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Thomas Glavinic - Das bin doch ich
25.01.2026 um 16:02
2007 veröffentlichte der österreichische Schriftsteller Thomas Glavinic eine mehr oder weniger fiktive Autobiographie über einen eingeschränkten Zeitraum, als sein neuer Roman Die Arbeit der Nacht in den Druckfahnen war.
Wir lernen einen Schriftsteller kennen, der offen über seinen Alkoholkonsum schreibt und ihn noch nicht als Problem erkennt, und noch dazu in Geldnöten steckt, nicht zuletzt da seine Ausgaben sehr hoch sind. Glavinic wird etwa zehn Jahre später seinen Privatkonkurs einreichen müssen. Eingeflochten ist immer wieder der SMS- und Mail-Wechsel mit seinem Freund Daniel Kehlmann, der gleichzeitig durch seinen Bestseller Die Vermessung der Welt ein ansehnliches Vermögen verdient. Glavinic, der meines Erachtens nach ein hochtalentierter Schriftsteller ist, wird bis heute ein solcher Erfolg nicht beschert sein.
Neben seiner persönlichen Situation, seinen Lokalbesuchen und Partys finden sich immer wieder - meist in Dialogform - Auseinandersetzungen über auch heute noch brennende Themen: Sollen die eigenen Kinder wegen des hohen Anteils kaum deutschsprechender Kinder (in Wien derzeit etwa 40 Prozent) in Privatschulen eingeschult werden, um ihnen die Zukunftschanchen nicht zu verbauen? Wie verhält man sich einem Freund gegenüber, der aufgrund der Lage der Palästinenser Kriegsführung gegen Israel befürwortet?
Ein witzig-bedrückendes Büchlein, das es wohl nicht zuletzt wegen seiner Sprachmacht auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises gebracht hat.