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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 15:57
Hallo Leute,
ich möchte meinen Einstieg gleich mit einem Fässchen aufmachen, das bei mir schön länger gärt:

Physik misst & rechnet– Naturphilosophie deutet & fügt zusammen! So heißt es.

Den Unterschied würde ich gerne näher beleuchten:

Was verstehen die beiden jeweils unter einer Natur-Theorie, wofür ist sie gut?
Wie entsteht eine Theorie und wann ist sie richtig?
Wie sind die mathematischen Ausdrücke zu deuten und welchen Bezug zur Realität haben sie?

Bei wiki steht:
"Die Naturphilosophie versucht, die Natur in ihrer Gesamtheit aufzufassen und in ihren allgemeinen wie partikulären Strukturen zu beschreiben, theoretisch zu erklären und zu deuten."

Kanitscheider schreibt in „Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften“
"Im Unterschied [zur Wissenschaftstheorie] beschäftigt sich die Naturphilosophie mit Fragen der Natur von Raum, Zeit, Materie, Substantialität, Kausalität, Architektur der Materie, Verbindungen des großräumigen Aufbaus der Welt mit lokalen Gesetzen, u.ä."


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 16:16
Goethe antwortete auf diese Frage wie folgt:
Von Gott, dem Vater, stammt Natur, das allerliebste Frauenbild, des Menschen Geist, ihr auf der Spur, ein treuer Werber, fand sie mild. Sie liebten sich nicht unfruchtbar, ein Kind entsprang von hohem Sinn; so ist uns allen offenbar: Naturphilosophie sei Gottes Enkelin.
Ich schätze aber, das ist es nicht, wonach du gesucht hast.

Bei UWudL habe ich dies gefunden...

Youtube: Was ist Naturphilosophie? | Naturphilosophie mit Harald Lesch (Vorlesung 1)

Ist schon mal besser als der Goethe :D


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 18:23
So, und da ich hier kein Videospam betreiben möchte, fasse ich das noch mal grob zusammen.

Also, die Naturphilosophie befasst sich quasi mit allem, während die Naturwissenschaften sich auf bestimmte Bereiche der Natur spezialisieren, und zudem eine eigene Methodik verwenden, um von der Natur Antworten zu bekommen, die sie von allein nie geben würde. Reduktion ist dabei ein wichtiges Prinzip, ebenso die Sprache der Mathematik, ohne die eine korrekte Beschreibung der Natur sowie Vorhersagen kaum vorstellbar wären.

Die Naturphilosophie stellt hingegen Fragen, die viel weiter gehen, unter anderem auch die gleichen Fragen, die von den Religionen gestellt werden, und von denen man von vornherein weiß, dass man keine objektiven Antworten bekommt. Damit fungiert sie quasi als eine Art "Puffer" zwischen den beiden Lagern. Ein wichtiger Aspekt in der Naturphilosophie ist die Rolle des Menschen. Ist er ein Teil der Natur, wie beeinflusst er die Natur ... etc. ... hier vollzieht sie einen ständigen Spagat zwischen Objektivität und Glauben.

Salopp gesagt nimmt die Naturphilosophie deutlich Dampf aus dem Kessel, indem sie (gewollt oder ungewollt) die Angriffe der gegensätzlichen Lager abfängt, und somit die Wogen etwas glättet. Zudem bietet sie eine Art Orientierung, ob man sich nach richtet ist aber eine ganz andere Frage. :D

So viel erst mal dazu, ich mach jetzt erst mal Feierabend ... bis sPeter.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 18:29
Peter0167 schrieb:Ein wichtiger Aspekt in der Naturphilosophie ist die Rolle des Menschen. Ist er ein Teil der Natur, wie beeinflusst er die Natur ... etc. ... hier vollzieht sie einen ständigen Spagat zwischen Objektivität und Glauben.
Für mich ist der Mensch ein Teil der Natur und gleichzeitig beeinflusst er auch die Natur. Dies sollten eigentlich zwei Aspekte sein ... die völlig unabhängig vom Glauben ... inzwischen wissenschaftlich bewiesen sind.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 18:40
SophiaPetrillo schrieb:Für mich ist der Mensch ein Teil der Natur und gleichzeitig beeinflusst er auch die Natur
Ich bin mir ehrlich gesagt unsicher wie du den Begriff "beeinflussen" im Zusammenhang mit dem Schlusssatz:
SophiaPetrillo schrieb:inzwischen wissenschaftlich bewiesen
definierst.
Könntest du das eben noch näher erläutern bitte?


