipedia Artikel unklar gearbeitet. Ich bin mir aber auch nicht ganz sicher.

Dass auf die Handlungsfolgen geschaut wird, kenne ich als Konsequenzialismus. Dazu gehört der Utilitarismus, auf keinen Fall aber Kants Ethik. Das macht einen großen Teil ihrer Unvereinbarkeit aus.

Mitlerweile würde mich aber einfach aus interesse ganz konkret interessieren, was für eine Art von Ethik du denn so suchst, also welchen konkreten Inhalt sie haben soll?


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26.10.2012 um 00:57
Hier noch eine ganz exakte Bedeutungserklärung:

Teleologie: Griechisch Telos für Ziel, Zweck. Unter Teleologie wird die Annahme der Zielgerichtetheit eines Prozesses oder einer Handlung verstanden [...]. Im Kontext der Ethik wird jene Position als teleologisch verstanden, die die Richtigkeit des Handelns danach beurteilt, ob durch das Handeln ein Zustand herbeigeführt wird, der unabhängig von diesem konkreten Handeln und ohne Rekurs auf moralische Pflichten als erstrebenswert gilt und gerechtfertigt ist. (Prechtl, Peter, Burkard, Franz-Peter: Hgg.: Metzler Lexikon Philosophie. Stuttgart, Weimar 2008. 3. Auflage. S. 607 f.)

Bringt mich leider nicht wirklich weiter, ich verstehe dann nicht ganz, wo genau der Unterschied zum Konsequenzialismus liegt. Vielleicht kannst ja du oder jemand anders mich aufklären.

Aber das ist mal wieder krass, für eine Allmy Diskussion schlägt man sofort was nach und zitiert aber die Hausarbeit endlich fertig zu schreiben, dafür kann man sich nicht motivieren :D


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26.10.2012 um 01:08
Ok, da haben wir´s. (aus deinem Link): "Des Weiteren bezeichnet man Ethiken als teleologisch, wenn diese eine moralische Bewertung nur anhand der herbeigeführten Zustände unternehmen".
Davon sprach ich. Dann haben wir aneinander vorbeigeredet.

Ok, worum es mir geht. Ich saug mir mal spontan ein Beispiel aus den Fingern:
Man kann Handlungen auf drei Ebenen bewerten:
1) Intention (Tugendethik):
Beispiel: Frau kauft Fleisch im Aldi
-->tugendethisch kann das gut sein, wenn sie das z.B. tut um für die Familie zu sorgen
-->tugendethisch kann das schlecht sein, wenn sie das z.B. nur macht um den Nachbarn im Tante-Emma-Laden zu enttäuschen, weil sie genau weiß das macht ihn traurig, wenn sie bei der billigen Konkurrenz kauft

2) Handlung an sich (Deontologie)
--> da ist erstmal wichtig was die Handlung ist: ist es das Bezahlen (statt stehlen)? Ist es das Kaufen von Fleisch? Ist es das Fleischkaufen im Aldi? Definitionssache.
--> deontologisch klann das z.B. gut sein, wenn man sagt die Handlung war kaufen (statt klauen)
-->deontologisch kann das schlecht sein, wenn ich z.B. sag die Handlung war das einkaufen im Aldi und Discouter zu unterstützen ist böse oder sowas

3)Handlungsfolgen (Teleologie)
--> da ist auch die Frage wie weit man das fasst:
-->ist die Folge: "Kind satt", dann werden viele telologisch orientierte Leute sagen ok (der Utilitarist mit seiner Glückssumme oder sowas, allerdings eher nicht)
--> ist die Folge Umweltzerstörung, Tierleid, Förderung von Ausbeutung der Mitarbeiter im Discounter, was weiß ich... dann werden die meisten teleologisch orientierten Leute das als moralisch schlecht bewerten (Utilitaristen sowieso)


Ich hab mir nun ganz naiv gedacht, dass man das doch irgendwie vernünftig zusammenbringen können muss, ohne dass das dann als Postulat mit zwei Einschränkungen oder sowas daherkommt. Etwa "Töten ist schlecht (deontologisch), es sei denn man rettet dadurch mindestens doppelt soviele andere Menschen (teleologisch) oder tötet aus Mitleid (tugendethisch). Sowas mein ich also ausdrücklich nicht, sondern irgendwas integratives, wo nicht einfach alles nebenher besteht und entweder ignoriert oder hintenangereiht wird.


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26.10.2012 um 01:19
@DCWS
Ok, jetzt verstehe ich dein Problem. Ich muss dir allerdings sagen, dass ich bislang auch keinen Ansatz kenne, der die alle vereinigt. Ich finde es aber cool, genau diese Gedanken darüber habe ich mir schon oft gemacht, dass es richtig gut wäre, die positiven Eigenschaften von jedem dieser Ansätze zu vereinen und gleichzeitig die nachteiligen herauszunehmen. Ich bin aber auch noch zu keiner Lösung gekommen, wie das vernünftig ginge. Leider bin ich auch noch nicht auf einen Philosophen gestoßen, der das versucht hat.

Ich würde dir auf jeden Fall aber empfehlen, dich mit der Tugendethik noch etwas mehr auseinanderzusetzen, weil ich fast finde, dass die es noch am ehesten schafft, dadurch aber auch sehr ungenau in ihren Handlungsanweisung wird, nämlich gar keine gibt. Außerdem ist auch nicht so ganz klar, was die Tugenden genau sind, bzw. wann man sie erreicht hat.


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27.10.2012 um 22:09
@all
Hat zu meiner Frage im Eingangspost eventuell wer ne Idee? Mich würd halt mal interessieren wie so eine Ethik aussehen könnte, die Handlungen zwar primär anhand ihrer Folgen bewertet, aber auch Intention und die Handlung selbst ernst nimmt. Wen liest man da?

Oder ist die Frage unfassbar dämlich und hier sind alle so freundlich mir das nicht sagen zu wollen?^^


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