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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

361 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Genetik, Fahndung, Kriminologie ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

07.12.2016 um 14:07
@d.fense schrieb
gehen Wir mal davon aus zunächst wären die nicht "östlichen" Einwanderer ausgeschlossen worden.
Nachdem man die Reihenuntersuchguung an den restliche durch gehabt hätte hätte man um auszuschließen daß die DNA sache irrt alle anderen untersucht.
Und hätte die sache geirrt und es wäre ein tiefschwarzer teint gewesen weiß ich nicht was aus der optischen Identifizierung die angeblich schon auf messers schneide stand geworden wäre.
Ob man sich wohl die Mühe mit den Büschen und dem ÖPNV Fahren noch gemacht hätte oder hätte die Kollegin dann eher Asylantenheime durchkämmt?
Ich bin jetzt nich sicher, ob ich das komplett verstanden habe, was du da geschrieben hast. Insg. scheinst du zu spekulieren, dass Arbeit, die jetzt zum Erfog führte, nicht gemacht worden wäre, wenn man diese Ergebnisse gehabt hätte. Tja, darüber können wir trefflich spekulieren. Ich sage: Ja, die Arbeit wäre gemacht worden. Denn die Spuren wurden ja gesammelt und die Analysen begonnen, bevor klar war, ob überhaupt DNA gefunden wird und was die DNA-Analyse dann hergibt.
Im Prinzip halte ich diese Art der Unterstellung, die Polizei würde mit mehr Spuren nicht mehr sorgfältig arbeiten, für wenig hilfreich. Das Sortiment technischer Analyseverfahren wird ja kontinuierlich erweitert. Eine derartge Diskussion habe ich z.B. nie vernommen als die Isotopenanalyse die Möglichkeit ergab, die Aufenthaltsorte von Personen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Ich habe jedenfall großes Vertrauen in unsere Polizei, dass sie die ihr zur Verfügung stehenden Spurenanalysen in sinnvoller Art und Weise ausnutzt und die Ermittlungen im Lichte der Ergebnisse in bestmöglicher Art und Weise durchführt.

Du könntest, nebenbei bemerkt, übrigens genauso gut spekulieren, dass sie den Täter mit den zusätzlichen Daten schon 2 Woche früher gefasst hätten...


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

07.12.2016 um 14:08
@nephilimfield

Genau, die fortschreitende Sensitivität und die immer deutlich werdende mangelhafte Professionalität seitens der oft überforderten Ermittler vor Ort (siehe Amanda Knox) und vor allem der Laboratorien (siehe auch z.B. das Phantom von Heilbronn).

Hier ein Artikel der in meiner Gegend der Welt das Problem gerade aufgenommen hat: http://www.theatlantic.com/magazine/archive/2016/06/a-reasonable-doubt/480747/


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07.12.2016 um 14:19
@Rick_Blaine schrieb:
Genau, die fortschreitende Sensitivität und die immer deutlich werdende mangelhafte Professionalität seitens der oft überforderten Ermittler vor Ort (siehe Amanda Knox) und vor allem der Laboratorien (siehe auch z.B. das Phantom von Heilbronn).
Es gibt Fälle, in denen offensichtliche Fehler gemacht wurden. Kann man daraus aber eine Allgemeingültigkeit ableiten? Dann müsste man ja konsequenterweise für jede gesammelte Spur vermuten, dass diese unprofessionell behandelt, verwechselt oder sonstwie verhunzt wurde. Mach aber keiner, oder?

Das "Phantom von Heilbronn" war nicht auf Schluderei im Labor zurückzuführen. Das Problem wurde bei der Herstellung von Wattestäbchen verursacht und nicht im Labor. Seitdem wurden entsprechende Qualitätsstandards und -kontrollen eingeführt, die die systematische Einschleppung derartiger Fremdspuren durch die Verbrauchsmaterialien ausschliessen.