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 19:08
pluss schrieb:Könntest du das eben noch näher erläutern bitte?
Der Mensch ist ein Teil der Natur = Evolution

Der Mensch beeinflusst/verändert die Natur. Hier als Beispiel aus den Anfängen unsere Zeit (was bis heute Gültigkeit hat) Ausrottung von Fauna und Flora z. B. durch Rodung. Er greift also durch seine Ausbreitung und durch seine immer größere Beanspruchung seines Lebensraumes in das natürliche Gleichgewicht der Natur ein und verändert sie somit.

Keine andere Spezies hat jemals soviel Einfluss auf die Natur genommen, wie der Mensch.

SpoilerMan könnte vielleicht noch Heuschrecken mit einbeziehen, die temporär auch einen hohen Anteil an der Verwüstung der Natur haben können. ;)


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 19:24
Wenn man sich mit Naturphilosophie beschäftigt, sollte man die Werke von Thoreau und Emerson gelesen haben.
Da wird nicht viel gerechnet, eher der Frage nachgegangen, was dem Menschen zu einem glücklichen Leben verhilft.

Nach so vielen Jahren immer noch lesenswert ...


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 19:27
Ok, danke @SophiaPetrillo für die nähere Erklärung.

Ich fragte nach, weil es durchaus einige gibt die in Bezug auf das Doppelspaltexperiment recht esoterische Gedanken im Zusammenhang "beeinflussen = beobachten = beeinflussen" hegen.
Mit dem Nachfragen wollte ich nur ausschließen das du zu diesen Leuten zählst.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 19:35
Zum Einstieg in dieses Thema finde ich folgende Beschreibung bzgl. der Charakteristika und den Bedingungen der Möglichkeit wissenschaftlicher und lebensweltlicher Naturauffassungen recht passend:
Was ist Naturphilosophie?

Naturphilosophie ist derjenige Bereich der Philosophie, dessen Thema Natur, das Wissen von ihr und das Verhältnis von Menschen zu ihr ist. Sie thematisiert die Charakteristika und Bedingungen der Möglichkeit der heutigen und geschichtlichen lebensweltlichen sowie wissenschaftlichen Naturauffassungen und geht deren Interdependenzen nach. Ihr Aufgabenfeld lässt sich, entsprechend der traditionellen Gliederung der Philosophie, dreiteilen in die Analyse von Natur als Inhalt bzw. Gegenstand theoretischer, praktischer und ästhetischer Urteile.

Insofern Naturphilosophie Natur als Gegenstand der Erfahrungswissenschaften thematisiert, überschneidet sie sich mit der Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften. Sie geht aber nicht – wie es manche Definitionen von Naturphilosophie unterstellen – in dieser auf. Denn sie umfasst nicht nur eine Analyse der Methodik und gesellschaftlichen Wirkungen naturwissenschaftlicher Erkenntnis, sondern auch eine Reflexion auf Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis sowie auf nicht-naturwissenschaftliche Naturauffassungen und Naturerfahrungen. Damit können zugleich stillschweigende ontologische Prämissen in den Blick geraten, die nicht nur vormodernen Wissenschaften, sondern auch modernen empirischen Naturwissenschaften immanent sind.
http://www.naturphilosophie.org/

Die Naturphilosophie beschäftigt sich zudem nicht nur mit der Historie und den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, sondern auch mit den aktuellen Entwicklungen des 21. Jahrunderts und welchen Einfluss/ Veränderungen Mensch und dessen Technik auf die Natur (und deren Folgen) nehmen wie im Abschnitt "Zentrale Aufgaben heutiger Naturphilosophie" weiter erläutert wird.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 19:39
pluss schrieb:Ich fragte nach, weil es durchaus einige gibt die in Bezug auf das Doppelspaltexperiment recht esoterische Gedanken im Zusammenhang "beeinflussen = beobachten = beeinflussen" hegen.
Oh, kannst du mal erklären, was das für esoterische Gedanken sein sollen und inwiefern sie etwas mit Naturphilosophie zu tun haben?

