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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

12 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Allmy, Esoterik, Clash ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

08.03.2012 um 18:41
Um 19.00 Uhr beginnt das dritte Viertelfinale zwischen chen und Katori. Thematisch werden beide über den Nutzen bzw. vermeintlichen Nutzen der Homöopathie diskutieren, chen macht den Anfang.

Das Ganze endet regulär morgen zur selben Zeit, alle weiteren Infos findet ihr unter: CoA 2012 - Infothread

Viel Erfolg.


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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

08.03.2012 um 19:29
Liebe Mitleser,

Gloria Thomas aus Australien war erst wenige Monate alt, als sie an Ekzemen erkrankte. Eine durchaus ernste, aber leicht zu behandelnde Hauterkrankung. Doch Glorias Eltern vertrauten dem Rat der Ärzte nicht. Sie verzichteten auf die üblichen Behandlungsmethoden und begannen, ihre Tochter mit homöopathischen Mitteln zu behandeln.

Glorias Zustand verschlechterte sich rasch, ihre Haut war von Ausschlägen und Rissen bedeckt. Durch die Risse steckte sie sich mit Krankheitserregern an, die ihr kleiner Körper nicht verkraften konnte. Doch ihre Eltern vertrauten weiterhin auf hochverdünnte Zuckerkügelchen, bis eine Infektion an den Augen die Eltern des Babys endlich dazu veranlasste, den Krankenwagen zu rufen.

Doch es war zu spät. Im Krankenhaus konnte nur noch die Sepsis festgestellt werden, die zu multiplem Organversagen führte.

Gloria wurde 9 Monate alt.



Es gibt wohl für einen Menschen nichts schlimmeres, als das eigene Kind zu Grabe zu tragen, und ich wünsche es niemandem. Aber der Leidensweg von Glorias Eltern hörte an der Stelle nicht auf. Ein australisches Gericht befand sie anschließend des Totschlags für schuldig, auf beide wartet nun eine sechsjährige Haftstrafe. Wikipedia, ich werde an dieser Stelle nur eine kurze Zusammenfassung für die aus meiner Sicht wichtigsten Aspekte schreiben.

Ich muss gestehen, kein Experte in dem Gebiet zu sein. Weiterhin habe ich das Thema bisher nicht wirklich ernsthaft auf Allmystery diskutiert. Es ist gut möglich, dass Katori die wesentlichen Aspekte von Homöopathie ganz anders sieht.

Homöopathie wurde im späten 18. Jahrhundert vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann entwickelt (und bis heute nahezu unverändert beibehalten), zu einer Zeit, als noch der Aderlass als probates Mittel für die meisten Leiden galt. Homöopathie beruht auf drei Säulen, die alle von der Wissenschaft als „absurd“ abgelehnt werden. Diese drei Säulen sind:

1. das Ähnlichkeitsprinzip
2. die „Potenzierung“
3. das Wassergedächtnis

Das Ähnlichkeitsprinzip besagt, dass „gleiches mit gleichem“ zu heilen sie. Kopfschmerzen werden laut der Lehre also nicht mit ausgekochter Weidenrinde behandelt – sondern mit Stoffen, die eigentlich Kopfschmerzen verursachen, z.B. Alkohol. Und jetzt kommt der Knackpunkt, der Kern der Homöopathie an sich: Ist ein Stoff nur stark genug verdünnt, kehrt sich die Wirkung des Stoffes ins Gegenteil um und wirkt somit als Heilkraft.

Man muss also eine Menge Alkohol nur ganz stark mit Wasser verdünnen, um einen Kater zu behandeln. Hahnemann selbst war bewusst, dass die Erklärung so wenig Sinn machte und argumentierte auf der metaphysischen Ebene: Hahnemann nahm an, dass durch das besondere Verfahren der Potenzierung eine „im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft“ wirksam werde [Zitat], die mit dem Geist des Patienten Kontakt aufnimmt.

Die Potenzierung – oder Verdünnung – ist dabei oft so stark, dass statistisch gesehen kein einziges Molekül der angeblich behandelnden Substanz überhaupt noch in der Lösung vorhanden ist. Weiterhin behaupten Homöopathen, dass die medizinisch wirksame Kraft zunimmt, je weniger von dem Ursprungsstoff vorhanden ist.

---

Das ist Homöopathie in wenigen Sätzen. Die Behauptungen der Homöopathen werden von weiten Teilen der Wissenschaft nicht anerkannt und als absurd abgewiesen. Doppelblindstudien haben bisher noch keinen Nachweis der Heilungskraft erbringen können. Aber darauf wird die Diskussion vermutlich noch zurückkommen.

Unter vielen Menschen herrscht der Gedanke, Homöopathie sei synonym mit „Naturheilkunde“. Ich halte das für so weit von der Realität entfernt, wie überhaupt nur möglich. Ich habe nichts gegen Naturheilkunde, es gibt gute Kräuter und Pflanzenerzeugnisse, die gegen viele Krankheiten helfen. Ich behaupte sogar: Homöopathie ist pure Chemie. Letztendlich ist der Inhalt auch nach Auffassung der Homöopathen nahezu 100% H2O (bzw. Saccharose wenn in Kugelform), mit ein paar Atömchen des Wirkstoffes. Anerkannte Wirkstoffe sind z.B. Arsen und Plutonium. Nicht verwunderlich, schließlich ist beides gesundheitsschädlich, ergo in extremer Verdünnung gesundheitsfördernd. Aber eine Wasser-Arsen-Brühe als „Naturheilmittel“ zu verkaufen ist schon fast zynisch.

Ich selbst habe früher auch homöopathische Medikamente für kleinere Erkrankungen genommen (Erkältung, Magenverstimmung, etc.), bevor ich wusste, worum es sich handelte. Meine Mutter und andere Mitglieder meiner Familie nehmen auch gerne die kleinen Zuckerkügelchen für typische „Volkskrankheiten“ und sind offensichtlich zufrieden damit. Erst beim genaueren Hinsehen fällt auf, dass es sich stets um Erkrankungen handelt, die auch von alleine nach einer gewissen Zeit abklingen. Wie stark kann man also auf solche Anekdoten vertrauen? Ich fürchte: Gar nicht.

Ein unruhiger Magen ist eine Sache. Ein todkrankes Kind eine andere. Letztendlich haben wir doch alles das gleiche Ziel – eine gesunde Gesellschaft, mit der besten Medizin jederzeit für jeden zur Verfügung.

Gloria Thomas hat keine gute Medizin bekommen.