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07.12.2016 um 14:55
@kaietan
beim Phantom waren die Stäbchen afaik nicht als DNA Frei deklariert.
Daher wurde der Fehler beim Einkauf bzw. der Liefervorschrift gemacht und somit das Verfahren an sich nicht wasserdicht (so wie jeder prozeß)
Denn die LV und deren Überwachung durch Wareneingangskontrolle gehören zum Verfahren dazu
Fehler und Fehlermöglichkeiten führen zu Anwendungsvorschriften.

Wie gesagt aus Lebenserfahrung könnte man spekulieren daß langfristig eine Resourcenvershiebung stattfinden wird, keine Aufstockung.
Und da müssen zusätzliche Verfahren einschätzbar sein bzgl. "kosten" und Nutzen im Vergleich zu anderen Methoden.
Das wäre bei bereits üblichen Methoden auch wünschenswert.
Zitat von kaietankaietan schrieb:Du könntest, nebenbei bemerkt, übrigens genauso gut spekulieren, dass sie den Täter mit den zusätzlichen Daten schon 2 Woche früher gefasst hätten...
klar, und genau solche Spekulationen müssen aufgegriffen werden und durchgespielt bevor man live an Fälle rangeht. Hat der Pol. Chef das? keine Ahhnung, erwähnt hat er es nicht.

Nun haben wir die rein technischen Punkte x mal durch, Ethik ist ein zu schweres thema derzeit und Mißbrauch wie bei TK Analysen und DNA Auswertungen bereits Fälle bekannt sind derzeit öffentlich nicht diskutierbar.

@nephilimfield
Zitat von nephilimfieldnephilimfield schrieb:Gleichzeitig wird es für einen intelligenten Täter natürlich immer möglich sein, eine falsche DNA-Spur zu platzieren, was bei einem herkömmlichen Fingerabdruck natürlich schwer durchführbar ist.
Sowohl Fingerabdruck als auch DNA lassen sich doch bereits problemlos fälschen.
Selbst durch unwissende ist ein reines verbringen absichtlich oder unabsichtlich möglich

http://www.deutschlandfunk.de/dna-am-tatort-beweis-oder-trugspur.676.de.html?dram:article_id=333365
"Unsere Ergebnisse waren, dass ein tertiärer Transfer tatsächlich möglich ist und das sogar zu einem hohen Prozentsatz."

In bis zu 40 Prozent der Fälle wurden genetische Spuren übertragen. Die ursprüngliche Frage aus dem Gerichtssaal: "Kann die DNA einer Person, die nie am Tatort gewesen ist, mittels Übertragung durch den Täter an den Tatort gelangen?" muss mit "Ja" beantwortet werden.
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/chaos-computer-club-hacker-kopieren-fingerabdruck-von-ursula-von-der-leyen/11163644.html


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07.12.2016 um 16:24
@d.fense schrieb:
beim Phantom waren die Stäbchen afaik nicht als DNA Frei deklariert.
Daher wurde der Fehler beim Einkauf bzw. der Liefervorschrift gemacht und somit das Verfahren an sich nicht wasserdicht (so wie jeder prozeß)
Denn die LV und deren Überwachung durch Wareneingangskontrolle gehören zum Verfahren dazu
Fehler und Fehlermöglichkeiten führen zu Anwendungsvorschriften.
Der Einkauf hat keinen Fehler gemacht, denn es gab ja keine vorgeschriebenen Qualitätsstandards für diese Materialien, die in den entsprechenden Verfahren eingesetzt wurden. Das war, wie ich ja auch geschreiben habe, das wirkliche Problem. Rückblickend ist das natürlich Unfug, aber so war es nun mal.
@kaietan schrieb:
Du könntest, nebenbei bemerkt, übrigens genauso gut spekulieren, dass sie den Täter mit den zusätzlichen Daten schon 2 Woche früher gefasst hätten...
@d.fense schrieb:
klar, und genau solche Spekulationen müssen aufgegriffen werden und durchgespielt bevor man live an Fälle rangeht. Hat der Pol. Chef das? keine Ahhnung, erwähnt hat er es nicht.
Der Mann wurde mit 2 Sätzen zitiert. Was soll er darin schon alles erwähnt haben? Nur weil das da nicht drinsteht, zu unterstellen, man hätte so was nicht gemacht ist nicht wirklich sinnvoll. Ethische Aspekte passen meiner Meinung nach nicht in diesen Thread. Hat mit dem Titel wenig zu tun. Aber ich verstehe natürlich, dass diese Aspekte durchgedacht und diskutiert werden müssen. Das ist ganz klar.