Die Naturphilosophie hat mit esoterischen Gedankengängen nichts am Hut, ganz im Gegenteil.
Sie ist gesellschaftskritisch, reflektiert über den Menschen als Teil der Natur und sein Verhältnis zu ihr, wohingegen in der Esoterik der Mensch oft als von natürlichen Bedingtheiten losgelöst dargestellt wird.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 19:52
Alicet schrieb:Die Naturphilosophie hat mit esoterischen Gedankengängen nichts am Hut
Habe ich gegenteiliges behauptet?
Alicet schrieb:Oh, kannst du mal erklären, was das für esoterische Gedanken sein sollen
Ja, z. B. wird gern behauptet, dass das Bewusstsein eines Beobachters (allein durch Beobachten) äußere Realitäten schafft, oder diese zumindest beeinflusst.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 19:55
pluss schrieb:Habe ich gegenteiliges behauptet?
Nein, hab ich das gesagt?
pluss schrieb:Ja, z. B. wird gern behauptet, dass das Bewusstsein eines Beobachters (allein durch Beobachten) äußere Realitäten schafft, oder diese zumindest beeinflusst.
Okay, danke.
Es hätten mich einfach nähere Einzelheiten interessiert, aber, ich sehe, dein Interesse an dieser Diskussion geht wohl eher gegen Null.

Trotzdem danke.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 20:00
pluss schrieb:Mit dem Nachfragen wollte ich nur ausschließen das du zu diesen Leuten zählst.
Nein, ich gehöre nicht zu den Esoterikern. ;)
Alicet schrieb:Oh, kannst du mal erklären, was das für esoterische Gedanken sein sollen und inwiefern sie etwas mit Naturphilosophie zu tun haben?
Naja, die Esoteriker glauben, dass sie mit Willenskraft/Gedankenkraft (Bewußtsein) Materie beeinflussen könnten. Da Materie zur Natur gehört, könnte man diese Denkweise schon als eine Art "Natur-Theorie" ansehen.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 20:16
SophiaPetrillo schrieb:Naja, die Esoteriker glauben, dass sie mit Willenskraft/Gedankenkraft (Bewußtsein) Materie beeinflussen könnten. Da Materie zur Natur gehört, könnte man diese Denkweise schon als eine Art "Natur-Theorie" ansehen.
hm, okay ...
wie gesagt, ich finde, Naturphilosophie ist das genaue Gegenteil von Esoterik

Ich finde die Ansätze der Nat.phil auch teilweise sehr modern.
Die Natur ist unsere Lebensgrundlage, wir sind an organische und ökologische Zusammenhänge gebunden.

Oder meinst du mit Esoterik das Konzept der Transzendenz? Dass wir, indem wir die Schönheit der Natur sehen, diese tief empfinden, zu uns finden, bzw. über uns und unser begrenztes Selbstkonzept hinaussehen können?
Aber auch das hat mit Beeinflussung von Materie eigentlich nichts zu tun.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

06.02.2020 um 20:30
Alicet schrieb:Oder meinst du mit Esoterik das Konzept der Transzendenz? Dass wir, indem wir die Schönheit der Natur sehen, diese tief empfinden, zu uns finden, bzw. über uns und unser begrenztes Selbstkonzept hinaussehen können?
Allein die Schönheit der Natur zu sehen und dabei tiefe Empfindungen zu haben, würde ich jetzt nicht dem esoterischen Bereich zuordnen, sondern eher einer gesunden Wahrnehmung bzw. einer Naturverbundenheit. ;)

Z. B. haben Naturvölker einen intensiveren Bezug zur Natur und achten die Natur mehr aufgrund ihrer Naturverbundenheit und das ansich hat für mich noch nichts mit Glauben zu tun.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

08.02.2020 um 13:33
@Peter0167
Peter0167 schrieb:Also, die Naturphilosophie befasst sich quasi mit allem, während die Naturwissenschaften sich auf bestimmte Bereiche der Natur spezialisieren, und zudem eine eigene Methodik verwenden, um von der Natur Antworten zu bekommen, die sie von allein nie geben würde. Reduktion ist dabei ein wichtiges Prinzip, ebenso die Sprache der Mathematik, ohne die eine korrekte Beschreibung der Natur sowie Vorhersagen kaum vorstellbar wären.
So wie ich Naturphilosophie verstanden habe, befasst sie sich nicht mit Allem, sondern mit den Naturwissenschaften selbst, deren Methoden und Resultaten. Die Naturwissenschaften arbeiten empirisch während die Naturphilosophie nur interpretiert, was die Naturwissenschaften zutage fördern.
Die Naturphilosophie stellt hingegen Fragen, die viel weiter gehen, unter anderem auch die gleichen Fragen, die von den Religionen gestellt werden, und von denen man von vornherein weiß, dass man keine objektiven Antworten bekommt. Damit fungiert sie quasi als eine Art "Puffer" zwischen den beiden Lagern. Ein wichtiger Aspekt in der Naturphilosophie ist die Rolle des Menschen. Ist er ein Teil der Natur, wie beeinflusst er die Natur ... etc. ... hier vollzieht sie einen ständigen Spagat zwischen Objektivität und Glauben.
Ich glaube nicht, dass die Naturphilosophie die gleichen Fragen wie die Religion stellt, denn sie hat ja den eigenen Anspruch die "Philosophie der Naturwissenschaften" zu sein und diese beschäftigen sich nicht mit religiösen Fragen.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