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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

08.03.2012 um 20:12
Guten Abend werte Mitleser,

ich bin froh das Chen diese Thema eröffnet hat. Er hat auch gleich ganz wunderbar zusammengefaßt was die Homöopathie ausmacht sicher nicht Vollständig, aber das wird die Wikipedia nun auch nicht sein.
Der Fall der Familie Thomas ist natürlich ein Paradebeispiel, dafür wie, meiner eigenen Ansicht nach, wie sehr sich Menschen zu sehr auf einfach gesagtes verlassen. Ich finde desweiteren auch, daß sie zu unrecht verurteilt worden, denn diese gebührt meiner Ansicht nach dem behandelden Arzt, der scheinbar Rücksichtslos und mehr als grob fahrlässig eigenmächtig agierte. Er hätte erkennen sollen, vielleicht tat er das auch, daß die homöopathischen Zuckerkügelchen die verbabreicht wurden zu keiner Heilung beitrugen, und ganz normal paläativ behandeln sollen. Denn die Homöpathie ist keine Wundermedizin, aber das wird auch nicht von ihr behauptet. Sowas würden wohl nur Scharlatane und Quaksalber behaupten.
Sie wird meiner Ansicht nach nur als Impulsgeber zur eigenen Genesungsprozedur gebraucht, sofern der Körper das nicht alleine schaffen sollte. Somit ist für mich eindeutig klar, das sie ein mildes unterstützendes und scheinbar gänzlich wirkungsloses Mittel darstellt, welches jeden zur Verfügung steht und stehen sollte, der es ersteinmal ohne zweifelsohne wirksame, aber jedoch mit Nebenwirkungen behafteteten Medikamete versuchen möchte.

Ich selber nahm früher nie solcherlei Mittel. Mir waren sie zwar bekannt, aber die Tatsache das es sich hierbei um Zuckerkügelchen handelt, die nahezu ohne eine Atom einer Substanz sind, die einen Effekt der Genesung hervorrufen sollte, erschien mir mehr als nur fragwürdig. Nun wie dem auch sei, ich war 23 gewesen und hatte eine leiche Mandelentzündung, da kam es nun, daß ich bei einer Bekannten saß und kaum sprechen konnte, da mir der Hals wehtat. Sie kam darauf wieder mit einer Flasche gefüllt mit Globuli, eigens für dererlei Halserkrankungen, die Sorte weiß ich nicht mehr, ist aber auch irrelavant. Jedenfalls kann ich sagen das in den darauffolgenden Tagen die Entzündung vollständig abklang und ich diesesmal um Antibiotika herum kam. Darüber war ich ziemlich erstaunt und auch recht froh, Antibiotika sind nunmal nicht gerade frei von diversen Nebenwirkungen.

*Ergänzung*

In der Regel verbessern sich bei mir solche Entzündungen nicht von selbst, sonder verschlimmern sich nur, bis ich quasi gezwungen bin einen Arzt zu konsultieren.


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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

08.03.2012 um 21:59
(Kleine Korrektur zu meinem letzten Beitrag - der erste Link funktioniert nicht. Hier ist der richtige: http://www.smh.com.au/national/parents-guilty-of-manslaughter-over-daughters-eczema-death-20090605-bxvx.html )
Zitat von KatoriKatori schrieb:Ich finde desweiteren auch, daß sie zu unrecht verurteilt worden, denn diese gebührt meiner Ansicht nach dem behandelden Arzt, der scheinbar Rücksichtslos und mehr als grob fahrlässig eigenmächtig agierte.
Ja, ich hatte da einen kleinen Punkt ausgelassen, um die Story nicht zu kompliziert zu machen - der homöopathische Arzt war der Vater selbst. Nimmt man ändere Fälle zur Hand, so wurde oft auch der behandelnde Arzt verklagt. Was rechtlich oft schwierig ist.
Zitat von KatoriKatori schrieb:Denn die Homöpathie ist keine Wundermedizin, aber das wird auch nicht von ihr behauptet. Sowas würden wohl nur Scharlatane und Quaksalber behaupten.
Auf den Punkt lohnt es sich vielleicht genauer einzugehen, da er fast immer als Reaktion auf tragische Geschichten wie die von Gloria Thomas kommt.

Es gibt wahrscheinlich mehr faule Äpfel im Korb als man denkt. Edzard Ernst und Katja Schmidt von der Universität Exeter haben dazu ein Experiment gemacht. Sie gaben vor, die junge Mutter eines 2-jährigen Kindes zu sein und haben sich bei 168 niedergelassanen Homöopathen erkundigt, ob das Kind gegen Masern-Mumps-Röteln geimpft werden sollte - zu dem jeder Kinderarzt Ja, natürlich!antworten würde.

von den 77 Antworten haben geraden einmal 2 (!) Homöopathen zur Impfung geraten, 75 haben davon abgeraten. Kinder von Homöopathie-affinen Eltern haben in den UK ein statistisch stark erhöhtes Risiko, an diesen gefährlichen Kinderkrankheiten zu erkranken.

Mir ist bewusst, dass die MMR-Impfung inzwischen selbst Gegenstand einer Verschwörungstheorie ist, deswegen will ich gleich zum nächsten Beispiel springen.

Der Autor Simon Singh und seine Bekannte Alice Tuff haben ein ähnliches Experiment gestartet, bei dem sie vorgaben, dass Alice eine Reise durch Westafrika machen will und Schutz vor Malaria suche. Weiterhin gab sie vor, die üblich in diesem Fall verschriebenen Malaria-Tabletten nicht gut zu vertragen.

Zuerst ging sie zu einem Tropeninstitut. Dort wurde sie detailliert nach ihrer medizinischen Geschichte und Allergien befragt, woraufhin andere Tabletten empfohlen werden konnten, die verträglicher sein würden.

Anschließend suchte sie homöopathische Ärzte auf und erzählte ihnen die gleiche Geschichte. 7 von 10 Homöopathen fragten nicht einmal nach ihrer medizinischen Geschichte.

Und satte 10 von 10 empfahlen ein homöopathisches "Medikament" gegen Malaria.

Wäre sie damit tatsächlich nach Afrika gefahren, wäre es lebensgefährlich geworden.

[Quelle: http://www.1023.org.uk/whats-the-harm-in-homeopathy.php (Archiv-Version vom 03.03.2012) ]

Diese Experimente schlugen damals groß in den Medien ein, so dass sich selbst der homöopathische Verband in den UK von den Kollegen distanzierte. Sogar in Deutschland schlug das damals hohe Wellen. In Afrika selbst versuchen Aktivistenverbände schon länger, mit Homöopathie AIDS, Malaria und Tuberkolose zu "behandeln". Einen Kommentar dazu spare ich mir, empfehle aber diesen Link (Text dahinter ist nur kurz):

http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2009/08/erfolg-fur-junge-forscher-who-warnt-vor-homoopathie-gegen-hiv-malaria-etc.php

---

Wir sehen also, die Aussage, dass es nur ein paar Scharlatane und Quacksalber gibt, aber die große Mehrheit der Homöopathen einen Patienten sofort an die Schulmedizin verweist, sobald es "ernst" wird - diese Aussage hält den Test nicht unbedingt stand.

