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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

22 Beiträge, Schlüsselwörter: Gedichtinterpretation, Werkimmanenz, Pro Genia, Hermeneutik

Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 14:20
Liebe Leser,

ich starte hiermit einen neuen Versuch, eine Gedichtinterpretation unter wissenschaftlich korrekten Gesichtspunkten durchzuführen.

Um jedem Mitglied des Forums einen Einstieg in die Thematik zu ermöglichen, schlage ich vor, dass wir das Gedicht unter weitestgehend werkimmanenten Gesichtspunkten (interpretieren wie in der Schule) analysieren, da eine durchgehend hermeneutische Herangehensweise für den Laien zu weit führen würde.

Um eine werkimmanente Umsetzung zu gewährleisten, habe ich ein Gedicht eines unbekannten Autors gewählt! :}

Für den Einstieg habe ich: "Pro Genia" von fumo auserkoren.

Mal schauen, was im Rahmen der Werkimmanenz möglich ist! :)


Pro Genia

Vom herrlichen Olymp erklingt Eratos Weise
Erfüllt sind kalte Hallen, von wärmendem Gesang.
Wo vorher Stille hauste, dort thronet nun der Klang
Und trägt hinfort die Seelen, auf eine große Reise.

Die Götter lauschen leise, verstummt sind alle Schmerzen
Doch sind Lyäus`Blühten Apollon bloß ein Dorn
Es wächst wie wildes Unkraut ein zorngetränkter Sporn
Und Zorn ist stets ein Gift in sehnsuchtsvollen Herzen

So muss nun einer löschen des andern wilde Glut
Doch ist bereits gemeißelt in Tränen und in Blut
Was dieser will gewinnen kann jener nur verlieren.

Nun hörst Du, Zeus, die Klage, siehst Zwist und Streit und Pein
Doch kannst Du hier nicht Schlichter, nicht Mittler beider sein
Denn über Dir steht letztlich, das Urteil der Moiren.

fumo


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 14:25
Erkläst Du Dich auch bereit verschiedene Worte zu erklären, oder überlässt Du es den Teilnehmern und Google?

@fumo


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 15:04
@WolfsSchild

Erato ist einer der 9 Musen der Griechen.

Lyäus ist Dionysos der griechische Gottes der Freude und der Fruchtbarkeit und allem was mit Wein zu tun hatt.... und der Gott der Extase

Apollon ist der Gott des Lichts, der Heilung und des Frühlings, sowie der Reinheit und der Künste.

Die Moiren sind Schicksalsgöttinen oder in er Anfangszeit auch personifizierungen des Schicksals eines Menschen.

Brauchst noch mehr?


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 15:09
@Schdaiff
Danke erst mal dafür! Ich mache sicher noch mit, obwohl ich euch vorwarnen muss! :D


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 15:19
@fumo

Also fumo kenn ich wirklich nicht ;)

Erstmal zum allgemeinen Hintergrund ;)

Das Gedicht bassiert ja anscheinend auf der griechischen Mythologie.. so scheint es zumindest ... nur der letzte Satz hatt mich stutzig gemacht: "Denn über Dir steht letztlich, das Urteil der Moiren." Das ist eindeutig ein etruskisches Element, denn in der griechischen Mythologie stehen die Götter über dem Schicksal... So kann Hera zum Beispiel verhindern, dass die Moiren über Achilleus siegen, solange dieser unter Heras Schutz steht.


Ich bin jetzt nicht gerade gut in der Interpretation von Gedichten ;)

Aber für mich geht es um den Zwiespalt der Künste zwischen dem Reinlichen, verkörpert von Apollon und dem Auschweifenden (ohne Regeln), verkörpert von Lyäus. Und dieser Streit verdirbt die Kunst und wo vorher schöne Klänge sind ist nun nur noch Zwist, Streit und Pein...

Das mit dem Schicksal (verkörpert durch die Moiren) versteh ich aber nicht ganz. Bedeutet für mich am ehesten, dass man da nicht eingreifen kann, weil Kunst eben geschmackssache ist und üer Geschmack lässt sich ja angeblich nicht streiten ....

Joa glaub das war alles ^^


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Gajumarth
ehemaliges Mitglied

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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 17:48
Schdaiff schrieb:Aber für mich geht es um den Zwiespalt der Künste zwischen dem Reinlichen, verkörpert von Apollon und dem Auschweifenden (ohne Regeln), verkörpert von Lyäus.
Die Geburt der Tragödie (aus dem geiste der Musik) um es mit anderen Worten zu sagen, also mit den Worten des Friedrich N.


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 18:10
"Was plagt mich der Leichnahm, den ich unentwegt trug?" Ist es der MEINE?

iBzg auf @Gajumarth


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rockandroll
ehemaliges Mitglied

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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 18:20
Schdaiff schrieb:Joa glaub das war alles ^^
glaub auch :D


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 19:22
@Schdaiff

Und doch sind auch die Götter dem Schicksal unterworfen.


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 19:22
Das Gedicht ist nicht schlecht.
Die Begriffe werkimmanent und hermeneutisch kenne ich nicht, aber auch wenn Blüten blühten, schreibt man sie ohne "h".
fumo schrieb:Blühten


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 21:52
Fumo will mir dennoch nicht den Leichnahm abnehmen!

@fumo


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

11.01.2014 um 22:04
@fumo
braucht man solche Götter?


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

12.01.2014 um 02:00
@fumo
Ähm... *lurch zu Mundbeatmung macht* geht's dir wieder besser? :D


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

12.01.2014 um 02:32
@fumo
WTF?