08.02.2020 um 13:36
@Alicet
Alicet schrieb:Wenn man sich mit Naturphilosophie beschäftigt, sollte man die Werke von Thoreau und Emerson gelesen haben.
Da wird nicht viel gerechnet, eher der Frage nachgegangen, was dem Menschen zu einem glücklichen Leben verhilft.
Das wäre aber eher die Aufgabe einer Ethik, oder?


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

08.02.2020 um 13:51
Alicet schrieb:wie gesagt, ich finde, Naturphilosophie ist das genaue Gegenteil von Esoterik
Das sehe ich auch so. Nach allem, was ich über Naturphilosophie erfahren habe, geht es nur um die Naturwissenschaften und wie deren Resultate im Sinne eines konsistenten Weltbildes interpretiert werden können.
SophiaPetrillo schrieb:Allein die Schönheit der Natur zu sehen und dabei tiefe Empfindungen zu haben, würde ich jetzt nicht dem esoterischen Bereich zuordnen, sondern eher einer gesunden Wahrnehmung bzw. einer Naturverbundenheit. ;)
"Schönheit" & "Empfindungen" sind zwar nicht Gegenstand der Naturphilosophie, aber es spricht nichts dagegen, dass ein sonst "objektiver" Naturphilosoph tiefe Empfindungen beim Anblick der kosmischen Schönheiten verspürt.


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

08.02.2020 um 14:05
Libertin schrieb:Die Naturphilosophie beschäftigt sich zudem nicht nur mit der Historie und den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, sondern auch mit den aktuellen Entwicklungen des 21. Jahrunderts und welchen Einfluss/ Veränderungen Mensch und dessen Technik auf die Natur (und deren Folgen) nehmen wie im Abschnitt "Zentrale Aufgaben heutiger Naturphilosophie" weiter erläutert wird.
Was mich an der Naturphilosophie am meisten interessiert, ist die Aufgabe, auf Basis der naturwissenschaftlichen Resultate ein Weltbild zu erstellen. Wie sähe dieses aus? Was ist die Ursubstanz? Sind Raumzeit und Materie getrennte Dinge? Ist die Natur selbst gesetzmäßig-mathematisch oder ist das Gesetzmäßig-mathematische eine menschliche Erfindung?


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Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?

08.02.2020 um 14:28
TangensAlpha schrieb:Kanitscheider
Meine Güte, Kanitscheider... Dunkel sagt mir der Name noch was. Oberhummer und Ditfurth fallen mir im gleichen Atemzug noch ein.
TangensAlpha schrieb:Was verstehen die beiden jeweils unter einer Natur-Theorie, wofür ist sie gut?
Wie entsteht eine Theorie und wann ist sie richtig?
Wie sind die mathematischen Ausdrücke zu deuten und welchen Bezug zur Realität haben sie?
Huh, das sind ja schon ein paar "ganz große" Fragen, die natürlich kaum mal eben in ein paar wenigen Sätzen zu beantworten sein dürften...

Ich denke, um zu verstehen, worum es bei der Naturphilosophie genau geht, wäre es wohl am ratsamsten, die Gedankengänge jener Philosophen zu studieren, von denen man sagt, dass sie sich mit Naturphilosophie beschäftig(t)en.

