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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

361 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Genetik, Fahndung, Kriminologie ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

06.12.2016 um 08:37
Hier die Meinung von jemandem, der sich wirklich auskennen sollte, über das was völlig ausreichend ist - und was nicht:
Der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger hat an die Politik appelliert, eine umfassendere Auswertung von DNA-Spuren bei Fahndungen zuzulassen. Bei der Tätersuche im Fall Maria L. "hätte uns das massiv geholfen", sagte Rotzinger der Badischen Zeitung. "Wir hätten wesentlich konzentrierter die Ermittlungen vorantreiben können."
Ausserdem sagt er:
Wenn Fahndern gesetzlich erlaubt wäre, auch Augen- und Haarfarbe sowie grobe regionale Herkunft zu analysieren, "hätten wir sehr viel zielgerichteter vorgehen können", so Rotzinger. Mit einem solchen "Phantombild aus dem Labor" hätte man "viele Verdachtsfälle von vorn herein zur Seite legen können". Man erwarte von der Bundesregierung, dass sie tätig werde.
Die frage mit der dieser Thread eröffnet wurde, dürfte damit recht eindeutig beantwortet worden sein.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

06.12.2016 um 09:15
@Rick_Blaine

Wasserdichte Statistiken habe ich nicht, aber ein recht bekannter Fall ist der des Kindermörders Ronny Rieken, der bereits 1998 durch einen DNA Massentest überführt wurde.
Interessant, aber rechtlich sehr brisant war der Fall, bei dem durch eine Reihenuntersuchung ein 16-Jähriger Vergewaltiger gefasst wurde. Er fiel nicht in die ins Auge gefasste Altersgruppe, musste deshalb keine Probe abgeben. Man überführte ihn aber, weil man die Ähnlichkeit der Täter-DNA mit der des Onkels und Vaters bemerkte. "Rechtlich brisant" deshalb, weil der "familial search" in Deutschland eigentlich verboten ist.

@kaietan

Hätte man die regionale Herkunft bestimmen dürfen, hätte man sich Hunderte Tests an Studenten erspart.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

06.12.2016 um 09:37
Zitat von nephilimfieldnephilimfield schrieb:Hätte man die regionale Herkunft bestimmen dürfen, hätte man sich Hunderte Tests an Studenten erspart.
Vor allem hätte man bei hunderten Studenten einen Eingriff in deren Recht auf informationelle Selbstbestimmung aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs.1 GG vermeiden können, wenn man bei einer Abwägung ihrer Grundrechtsposition sowie der Grundrechtsposition eines Straftäters gegenüber dem - aus dem in der Verfassung verankerten Rechtsstaatsprinzip ableitbaren - Rechtsverfolgungsinteresse der Allgemeinheit erkannt hätte, daß die Erforschung der Teile der DNS, die Informationen über Herkunft und Aussehen des Täters preisgeben könnten, der verfassungsmäßig geringfügigere und damit verhältnismäßigere Eingriff gegenüber einem Massentest ist.


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06.12.2016 um 09:39
@nephilimfield
@Spurenwelpe
Zitat von nephilimfieldnephilimfield schrieb: "Rechtlich brisant" deshalb, weil der "familial search" in Deutschland eigentlich verboten ist.
Auch ein Punkt den man bei der Neufassung des §81e StPO angehen sollte.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

06.12.2016 um 13:09
@kaietan
Ermittler also Anwender sind ein Anreiz Werkzeuge, gut.
Zitat von kaietankaietan schrieb:Die frage mit der dieser Thread eröffnet wurde, dürfte damit recht eindeutig beantwortet worden sein.
Nein, noch nicht. Denn noch ist das bestimmt keine Äußerung die auf einer Analyse bzgl. Vorteil und Risiko basiert, zumindest wurde kein entsprechender Bezug erwähnt.

Wie Du ja schon dargestellt hast ist die halbe Arbeit je schon getan, man muß nur noch den sack zumachen um die Anwendbarkeit der Erkenntnisse der Versuche in der Praxis zu verifizieren.