Zum Aspekt der Spurenübertragung/Fälschung: Da hast du recht. Viele Spuren können heutzutage manipuliert werden. Das beginnt bei der Perücke, die jemand trägt, um das Aussehen zu ändern, beim Kühlen /Einfrieren von Leichen, um den Todeszeitpunkt zu verschleiern, und endet bei diversen falsch gelegten Spuren. Das Problem gab es aber schon immer und ist nicht neu bzw. exklusiv für ein bestimmtes Nachweisverfahren. Letztendlich wird man damit leben müssen, dass jemand u.U. versucht hat, falsche Spuren zu legen. Es wird aber auch immer wieder Technologien und Ansätze geben, um zumindest Anhaltspunkte zu liefern, dass getrickst wurde. Denn auch das hinterlässt ja in der Regel Spuren.


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07.12.2016 um 17:47
@Rick_Blaine
Gibt es eigentlich irgendwo Statistiken, wie oft ein solcher Massentest zur Ergreifung des Täters geführt hat?
Ich kenne leider auch keine Statistiken, die Effizienz scheint aber tatsächlich nicht allzu gross zu sein. Und selbst wenn man einen Treffer hat ist es noch ein weiter Weg zu einer Verurteilung des Täters. Ein Beispiel dafür habe ich mal in einem anderen Thread genannt, allerdings wurde dort der Täter nicht über einen Massengentest ermittelt.

Peggy Knobloch (Seite 3316) (Beitrag von HerculePoirot)
@kaietan
Wie kannst du denn wissen, dass dieser Test in diesem aktuellen Fall völlig ausreichend ist? Es liegen doch noch gar keine Ergebnisse vor. Findet man den Täter so nicht, dann war er nämlich offensichtlich nicht ausreichend.
Hier hat ja im Gegensatz zum Fall in Freiburg das Opfer überlebt und anhand ihrer Angaben konnte man die Ortschaft mittels eines Zeit-Wege-Diagramms bestimmen. Falls natürlich ihre Angaben falsch sein sollten sähe die Sache wieder anders aus. Im Idealfall könnte hier sogar ganz ohne DNA Unterschung eine einfache Gegenüberstellung die Lösung sein.
Die zusätzlichen Informationen bzgl. Haar- und Augenfarbe würden hier zwar den Kreis der Probanden nochmals deutlich verkleinern, das hilft aber nichts wenn diese Zusatzinformationen nicht zu 100% sicher sind. Am Ende würden sie vielleicht zehn blonde, blauäugige Männer zum Test einladen und der schwarzhaarige Täter würde sich ins Fäustchen lachen.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

07.12.2016 um 18:14
@HerculePoirot
Zitat von HerculePoirotHerculePoirot schrieb:das hilft aber nichts wenn diese Zusatzinformationen nicht zu 100% sicher sind. Am Ende würden sie vielleicht zehn blonde, blauäugige Männer zum Test einladen und der schwarzhaarige Täter würde sich ins Fäustchen lachen.
Wenn die DNA ergibt, dass der Täter mit 90%iger Wahrscheinlichkeit blond ist, dann wird man mit dieser Vorgehensweise in 90% der Fälle richtig liegen. Und in den restlichen zehn Prozent wird der Test dann halt ausgeweitet.
Das ist in etwa das, was jetzt auch schon passiert. In dem von dir verlinkten Fall werden zunächst nur Männer zwischen 20 und 30 Jahren getestet, denn, wie die Polizei sagt, irgendwo muss man mal anfangen.