Einen weiteren Beitrag zum Verständnis bietet eine simple Begriffsanalyse bzw. Gegenüberstellung von Naturphilosophie und Naturwissenschaft. Letzteres dürfte bekannt sein, wird bereits in der Schule gelehrt: Biologie, Chemie, Physik... Und schnell wird auch klar, Gegenstand der Untersuchung ist im Falle der Naturwissenschaften: die Natur. :)
SophiaPetrillo schrieb:Was ist Naturphilosophie und wofür ist sie gut?
Die Frage ist so ziemlich gleichbedeutend mit der Frage: Was sind (offene) Fragen über die Natur und wofür sind sie gut? ;)

Und was dein "Fässchen" angeht...
TangensAlpha schrieb:Physik misst & rechnet– Naturphilosophie deutet & fügt zusammen! So heißt es.
Hier scheinst du Äpfel mit Gemüse vergleichen zu wollen... Eine sinnvollere Gegenüberstellung wäre die von Naturwissenschaft und Naturphilosophie, wie sich vielleicht schon aufgrund der Determinativkomposita aus Natur und Philosophie, einerseits, und Natur und Wissenschaft, andererseits, erahnen lässt. Und so geht es im ersten Fall natürlich um eine philosophische Betrachtung der Natur, im zweiten Fall um eine wissenschaftliche Betrachtung der Natur. Also reden wir letztendlich über den berühmten Unterschied zwischen Philosophie und Wissenschaft. Um beide Gebiete zu verstehen, sollte man sie möglichst und wenigstens in ihren Grundzügen studieren. Zwei, drei Wiki-Artikel lesen und fünf Youtube-Videos schauen, reicht (leider) nicht.

An und für sich kann und sollte man das Verhältnis zwischen (Natur-)Philosophie und (Natur-)Wissenschaften an halbwegs greifbaren Beispielen abarbeiten. Ein schönes Beispiel wäre etwa die Geschichte von den ersten Ideen über eine Art "Urstoff" in der Antike bzw. Vorsokratik (Thales, Anaximander, Demokrit...) bis hin zur modernen "Elementarteilchenphysik", letztendlich also implizit auch die Geschichte des Materialismus von A-Z...

"Die Ursprünge des Materialismus liegen in der griechischen Naturphilosophie."
Wikipedia: Materialismus#Geschichte

Sag' ich ja.
TangensAlpha schrieb:Nach allem, was ich über Naturphilosophie erfahren habe, geht es nur um die Naturwissenschaften und wie deren Resultate im Sinne eines konsistenten Weltbildes interpretiert werden können.
Naturwissenschaften und deren Resultate gab es in der Antike sogesehen noch gar nicht. Naturphilosophische Betrachtungen gab es aber dennoch. Daher greift dieses Verständnis von Naturphilosophie definitiv zu kurz.
TangensAlpha schrieb:Ist die Natur selbst gesetzmäßig-mathematisch oder ist das Gesetzmäßig-mathematische eine menschliche Erfindung?
Hier bist du auf dem Holzweg. Genauso könntest du fragen:

Ist die Natur selbst gesetzmäßig-physikalisch?
Ist die Natur selbst gesetzmäßig-chemisch?
Ist die Natur selbst gesetzmäßig-biologisch?
Ist die Natur selbst gesetzmäßig-geologisch?

Denn offensichtlich kommen ja auch die Naturwissenschaften nicht um (erfundene!) Modelle herum. Und die Frage etwa, ob das Bohr-sommerfeldsches Atommodell tatsächlich real ist, oder nur eine Erfindung des menschlichen Geistes, wäre gröbster Unfug. Natürlich sind es nicht unsere Modelle oder Konzepte, die real sind, sondern das, worauf sich unsere Modelle und Konzepte beziehen, sprich: Fakten. Fakten bezeichnen schlichtweg das, was Sache ist - Realität. Modelle und Konzepte wiederum sind natürlich "nur" Erfindungen des menschlichen Geistes. Wir konzeptionalisieren Realität, um sie uns begreifbar zu machen. Und ausdrücken tun wir unsere Konzepte usw. natürlich mit Hilfe von Sprache. Daher, alter Sprachphilosophen-Witz:

Woraus bestehen Atome?
SpoilerAus vier Buchstaben. ;)

Wikipedia: Semiotisches_Dreieck


Die Realität selbst kennt all unsere Konzepte nicht. Es ist bspw. recht sinnlos, zu fragen: Sind Atome oder Planeten tatsächlich real? Die Frage ist vielmehr: Sind "Atom" und "Planet" viable Konzepte, um Realität - bzw. diverse Fakten - begreifbar zu machen. Das zeigt sich eindrucksvoll am Beispiel Pluto, der ja nun seit einigen Jahren gar kein Planet mehr ist. Doch wie kann das sein? Warum ist Pluto plötzlich kein Planet mehr? Was ist passiert? Ist er geschrumpft? Ist er auseinander gefallen? Nein, natürlich nicht. Geändert hat sich hier nur eines: unser Konzept "Planet".


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