Der Fall zeigt ja auch daß es mit guter alter Laufarbeit geht und man sich keine bessere Quote wünscht sondern Arbeit sparen will.
Das wird aber nach hinten logehen, denn dann wird Personal abgebaut und teure konventionelle Maßnahmen weniger genehmigt werden. Und man wird Trugspuren hinterherjagen was auch kostet und Rechtseingriffe hinter sich zieht.

Das ist das typische Populäraktionismus/Stellvertreter Politik, nach meiner Erfahrung mit bisherigen Gesetzesänderungen die Sparmaß... ähm Sache ist doch schon längst auf landes und EU Ebene beschlossen muß nur noch verkauft werden, keine Angst.

@Saxnot555
Die Reihenuntersuchung und ggf. die "webbasierte befragung" sind denke ich mal mit Wissen der betroffenen und freiwillig, daher kann man da nichts abwägen...
Im Gegenteil brauchte es ja scheinbar noch den Zufall daß die Hunde diese Trugspur so weit verfolgt haben um die Aktion zu starten...

Was dann sicherlich später mal ein eigenes Thema wird und die Bedenken bzgl. Auswirkung von Trugspuren und unterschiedlichen Rechtsumfang in Theorie und praxis wunderbar aufzeigt!


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06.12.2016 um 13:29
@d.fense
Klar... die Reihenuntersuchung ist "freiwillig". Das hängt natürlich von der Definition ab. Ob man sich in einer überschaubaren Gruppe von vielleicht 150 Studenten tatsächlich weigern würde, eine DNS-Probe abzugeben? Was hätte das zur Folge? M.E. handelt es sich bei der Aufforderung, eine Speichelprobe abzugeben, schon um einen faktischen Grundrechtseingriff, der nicht erforderlich wäre, wenn es möglich wäre, die DNS des Täters vollständig auszuwerten. Jede Verhältnismäßigkeitsprüfung ist eine Abwägung. Hier zwischen der Position des grundrechtsbetroffenen Dritten, des Täters und der Allgemeinheit.


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06.12.2016 um 17:16
@d.fense schrieb:
Ermittler also Anwender sind ein Anreiz Werkzeuge, gut.
Ich verstehe nur Bahnhof.
@d.fense schrieb:
Denn noch ist das bestimmt keine Äußerung die auf einer Analyse bzgl. Vorteil und Risiko basiert, zumindest wurde kein entsprechender Bezug erwähnt.
Du bist also der Überzeugung, dass der Polizeipräsident das einfach so fordert, ohne sich Gedanken über Vor- und Nachteile für die Arbeit seiner Untergebenen gemacht zu haben? Erstaunlich was für Pappnasen bei uns Polizeipräsident werden können...
@d.fense schrieb:
Wie Du ja schon dargestellt hast ist die halbe Arbeit je schon getan, man muß nur noch den sack zumachen um die Anwendbarkeit der Erkenntnisse der Versuche in der Praxis zu verifizieren.
Das dürften meine Worte nicht gewesen sein. Ich denke, dass bestimmte Auswertungen ausreichend validiert wurden und die zugrundeliegenden Technologien schon so lange in anderen Routineanalysen verwendet werden, dass man die Tests ruhigen Gewissens anwenden kann. Die Aussagen des Polizeipräsidenten würde ich mal so interpretieren, dass er das ähnlich sieht. Ich lese da zumindest nichts heraus, was dagegen sprich.
@d.fense schrieb:
Der Fall zeigt ja auch daß es mit guter alter Laufarbeit geht und man sich keine bessere Quote wünscht sondern Arbeit sparen will.
Das wird aber nach hinten logehen, denn dann wird Personal abgebaut und teure konventionelle Maßnahmen weniger genehmigt werden. Und man wird Trugspuren hinterherjagen was auch kostet und Rechtseingriffe hinter sich zieht.
Erstens ist das deine Spekulation oder hast du dafür Fakten und zweitens waren die Freiburger durch die jüngsten Fälle mehr als ausgelastet. Warum gleicht man nicht Fingerabdrücke per Hand ab? Das ist doch auch gute Laufarbeit und der automatische Analyse verbessert nicht die Quote sondern spart "nur" Arbeit. Ganz generell halte ich es für sinnvoll, Methoden einzusetzen, die helfen, die Täterermittlung zu beschleunigen. Ich habe nämlich den Eindruck, dass die Polizei nicht gerade unterfordert ist.
@d.fense schrieb:
Das ist das typische Populäraktionismus/Stellvertreter Politik, nach meiner Erfahrung mit bisherigen Gesetzesänderungen die Sparmaß... ähm Sache ist doch schon längst auf landes und EU Ebene beschlossen muß nur noch verkauft werden, keine Angst.
Sorry, ich kann nicht verstehen, was du damit ausdrücken willst. Ich vermute, da ist ein Satzteil unter die Räder gekommen.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