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08.12.2016 um 09:59
@HerculePoirot schrieb:
Die zusätzlichen Informationen bzgl. Haar- und Augenfarbe würden hier zwar den Kreis der Probanden nochmals deutlich verkleinern, das hilft aber nichts wenn diese Zusatzinformationen nicht zu 100% sicher sind. Am Ende würden sie vielleicht zehn blonde, blauäugige Männer zum Test einladen und der schwarzhaarige Täter würde sich ins Fäustchen lachen.
Wieso lacht er sich ins Fäustchen? Wie bisher auch wird danach halt weiterermittelt. Ich sehe das wie nephilimfield: Es gibt dabei doch absolut keinen Unterschied zum bisherigen Vorgehen. Oder lädt man aktuell niemanden zu Test ein, wenn nicht mit 100%iger Wahrscheinlichkeit feststeht, dass der Täter auch eine Einladung erhalten wird? Diese absolute Sicherheit hat man doch nie.


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09.12.2016 um 21:51
Der LKA-Chef von Baden-Württemberg, Ralf Michelfelder, schließt sich der Gruppe der Befürworter an.
Meiner Meinung nach wird es nicht mehr lange dauern, bis die Gesetzesnovelle kommt. Befürworter an zentraler Stelle in Union, SPD, Polizei und Justiz.
Zum Segen überlasteter Polizeibeamter, verzweifelter Opferfamilien und zum Schutze der Persönlichkeitsrechte sehr vieler ansonsten zu Unrecht Verdächtiger und Untersuchter.

http://www.nwzonline.de/panorama/polizei-fordert-erweiterung-der-dna-analysen_a_31,1,4277286682.html


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

10.12.2016 um 12:24
Bisher wurden als Fürsprecher dieser Methode mit dem Freiburger Polizeipräsidenten und dem LKA-Chef von Baden-Württemberg vor allem Menschen zitiert, deren Job es ist, sowas zu fordern.

Ein Mark Zuckerberg hat ja vermutlich auch nur das Ende der Privatheit ausgerufen, weil sein Geschäftsmodell darauf beruht. Würde er mit dem Schutz von Privatsphäre Milliarden verdienen, würde er möglicherweise das Gegenteil behaupten.


Es ist wohl so, dass der Mensch die Dinge verlernt, die "Maschinen" für ihn erledigen. Durch Taschenrechner verlernten wir simples Kopfrechnen, durch Handys das Merken von Telefonnummern. Die Bereitschaft etwas zu lernen sinkt, wenn wir alles jederzeit googeln können. Dort wo "Maschinen" Bereiche des Lebens übernehmen, zieht der Mensch sich zurück.

Es wäre mal interessant zu sehen, ob die Bereitschaft, sich als Zeuge einer Straftat zur Verfügung zu stellen, sinkt, wenn wir das an Kameras und DNA-Analyse delegieren. Und was das dann für die Straftaten bedeuten würde, bei denen es weder Kamera-Aufzeichnungen noch DNA gibt.

(Hier im Forum stellt sich ja auch hin und wieder die Frage: melde ich einen Beitrag, oder halte ich mich vornehm zurück und "überlasse" das einem anderen User? Oder kümmer ich mich nicht weiter drum, weil ich mich auf die "Moderatoren-Überwachung" verlasse?)

Es kann aber auch sein, dass ein vermehrtes Wegschauen solche Methoden erst nötig macht. Dass beispielsweise ein Verlust von Zivilcourage zunehmende Kamera-Überwachung erfordert, die dann aber den Trend, sich nicht mehr einzumischen, möglicherweise verstärkt.

