Suter-Freund

Herr Rossi sucht sein Glück könnte das Motto dieses Thrillers von Martin Suter aus dem Jahr 2002 heißen. Der Journalist Fabio Rossi erwacht aus einem künstlichen Koma und die letzten 50 Tage sind aus seinen Erinnerungen gelöscht. Diese rekonstruiert er und es tun sich Abgründe auf.

Rossi ist in der Nähe eines Gartenhauses seines besten Freunds, des Journalistenkollegen Lucas Jäger, halb erschlagen aufgefunden worden. Dieser ist nun mit seiner Freundin Norina zusammen, er selbst mit einer Marlen - PR-Frau bei einem Lebensmittelkonzern. Seinen Job bei der Zeitung hat er gekündigt und er ist anscheinend an einer großen Story über mit Prionen verseuchte Schokolade, was vertuscht werden soll. Alle seine Daten über diese Recherche sind weg, gelöscht. Er beginnt, die Recherche wieder aufzunehmen, ist dabei mit schweigenden Leuten konfrontiert bzw. Bedrohungen ausgesetzt. Es erschließt sich ihm nicht, warum er mit einem ehemaligen Schulfreund, einem Immobilienspekulanten, in engem Kontakt ist, der ihn bereitwillig zu jeder Tages- und Nachtzeit für Gespräche zur Verfügung steht und der ihm eine Wohnung zur Verfügung stellt, als er Marlen verlässt.

Gekonnt spielt Suter mit Vermutungen Rossis, die sich allesamt als falsch herausstellen, bis er am Ende mit Hilfe von auftauchenden Gedächtnisinseln auf die Wahrheit stößt. Er selbst hat sich mit 800.000 USD bestechen lassen, um die Story unter den Tisch zu kehren. Sein Schulkollege hat das Geld angelegt. Jäger - den er permanent verdächtigt - hat seine Dokumente kopiert, um sie zu retten, weswegen ihn Rossi selbst mit einer Schaufel attackiert hat und wohl in Notwehr niedergeschlagen worden ist.

Nur der Schluss lässt einen etwas hängen. Irgendwie brechen die hedonistischen 90er Jahre durch. Also: Jäger trennt sich von Norina, begeht Selbstmord, die Story erscheint, ohne dass Rossis Name mit ihr in Verbindung gebracht wird. Rossi selbst freut sich über das Geld, ist wieder mit Norina zusammen und plant, mit ihr nach Amalfi zu reisen.

Habenseite: Extrem spannend geschrieben, überzeugende Figurencharakterisierung und ein Plot, den man sich in Realität gut vorstellen kann (ein Lebensmittelkonzern riskiert aus Profit- und Imagegründen, verseuchte Lebensmittel zu vermarkten).