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Ist unser Charakter gar nicht von uns?

Ist unser Charakter gar nicht von uns?

05.04.2019 um 08:29
Hallo ihr lieben

Ich möchte zu meinem Anliegen erstmal Beispiele geben.
Jeder Kontakt im Leben verändert einen ja ein kleines bisschen, manche sogar ein großes Stück.
Ich habe schon durch viele Freundschaften oder Begegnungen, seit Kind an, Verhaltensweisen übernommen, ohne das Absichtlich zu kopieren. Genauso im Freundeskreis. Jeder, der Kontakt zu einer bestimmten Person hatte, hat etwas davon mitgenommen. Sei es eine spezielle Mimik, die Art etwas auszusprechen, eine Stimmlage, einen "Tick" oder einen Blick. Da gibt es sicher noch viel mehr. All diese Dinge sind geblieben und haben sich vermischt. Aber (bei den meisten) war das keine Absicht jemanden zu kopieren. Vielleicht kennt ihr ja diese Situation, am Telefon spricht der Gegenüber mit starkem Akzent und schon spricht man selbst mit Akzent, ohne es beabsichtigt zu haben.

Nun zu meiner Frage, sind wir, bzw. unser Charakter, nur ein Produkt anderer? Also ein Produkt vieler verschiedener Begegnungen? Und dadurch individuell, da jeder unterschiedliche Begegnungen macht die unterschiedlich intensiv oder lang sind?
Ich hoffe ihr versteht was ich meine.

Liebe Grüße!


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05.04.2019 um 10:25
Winterella schrieb:Nun zu meiner Frage, sind wir, bzw. unser Charakter, nur ein Produkt anderer? Also ein Produkt vieler verschiedener Begegnungen? Und dadurch individuell, da jeder unterschiedliche Begegnungen macht die unterschiedlich intensiv oder lang sind? Ich hoffe ihr versteht was ich meine.
um mich selbst zu bestätigen:

Wir sind immer uns Grundsätzlich das Produkt unserer Umwelt , gefärbt von eigenen, inneren Nuancen und Antrieben.


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Ist unser Charakter gar nicht von uns?

05.04.2019 um 10:33
@Winterella

Was du schilderst, ist das sog. psychologische Mimikry. Wikipedia: Mimikry_(Psychologie) Das (unbewusste) Nachahmen signalisiert Sympathie, und es ist schwierig, sich gegen die Einflussnahme zu wehren. Das wird sogar als Verhörtechnik praktiziert: Um ein Geständnis zu bekommen, ahmt der befragende Polizist den Verdächtigen konstant (mikro)gestisch- und mimisch und/oder verbal nach. Das Imitieren wird als wohlwollend wahrgenommen, innere Widerstände werden aufgegeben und es wird sublim als etwas Positives empfunden, schließlich ein Geständnis ablegen zu wollen.
Verhaltensmimikry dient zwischenmenschlich als Anpassung an unsere Umwelt; man kennt das ja: Wenn jemand gähnt, neigen wir dazu, auch zu gähnen, und Babys ahmen Grimassen nach. Aus sozialpsychologischer Sicht verkitten diese Nachahmungseffekte die Flächen zwischen Interaktionspartnern. Sozial motiviertes Mimikry fördert Annäherung, Verständnis, Kommunikation und Interaktion zwischen den Menschen – und zwar bei Kriminellen genauso wie bei Verliebten. :)
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=9&ved=2ahUKEwi76PjtwbjhAhXCL1AKHfg7CXMQFjAIegQICBAC&url=ht...
Winterella schrieb:Nun zu meiner Frage, sind wir, bzw. unser Charakter, nur ein Produkt anderer?
Wir sind das Produkt aus (genetischen und) sozialen Bausteinen, unsere Individualität ist also die Summe der uns prägenden einzelnen Teile.

Auf die Threadfrage bezogen: Wenn du mit 'Charakter' unsere jeweilige Eigenart und das Temperament meinst, so ist es eine Mischung aus Ererbtem und Erworbenem, und diese Mischung ist dermaßen einzigartig, dass sie uns individuell macht.


