Chapman-Wages

Die Ökonomin Janet G. Chapman veröffentlichte im Jahr 1963 ein akribisch gearbeitetes Werk über Reallöhne in der Sowjetunion. Dabei verwendet sie hauptsächlich öffentlich zugängliche Daten aus der Sowjetunion selbst unter Zuhilfenahme von Informationen, die Reisende ihr übermittelten, die aber eher zur Absicherung der Daten dienen. Ermittelt wurden sämtliche zugängliche Daten der Preiskommission, aber auch Daten über die freien Preise der Kolchosenmärkte aus den Jahren 1928, 1937, 1940, 1944, 1948, 1952 und 1954, wobei das Jahr 1937 als Indexjahr verwendet wird, da in diesem Jahr die Preise zwischen staatlichen Verkauffstellen und Kolchosenmärkten sich kaum unterschieden, was bedeutet, dass gesamtwirtschaftlich in diesem Jahr Angebot und Nachfrage (Geldmenge bei den Käufern) sich in etwa ausglichen. Die Herkunft der Daten für sämtliche Preise sind im Anhang exakt ausgewiesen.

Zur Ermittlung der Preissteigerungszahlen werden unterschiedliche und übliche Formeln (von Laspeyres und Paasche) verwendet und auch genau ausgewiesen, sodass alle ermittelten Zahlen nachvollziehbar präsentiert werden. Nettolöhne werden mit und ohne Berücksichtigung von kostenlosen Sozialleistungen präsentiert (Sozialversicherungsbeiträge zahlten ausschließlich die Unternehmen, es gab keine Abzüge vom Bruttolohn). Auch werden gewichtete und ungewichtete (sowjetische Berechnungen) Warenkörbe einander gegenübergestellt. Nicht berücksichtigt sind Einkommen von Kolchosbauern, da diese von den Kolchosen bezahlt wurden. Wenn überhaupt.

Von den vielen tabellarischen Datenpräsentationen sind zwei von besonderem Interesse. Die erste beantwortet die Frage nach der Reallohnentwickklung. Basisjahr ist 1937.

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Dies bedeutet, dass in den Jahren seit Beginn der Industrialisierung und der Fünf-Jahres-Pläne 1928 der Reallohn ständig gesunken ist. Die Trendumkehr beginnt letztlich nach Stalins Tod im Jahr 1954.

Auch wurde im Vergleich mit mehreren Staaten die Kaufkraft sowjetischer Einkommen ermittelt. Dieser Vergleich ergab, dass sowjetische Arbeitende zu den Ärmsten der industrialiserten Welt zählten.

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Insgesamt ein hochinteressantes Buch.