Und noch etwas ist wichtig: Selbst wenn ein "vernünftiger" Homöopath nur bei leichten Beschwerden zu Globuli greift, kann dies das Vertrauen des Patienten in die Medizin als solche erschüttern. Im Internet mehren sich Geschichten von Menschen, die z. B. auf eine Krebsvorsorge verzichtet haben, da die Globuli ja vorher immer "so toll" gegen alle Wehwehchen geholfen hätten.
Zitat von KatoriKatori schrieb:Sie wird meiner Ansicht nach nur als Impulsgeber zur eigenen Genesungsprozedur gebraucht, sofern der Körper das nicht alleine schaffen sollte.
Es tut mir Leid, aber das glaube ich einfach nicht. Wenn es einen solchen Effekt gäbe, müsste man ihn in klinischen Studien leicht messen können.

Es gibt natürlich den Placebo-Effekt, und der sollte beim besten Willen nicht unterschätzt werden. Aber alleine deswegen Unmengen an Geld bezahlen, für einen Placebo-Effekt?
Zitat von KatoriKatori schrieb:welches jeden zur Verfügung steht und stehen sollte, der es ersteinmal ohne zweifelsohne wirksame, aber jedoch mit Nebenwirkungen behafteteten Medikamete versuchen möchte.
Zu "jedem zur Verfügung steht" - Homöopathische Medikamente sind ja nicht umsonst, im Gegenteil. Das ganze ist inzwischen ein gigantischer Markt, mit Homöopathie werden über 2 Mrd. Euro im Jahr umgesetzt. Da keine Entwicklungs- und kaum Herstellungskosten existieren, wandern diese 2 Mrd. fast direkt in die Taschen einiger weniger Firmenbosse. Das nur am Rande.

Homöopathie hat keine Nebenwirkungen, dass ist richtig. Aber in etwa so sinnvoll wie die Aussage, dass man von Berlin nach München lieber zu Fuß gehen sollte, weil das kein Benzin verbraucht.

Ja, Medizin erreicht oft nicht das, was sie soll - es gibt Nebenwikungen, und durch Komplikationen kommen jedes Jahr tausende ums Leben. Allein durch Aspirin sterben 50 Menschen pro Jahr in Deutschland. Aber man muss das immer im Verhältnis sehen - was kann diese Medizin erreichen, was andere Heilmittel nicht können?

---

Ich glaube dir dein Erlebnis mit homöopathischer Medizin voll und ganz, aber du musst verstehen, dass solche Anekdoten immer nur für den überzeugend sind, der sie erlebt hat. Für klinischen Studien gibt es Doppelblindversuche - eine bewährte Methode, um die Funktion eines Medikamentes zu testen.


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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

09.03.2012 um 11:55
@chen

Echt sehr schlimme Geschichte und tatsächlich ein Paradbeispiel dafür, was eigentlich nicht sein sollte. So kaltschnäuzig es vielleicht auch klingen mag, aber der Vater hat wohl ganz alleine Schuld an dem Tod seiner Tochter. Wer weiß was der sich oder irgendwem beweisen wollte. Nun da werd ich nun nichts mehr zu schreiben, stattdessen widme ich mich nun einigen vo deinen Punkten und werd selber noch was zum besten geben.
Zitat von chenchen schrieb:Auf den Punkt lohnt es sich vielleicht genauer einzugehen, da er fast immer als Reaktion auf tragische Geschichten wie die von Gloria Thomas kommt.
Da hast du in der Tat mal wieder sehr drastische Punkte herangezogen. Kurzum, das sind sehr leichtsinnige Kapitel aus dem Leben derer, die das zu verantworten haben. Was sie sich oder oder anderen mit solchen wenig sinnvollen Methoden zu beweisen versuchten, ist mir ein Rätsel und vielleicht auch ihnen selbst rätselhaft. Jeder halbwegsaufgeklärte Mensch weiß, das es keinen Sinn macht homöopathische Präparate gegen Malaria einsetzen zu wollen. Soviel ich weiß gelang es erst vor kurzem ein realtive effektives Mittel gegen den Erreger zu synthetisieren. Genaue Infos hierzu müßte ich erst nich suchen und das brauchts hier nicht.

Hier braucht es nun ein Maß an Objektivität, um nicht auf die Scharlatane und falsche Propaganda hereinzufallen.
Scharlatane gibt es auf beiden Seiten, bei der regulären Medizin und natürlich auch in der Homöopathie. Aber jeder Homöopath der ein gesundes Maß an Verantwortungsbewustsein besitzt, wird nie im Leben behaupten, das seine "Arznei" ein todsicheres Mittel gegen Krebs oder Aids sei. Sowas zu behaupten grenzt echt an Wahnsinn. Zumal es selbst in der Schulmedizin noch keinen ultimativen Durchbruch in Bezug auf Krebs und Aids gab. Klar wurden Fortschritte gemacht, aber da wird auch, gottlob, wie bessesen geforscht, was uns eines Tages generell zu Gute kommen wird.
Zitat von chenchen schrieb:Und noch etwas ist wichtig: Selbst wenn ein "vernünftiger" Homöopath nur bei leichten Beschwerden zu Globuli greift, kann dies das Vertrauen des Patienten in die Medizin als solche erschüttern. Im Internet mehren sich Geschichten von Menschen, die z. B. auf eine Krebsvorsorge verzichtet haben, da die Globuli ja vorher immer "so toll" gegen alle Wehwehchen geholfen hätten.
Sowas klingt beinah nach der neuen germanistischen Medizin, was davon zu halten ist kann man sich ja denken. Dort werden auch sehr leere Versprechungen gemacht, die mitunter tödlich gewesen sein sollen. Ebenso wie bei den Homöopathen. Ich bin mir sicher das, wenn es keine Quaksalber gäbe, es keine solche unnütze Popularität der Homöpathie gäbe. Nicht jeder der homöopathische Arznei verschreibt, hat den großen Reibach gewittert. Es gibt auch genug Hausärzte, die auch erstmal lieber mit der Homöpathie versuchen, einer Sache beizukommen. Tut sie es nicht, dann wird schnell auf konventionelle Präparate gewechselt. Schließlich trägt man als Arzt eine sehr große Verantwortung und sollte sich darüber stets im klaren sein, um dem Patienten gutmöglichst versorgen zu können. Dazu gehört eben auch das ein Arzt auf einen Patienten eingeht und sich der Patient wohlfühlt. Abgefertigt wie am Fließband, möchte keiner werden. Und hier ist es so, das Ärzte die auch homöopathisch bewandert sind, auf ihre Patienten näher und besser eingehen, als solche die nur ganz regulär an ihre Arbeit gehen.
Zitat von chenchen schrieb:Zu "jedem zur Verfügung steht" - Homöopathische Medikamente sind ja nicht umsonst, im Gegenteil. Das ganze ist inzwischen ein gigantischer Markt, mit Homöopathie werden über 2 Mrd. Euro im Jahr umgesetzt. Da keine Entwicklungs- und kaum Herstellungskosten existieren, wandern diese 2 Mrd. fast direkt in die Taschen einiger weniger Firmenbosse. Das nur am Rande.
Diese Randbemerkung, ja die hätte meiner Ansicht nach nicht erwähnt werden müßen. Man zahlt für so ziemlich jedes Medikament einen nicht geringen Preis. Heutzutage muß nunmal jeder etwas verdienen, oder er geht sang und klanglos den Bach hinunter. Das will doch jeder selbstverständlich vermeiden.
Zitat von chenchen schrieb:Ja, Medizin erreicht oft nicht das, was sie soll - es gibt Nebenwikungen, und durch Komplikationen kommen jedes Jahr tausende ums Leben. Allein durch Aspirin sterben 50 Menschen pro Jahr in Deutschland. Aber man muss das immer im Verhältnis sehen - was kann diese Medizin erreichen, was andere Heilmittel nicht können
So ist das im Leben, es kommt oftmals zu unvorhergesehenen Reaktionen von Menschen auf das eine oder andere Medikament. Da kann weder ein Arzt noch das Medikament zu. Manches soll bei manchen halt einfach nicht sein. Das muß man als logische Konsequenz betrachten, immerhin hat der Mensch schon einiges an Erregern mehr als nur Paroli geboten. Das man da zurückstecken muß, ist nur klar. Jeder ist eben gänzlich anders konstituiert, als der andere.