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05.04.2019 um 11:02
FlamingO schrieb:Das wird sogar als Verhörtechnik praktiziert: Um ein Geständnis zu bekommen, ahmt der befragende Polizist den Verdächtigen konstant (mikro)gestisch- und mimisch und/oder verbal nach. Das Imitieren wird als wohlwollend wahrgenommen, innere Widerstände werden aufgegeben und es wird sublim als etwas Positives empfunden, schließlich ein Geständnis ablegen zu wollen.
Zumindest wurde das Themenfeld der Verhaltenssynchronie oder platt Mitschwingen von wissenschaftlichen Forensikern untersucht, weil die Folterknechte nicht effektiv sind/waren, richtig aber praktisch eingesetzt wird es in den allermeisten Fällen nur als kumpelhaftes Verhalten oder Kooperationsbereitschaft und nicht als mikrogestisches Mimikry, da selbiges unterbewusst gesteuert wird.


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05.04.2019 um 11:30
FlamingO schrieb:Was du schilderst, ist das sog. psychologische Mimikry. Wikipedia: Mimikry_(Psychologie) Das (unbewusste) Nachahmen signalisiert Sympathie, und es ist schwierig, sich gegen die Einflussnahme zu wehren. Das wird sogar als Verhörtechnik praktiziert: Um ein Geständnis zu bekommen, ahmt der befragende Polizist den Verdächtigen konstant (mikro)gestisch- und mimisch und/oder verbal nach. Das Imitieren wird als wohlwollend wahrgenommen, innere Widerstände werden aufgegeben und es wird sublim als etwas Positives empfunden, schließlich ein Geständnis ablegen zu wollen.
Verhaltensmimikry dient zwischenmenschlich als Anpassung an unsere Umwelt; man kennt das ja: Wenn jemand gähnt, neigen wir dazu, auch zu gähnen, und Babys ahmen Grimassen nach. Aus sozialpsychologischer Sicht verkitten diese Nachahmungseffekte die Flächen zwischen Interaktionspartnern. Sozial motiviertes Mimikry fördert Annäherung, Verständnis, Kommunikation und Interaktion zwischen den Menschen – und zwar bei Kriminellen genauso wie bei Verliebten. :)
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=9&ved=2ahUKEwi76PjtwbjhAhXCL1AKHfg7CXMQFjAIegQICBAC&url=ht...
Das klingt sehr interessant, vielen Dank für diesen Artikel und die Erklärung dazu :)
FlamingO schrieb:Auf die Threadfrage bezogen: Wenn du mit 'Charakter' unsere jeweilige Eigenart und das Temperament meinst, so ist es eine Mischung aus Ererbtem und Erworbenem, und diese Mischung ist dermaßen einzigartig, dass sie uns individuell macht.
Ja, genau darum geht es mir. Nun ist natürlich aber die Frage, wieviel hier tatsächlich dann noch genetisch ist. Die Eltern werden genauso beeinflusst sein und andere Dinge reinspielen lassen, die Großeltern genauso. So wird eigentlich immer nur das im Umfeld erlernte weitergegeben. Ich habe auch schon Menschen erlebt, die grundsätzlich sehr schüchtern waren und nachdem sie eine längere Zeit dem Freundeskreis gewechselt hatten, waren sie das Gegenteil und fast schon kriminell. Auch Psychotherapie beweist ja, dass in den Charakter eingegriffen werden kann, sonst gäbe es hier ja keine Erfolge. Ich philosophiere bei diesem Thema auch etwas, eben nachzudenken ob unser Charakter gar nicht genetisch bedingt ist, sondern tatsächlich nur die Summe aus Umgang und Erfahrungen. Interessant wäre hierbei auch das Thema Adoption.


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05.04.2019 um 11:48
@FlamingO
@Winterella
@all

Ich bin nur laie auf dem gebiet, ist aber interessant was hier geschrieben wird.

