Suter-Lila

Ist dieser Roman Martin Suters aus dem Jahr 2004 eine Persiflage auf den Literaturbetrieb? Der 23-jährige Kellner David Kern findet in der Schublade des bei einem Trödler gekauften Nachttisches ein Romanmanuskript eines Alfred Duster mit dem Titel Sophie, Sophie aus den 1950er Jahren, in dem die Hauptfigur Peter Landwei mit dem Motorrad an einer Tunnelwand Selbstmord begeht, da sich seine Freundin Sophie von ihm trennt.

Kern scannt den Text ein und redigiert ihn. Die Namen tauscht er aus, das Mädchen heißt nun Lila. Er gibt seiner Freundin Marie, die nach dem Abendabitur Literatur studieren will, das Manuskript mit seinem Namen als Autor, um Eindruck zu schinden, und sie ist so begeistert davon, dass sie es heimlich Verlagen schickt. Ein kleiner Literaturverlag nimmt es an und veröffentlicht das Buch. David Kern ist nun gegen seinen Willen Autor, muss Lesereisen in kleine Provinzbuchhandlungen unternehmen, doch als in einer großen Zeitung ein Starkritiker das Buch als Ende der Postmoderne und Anbruch einer neuen Literaturepoche feiert, wird das Buch zum Bestseller, Kern liest nun vor Hunderten von Menschen in ausverkauften Häusern.

Income Jacky, Jakob Stocker. Der gut 70-jährige Alkoholiker lebt in einem Männerheim von der Sozialhilfe und stellt sich bei einer Lesung bei der Autogrammstunde als Alfred Duster vor. Er setzt Kern unter Druck, verlangt Teile der Tantiemen und schafft es schließlich, als Kerns Agent zu arbeiten. Aufteilung: 50 zu 50. Sämtliche Tantiemen werden nun an ihn überwiesen, Jacky lebt in Saus und Braus und schlägt bei einer Auktion der Rechte für einen Nachfolgeroman (Plotvorschlag: Extrem adipöser Sohn erdrückt aus Eifersucht seine Mutter mit seinem Gewicht, weil sie abgenommen und einen neuen Liebhaber hat) bei einem Verlag über 200.000 Euro heraus. Insgesamt liegen auf dem Konto über vierhunderttausend Franken, Kerns Anteil wird kleinweise ausbezahlt.

Plot-Twist. Marie und David entfremden sich, sie zieht aus seiner neuen Wohnung aus, Jacky stürzt vom Balkon seines angemieteten Hotelzimmers, da die alte Eisenbrüstung bricht. Er überlebt ganzkörpergelähmt, kann aber vor seinem Tod David noch gestehen, dass er selbst auch nicht den Roman verfasst, jedoch Peter Weiland gekannt hat, der diesen Roman als Abschiedsbrief geschrieben hat. Kern geht zu Jackys Begräbnis, dessen Schwester hat Unmengen an Geld geerbt. Ob Kern selbst etwas von dem Geld sieht, bleibt offen.

Am Ende sehen wir David Kern vor dem Computer sitzen, der einen Text mit denselben Worten beginnt wie Weiland seinen.

Die Idee ist eigentlich spannend, vor allem wenn man an Literatur interessiert ist, der Roman lässt sich flott lesen, doch die Figuren sind doch zum Teil klischeehaft und eindimensional ohne Entwicklung gestaltet. Als Unterhaltung ok.