Was Homöopathie im Gegenzug zur normalen Medizin kann?

Nun im Grunde bietet sie nur eine sehr milde Behandlungsform ohne Nebenwirkungen und kann sich möglicherweise "nur" dem Placebo zu eigen machen, der aber nichtsdestotrotz eine bemerkenswerte Tatsache ist.

Ich zitiere
Placebos wirken auch bei Kleinkindern und Tieren


Bei Kleinkindern und Tieren gebe es keinen Placebo-Effekt geben, also sei in diesen Fällen der Behandlungserfolg direkt abzulesen? Weit gefehlt! Selbstverständlich gibt es Placebo-Effekte in Form von Suggestion auch bei Kindern. Jeder Kinderarzt weiß, daß man die Mutter in die Behandlung einbeziehen muß: Sie ist Hauptempfänger der psychosozialen Botschaft und gibt sie als ihre Erwartungshaltung unbewußt an das Kind weiter.

Placebo-Effekte wies man in Doppelblindversuchen auch bei Haustieren nach. Diese können die Körpersprache vertrauter Bezugspersonen lesen. Erleben sie deren Vertrauensverhältnis zu dem ihnen unbekannten Therapeuten, so reagieren sie konditioniert im Sinn einer Placebowirkung. Wird das Placebo-Präparat auch noch mit liebevoller Hinwendung verabreicht, hat die Heilung gute Chancen. (26,27). Zusätzlich führt die Erwartungshaltung des behandelnden Arztes bei diesem selbst zu "selektiver Wahrnehmung": Er neigt dazu, Heilerfolge zu diagnostizieren, die er unbewußt zu finden erwartet.

Wie stark wirken Placebos?

Krebspatienten, die unter Schmerzen litten, bekamen entweder das bewährte Schmerzmittel Naproxen oder ein Placebo. Wußten sie nicht, daß sie das echte Schmerzmittel geschluckt hatten, so wirkte dieses schwächer als ein Placebo, das sie als vermeintliches Schmerzmittel eingenommen hatten (3,5)! Von 40-60% von 3848 Patienten, bei denen keine eindeutige Diagnose möglich war, erhielten 43%, zufällig ausgewählt, Placebos. 82% von ihnen fühlten sich dadurch nach eigenen Angaben gebessert (43).

Der Versuch war aber noch aufschlußreicher. Die Patienten wurden nämlich randomisiert, ohne ihr Wissen, in vier vergleichbare Gruppen unterteilt. Zwei Gruppen erhielten eine "positive Konsultation": Der Arzt verschwieg, daß er die Ursache ihrer Beschwerden nicht erkannt hatte und versicherte stattdessen emphatisch, bei ihnen werde alles in Ordnung kommen und sie würden sich bald besser fühlen. Die eine Untergruppe bekam "zur Unterstützung der Heilung" ein Placebo-Medikament, die andere nicht. Die beiden anderen Gruppen erhielten eine "negative Konsultation": Der Arzt sagte wahrheitsgemäß, er sich über die Ursache der Beschwerden nicht im klaren. Wiederum erhielt eine Untergruppe ein Placebo-Medikament mit der Bemerkung, daß es ihnen vielleicht helfen werde, und die andere Gruppe bekam nichts. Die Heilungsrate betrug nach positiver Konsultation 64% und nach negativer 39%, unabhängig davon, ob Placebo-Medikamente gegeben wurden, oder nicht! Keine Behandlung vorzunehmen, war also ebenso erfolgreich wie die Verschreibung eines Placebo-Medikaments, unabhängig davon, ob die Konsultation positiv oder negativ war. Die Diagnose "keine Behandlung nötig" wird also vom Patienten ohne Nachteile akzeptiert!

Die Wunderdroge der außenseiter-Medizin ist also gar nicht das Placebo-Medikament selbst. Es steht allein in der Macht des Therapeuten, seine Patienten sich besser fühlen zu lassen. Es genügt ein Arztbesuch ohne jede Behandlung. Der "Wirkstoff" des Placebos ist also der Heiler selbst!

Leider glauben die meisten Ärzte, daß über 80% ihrer Patienten die Verschreibung eines Medikaments erwarten. In Wirklichkeit sind es nur knapp die Hälfte sind (43-52%). Nur wenige Ärzte wissen, daß Patienten oft keine Behandlung brauchen außer dem Kontakt mit ihnen. Und so nutzen sie Placebos zu wenig aus, weil sie sie irrtümlich mit Scharlatanerie assoziieren. Dabei sind die objektiv meßbaren Behandlungserfolge erstaunlich: bei Kopfschmerzen 62%, bei Seekrankheit 58%, bei rheumatischen Erkrankungen 49%, bei Erkältungskrankheiten 45% (16,29).