Bei den tieren sowieso, aber auch bei menschen gibt es ja den hang, einem anderen menschen optisch zu gleichen, um dadurch eine sympathie oder eine verbundenheit mit ihm zum ausdruck zu bringen.

Mit der frisur und der kleidung zb..


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05.04.2019 um 11:58
stahlflug schrieb:Bei den tieren sowieso, aber auch bei menschen gibt es ja den hang, einem anderen menschen optisch zu gleichen, um dadurch eine sympathie oder eine verbundenheit mit ihm zum ausdruck zu bringen.

Mit der frisur und der kleidung zb..
Ja absolut, wobei die Kleidung gar nicht so das Thema ist, denn durch die Trends gibt es ja immer wieder neue "Generationenmode", trotzdem ist das natürlich auch eine Sache, die man dabei nicht vergessen sollte.


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05.04.2019 um 13:29
Winterella schrieb:Das klingt sehr interessant, vielen Dank für diesen Artikel und die Erklärung dazu :)
Gerne, gerne. Die Thematik ist sowohl im Kern als auch mit ihren vielen Facetten ziemlich spannend.

Es mag ggf. zunächst zweckmäßig sein, die Begrifflichkeiten ihren Definitionen nach abzugrenzen. Temperament und Charakter sind Teile der Persönlichkeit; dabei ist Temperament der angeborene Teil und naturgemäß aufgrund seiner genetischen Bedingtheit nur schwierig beeinfluss- oder änderbar. Der Charakter ist nun derjenige Part einer Persönlichkeit, in dem sich das ererbte Temperament und das Erlernte sowie die Erfahrungen verbinden.
Wikipedia: Temperament
Wikipedia: Charakter

Veränderlich durch z.B. die angesprochenen "Eingriffe" in Form von Psychotherapie oder einem wechselnden Freundeskreis ist also bloß, wie du es zutreffend erwähnt hast, @Winterella , der Charakter.
Je nach angeborenem Temperament (sozusagen als Boden, von dem aus gearbeitet wird) wird sich eine charakterliche bzw. sogar eine gesamtpersönliche Modifizierung als schwieriger oder als leichter zeigen.

Wissenschaftlich gibt es solche und solche Positionen - die eine Fraktion schätzt die genetische Komponente dominanter ein (bspw. Studien zu getrennt aufgewachsenen Zwillingen), die andere hält Umwelteinflüsse für prägender.
Ich bin da für ein entschiedenes 50/50 :)

Ein adoptierter Mensch wird zwangsläufig auf der Suche nach seinen Wurzeln keine befriedigenden/erklärenden Antworten oder auch nur Deutungsansätze bei seinen Adoptiveltern (= seiner Umwelt) finden können.
stahlflug schrieb:aber auch bei menschen gibt es ja den hang, einem anderen menschen optisch zu gleichen, um dadurch eine sympathie oder eine verbundenheit mit ihm zum ausdruck zu bringen.
An irgendwen erinnert mich dein Ava doch, verdammt ... ;)


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Ist unser Charakter gar nicht von uns?

