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Jason Stanley - Wie Faschismus funktioniert
26.09.2026 um 16:20
Drei Jahre nach seinem Erfolgsbuch über Propaganda veröffentlichte Jason Stanley ein ähnlich betiteltes Buch über Faschismus, wobei er diesmal konzise schreibt. Ins Deutsche wurde es 2022 übersetzt.
Diesmal beginnt er gleich zu Beginn mit einer Übersicht der Kennzeichen faschistischer Politik und stellt klar, dass für ihn Gewaltanwendung kein ausschließendes Kriterium ist. Seine zehn Merkmale faschistischer Ideologie und Politik sind:
- Schaffung einer mythischen Vergangenheit
- Verzerrung der Realität durch Propaganda
- Förderung eines Anti-Intellektualismus (Angriff auf Bildungseinrichtungen und -systeme)
- Schaffung eines Zustands der Unwirklichkeit mittels Verschwörungstheorien und Fake News
- Hierarchische Einteilung von Menschen
- Viktimisierung der eigenen Gruppe (Opfermythos)
- Eintreten für Recht und Ordnung
- Sexuelle Angst: die natürliche Hierarchie einer patriarchalischen Gesellschaft sei bedroht
- Kosmopolitische Städte als Bedrohung der Nation
- Die eigene Gruppe verdiene ihre privilegierte Stellung durch Leistung
Jedem dieser Punke ist ein Kapitel gewidmet und mit historischen wie aktuellen Beispielen versehen, die zumeist überzeugen. Diese zehn Punkte sind definitiv eine brauchbare Checkliste, um Ideologien zu hinterfragen.
Am Ende stellt sich Stanley die Frage, wie es überhaupt zur Bildung faschistischer Bewegungen kommen kann. Eine der wesentlichen Bedingungen ist für Stanley eine Gesellschaft mit großen Ungleichheiten, in der sich eine Gruppe - meist aus der dominanten Ethnie - benachteiligt fühlt, oft vermeintlich bedroht durch Außenstehende. Eine zweite (korrelierende?) sei die Auffälligkeit, dass sie während oder nach dem Zusammenbruch von Reichen sich bilden. Für Russland sieht er dies gegeben, aber auch für die USA durch den Verlust der unipolaren Vorherrschaft nach 1991 durch ein aufstrebendes China.