06.12.2016 um 18:58
@Saxnot555
sie ist freiwillig nicht "freiwillig".

Hier scheint alles falsch rüberzukommen, ich bin dafür daß Ermittler alles an Werkzeug und Mithilfe bekommen das hilfreich und zulässig ist aber in dem Augenblick wo sie Gesetze verletzen oder beugen hoffe ich gibt es Probleme.

Daher hätte man im vorliegenden Fall unter diesen Rahmenbedingungen von mir als unschuldigen nichts bekommen weil meine DNA keinen Beitrag zur Lösung hätte leisten können, scheinbar haben sich ja auch ein paar geweigert was ja auch wieder zu entrüstung führte.
Man hat damit natürlich ungewollt den öffentlichen Druck gegen Rechte von unschuldigen instrumentalisiert.

Entweder meine -unschuldige- DNA ist nicht notwendig für eine Lösung des Falles oder wenn sie so wichtig wäre würde sich innerhalb von Stunden (eigentlich Minuten) ein Richter finden der eine Abgabe obligatorisch macht. Nachdem man ihm die Sache mit dem Hund am Hörsaal erklärt hätte natürlich.


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06.12.2016 um 18:59
@kaietan
beim ersten Satz hat offensichtlich mein Browser oder ich versagt. Den Rest formuliere ich gerne um für Dich.

Auch hier die Zusammenfassung, ich bin dafür daß Ermittler efizient und wirksam arbeiten und alle Unterstützung und Hilfsmittel bekommen die sie BRAUCHEN und die ihnen HELFEN. Dies muß aber eben erst erwiesen sein.

Daß mehr Personal helfen würde ist erwiesen, also wär ich dafür. Komplexere Fragen wie Profiler, DNA Detailanalyse, Änderungen im Strafrecht oder Vollzug das müssten Erst Gutachten zeigen bevor ich für einen Feldtest bin.
Meine Meinung Als Laie.
Zitat von kaietankaietan schrieb:Du bist also der Überzeugung, dass der Polizeipräsident das einfach so fordert, ohne sich Gedanken über Vor- und Nachteile für die Arbeit seiner Untergebenen gemacht zu haben?
Nach meinem Weltbild fordern Ermittler und STA Gutachten und Untersuchungen (imho befinden Wir uns in diesem Stadium) und nachdem diese eine Empfehlung aussprechen wird Politik/der Gesetzgeber tätig.
Falls Gutachten und Arbeiten vorliegen mag er diese blos nicht erwähnt haben, dies habe ich ja als Möglichkeit offen gelassen.
Daß er diese Gutachten selbst erstellt wäre mir neu.

Ein Polizeipräsident fordert, ein Verkehrsminister fordert, Gewerkschaften fordern, eine Verteidigungs... aber untersuchen und entscheiden tun jeweils andere.
Zitat von kaietankaietan schrieb:Das dürften meine Worte nicht gewesen sein.
Deine Worte waren daß Untersuchungen mit Labordaten stattfanden. da dies nach meiner Meinung die halbe Miete ist, die Anwendbarkeit in der Praxis noch untersucht werden müsste ergab sich dieser Satz so wie er da steht. Formuliere ihn gerne um wenn Du denkst er würde etwas anderes aussagen, das war nicht meine Absicht.