05.04.2019 um 14:30
FlamingO schrieb:Veränderlich durch z.B. die angesprochenen "Eingriffe" in Form von Psychotherapie oder einem wechselnden Freundeskreis ist also bloß, wie du es zutreffend erwähnt hast, @Winterella , der Charakter.
Je nach angeborenem Temperament (sozusagen als Boden, von dem aus gearbeitet wird) wird sich eine charakterliche bzw. sogar eine gesamtpersönliche Modifizierung als schwieriger oder als leichter zeigen.
Ganz genau, sehr gut erklärt von dir, denn genau das meine ich ja, also unseren Charakter :) . Dass es Menschen gibt, die ein angeborenes Temperament unterschiedlich ausgeprägtem Ausmaßes haben, habe ich schon mit einbezogen, allerdings reicht mir das nicht ganz. Ob der eine nun lauter oder leiser, schneller oder langsamer den "Einheitsbrei" wiedergibt, macht ihn für mich nicht einzigartig, in der Hinsicht. Wobei ich sogar hier schon (ohne medikamentöse Behandlung) festgestellt habe, dass man ein Temperament verändern kann, wenn das Leben dementsprechend angepasst oder unangepasst ist.
FlamingO schrieb:Ein adoptierter Mensch wird zwangsläufig auf der Suche nach seinen Wurzeln keine befriedigenden/erklärenden Antworten oder auch nur Deutungsansätze bei seinen Adoptiveltern (= seiner Umwelt) finden können.
Und das ist der Punkt der mich zum überlegen bringt, ob meine Gedanken hier doch so hinhauen. Denn ich habe es oft gegenteilig erlebt, Menschen die unbedingt aus ihrer Familie rauswollen, da sie sich wie Fremde fühlen, oder eben nicht leiblich Verwandte bei denen man sowas nie denken würde, da sie einfach perfekt zusammenpassen. Ich glaube aber das ist wieder mehr der Seelenaspekt, wenn man es als gläubiger Mensch (der ich bin) sieht.


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QueenOfLight
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Ist unser Charakter gar nicht von uns?

06.04.2019 um 14:49
Winterella schrieb:Nun zu meiner Frage, sind wir, bzw. unser Charakter, nur ein Produkt anderer? Also ein Produkt vieler verschiedener Begegnungen? Und dadurch individuell, da jeder unterschiedliche Begegnungen macht die unterschiedlich intensiv oder lang sind?
Es ist bekannt, dass wir uns alle gegenseitig "spiegeln".
Bei dir erscheint mir diese "Einschwingung" auf andere ausgeprägter zu sein. Du schwingst dich auf sie ein und schwingst in deren "Takt" mit.
Was mich dabei interessiert: Erleichtert dir dies den Kontakt/die Kommunikation mit anderen oder ist es eher ein Handicap?


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Ist unser Charakter gar nicht von uns?

06.04.2019 um 17:40
QueenOfLight schrieb:Es ist bekannt, dass wir uns alle gegenseitig "spiegeln".
Bei dir erscheint mir diese "Einschwingung" auf andere ausgeprägter zu sein. Du schwingst dich auf sie ein und schwingst in deren "Takt" mit.
Was mich dabei interessiert: Erleichtert dir dies den Kontakt/die Kommunikation mit anderen oder ist es eher ein Handicap?
Wie kommst du denn darauf dass es bei mir ausgeprägt ist? Ich würde sogar eher das Gegenteil behaupten, ich falle immer etwas aus der Reihe, dazu kann ich sagen dass es das nicht leichter macht. Aber bei sehr vielen Menschen ist mir eben aufgefallen dass es so extrem ist. Natürlich habe ich sicher auch Anteile davon an mir, aber eher weniger ausgeprägt, was natürlich auch eine Frage Wert wäre, wieso das bei manchen so ist.


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Ist unser Charakter gar nicht von uns?

06.04.2019 um 19:47
@Winterella


Wir wachsen bzw. entwickeln uns stetig weiter. Ich würde sagen, du kannst dir deinen Charakter wie einen Trank vorstellen, der durch verschiedene Zutaten (Erlebnisse, Menschen) sich verändern kann.

Keiner bleibt in seinem Leben gleich. Zumindest glaube ich da snicht. Denn gewisse Ereignisse oder Personen können eine starke Wirkung entfalten und dich somit verändern.

Was du aus dieser Veränderung machst bzw. wie du auf etwas reagierst, kommt auf deine bisherige Entwicklung an.


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Ist unser Charakter gar nicht von uns?