Das nur mal als zusätzliche Überlegung.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

14.12.2016 um 23:24
Es bewegt sich etwas in der Angelegenheit:
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/dna-analyse-kann-auch-alter-und-haarfarbe-zeigen-14574464.html

"Die Spurenkommission, das wissenschaftliche Gremium der rechtsmedizinischen und kriminaltechnischen Institute in Deutschland, hat sich für eine Ausweitung der DNA-Analyse ausgesprochen [...]"

Weiterhin heißt es:
"Die Aussagen zum wahrscheinlichen Alter, dem äußeren Erscheinungsbild oder der Herkunft eines Tatverdächtigen können der Polizei nach Ansicht der Wissenschaftler helfen, den Kreis möglicher Tatverdächtiger einzugrenzen."

Die Forscher betonen zudem, dass die Wahrscheinlichkeiten von 90-95% Trefferquote deutlich höher sind, als beispielsweise bei Zeugenaussagen.

Schade nur, dass erst ein schrecklicher Fall wie Maria L. geschehen musste, bevor Bewegung in die Sache kam.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

14.12.2016 um 23:27
aus dem oben verlinkte Artikel, weil hier immer wieder danach gefragt wurde:
Für schwarze Haare treffen die Vorhersagen im Durchschnitt bei 87 Prozent der Fälle zu, bei blonden Haaren bei 70 bis 80 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für weiße Hautfarbe liegt bei 98 Prozent, für schwarze Hautfarbe bei 95 Prozent. Schneider verweist allerdings darauf, dass die Haarfarbe sich im Alter ändern kann, dass ein Mensch mit der Anlage zu braunen Haaren auch eine Glatze bekommen oder sich die Haare färben kann. „Die Vorhersage des Alters bietet somit einen größeren praktischen Nutzen für die Ermittler als Vorhersagen der wahrscheinlichen Augen- und Haarfarbe.“



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15.12.2016 um 09:40
Interessant ist die hohe statistische Aussagekraft für die grobe geographische Herkunft:

Die Spurenkommission hebt hervor, dass aus winzigen DNA-Mengen die „kontinentale Herkunft“ einer Person aus Europa, Afrika, Ostasien, Ozeanien und Amerika (indigene Bevölkerung) mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent bestimmt werden kann.

Das Alter kann übrigens bereits bis auf Monate genau abgeleitet werden:

Marco Boks von der Universitätsklinik Utrecht in den Niederlanden untersuchte Blutproben von 96 dänischen Veteranen aus dem Afghanistan-Krieg, alle im Alter von 18 bis 53 Jahren. Die Korrelation des mittels Algorithmus berechneten und des tatsächlichen Alters lag bei 99,7 Prozent mit einem mittleren Fehler im Bereich von Monaten.

http://www.spektrum.de/news/epigenetische-uhr-verraet-unser-alter-auf-wenige-monate-genau-spektrum-de/1285389

Wenn man nun sämtliche aus der DNA extrahierten Informationen zusammennimmt (Augenfarbe, Haarfarbe, Hautfarbe, grobe Herkunft, Alter), schränkt das den Personenkreis häufig so ein, dass ein Massentest unnötig wird, was Zeit und Geld spart. Die Vorhersagekraft verringert sich natürlich mit jedem Merkmal. Hier z. B. auf ca. 0,95 x 0,8 x 0,95 x 0,999 x 0,997 = 0,72. Das heißt aber, dass die Vorselektion nach 5 persönlichen Merkmalen nach aktuellem Stand der Wissenschaft in 72% der Fälle korrekt wäre.