Ein Beispiel macht klar, daß nicht alles, was hilft, auch wirkt. Ein Kind ist hingefallen und weint. Die Mutter holt eine Dose mit, wie sie sagt, "schmerzlindernden Leckerli" und zieht das Kind zu sich auf den Schoß. Ein Stückchen Schokolade auf die schmerzende Stelle gelegt, mit der Zuage, das Kind könne es haben, sobald der Schmerz vorüber seien, wirkt Wunder.

Will man die Wirkung von echten Arzneien mit der von Homöopathika vergleichen, so ist es unerläßlich, zusätzlich eine Placebo-Gruppe einzuplanen. Drösemeier (8) fand keinen Unterschied zwischen Homöopathikum und Placebo und ebensowenig zwischen Arznei und Placebo. Ohne Placebogruppe wäre also das Homöopathikum als ebenso wirksam erschienen wie die echte Arznei! Tatsächlich waren aber in diesem speziellen Fall homöopathische und wissenschaftsmedizinische Behandlung gleich wirkungslos.

Das Argument, Homöopathie sei "ein Gebiet, wo man mit streng wissenschaftlicher Methodik nicht vorgehen könne", ist falsch. Der Erfolg jeder Therapie läßt sich objektiv statistisch prüfen, aber nur in Doppelblind-Experimenten, bei denen der Placebo-Effekt quasi "herausgekürzt" wird. Im Idealfall sollte selbst der Therapeut nicht wissen, daß er einen Test durchführt, was in der Praxis schwer realisierbar ist. Da Menschen allein aufgrund des unspezifischen Placebo-Effekts gesunden können, muß man mindestens, zufallsverteilt, zwei gleichartige Patientengruppen bilden: Die eine erhält die zu prüfende Behandlung, die Kontrollgruppe eine Scheinbehandlung oder ein Placebo-Präparat. Damit beide Gruppen ansonsten völlig gleich behandelt werden, dürfen weder die Patienten noch die Therapeuten wissen, wer die echte Arznei und wer das Placebo erhält. Damit ist der Placebo-Effekt in beiden Gruppen gleich, und Unterschiede zwischen ihnen müssen dann allein auf die Behandlung zurückgehen. Noch unverfälschtere Ergebnisse liefern "überkreuzte" Doppelblindstudien, bei denen nach einer vorher festgelegten, genügend langen Behandlungszeit Placebo und Arznei gegeneinander ausgetauscht und die Behandlung fortgeführt wird. Formal sauber sind eigentlich nur Untersuchungen, bei denen auch die Forderung der Homöopathen erfüllt ist, jeden Patienten individuell zu therapieren. Schließlich muß alles unter kontrollierten Versuchsbedingungen geschehen, um betrügerische Manipulationen auszuschließen (35,39).

Solche objektiven Tests, bei der wissenschaftlichen Medizin Standard, verliefen bisher negativ (27,28,32-34). Von Außenseitermedizinern werden sie meist als unangemessen abgelehnt. Stattdessen verweist man auf eindrucksvolle Fallbeispiele von geheilten Patienten. Diese anekdotischen Belege sind zwar emotional überzeugend, aber ohne jede Beweiskraft: Positive Einzelfälle - Patienten mit längerer Überlebenszeit - kommen in allen Kollektiven vor (1), es bleibt völlig unklar, welchen Anteil der Placebo-Effekt hatte, und es wird verschwiegen, bei wieviel Patienten die Behandlung erfolglos war.

Bei zweifelhaften Behandlungsmethodenreichen auch "klinische Tests" nicht aus, um die Wirksamkeit objektiv zu prüfen, denn sie sind, oft trotz gegenteiliger Beteuerung, fast nie doppelblind: Die Resultate werden ungewollt durch Erwartungshaltungen von Versuchsleiter und Patient verfälscht.

Wir halten es für unethisch, eine Behandlung zu propagieren, bei der nicht geprüft wurde, ob sie besser hilft als ein Placebo. Aussagekräftig wäre nur ein Test, den man möglichst ganz hinter dem Rücken der Hauptbeteiligten durchführt. Individuell verschriebene homöopathische Präparate müssten bei der Hälfte der Patienten, ohne deren Wissen und ohne Wissen der behandelnden Homöopathen, mit gleich aussehenden, anerkannt unwirksamen Placebos vertauscht werden. Ist die Behandlung damit unvermindert erfolgreich, entlarvt sich das Grundkonzept der Homöopathie als reines Phantasieprodukt, dessen praktische Wirksamkeit allein auf dem Placebo-Effekt beruht.

Selbst in Doppelblind-Studien kann es zu positiven Effekten unwirksamer Arzneien kommen, weil Patient und Arzt anhand der Nebenwirkungen der Arznei manchmal erkennen können, wer es bekam. Und das führt unbewußt zu der Erwartung, daß es solchen Patienten besser gehen muß ("self fulfilling prophecy"). Das kann man prüfen, indem man Placebos gibt, die dieselben Nebenwirkungen haben wie das echte Medikament: Dann schwindet der Unterschied zum Placebo meist dahin.

Einer Gefahr sind alle Therapeuten ausgesetzt: der "therapeutischen Illusion": Bei zweifelhafter Diagnose verordnen Ärzte häufig Behandlungen, von der sie wissen, daß sie nur als Placebo wirken. Gesundet der Patient, verführt der scheinbare Erfolg dazu, Diagnose und Behandlung irrtümlich für richtig zu halten. Ein Beispiel ist die sinnlose Verschreibung von Antibiotika bei viralen Infektionen. Vielen Ärzten wird nämlich in ihrer Ausbildung nicht beigebracht, daß Patienten oft keine Behandlung brauchen außer ermutigende Worte eines Arzt, der sich ihnen menschlich zuwendet.

Obwohl seit 50 Jahren intensiv erforscht, ist noch kaum bekannt, auf welche Weise der Placebo-effekt den Krankheitsverlauf beeinflußt. Man weiß, daß Placebo-Behandlungen auf das Immunsystem einwirken, endogene Opiate freisetzen können, und daß es kaum Placebo-resistente Erkrankungen gibt (11, 29). Ärzte wissen, daß man Medikamente, die neu auf den Markt gekommen sind, schnell verwenden sollte, solange sie noch wirken. Denn sie erzeugen Hoffnung bei Patient und Arzt, und das führt bei beiden zu starken Placebo-Effekten.

