machtmissbrauch ist so ein thema, das man erst merkt, wenn man selber drin steckt. am anfang sieht es oft aus wie „ordnung“, wie „regeln“, wie „ich mach das nur zu deinem besten“. aber irgendwann verschiebt sich was. dann ist es nicht mehr hilfe, sondern druck. nicht mehr struktur, sondern kontrolle. und du fragst dich, warum du plötzlich jedes wort abwiegst, bevor du es sagst, weil du schon ahnst, welche laune auf der anderen seite gerade sitzt.

das perfiede ist: machtmissbrauch kommt selten mit schild und sirene. der kommt eher als kleiner satz, der wie spaß klingt, aber dich klein macht. als ein blick, der dich stoppt, obwohl du noch garnichts gemacht hast. als ein „lass mich mal machen“ das eigentlich bedeutet „halt dich raus“. und wenn du dich wehrst, wird es umgedreht. dann bist du „zu empfindlich“, „zu emotional“, „machst drama“. so wird aus deiner grenze ein problem, und aus seinem verhalten eine angebliche notwenigkeit.

und je länger das läuft, desto mehr frisst es deine energie. du fängst an, dich selbst zu zensieren. du entschuldigst dich für dinge, die du nicht getan hast. du rennst hinter einer fairness her, die es nur gibt, wenn du still bist. und das krasse: manchmal verteidigt man das sogar noch, weil man sich einredet, es muss halt so sein. weil man nicht der oder die sein will, die stress macht. aber genau davon lebt machtmissbrauch: von deinem wunsch nach ruhe.

für mich ist das wichtigste daran zu erkennen, dass „ich mach das für alle“ nicht automatisch gut ist. auch „schutz“ kann eine ausrede sein, wenn am ende nur eine person entscheidet, was gesagt werden darf und was nicht. und ja, es gibt echte verantwortung, klar. aber verantwortung fühlt sich anders an. die erklärt, die hört zu, die bleibt ruhig. machtmissbrauch dagegen wird schnell scharf, schnell persönlich, schnell beleidigt. er will nicht lösen, er will gewinnen.

vielleicht ist der beste test: darfst du widersprechen, ohne konsequenzen zu spüren? darfst du fragen stellen, ohne dass dir ein strick draus gedreht wird? wenn nicht, dann ist es keine führung, dann ist es angstverwaltung. und das macht was mit menschen. es macht sie leise. es macht sie müde. und es macht gruppen kaputt, weil irgendwann keiner mehr ehrlich ist, sondern nur noch vorsichtig.

ich glaube, man muss da früher raus als man denkt. nicht erst wenn es komplett eskaliert, sondern wenn man merkt: hier geht es nicht mehr um sache, sondern um dominanz. und wenn man schon an dem punkt ist, dann hilft manchmal nur noch abstand. keine großen reden, keine bittgesuche, kein „bitte versteh mich“. einfach weniger angreifbar sein. denn wer seine macht über dich braucht, wird sie nicht freiwillig abgeben, nur weil du nett fragst.

und ja, vielleicht klingt das hart. aber es ist ehrlicher als das ganze „wir sind doch ein team“ gelaber, während nebenbei leute klein gehalten werden. macht kann schützen, oder sie kann zerstören. der unterschied ist nicht der titel, sondern das verhalten. und das sieht man immer. früher oder später.