06.04.2019 um 20:04
Winterella schrieb:Nun zu meiner Frage, sind wir, bzw. unser Charakter, nur ein Produkt anderer? Also ein Produkt vieler verschiedener Begegnungen? Und dadurch individuell, da jeder unterschiedliche Begegnungen macht die unterschiedlich intensiv oder lang sind? Ich hoffe ihr versteht was ich meine.
Ich verstehe sehr gut, was du meinst und bei mir hat sich das im Laufe der Zeit "gelegt". Ich hatte das aber auch ziemlich stark - zu meinen Eltern hatte ich immer ein sehr distanziertes Verhältnis (auch heute noch) - ich habe schon enige Verhaltensweisen dort "anerzogen" bekommen, die ich erst mal übergeneralisiert habe. Z.B. war ich als Jugendliche übermäßig fleißig - meine Eltern sind auch heute mit über 80 noch Menschen, die keine Sekunde des Tages ungenutzt verstreichen lassen und fanden z.B. Freunde, die für eine Woche an den Strand fuhren, furchtbar. Sie waren insgesamt auch sehr distanziert, auch anderen Leuten gegenüber. Das habe ich als furchtbar wahrgenommen, war aber erst mal übermäßig schüchtern ....

Witzigerweise waren die prägenden Elemente für mich oft Erwachsene, mit denen ich nur punktuell oder oberflächlich zu tun hatte. Ich habe schon früh gebabysittet - das war einerseits eine Einnahmequelle, andererseits als fleißiger Babysitter bekommst du noch ein wenig "Nestwärme" ab, die daheim eben gefehlt hat. Das wurde mir aber erst später klar. Mich hat diese Phase sehr geprägt ... ich war z.B. mal mit einem Vater und dem Kind unterwegs, der Vater hatte geschäftliche Termine in der nächsten Großstadt und auf dem Heimweg haben wir noch Freunde von ihm besucht und waren da zum Abendessen eingeladen. Die lockere und nette Atmosphäre an dem Tisch, die Konversaation, hat in mir den Wunsch geweckt, später auch mal so leben zu wollen - und es klingt doof, aber ich habe mir z.B. das Brotrezept geben lassen und das später immer, wenn ich Freunde zum Essen hatte, nachgebacken ... Oder ich habe eine Familie gehabt, wo ich die Mutter unheimlich toll und gebildet fand. Da habe ich, wenn die Kinder schliefen, heimlich die Buchtitel abgeschrieben, die sie in der Bibliothek stehen hatte (auch, weil sie mal anklingen ließ, dass sie mich literarisch für entsetzlich ungebildet hielt - sie hat das das sehr nett gesagt). - und ich habe ganz viele davon gelesen. Irgendwann habe ich bei einem Besuch festgestellt, dass wir nun auf Augenhöhe diskutieren können - das war super.

Irgendwann habe ich mich selbst gefunden ... es war aber schon so, dass ich ganz viele Facetten, die ich irgendwo erlebte, aufnahm und irgendwann wie aus einem Kokon geschlüpft bin. Heute bin ich fast 50 und habe meine Balance gefunden ... Ich esse aber z.B. immer noch sehr gerne mit Freunden. Ich schaue immer noch, dass ich literarisch auf der Höhe bin ...


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07.04.2019 um 12:11
Natürlich habe ich einmal gegoogelt um etwas tiefer in das Thema einsteigen zu können. Und jetzt habe ich eine Seite geöffnet mit einer Liste von 1684 Charaktereigenschaften.