Homöopathie hat einen großen Vorteil: Im Gegensatz zur Wissenschaftsmedizin, wo der Patient oft auf besserwisserische Arroganz der "Götter in Weiß" trifft, geht der Homöopath intensiv auf die psychische Befindlichkeit seiner Patienten ein. So fühlt sich der Patient verstanden, was den Placebo-Effekt ungemein steigert.
http://www.handrick-net.de/homoeopathie/homoeopathie.html (Archiv-Version vom 15.03.2012)


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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

09.03.2012 um 13:38
Zitat von KatoriKatori schrieb:Dazu gehört eben auch das ein Arzt auf einen Patienten eingeht und sich der Patient wohlfühlt. Abgefertigt wie am Fließband, möchte keiner werden. Und hier ist es so, das Ärzte die auch homöopathisch bewandert sind, auf ihre Patienten näher und besser eingehen, als solche die nur ganz regulär an ihre Arbeit gehen.
Hier kann ich dir voll und ganz recht geben. Die Diskussion über Homöopathie in Deutschland offenbart eine große Schwachstelle in unserem Gesundheitssystem: Patienten profitieren ungemein von einem ausführlichen Gespräch mit einem behandelnden Arzt, sie fühlen sich nicht nur besser, man kann auch ganz konkrete Genesungsfortschritte feststellen.

Nur leider sieht unser Gesundheitssystem dafür nur sehr wenig Zeit vor - und das ist ein Punkt, über den sich die Gesundheitspolitik auch mal Gedanken machen muss, ob eine "hocheffiziente" Behandlung wie am Fließband in jedem Fall Sinn macht.

Man könnte argumentieren, dass alleine deswegen die Homöopathie ihre Berechtigung hat - und ich denke, dass ist der Punkt an dem wir mit unseren Meinung am weitesten auseinander gehen. Für mich ist der Vorteil eines "Wohlfühldoktors" zu klein im Vergleich mit den Nachteilen - dass den Patienten für fragwürdige Heilsversprechen und wirkstofffreie Zuckerkügelchen das Geld aus der Tasche gezogen wird.

An der Stelle wollte ich sowieso noch einmal einhaken, weil du dich noch nicht ganz konkret dazu geäußert hast - glaubst du an die Wirkungsweise von homöopathischen Medikamenten, so wie Hahnemann sie beschreibt? Dass z. B. eine höhere Verdünnung sie wirksamer macht? Oder räumst du ein, dass es nur ein Placebo ist, wie auch dein letzter Absatz es andeutet?

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Zitat von KatoriKatori schrieb:Da hast du in der Tat mal wieder sehr drastische Punkte herangezogen.
Es tut mir fast ein bisschen Leid, aber ich muss sogar noch einmal nachlegen. Über das hier bin ich gestern gestolpert, es ist zu schön um es auszulassen :D

Es gibt einen großen Verein namens "Bund katholischer Ärzte". Dieser verkündet stolz auf seiner Homepage:
    Auch wenn es Manche nicht hören möchten oder Andere gerade deshalb auf dieser Website suchen:

    Es gibt religiöse, psychotherapeutische und medizinisch-homöopathische Möglichkeiten der Behandlung bei Homosexualität und homosexuellen Neigungen.


http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/06/wie-die-kirche-homosexualitat-mit-homoopathie-heilen-will.php

Als ich das zum ersten Mal gelesen habe, hat es mir fast die Sprache verschlagen. Und gleich zwei Fliegen mit einer Klappe - der Glaube, Homosexualität sei eine Krankheit, die man behandeln müsse, zum anderen, mit Homöopathie... naja, ich will das nicht näher kommentieren.

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Zitat von KatoriKatori schrieb:Diese Randbemerkung, ja die hätte meiner Ansicht nach nicht erwähnt werden müßen.
Ich hoffe, es wird mir nicht als schlechter Stil angerechnet, aber ich debattiere an dieser Stelle zwischen den Zeilen nicht nur gegen dich, sondern auch gegen die Homöopathie an sich. Und von dieser Seite (wie gesagt, nicht von dir selbst) kommt ständig das Argument, die "Schulmedizin" sei ein einziges unmenschliches Big-Pharma-Komplott um die Menschen möglichst krank zu machen und ihnen gleichzeitig alles Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich bin nicht so naiv, die Pharmaindustrie als komplett unschuldig anzusehen; aber es lohnt sich aufzuzeigen, dass auch die Homöopathie schon lange eine richtige Industrie ist, mit großen Konzernen die sich dumm und dusselig an Zuckerkügelchen verdienen.

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Zitat von KatoriKatori schrieb:Nun im Grunde bietet sie nur eine sehr milde Behandlungsform ohne Nebenwirkungen und kann sich möglicherweise "nur" dem Placebo zu eigen machen, der aber nichtsdestotrotz eine bemerkenswerte Tatsache ist.

Ich zitiere
Ich habe mir den Text durchgelesen. Letztendlich kommt es wieder auf den gleichen Punkt zurück, ob die Behandlung mit Placebos die "Nebenwirkungen" (Kosten, dem Patienten werden Märchen erzählt, Nocebo-Effekte, Vertrauensverlust in die Medizin bei ernsten Erkrankungen) rechtfertigen. Ich denke nicht, aber diese Frage muss letztendlich jeder Patient für sich selbst beantworten.

Persönliche Freiheit ist mir sehr wichtig. Wenn Oma Hilde das Gefühl hat, die Kügelchen helfen ihr bei ihren Rheumabeschwerden, so soll sie das gerne in Anspruch nehmen dürfen. Ich will um Gottes Willen Homöopathie nicht verbieten.

Aber man muss sich fragen, wo die Grenze gezogen werden soll. Die Beispiele in dem verlinkten Text sind größtenteils "Wehwehchen", die sich schwer in konkrete Zahlen gießen lassen.

Globuli lassen einem kein neues Bein wachsen und vernichten auch keine Krebszellen. Leider glauben das inzwischen sehr viele.

Ich erhebe den Vorwurf, dass die überwältigende Mehrheit der homöopathischen Ärzte seine Patienten eher schlecht über die tatsächliche Wirkungsweise und die Grenzen von Homöopathie aufklärt.

Deswegen ist sie so gefährlich.