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15.12.2016 um 20:55
Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord in Ingolstadt nun mitteilte, habe sich aufgrund der Presseberichterstattung zur geplanten Speichelprobe ein Zeuge aus Egmating bei der Kripo gemeldet und den entscheidenden Hinweis zur Tatwohnung gegeben. Die sofortige Überprüfung der Aussage führte die Ermittler zum Wohnungsinhaber nach Österreich. Über diesen konnten zwei Tatverdächtige, ein 21-Jähriger und dessen gleichaltriger Freund, identifiziert werden.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/ebersberg/egmating-egmatingern-bleibt-gentest-erspart-1.3293029
Ich frage mich warum sich der Zeuge erst jetzt gemeldet hat. War es vielleicht einer der 108 geladenen Männer oder ein Angehöriger und wollte sich/ihm das Prozedere ersparen?
In diesem Fall hätte es natürlich keinen Treffer ergeben da die Täter nicht in Egmating gemeldet sind und somit auch keine Einladung zur Speichelprobe erhalten haben. Auch eine detaillierte DNA-Analyse hätte wohl nicht weitergeholfen da sich Österreicher und Bayern hier nicht unterscheiden lassen.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

15.12.2016 um 22:02
Zitat von HerculePoirotHerculePoirot schrieb:Auch eine detaillierte DNA-Analyse hätte wohl nicht weitergeholfen da sich Österreicher und Bayern hier nicht unterscheiden lassen.
Erst einmal erfreulich, dass die vermeintlichen Täter gefunden wurden. Allerdings verstehe ich nicht ganz worauf du mit Bezug auf das hiesige Thema hinaus möchtest. Natürlich hilft eine erweiterte DNA-Analyse nicht in jedem einzelnen Fall. Es geht lediglich darum, den Ermittlungsbehörden zusätzliche Indizien zu liefern - diese können, müssen aber nicht hilfreich sein. Abgesehen davon ging es ja nicht nur um ethnische Herkunft, sondern eben auch um Aussehen & Alter.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

16.12.2016 um 15:53
Ich habe diesen Fall hier zu einem Zeitpunkt eingestellt als die Täter noch nicht bekannt waren. Mich interessierte dabei die Frage, ob die Täter gleich im ersten Rutsch - also bei der Gruppe der 20 - 30-jährigen Männer dabei sein würden oder ob man die Auswahlkriterien ändern müsste. Wie ich jetzt lesen konnte ist es zwischenzeitlich wohl möglich das Alter mit Hilfe der detaillierten DNA-Analyse auf wenige Monate genau zu schätzen, d.h. man hätte ohne diesen Zeugen bei einem ersten Test vermutlich nur einen Bruchteil der 108 Männer zur Speichelprobe gebeten und nach und nach den Kreis der ‚Verdächtigen‘ erweitert bis schliesslich alle Männer aus Egmating erfasst worden wären. Am Ende hätte man dann aber erkennen müssen, dass entweder die Angaben des Opfers nicht genau genug waren oder dass die Täter eben nicht aus Egmating stammen.
Möglicherweise hätte ein gutes Phantombild auf DNA Basis weiterhelfen können, aber das ist natürlich alles andere als sicher.
Insofern hat dieser Fall gezeigt, dass auch mit einer detaillierten DNA-Analyse ein Täter durch das Raster fallen kann weil bereits die Auswahlkriterien für die Grundmenge falsch waren. Zum Beweis der Täterschaft dürfte jetzt ein DNA Test gar nicht mehr notwendig sein da die beiden das Wesentliche bereits gestanden haben. Der nächste Fall kommt bestimmt …