Ich habe diese Liste jetzt nicht komplett durchgearbeitet, dennoch habe ich festgestellt, dass wir sicherlich viele Charaktereigenschaften schon vererbt bekommen. Dies würde ich einfach mal als Grundcharakter bezeichnen. Was für mich heißt, ein Grundgerüst ist schon bei der Geburt vorhanden. Die Beziehung und Erziehung durch die Eltern ist dann eine Verfeinerung dieser Grundstruktur. Nach wenigen Jahren folgt nun der Kontakt zu anderen Kindern (Kindergarten) und Menschen (Lehrkräfte). Man sieht das Verhalten anderer und stellt fest was gut oder schlecht, böse oder lieb ist.
Schon in der eigenen Kindheit lernt man mit unterschiedlichen Charaktertypen umzugehen. Aber man nimmt meines Erachtens nicht automatisch alles auf, sondern die eigenen schon vorhandenen Eigenschaften wählen was zu mir passt, verfestigen sich. Vor allem während der Schulzeit lernt man eine Vielzahl Charactere kennen. Ich würde aber eher annehmen, dass ich andere zwar beobachte aber nichts von dem übernehme, weil das eigene Ich eben schon vorhanden ist. Wenn einer z. B. temperamentvoll ist und dies meinem Wesen nicht entspricht, werde ich dies auch nicht übernehmen. Ich machte auch schon die Feststellung beim Test einer Personenbeschreibung wie sehe ich mich selbst - wie sehen mich andere. Das es hier oft große Unterschiede gibt. Ich selbst habe mich immer schlechter beurteilt. Wahrscheinlich gibt es aber auch das Gegenteil, dass Menschen sehr von sich überzeugt sind und von anderen eher negativ eingeschätzt werden.

Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, würde ich eher behaupten, das genetische Erbgut hat bei der Bildung des CharaktersVorrang. Verhaltensweisen sind nicht gleichzusetzen mit Charakter. Vielleicht sollten wir hier unterscheiden.


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09.04.2019 um 17:06
Persönlichkeit erbt man nicht, die muss man sich hart erarbeiten oder, was noch härter ist, sich vom Leben formen lassen.


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09.04.2019 um 17:19
Winterella schrieb am 05.04.2019:Vielleicht kennt ihr ja diese Situation, am Telefon spricht der Gegenüber mit starkem Akzent und schon spricht man selbst mit Akzent, ohne es beabsichtigt zu haben.
Nö, also das ist mir noch nie passiert. Dafür ist ein Akzent auch viel zu speziell und ausgeprägt. Ich gewöhne mir da eher mal andere Ausdrucksweisen an oder andere Wörter für Dinge, die ich "gestern" noch anders bezeichnet hätte.
Aber ja, ich gebe dir Recht, unser Charakter ist zum Großteil ein Produkt unserer Umwelt.


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09.04.2019 um 17:43
Aniara schrieb:Nö, also das ist mir noch nie passiert.
Mir auch noch nicht - und mir ist so jemand auch, ganz offen gestanden, auch noch nicht begegnet.


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09.04.2019 um 18:16
Winterella schrieb am 05.04.2019:Ich hoffe ihr versteht was ich meine.
nein!


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Ist unser Charakter gar nicht von uns?

11.04.2019 um 11:48
Winterella schrieb am 05.04.2019:Nun zu meiner Frage, sind wir, bzw. unser Charakter, nur ein Produkt anderer?
Ich verstehe unter dem Charakter leider etwas anderes und würde bezogen auf die Frage lieber den Ausdruck Persönlichkeit verwenden.

Die Persönlichkeit ist die Gesamtheit unserer Merkmale und Eigenschaften, also das Wir (eigentlich Ich) in der Gesamheit.

Charaktereigenschaften dagegen sind immer wertend, beschreibend, positiv wie negativ. Oftmals wird vom Charakter gesprochen, jedoch die Persönlichkeit gemeint.

Ich wundere mich den Begriff erst zweimal in dem Thema gelesen zu haben.

Letztlich finde ich es unerheblich, welcher der Begriffe bei deiner Frage Verwendung findet. Und eigentlich kann ich dir auf die Frage keine Antwort liefern, dass Versuchen all die forschenden Psychologen seit Jahrhunderten und haben viele Theorien dazu verfasst.
FlamingO schrieb am 05.04.2019:Ich bin da für ein entschiedenes 50/50 :)
Die Annahme der 50% Verteilung war auch das Ergebnis der Zwillings-Studie. Interessant fand ich die mitgeltende Interpretation der Forschungsarbeit, die besagt, dass bei sozialen Werten der Anteil bei 70% Umfeld liegt und nur 30% bei den Genen. Soziale Werte, also integeres wertendes Verhalten.