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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

09.03.2012 um 14:12
Zitat von chenchen schrieb:An der Stelle wollte ich sowieso noch einmal einhaken, weil du dich noch nicht ganz konkret dazu geäußert hast - glaubst du an die Wirkungsweise von homöopathischen Medikamenten, so wie Hahnemann sie beschreibt? Dass z. B. eine höhere Verdünnung sie wirksamer macht? Oder räumst du ein, dass es nur ein Placebo ist, wie auch dein letzter Absatz es andeutet?
Nun es ist so das ich finde das seine Ansicht nicht gerade unschlüssig ist, als Mensch kann man sich einer Vielzahl von schädlichlichen Einfllüssen aussetzen und bis zu einem bestimmten Grad auch sicher gut gewöhnen, ohne das es zu einer Schädigung kommt. Der Körper an sich ist halt ein ziemlich, wohl beinahe perfektes System. Desweiteren ist ein Impfung wohl auch ansatzweise mit der Homöopathie zu vergleichen.
Und zwar lautet mein Ansatz da wie folgt, bei einer Impfung werden abgeschwächte Erreger in den Körper injiziert, der daraufhin Antikörper entwickelt. Das ist soweit sicher jeden bekannt. Und da finde ich kommt die Homöopathie einer Impfung fast schon gleich, sie versucht ja durch das ausreizen der Geringstmenge an schädigenden Substanzen den Körper zur Aktion gegen den krankmachenden Mechanismen zu bewegen. Allerdings sollte die Potenz wohl nicht zu gering sein. Eine kleine Herausforderung wird dem Körper, für einen erfolgreichen Genesungsprozess schon abzuverlangen sein. Nichts bringt halt nichts. Insofern kann auch ich sagen, daß es keinen Sinn macht mit Nichts behandeln zu wollen der Effekt wäre gleich Null. Außer halt bei einer Placebo Wirkung, aber da sind die Mechanismen in ihrer Gesamtheit auch noch nicht zur Gänze erfaßt und verstanden worden.

Omg,
Es tut mir fast ein bisschen Leid, aber ich muss sogar noch einmal nachlegen. Über das hier bin ich gestern gestolpert, es ist zu schön um es auszulassen :D

Es gibt einen großen Verein namens "Bund katholischer Ärzte". Dieser verkündet stolz auf seiner Homepage:

Auch wenn es Manche nicht hören möchten oder Andere gerade deshalb auf dieser Website suchen:

Es gibt religiöse, psychotherapeutische und medizinisch-homöopathische Möglichkeiten der Behandlung bei Homosexualität und homosexuellen Neigungen.
mehr hab auch ich nicht dazu zu sagen. Es ist schier unfaßbar wie intolerant und verklärend so manche Instanzen sind. Echt ohne Worte sowas.
Zitat von chenchen schrieb:Ich hoffe, es wird mir nicht als schlechter Stil angerechnet, aber ich debattiere an dieser Stelle zwischen den Zeilen nicht nur gegen dich, sondern auch gegen die Homöopathie an sich. Und von dieser Seite (wie gesagt, nicht von dir selbst) kommt ständig das Argument, die "Schulmedizin" sei ein einziges unmenschliches Big-Pharma-Komplott um die Menschen möglichst krank zu machen und ihnen gleichzeitig alles Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich bin nicht so naiv, die Pharmaindustrie als komplett unschuldig anzusehen; aber es lohnt sich aufzuzeigen, dass auch die Homöopathie schon lange eine richtige Industrie ist, mit großen Konzernen die sich dumm und dusselig an Zuckerkügelchen verdienen.
Denk ich nicht, ist ja Sinn und Zweck der Debatte das man soviel Seiten wie möglich betrachtet und auch für sich selbst klärt, und soweit das möglich ist auch für andere.
Ich sehs auch nicht generell so, daß die großen Pharmaunternehmen sich nur bereichern wollen, aber durch ihre Verdienste an der Menschheit, steht ihnen wohl auch ein nicht geringer Lohn zu. Nur ganz beweihräuchern sollte auch diese Industrie keiner mehr, heutzutage dreht sich eben mehr oder weniger alles um die maximale Gewinnausschöpfung. Schul das dem so ist, ist aber weder die Pharma noch die Homöopathie. Sicher kosten homöopathische Arzneien einiges an Geld. Aber solange sie auch helfen und seis nur wegen oder gerade wegen des Placebo Effekts, solange find ich haben auch sie noch ihre Daseinsberechtigung. Man muß nun nicht für wahr alles an Präparaten aufgreifen, und klärt solch ein Vorhaben bestenfalls vorher mit seinem behandelnden Arzt ab.
Globuli lassen einem kein neues Bein wachsen und vernichten auch keine Krebszellen. Leider glauben das inzwischen sehr viele.

Ich erhebe den Vorwurf, dass die überwältigende Mehrheit der homöopathischen Ärzte seine Patienten eher schlecht über die tatsächliche Wirkungsweise und die Grenzen von Homöopathie aufklärt.

Deswegen ist sie so gefährlich.
Der Ansicht bin ich ja auch und zwar vorbehaltslos. Es it tatsächlich nichts geringeres als ein Schändung des eigentlich sehr ehrwürdigen Berufstandes eines Arztes, das zu viele seiner "Kollegen" Schindluder mit mangelhafter oder gar falscher Aufklärung betreiben. Solch ein Umstand sollte keinesfalls geduldet werden müßen.


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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

09.03.2012 um 17:39
Zitat von KatoriKatori schrieb:Desweiteren ist ein Impfung wohl auch ansatzweise mit der Homöopathie zu vergleichen.
Und zwar lautet mein Ansatz da wie folgt, bei einer Impfung werden abgeschwächte Erreger in den Körper injiziert, der daraufhin Antikörper entwickelt. Das ist soweit sicher jeden bekannt. Und da finde ich kommt die Homöopathie einer Impfung fast schon gleich, sie versucht ja durch das ausreizen der Geringstmenge an schädigenden Substanzen den Körper zur Aktion gegen den krankmachenden Mechanismen zu bewegen.
Das ist wirklich ein interessanter Ansatz, so habe ich da noch nicht darüber nachgedacht. Aber ich bezweifle, dass man das wirklich analog vergleichen kann.

Gegen viele Viren und Bakterien kann sich der Körper wehren, indem er Antikörper bildet, die den Angreifer vernichten können. Bei einer Impfung wird eine solche Ansteckung "simuliert", wodurch das Immunsystem für die Zukunft Antikörper von etwas bildet, mit dem es eigentlich noch gar nicht angesteckt war.

Ich bezweifle, dass man das wirklich auf die Homöopathie übertragen kann. Ein einfacher Anwendungsfall für Homöopathie wäre z.B. eine Vergiftung. Giftstoffe werden aber nicht unbedingt von Antikörpern bekämpft, sondern einfach in der Leber über Enzyme abgebaut. Davor schützt keine Infektion und auch ein "Gewöhnungseffekt" tritt nicht wirklich ein, im Gegenteil werden die Symptome eher chronisch.

Dagegen den gleichen Giftstoff noch einmal zu nehmen, diesmal hochverdünnt, um eine Art Impfung zu erreichen, macht für mich biologisch gesehen ehrlich gesagt keinen Sinn.

Oder der wohl häufigste Anwendungsfall für Homöophatika: Schmerzen. Kann man sich vor Schmerzen impfen?