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

06.05.2021 um 17:55
Interessante Entwicklung in der Schweiz:
Dort ist gerade eine Gesetzesänderung auf den Weg gebracht worden, die der Polizei bei der Aufklärung von Verbrechen künftig mehr Möglichkeiten durch den Einsatz der erweiterten DNA-Analyse geben soll.
Ermittler können dabei anhand von Blut, Sperma oder anderen Spuren am Tatort Prognosen über das Aussehen des mutmasslichen Täters beziehungsweise der Täterin machen. Und zwar zu Haut-, Haar- und Augenfarbe, zur «biogeografischen» Herkunft und zum Alter.
Quelle: https://www.nzz.ch/schweiz/phenotyping-polizei-soll-hautfarbe-des-taeters-aus-dna-bestimmen-ld.1615177
Dank dem technischen Fortschritt könnte es künftig möglich sein, auch die Grösse oder die Haarstruktur aus der DNA herauszulesen. Der Bundesrat will die Freiheit haben, solche zusätzlichen äusseren Merkmale in den Katalog aufzunehmen, ohne das Parlament zu befragen.
Quelle: https://www.nzz.ch/schweiz/phenotyping-polizei-soll-hautfarbe-des-taeters-aus-dna-bestimmen-ld.1615177
Die Methode soll bei allen Verbrechen eingesetzt werden können – das heisst bei Delikten, die mit drei Jahren Gefängnis oder mehr bestraft werden können.
Quelle: https://www.nzz.ch/schweiz/phenotyping-polizei-soll-hautfarbe-des-taeters-aus-dna-bestimmen-ld.1615177
Das Gesetz regelt auch, dass die Polizei bei einem Verbrechen das Erbgut auf einen Verwandtschaftsbezug untersuchen darf. Wenn in der DNA-Datenbank der Bruder der Spurenlegerin erfasst ist, kann ein Abgleich der Profile zur Erfassung der Täterin führen.
Quelle: https://www.nzz.ch/schweiz/phenotyping-polizei-soll-hautfarbe-des-taeters-aus-dna-bestimmen-ld.1615177

Es werden zwei Musterbeispiele genannt, die den Nutzen der erweiterten DNA-Analyse sehr anschaulich manchen:

Beispiel 1:
In einem kleinen Dorf in den Niederlanden wird eine Frau vergewaltigt und ermordet. Die Untersuchung der DNA aus Spermaspuren weist darauf hin, dass der Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit asiatischer Herkunft ist. In dem Dorf lebt nur eine Person, auf die das zutrifft. Dem Mann wird DNA entnommen, und er kann überführt werden.
Quelle: https://www.nzz.ch/schweiz/phenotyping-polizei-soll-hautfarbe-des-taeters-aus-dna-bestimmen-ld.1615177

Beispiel 2:
1999 wird in der Nähe eines Asylzentrums eine 16-Jährige ermordet. Zuerst stehen primär die Asylsuchenden unter Verdacht – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Phenotyping deutet jedoch darauf hin, dass der Täter ein Westeuropäer ist. Die Behörden können ihre Ermittlung besser fokussieren und überführen später einen lokalen Bauern.
Quelle: https://www.nzz.ch/schweiz/phenotyping-polizei-soll-hautfarbe-des-taeters-aus-dna-bestimmen-ld.1615177


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

06.05.2021 um 18:41
Klingt alles sehr vielversprechend @Kielius und wäre in vielen Kapitalverbrechen bestimmt angebracht, um einem Fahndungserfolg nahe zu kommen. Leider kann das auf Deutschland bezogen "noch" nicht so umgesetzt werden, wie es vielleicht künftig in der Schweiz der Fall sein wird.
Das muss man abwarten, wie sich das bei uns hier mit den Jahren entwickelt. Nicht ganz so einfach, wenn man Datenschutz, Grundrechte und Persönlichkeitsrechte in Einklang bringen muss.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

06.05.2021 um 19:52
Zitat von xoxalbxoxalb schrieb:Leider kann das auf Deutschland bezogen "noch" nicht so umgesetzt werden, wie es vielleicht künftig in der Schweiz der Fall sein wird.
Was denkst du, warum es in Deutschland schwieriger umzusetzen sein sollte als in der Schweiz?
Schweiz ist auch ein Rechtsstaat, in dem Datenschutz, Grundrechte und Persönlichkeitsrechte in Einklang gebracht werden müssen.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

06.05.2021 um 22:40
Das Schweizer Staatssystem ist anders aufgebaut als das Deutsche, das ist der Unterschied. Nicht Datenschutz, Grundrechte und Persönlichkeitsrechte.


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