Puschkin-Postmeister

Diese 1831 veröffentlichte sehr kurze Erzählung vermischt Märchenelemente (armes, schönes, fleißiges Mädchen findet ihren Prinzen und ihr Glück) mit düsteren Aspekten des Lebens im Nordwesten Russlands. Ein Postmeister leitet Pferdewechselstationen an Landstraßen.

Erzählt wird aus der Perspektive eines Reisenden, der sich beim ersten Halt an einer dieser Stationen in die damals vierzehnjährige Tochter des hiesigen Postmeisters verliebt, und der weitere Fortgang wird nach zwei weiteren Aufenthalten mit einigen Jahren Abstand von dem Vater bzw. von einem Jungen erzählt.

Dunja, die Tochter, fährt eines Tages heimlich mit einem Husaren davon, ob es sich um eine Entführung handelt oder ob beide dies gemeinsam entschieden haben, bleibt offen. Ihr Vater setzt alles daran, herauszufinden, wo und wie seine Tochter lebt, und in St. Petersburg wird er fündig. Sie lebt wohlhabend und mit Bediensteten in einer schönen Wohnung, Husar Minsky besucht sie weiterhin regelmäßig. Obwohl ihr Vater zu ihrer Wohnung findet, wird er nicht zu ihr vorgelassen und sieht sie nicht mehr.

Zurück bei seiner Poststation verfällt er dem Alkohol, immer auch von der Angst getrieben, seine Tochter würde von Minsky verstoßen und lande auf der Straße: als Straßenkehrerin oder schlimmer. Verwahrlost stirbt er und die Poststation wird an einen neuen Pächter übergeben.

Wieder Jahre später kommt der Erzähler zum dritten Mal an der Poststation vorbei, besucht das Grab des Postmeisters und erfährt von einem Jungen, dass einmal eine schöne, wohlgekleidete Frau in einer teuren Kutsche mit Kindern und einer Amme zur Station gekommen sei und sich vor dem Grab des Postmeisters weinend niedergworfen habe. Der Erzähler weiß, dass sie nicht verstoßen wurde und zu ihrem Vater - wenn auch nicht zu Lebzeiten - zurückgefunden hat.

Puschkins kleine Erzählung hat durchaus auch biblischen Bezug. In der Wohnung des alten Postmeisters hängt ein Bilderzyklus der Parabel des verlorenenen Sohns. Diese wird in der Erzählung umgedreht: Die Tochter verfällt nicht in Armut, sie muss nicht „Schweine hüten“, aber sie kommt auch nicht zu ihrem armen Vater zurück, als er noch lebt. Dieser wird in seinem Verfall allein gelassen und kann in keinster Weise am Glück seiner Tochter teilhaben.