Wenn ich Kopfschmerzen habe, nehme ich ein Aspirin, welches die Bildung von Prostaglandinen verhindert, das sind Hormone die für Schmerz- und Entzündungsreaktionen verantwortlich sind. (Alternativ kann ich mir auch ein Stück Weidenrinde aufkochen, welches genau den gleichen Wirkstoff enthält und genau so wirkt, aber nebenher andere Stoffe enthält die Durchfall verursachen).

Ich weiß leider nicht, wie an der Stelle ein Homöopathikum mit dem von dir beschriebenen Wirkungsweg funktionieren soll.

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Zitat von KatoriKatori schrieb:Außer halt bei einer Placebo Wirkung, aber da sind die Mechanismen in ihrer Gesamtheit auch noch nicht zur Gänze erfaßt und verstanden worden
Das stimmt, das bestreitet ja auch keine :D Aber Placebos hin oder her - wie gesagt, die meisten Homöopathen erzählen einem statt dessen tolle Wundergeschichten, die nach meinem Empfinden die reinste Esoterik sind.

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Zitat von KatoriKatori schrieb:Aber solange sie auch helfen und seis nur wegen oder gerade wegen des Placebo Effekts, solange find ich haben auch sie noch ihre Daseinsberechtigung.
Tja, darum dreht sich jetzt wohl alles.

Für mein Empfinden ist das zu einseitig und zu kurzsichtig gedacht. Man könnte auf die gleiche Weise argumentieren:
    Angetrunkene Menschen sind glücklicher als nüchterne, deshalb sollten alle Menschen so viel saufen wie nur möglich.


Man muss zudem feststellen: Medizin, z.B. Aspirin hat zusätzlich zu seiner mikrobiologischen Wirkung auch noch eine Quasi-Placebo-Ebene. Wenn ich Aspirin nehme und erwarte, dass es mir besser gehen wird, verstärkt diese Erwartung den eigentlichen Heilungseffekt.

In meinen Augen bleibt zu wenig, was Homöopathie rechtfertigt, und zu viel, was direkt dagegen sprcht.

Aber gut, diese Abschätzung muss jeder für sich selber treffen.

Eine Frage am Ende noch - von vielen wird gefordert, dass Homöopathika von der Krankenkasse bezahlt werden sollten. Ich bin absolut dagegen. Wie siehst du das?


(Ich schreib noch kurz ein Abschlussstatement hinterher, dann bin ich fertig.)


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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

09.03.2012 um 17:59
Zum Abschluss will ich noch einmal kurz zusammenfassen:

Es geht bei Homöopathie um Leben und Tod. So abgedroschen dieser Satz auch ist, mann muss sich immer klar machen, dass Gesundheitsthemen nicht folgenlos sind.

Insofern ist es von größter Wichtigkeit zu wissen, ob und wie Homöopathie angeblich wirkt. Mit Vermutungen aus dem Bauch heraus ist es dabei leider nicht getan, das geht nur mit guter alter Wissenschaft.

In den ärmsten Gebieten Afrikas sind "Ärzte" unterwegs, von Spendengeldern gutmeinender, wohlhabender Europäer finanziert, die an Homöopathie glauben, weil das bei ihnen so gut gegen Rückenschmerzen geholfen hat. Diese "Ärzte" drehen den Leuten "Medikamente" gegen AIDS und Malaria an, die viel billiger sind als die Konkurrenzprodukte der bösen "westlichen" Medizin.

Es ist schwer abzuschätzen, wie viele dabei ums Leben kommen. Die gerettet hätten werden können.

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/03/wie-homoopathen-die-menschen-in-sierra-leone-verarschen.php

Nun verurteilt mein Kontrahent das zum Glück genauso vehement wie ich, und ich will ihn um Gottes Willen nicht damit in Verbindung stellen.

Aber ich denke, man darf sich nicht auf einen kleinen positiven Aspekt konzentrieren und dabei das große Gesamtbild außer acht lassen.

Auf die Homöopathen zu vertrauen, dass die ihre eigenen Grenzen kennen und nicht überschreiten werden, ist ein Sache.



Die Realität sieht leider anders aus.


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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

09.03.2012 um 18:27
@chen

Der Ansatz kam mir spontan beim schreiben, natürlich wird man beides nicht analog vergleichen können, aber das hab ich auch nicht gesagt.
Die genaue wirkweise eines Homöophatikas ist mir genauso ein Rätsel, wie denen die beweisen wollen, ob und wie sie wirken. Das sie wirken ist bis zu einem gewissen Grad unumstritten. Wie das aber zustande kommt, ist meines Wissens nach aber noch ausreichend zu klären. Möglicherweise läßt sich die Homöopathie auch noch mit dem ayurvedischen System in Verbindung bringen. Aber dazu fehlts massig an Zeit und sicher auch an Quellen. Wobei beide Systeme, ein ganzheitliches System für sich sind.
Wunder vollbringt aber auch keine von beiden. Die Schulmedizin auch nicht. Alles schöpft nur aus, was auszuschöpfen ist.
Leute die Wunder versprechen, die gehören rigoros aus dem Verkehr gezogen. Nur durch solche "Fanatiker" ist es überhaupt zu Todesfällen gekommen. Unter vernünftigen Umständen, wäre das sicher nie soweit gekommen.

Um noch auf die Kostenübernahme von homöpathischen Mitteln zu kommen, nein die sollten auch kostenpflichtig bleiben. Aspirin etc muß man nun auch selber bezahlen. Und auch da kann man selber entscheiden ob man die kauft oder halt nicht.
Ich halte es für absolut akzeptabel, wenn sich jeder die Homöopathika in der Apotheke kaufen kann.


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CoA 2012 - 3. Viertelfinal-Match: Homöopathie - Medizin o. Esoterik?

09.03.2012 um 18:48
Kurz vorm Schluß möchte ich noch einen Link zu den Schüssler Salzen verlinken, vielleicht interessiert sich der ein oder andere Leser noch dafür http://schuessler-salze-liste.de/index.htm

Was mit gerad auch noch einfällt ist das niemand gezwungen ist, auf die Homöopathie zurückzugreifen, ich seh sie aber auch als im Grunde harmlose Methode zur Selbstmedikation. Vorrausgesetzt man hat sich entsprechend mit der Materie vertraut gemacht. Das dies nicht innherhalb von ein paar Tagen geschehen ist, ist denke ich bei der Vielfalt von Symptomen kein Wunder.

Und zu guter letzt möchte ich mich noch herzlich bei Chen für die Diskussion bedanken. Es war mir eine Freude mit dir zu diskutieren.


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09.03.2012 um 19:00
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