Als Kneipier kannst du sowas nicht eröffnen. Ich hab nur Realschule :cry:


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

12.01.2014 um 02:40
@rostowski

Und doch sind auch die Götter dem Schicksal unterworfen.

Aber nicht in der griechischen und römischen Mythologie ;) nur in der etruskischen *g*


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

12.01.2014 um 02:43
Schdaiff schrieb:Aber nicht in der griechischen und römischen Mythologie ;) nur in der etruskischen *g*
@van-der-lurch
Übersetz mal bitte :nerv:


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Halbu
ehemaliges Mitglied

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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

12.01.2014 um 10:55
Ist das Gedicht von Eratosthenes :ask:


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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

12.01.2014 um 11:03
@Kenti
Was soll man da denn übersetzten :ask:


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praiseway
ehemaliges Mitglied

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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

12.01.2014 um 11:04
Vermaß: 6-füßiger Jambus, zumindest meistens, wenn ich nicht irre.


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poet
ehemaliges Mitglied

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Werkimmanente Gedichtinterpretation: Pro Genia (fumo)

12.01.2014 um 16:08
hallo fumo, alte Dichtersäule... :D

gehe erst mal nur nach reinen Formalien in die erwünschte Kritik, ohne mich auch zugleich auf den Inhalt einzulassen. Der wurde ja auch schon von anderen näher beleuchtet.

generelle Kriterien:

- "Wurde das gewählte Reimschema (z.B. abab = Kreuzreim) eingehalten?"
- "Welches Metrum (Versmaß) wurde gewählt, ist es überall sauber durchgezogen worden?"
- "Sind die Kadenzen (Betonungen am Ende der Verse) konsequent gesetzt?"
- "Haben die verwendeten Metaphern (Bilder) Aussagekraft, sind sie miteinander stimmig?"
- "Stimmen Syntax (Satzbau), Interpunktion (Zeichensetzung) und Orthographie (Rechtschreibung)?"
- "Welche Assoziationen wurden geweckt?"
- "Wurden rhetorische Stilmittel verwendet? Falls ja: wurden sie kunstgerecht eingesetzt, tragen sie zur Aussage des Gedichtes bei?"
- "Sind die Strophen inhaltlich sinnvoll aufgebaut?"
- "Passt der Titel zum Inhalt bzw. zur Aussage?"
- "Wo kann durch Wahl eines anderen Wortes die Aussage präzisiert werden?"
- "Wurden originelle oder ungewöhnliche Reime gefunden oder nur banale, abgenutzte?"

zusätzlich mögliche Kriterien:

- "Sind Inhalt und Form kohärent?"
- "Liegen kryptisch verfasste Passagen vor, welche textliche Signifikanz weisen sie auf?"
- "Wie verhalten sich Wortwahl und Konnotationen im Kontext zu Spannungsaufbau und Tempiwechseln?"
- "Wird auf andere Werke des gleichen oder eines anderen Autoren verwiesen oder dieses interpretiert?"
- "Werden spezifische Stilmittel und Besonderheiten wie z.B. ein Wechsel des Metrums verwendet?"


Obschon uns rein formal ein klassisches Sonett vorzuliegen scheint, immerhin gibt es die zwei Quartette mit dem erforderlichen Reimschema abba, sind die beiden Terzinen mit jeweils cdd-cdd schon nicht mehr regelkonform, wonach cdc-dcd erforderlich wäre, aber auch

cdc-dee oder
cdd-cee oder
ccd-eed oder
cdc-ede oder
cde-cde....... sind erlaubte Schemata

Folglich handelt es sich bei diesem Werk nur ansatzweise um ein echtes Sonett, da es ihm auch an weiteren grundlegenden Merkmalen, respektive erfüllten Kriterien gebricht, als da wären:

- Es fehlt der geforderte jambische Fünffüßler, mit einer Zäsur nach dem dritten Versfuß, stattdessen haben wir es mit einem Mix aus sechshebigen Jamben mit unterschiedlichen Kadenzen zu tun, die darüberhinaus ungleichmäßig, d.h. recht willkürlich verteilt wurden.

- Über die Sinnhaftigkeit des oftmals geforderten Aufbaus nach These im 1. Quartett, Antithese im 2. Quartett und die Synthese in den beiden Terzinen, ließe sich zwar trefflich streiten, ist hier aber eher von sekundärer Bedeutung.

Die Überprüfung des Metrums (ohne Gewähr) ergibt folgendes Bild:

Vom herrlichen Olymp erklingt Eratos Weise
Erfüllt sind kalte Hallen, von wärmendem Gesang. (kein Komma)
Wo vorher Stille hauste, dort thronet nun der Klang
Und trägt hinfort die Seelen, auf eine große Reise.
xXxxXxXxXxXXx???
xXxXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXxXxX

Die Götter lauschen leise, verstummt sind alle Schmerzen
Doch sind Lyäus`Blühten Apollon bloß ein Dorn
Es wächst wie wildes Unkraut ein zorngetränkter Sporn
Und Zorn ist stets ein Gift in sehnsuchtsvollen Herzen
xXxXxXxXxXxXxX
xXxXXxXxXxXxX
xXxXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXxXx

So muss nun einer löschen des andern wilde Glut
Doch ist bereits gemeißelt in Tränen und in Blut
Was dieser will gewinnen kann jener nur verlieren.
xXxXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXxXxX

Nun hörst Du, Zeus, die Klage, siehst Zwist und Streit und Pein
Doch kannst Du hier nicht Schlichter, nicht Mittler beider sein
Denn über Dir steht letztlich, das Urteil der Moiren.
xXxXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXxXx
xXxXxXxXxXxXxX

soweit mal im ersten Anlauf mein vorläufiger Eindruck...


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