Da hochrangige Politiker bereits davon reden eine Gesetzesänderung umzusetzen kann man vermuten daß man bei EU proposals fündig wird, denn dort bedienen diese sich mit "ihren" Ideen.
Die größten knaller die bisher auf diese art an die Öffentlichkeit getragen wurden wurden alle umgesetzt oder befinden sich in der Umsetzung, ein Minister reitet selten tote Pferde.
In Verbindung mit der bereits eingesetzten Instrumentalisierung aktueller Fälle dürfte es nur eine Frage von Monaten sein bis zur Umsetzung.
Ich wette zwei virtuelle Christstollen auf 2016/2017

Da imho also der Drops bereits gelutscht ist sehe ich eine Diskussion fast schon überholt, die Zeit wirds zeigen.


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07.12.2016 um 04:37
@nephilimfield
Danke, freilich Ronny Rieken war der erste, bei dem der Test erfolgreich war.

Der "Onkel"-Fall war mir auch bekannt, denn der schlug doch einige Wellen.

Aber wenn man hier einmal die Liste durchgeht, ist das Ergebnis sehr ernüchternd:

Wikipedia: DNA-Reihenuntersuchung#Hohe Kosten bei zweifelhafter Effizienz


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07.12.2016 um 05:48
@d.fense
"Sie ist freiwillig, nicht "freiwillig"...."

Ich bin beeindruckt: Freiwilligkeit besteht also darin, dass man "Nein" sagen darf....Und sodann dazu gezwungen wird!

Das ist ein Begriff von "Freiwilligkeit", der von George Orwell stammen könnte...

Und wenn man sehr viel Glück hat, begegnet man bei seiner Weigerung Wolfgang Daschner und/oder einem Richter, der ins Wochenende möchte... Viel Spaß!

Und bleib "guter Hoffnung"...


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

07.12.2016 um 10:00
Innenminister der Länder und auch Bundesjustizminister Maas befassen sich mit der Überarbeitung des §81e StPO. Einige Befürworter dabei, selbst Maas ist "gesprächsbereit"

http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/heiko-maas-zeigt-sich-gespraechsbereit--130745851.html
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.cdu-minister-wolf-und-strobl-vorstoss-fuer-fahndung-per-dna.6197df6c-3f29-43f9-82f2-e256239af5f5.html
http://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/wolf-mehr-info-aus-dna-spuren--130645737.html

Seitens der Polizei Befürwortung, u.a vom Freiburger Polizeipräsidenten Rotzinger und von Uwe Wendt.
Auch die SPD scheint das Vorhaben zu unterstützen:
Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner, erklärte: "Der Persönlichkeitsschutz des Verdächtigen muss zumindest bei schweren Straftaten hinter dem Interesse, den Täter zu ermitteln, zurückstehen."
Da geht ganz eindeutig noch was :Y:.


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07.12.2016 um 10:32
Nur als Nachfrage, weil ich es wirklich nicht verstehe:

- Augen-/Haarfarbe: ok, wenn man das tatsächlich aus der DNA herauslesen kann, dann ist das ähnlich wie bei einem Fantombild (auch wenn man diese natürlich durch Färben/Kontaktlinsen schon verändern kann, aber im Pass stünde ja zumindest die Augenfarbe.

- aber das mit der regionalen Herkunft will mir nicht einleuchten:
1) Kann man nun herausfinden, woher diese Person konkret stammt (wo sie gelebt hat, geboren wurde etc.)? Das, dachte ich, kann mir nur eine Isotopenanalyse liefern, nicht jedoch die DNA.
2) Also kann man wohl nur herausfinden, aus welcher Region die Vorfahren dieses Menschen stammten. Aber Region ist mir dann doch ein sehr weiter Begriff, so dass ich noch nicht die Fokussierung der Ermittlungen erkennen kann.
3) Selbst wenn man z.B. in dem Freiburger Fall eine afghanische Herkunft hätte herausfinden können - was hätte man dann gemacht? Keine Ermittlungen im studentischen Umfeld? Warum nicht, auch dort können ja Menschen mit afghanischer Herkunft sein? Massengentests unter Geflüchteten? Schwierig, weil man wohl auch dort nur die mit (behaupteter) afghanischer Herkunft hätte überprüfen können und die hätte man erst einmal finden müssen... Und schließlich: was macht man mit Menschen, denen man die regionale Herkunft, die vielleicht in ihrer DNA steckt, nicht ansieht/anmerkt, ja, die möglicherweise selbst nichts davon wissen? Soll man in Zukunft bei Gentests sich vorher zeigen lassen, ob die Eltern, Großeltern etc. aus der gesuchten Region kamen?

