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The Socialist Sixties
04.10.2026 um 10:55
Dieser Band basiert auf einer Konferenz an der Universität von Illinois im Jahr 2010 und präsentiert unterschiedliche Aspekte der 60er Jahre in europäischen kommunistischen Staaten. Wie üblich bei solchen Bänden, sind die Themen weit gestreut und weniger zusammenhängend. Schwerpunkte sind die Etablierung einer Konsumkultur, verschiedene Aspekte der Jugendkultur sowie Medien unter der Fragestellung, ob die Gesellschaft hedonistisch und freizeitorientiert wird. Bezüglich Internationalisierung ist die Fragestellung, ob die übernationalen Kontakte transnational (mit Austausch von Informationen auch zwischen Individuen) oder global (Kontakt paralleler Gesellschaften ohne großen Austausch) gewesen seien.
Anfang und Mitte der 60er Jahre werden über bildliche Konzepte auch in der Sowjetunion Vorstellungen einer Konsumfülle zur Befriedigung der grundlegenden Bedürfnisse sowie der Erleichterung der Haushaltsführung mit Hilfe von Technik verbreitet, wobei jedoch das traditionelle Rollenbild der putzenden Frau nicht durchbrochen wird.
Original anzeigen (3,1 MB)
Original anzeigen (2,5 MB)Offizielle sowjetische Positionen betonten dabei die Vorzüge des sowjetischen Systems, dass die Gebrauchsgüter aufgrund des fehlenden Profitstrebens so produziert werden können, dass sie keine geplante Obsoleszenz benötigen, sprich: so gebaut werden, dass sie langlebig sind.
Ein Artikel präsentiert, wie 1960 die Ausstellung des sowjetischen Pavillons der brüsseler Weltausstellung von 1958 in Havanna mit dem Besuch von Anastas Mikojan der Punkt war, dass die kubanische Revolution den sowjetischen Weg einschlug (offiziell am 16. April 1961 mit einer Ankündigung Fidel Castros), zuvor war sie sozial mit einem nationalen Unternehmertum. Kritische Stimmen gab es, dass dies nicht bedeuten würde, dass Kuba sich zu einem Industriestaat wie die Sowjetunion entwickeln würde, sondern ein Abnehmer sowjetische Güter werden würde. Solche Stimmen wurden langsam abgewürgt wie auch unabhängige künstlerische Bewegungen (so die junge literarische Gruppe El Puente). Die Brandmarkung "Verräter der Revolution" wurde zu einem Stigma, das einen in eines der zur Armee gehörigen neu errichteten Arbeitslager bringen konnte.
Dass auch die oberste Führung etwas enttäuscht war, zeigt auch das Faktum, dass Kuba die Jugendweltfestspiele in Bulgarien im Juli 1968 nicht beschickte. Diese waren mehr oder weniger die letzte Veranstaltung im sowjetisch kontrollierten Raum, bei dem es zu Kontakt mit westlichen Linken unterschiedlicher Coleur kam, doch eine offene Diskussion wurde durch ewig lange, vorbereitete Vorträge unterlaufen, und wenn das nicht klappte, schritt der Geheimdienst auch schlagend ein, wie es der bundesdeutsche SDS-Vorsitzende Karl Dietrich Wolff am eigenen Leib erfuhr. Das transnationale Konzept ist gescheitert, einen Monat später marschieren sowjetische Truppen in der Tschechoslowakei ein.
Weitere Beiträge handeln von der Fragestellung, ob das auch von der Sowjetunion geförderte Fernsehen zu einer Vereinzelung und damit einer Entsozialisierung beitrug. Ab Beispiel des jugoslawischen Fernsehens wird die Ambivalenz anhand von satirischen Serien diskutiert. Eingegangen wird auch auf die sowjetische Barden- und "Touristenlieder"-Bewegung ("Touristenlieder" sind sowas wie Lagerfeuerlieder).
Einige Beiträge sind definitiv sehr aufschlussreich, andere interessant.