Mir erscheint es durchaus logisch, einzelne Merkmale oder eventuell die Anfälligkeit für psychische Krankheiten, unterschiedlich stark zu evaluieren und den Genen oder dem prägenden Umfeld zu zuschreiben. Die Differenzierung, statt pauschale Aussagen.

Verhalten ist moralischer, je üblicher es ist

Soziale Faktoren beeinflussen psychische Störungen

Ein wichtiger Faktor dabei auch die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber äußerlichen Verwerfungen, besser bekannt als Resilienz. Auch bei der Resilienz gibt es Befürworter, welche den Genen eine tragende Rolle dieser Ausprägung zuschreiben. Resilienz - Die Rolle der Gene
FlamingO schrieb am 05.04.2019:psychologische Mimikry
Den Ausdruck kannte ich noch nicht, bei mir war immer von „Spiegeln“ als „Door Opener“ die Rede. Falls ich irgendwann im Verhör sitze, wird dieser Manipulationversuch bei mir scheitern.

Sympathie hin oder her, sollte beim wirtschaftliche Entscheidungen, wie den Abschluss einer Versicherung oder den Erwerb teurer Konsumgüter, den innerlichen Beschluss hinterfragen.
Für den emotionalen Umgang im zwischenmenschlichen Bereich sehe ich dieses hinterfragen nicht notwendig. Eine gute Intuition vorausgesetzt. Nur eine Randnotiz.

Danke für den Link zu den „sozialen Chamäleon“, werde ich Sprachlich sicher mal verwenden.
Das Spiegeln hat für mich weniger mit Charaktereigenschaften zu tun, wobei ich auch sehr sympathische Menschen kennen, die es Intuitiv einsetzen und so authentisch wirken, dass ich es als Teil ihrer Betrachte, für mich ist Spiegeln eine Methodik die Situationen und Stimmungen des Gegenübers einzuschätzen. Das Spiegeln setzt ein bewusstes zuhören und beobachten voraus.

Ein Dauerhaftes annehmen gewisser „Ticks“ kenne ich dagegen nicht, zum Glück. :)

Wichtiger wie die Frage, wer oder was unsere Persönlichkeit bildet, als nie endender Prozess, ist doch die Frage, wie zufrieden man damit ist und wie man reguliert. Das setzt natürlich einen kritischen introspektiven Blick, sowie Selbstreflexion voraus.


Aber dies wäre wohl ein Thema für sich.


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12.04.2019 um 19:17
In uns sind diese winzigen, 2x23-fach vorhandenen Gebilde namens Chromosomen als Träger der Erbinformationen, die Körperbau, Stoffwechselvorgänge sowie Krankheitsdispositionen und vermutlich vieles mehr bestimmen. Somit legen die Gene den Rahmen fest, in dem sich Umwelterfahrungen dann sinnbildlich abbilden. Die Erbanlagen sind also gewissermaßen so etwas wie der Untergrund, auf dem etwas (= Umwelteinflüsse wie Erziehung, soziales Umfeld) gemalt wird. Und wie wichtig es ist, dass ganz bestimmte Motive in den ersten Lebensmonaten gemalt werden, zeigt z. B. der Hospitalismus. Ohne oder bei mangelnder emotionaler Zuwendung in den Lebensanfangszeiten manifestieren sich massive (auch charakterliche) Störungen, und diese Verhaltensauffälligkeiten infolge der Nichterfüllung emotionaler/sozialer Grundbedürfnisse sind nicht auf Vererbung zurückzuführen. Aber es bleibt fraglich, ob nicht doch ein genetisch mitgegebenes Maß an innerer Robustheit die Auswirkungen ggf. unterschiedlich ausfallen lässt.

Meine kürzliche 50/50-Einschätzung möchte ich dahingehend revidieren, dass den Umwelteinflüssen doch eher mehr Gewicht zufällt.
Wenn man Charakter als Bündel von persönlichen Kompetenzen i.S.v. erlernten Fähigkeiten versteht, dann muss man die Threadfrage von @Winterella, ob der Charakter von uns ist, wohl tendenziell verneinen.


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