Ich befürchte eher, dass diese Möglichkeit dazu führt, dass man zu früh wichtige Spuren vernachlässigt oder zu früh bestimmte Personengruppen ausschließt (wie schon gesagt, warum hätte die Kenntnis der regionalen Herkunft Tests unter Studierenden ausgeschlossen? Da steht ja nicht: ist 2015 als minderjähriger Flüchtling nach Deutschland eingereist, sondern nur: hatte unter seinen Vorfahren Menschen afghangischer Herkunft).

Für mich wirkt das wie politischer Aktionismus, ich wüsste gerne, was Naturwissenschaftler hiervon halten.


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07.12.2016 um 12:08
@orakel09
Zitat von orakel09orakel09 schrieb: Also kann man wohl nur herausfinden, aus welcher Region die Vorfahren dieses Menschen stammten.
Das ist richtig, aber angesichts der gegenwärtigen Migrationsströme ist das eine sehr wertvolle Information.
Zitat von orakel09orakel09 schrieb:Aber Region ist mir dann doch ein sehr weiter Begriff
Europäische, asiatische oder arabische Herkunft kann man ganz gut unterscheiden. Die Y-Haplotypanalyse erlaubt auch eine relativ kleinräumige Auflösung, wie ich hier schon mal gezeigt habe:

Maria L. in Freiburg ermordet (Seite 134) (Beitrag von nephilimfield)
Zitat von orakel09orakel09 schrieb:Selbst wenn man z.B. in dem Freiburger Fall eine afghanische Herkunft hätte herausfinden können - was hätte man dann gemacht?
Nun, man hätte wohl in einem ersten Schritt alle in Freiburg und vor allem in Tatortnähe gemeldeten afghanischen Männer zur DNA-Abgabe aufgefordert und nicht die nicht-afghanischen Studenten. Der mutmaßliche Täter wäre da dabei gewesen, also hätte man ihn relativ früh identifiziert.


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07.12.2016 um 12:44
Ehrlich gesagt kann ich nicht ganz verstehen, welche
Argumente dagegen sprechen, aus einen DNA möglichst alle Erkenntnisse
auszuwerten.

Das heißt ja nicht das auf alle anderen Möglichkeiten, den Täter zu identifizieren,
verzichtet wird.


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Detaillierte DNA-Analyse sinnvoll für die Tätersuche?

07.12.2016 um 12:52
@orakel09
Deine Fragen bantwortet dir die mit dem Freiburger Fall konkret befasste Polizei folgendermaßen:
Der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger hat an die Politik appelliert, eine umfassendere Auswertung von DNA-Spuren bei Fahndungen zuzulassen. Bei der Tätersuche im Fall Maria L. "hätte uns das massiv geholfen", sagte Rotzinger der Badischen Zeitung. "Wir hätten wesentlich konzentrierter die Ermittlungen vorantreiben können." Wenn Fahndern gesetzlich erlaubt wäre, auch Augen- und Haarfarbe sowie grobe regionale Herkunft zu analysieren, "hätten wir sehr viel zielgerichteter vorgehen können", so Rotzinger. Mit einem solchen "Phantombild aus dem Labor" hätte man "viele Verdachtsfälle von vorn herein zur Seite legen können". Man erwarte von der Bundesregierung, dass sie tätig werde.
Da die sehr genau wissen, in welche Richtungen sie so ermittelt haben, sollten die beurteilen können, wie viel zielgerichteter bei einer konkretere Einengung des Täterprofils ihr Vorgehen hätte sein können. Wenn sie sagen, dass das sehr hilfreich gewesen wäre, dann muss man ihnen das erst mal glauben, denn wer sind, wir, dass wir das besser einschätzen könnten?

