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Das Buch beleuchtet den Nahen und Mittleren Osten während der Zeit der Kreuzzüge, und da Heinz Halm Islamwissenschafter ist, liegt der sehr quellenreiche Schwerpunkt auf der islamischen Seite mit Schwerpunkt Ägypten.

Die islamische Welt in dieser Region war vor den Kreuzzügen geteilt zwischen den schiitischen Fatamiden in Ägypten und der sunnitischen Welt mit dem Zentrum Baghdad. Syrien, die Levante und Palästina war byzantinisch beherrschte Pufferzone zwischen den beiden Herrschaftsbereichen. Dazu kommt, dass die jeweiligen Gouverneure mit ihren Herrschaftsgebieten gegenüber ihren Kalifen sowie weltlichen Herrschern auch nicht immer einig waren und eigene Machtspielchen trieben.

Noch komplizierter wurde es mit dem Eindringen der Turkmenen (unter der Herrschaft der Seldschuken) in den sunnitischen Raum, die ratzfatz die weltliche Herrschaft übernahmen, das Sultanat übernahmen und auf Expansion setzten. Die Einnahme von Jerusalem wurde schließlich zur Initialzündung der Kreuzzüge, Byzanz rief Westeuropa zu Hilfe.

Damit kamen noch einige weitere "Player" in die Region, die sich untereinander ebensowenig "grün" waren wie die islamischen Herrscher, die Kreuzfahrerstaaten schlossen immer wieder Bündnisse mit der einen oder anderen Seite, um eine Umklammerung von Ägypten und Syrien zu vermeiden. Umgekehrt wurde diese auch gesucht.

Schluss damit war mit dem berühmten Saladin, einem kurdischen Sunniten im Dienste des Kalifen von Baghdad, der militärisch den Wesir (weltlichen Herrscher des fatimidischen Ägypten) besiegte, Wesir von Ägypten wurde (die Imame waren nur mehr Kinder) und den Fatimiden den ersten Todesstoß versetzte.

Damit waren die Kreuzfahrerstaaten eingekesselt und schließlich - wie auch die Fatimiden - im Laufe des 13. Jahrhunderts dem Untergang geweiht. Halm schildert diese Geschichte minutiös.

Eingewebt ins Buch ist die Geschichte der Nizariten, einer Imam-Abspaltung von den Fatimiden, die in die westliche Geschichtsschreibung als die Assassinen eingegangen sind. Diese Ismailiten-Sekte begann auf einer Burg südlich des Kaspischen Meers. Sie waren streng hierarchisch, eigentlich nach Führerprinzip organisiert und führten spektakuläre Attentate gegen ihre (meist islamischen) Gegner durch. Ziel waren hochrangige Gegner, Halm vergleicht sie daher nicht mit Al-Qaida, sondern mit den russischen Anarchisten, die ebenso keine Attentate gegen die Zivilbevölkerung durchführten.

Im Iran konnten erst die Mongolen die Nizariten-Burgen erstürmen, die syrischen Festungen überlebten. Die Nizariten haben sich - wie in der islamischen Geschichte üblich - auch nochmal abgespalten. Ihr Führer trägt bis heute den Titel Aga Khan. Und in Syrien lebt noch eine kleine Minderheit der anderen Abspaltung.

Dass die Assassinen ihre Anschläge im Haschischrausch durchgeführt hätten, ist ein Geschichtchen eines französischen Historikers des frühen 19. Jahrhunderts und wohl totaler Blödsinn.

Was einem beim Lesen mehr oder weniger die Augen raushaut, ist die Brutalität der Kriegsführung. Belagerung, Aushungern, Niederbrennen und Abschlachten der Zivilbevölkerung ist Standard. Die Kreuzfahrerheere sind da keine negative Ausnahme, die passen sich einfach den Ortsüblichkeiten an.

Der von Lessing in "Nathan der Weise" so hochgelobte Saladin verfährt im üblichen Sinne. Als er gegen den Fatimiden-Wesir putscht, werden die nubischen und armenischen Soldaten, die bereits besiegt waren, abgeschlachtet. Seinen guten Ruf hat er nur, weil er so gütig war, nach Einnahme christlich beherrschter Städte die Zivilbevölkerung freikaufen zu lassen und nicht zu meucheln.

Interessant ist, dass islamische Glaubensrichtungen sich ratzfatz abspalten und sich gegenseitig an den Hals gehen. Gleiches ist ja auch in Spanien (ungefähr zur gleichen Zeit) geschehen, als sich die islamischen Kleinfürstentümer bildeten, jedes seine eigene Glaubensauslegung hatte und sich auch permanent an die Gurgel gegangen wurde.

https://www.chbeck.de/halm-kalifen-assassinen/product/13133380
https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-22966