Carruthers-Propaganda

Bob Carruthers ist schottischer Dokumentarfilmer und laut Wikipedia auch im Musikgeschäft tätig, auch hat er einen Universitätsabschluss, vermutlich in Geschichte. Er veröffentlichte Sachbücher zum Thema Nationalsozialismus, und dieses Buch macht - wie auch an der Umschlagsgestaltung ersichtlich - einen eher billigen Eindruck (die Kindle-Ausgabe kostet auch fast nichts). Auch ist es keine Quellensammlung, sondern in den Fließtext sind Zitate in englischer Sprache integriert, ohne jedoch eine genaue Quellenangabe zu bieten, weshalb sich die Suche nach den Originalen eher schwierig gestaltet. In den Fließtext sind viele Bilder, hauptsächlich Propagandaplakate der Nationalsozialisten, eingebaut, die jedoch nie etwas mit dem jeweiligen Thema des Kapitels zu tun haben, womit sie eher dekorativen Charakter haben.

Strukturell wird mehr oder weniger chronologisch vorgegangen.

  • Der Völkische Beobachter wird 1921 von Hitler gekauft
  • Hitler als Redner (Schwerpunkt: Seine erste Rede im Münchner Zirkus Krone)
  • Julius Streicher als antisemitischer Propagandist und Türöffner für Hitler nach Nürnberg
  • Joseph Goebbels - Zunächst als Parteilinker, der jedoch von Hitler 1926 eingeschworen wurde und die Tür nach Berlin öffnete, wo er Gauleiter wurde und schließlich oberster Propagandist von Partei und Staat sowie Herr über die Reichskulturkammer. Er wird als der Strippenzieher der Propaganda gezeichnet und als Initiator des Pogroms von 1938 auch gegen den Widerstand anderer Bonzen wie Göring. Ausführlicher wird über seinen Antisemitismus eingegangen, Goebbels persönlich habe die Deportierung der Berliner Jüd:innen in Vernichtungslager vorangetrieben und es werden - vermutlich aus seinen Tagebüchern - Zitate von Goebbels vorgestellt, dass er sehr wohl genau wusste, dass die "Endlösung der Judenfrage" die physische Vernichtung bedeutet (dies ist der interessanteste Teil dieses Buchs). Nach der Niederlage von Stalingrad wurde, da Hitler sich kaum noch an die Öffentlichkeit wandte, Goebbels zum Gesicht und Sprachrohr der NSDAP und soll auch immer wieder Intrigen versucht haben, um in den allerinnersten Zirkel um Hitler zu gelangen. Angesprochen wird auch der Brief vom 1. Mai 1945, nach Hitlers Selbstmord, an General Tschuikow, in dem er mit Bormann ein Waffenstillstandsangebot an Stalin formulierte, um gemeinsam mit der Sowjetunion eine Front gegen die westlichen Alliierten zu errichten. Dies wurde selbstredend abgelehnt.


Am Ende werden noch die verschiedenen Medien gelistet, die zu Propagandazwecken verwendet worden sind, und eine (Teil-)Übersetzung von Georg Starks Werk Moderne politische Propaganda, das 1930 im nationalsozialistischen Eher-Verlag erschien und die verschiedensten Propagandamittel vorstellte, welche die Partei nutzen soll.

Ein schnell zu lesendes Buch, das keine offensichtlichen historischen Mängel aufweist, aber zum Teil schlecht lektoriert ist (doppelte Satzglieder zum Beispiel). Als Quelle zum Weiterrecherchieren ist es eher nicht geeignet.