Eurasianism

Emre Ersen ist Politikwissenschafter an der Marmara-Universität in Istanbul. Dieser Beitrag ist 2017 im Sammelband The Politics of Eurasianism. Identity, Popular Culture and Russia's Foreign Policy erschienen und auf Researchgate frei verfügbar.

In seinem Beitrag konstatiert Ersen, dass sowohl der Zerfall der Sowjetunion mit der Gründung von fünf unabhängigen Turkstaaten (Aserbaidschan, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan und Turkmenistan) wie die US-Kriege gegen Afghanistan und den Irak Anfang der Nullerjahre einen Neo-Eurasianismus in der Türkei befeuert haben, der auch geopolitischen Ideen der Zeit des Imperialismus (Halford Mackinder) wie auch des russischen Neo-Imperalismus (Alexander Dugin) rezipierte.

Aktuell sieht Ersen drei Strömungen. Die erste Strömung nennt er Turkismus und dieser konzentriert sich auf eine sprachliche, kulturelle und historische Gemeinsamkeit der Türkei mit den fünf Turkstaaten. Die zweite Strömung beruht stärker auf Geographie als auf Sprache und Kultur. Sie hat ihre Wurzeln im Turan-Gedanken. Das postulierte Einflussgebiet der Türkei umfasst neben den Turkstaaten auch Afghanistan, den Irak, Syrien, Zypern und den Balkan. Vertreter der äußeren Linken wie äußeren Rechten finden sich zum Teil in dieser Idee wieder, da sie sich damit auch in ihren antiwestlichen bzw. anti-US-amerikanischen Ideologien treffen. Die dritte Strömung ist islamisch-osmanisch ausgerichtet. Die Türkei als geistiges Zentrum einer Region, in der Muslime leben.

Ein kurzer, aber interessanter Text über unterschiedliche Facetten imperialistischer Ideen, welche die türkische politische Diskussion im Augenblick mitprägen.