Als Wissenschaftler: Prinzipiell ist das Aussehen jedes Menschen durch seine DNA bestimmt. Eineiige Zwillinge belegen das sehr eindrucksvoll. Was du nicht aus der DNA lesen kannst, sind Dinge wie Narben, Verstümmelungen etc. Aber das ist ja nur die Ausnahmen und nicht die Regel. Die allermeisten unserer Merkmale werden nicht nur durch eine Stelle, sondern durch mehrere Stellen im Genom kodiert, wenn ich das mal so salopp ausdrücken darf. Indem man Informationen zu den vers. Stellen, die z.B. für die Augenfarbe bekannt sind, sammelt, kann man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersagen, welche Augenfarbe der DNA Träger hat. Für bestimmte Kombinationen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch (bis fast 100%), für andere bsilang noch eher niedrig (60%). Daher kann man im Bezug auf die Augenfarbe z.B. nicht pauschal sagen, dass eine DNA-Spur dir eine sehr hohe Gewissheit gibt. Manchmal wird das der Fall sein, manchmal bekommst du einen vagen Anhaltspunkt (z.B. mit 60%iger Wahrscheinlichkeit blau, mit 30%iger Wahrscheinlichkeit blau). Ob das dann jeweils weiterhilft, müssen die Ermittlier beurteilen. Ähnlich ist es bei der Haarfarbe. Eine dunkle Haarfarbe lässt sich z.B. sehr genau vorhersagen, bei anderen Haarfarben bekommt man eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Die ethnische Gruppe aus der deine Vorfahren ursprgl. mal stammten, lässt sich durch die DNA-Analyse recht genau bestimmen. Natürlich aber nicht die Länder oder Regionen, in die sie zwischenzeitlich mal ausgewandert sind. Da ergibt sich aber eine interessante Kombinationsmöglichkeit mit der Isotopenanalysee, falls entsprechende Spuren vorliegen. Man wird aber, wie "nephilimfield" schons schrieb, unter Umständen einige Einschränken zum mgl. Täter machen können, die fallabhängig durchaus hilfreich sein können. Ebenfalls sehr hilfreich kann die Auslesung des Alters aus der DNA sein. Das Verfahren ist inzwischen an vielen Proben validiert worden und basiert auf einer Technologhie, die eh schon routinemässig im Labor eingesetzt wird. Wie genau ein DNA-basiertes Fahnungsbild aktuell schon ist, bleibt abzuwarten. In den USA wird das aber schon genutzt und dort sollte es in absehbarer Zeit auch praktische Erfahrungen damit geben. Meiner perönlichen Meinung nach wird gerade in diesem Bereich auch noch einiges an Fortschritt zu erwarten sein.

Konkret auf den Freiburger Fall bezogen, wäre es bei entsprechender Spurenmenge (die zur Verfügung stehende DNA-Menge ist wichtig) bei einem 17 jährigen Täter theoretisch möglich gewesen, schon bei der Fahndung das Alter des Verdächtigen auf +/- 2 Jahre einzugrenzen, es wäre klar gewesen, dass er Vorfahren aus der Region Afghanistan/Pakistan hat und ein entsprechendes Erscheinungsbild. Haarfarbe und Augenfarbe wären so gewesen, dass man sie, passend zur Herkunft mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen konnte. Dass das im kokreten fall eine sehr viel zielgereichtetere Suche ermöglich hätte dürfte klar sein.


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07.12.2016 um 13:11
@Saxnot555
Zitat von Saxnot555Saxnot555 schrieb:Ich bin beeindruckt: Freiwilligkeit besteht also darin, dass man "Nein" sagen darf....Und sodann dazu gezwungen wird!
Ja, und zwar durch Bereitschaftsrichter oder reguläre und man hat eine Handhabe falls die Umstände der Auswahl der zu untersuchenden Gruppe oder Entscheidung komisch sind.
In diesem fiktiven worst case hätte ich dann meine Probe abgeben müssen und die "Gegenseite " allerdings im Gegenzug die Infos zu der Hörsaal Aktion. Nebenbei bezweifle ich daß dem so passiert wäre aus genau diesem Grund.

@kaietan
gehen Wir mal davon aus zunächst wären die nicht "östlichen" Einwanderer ausgeschlossen worden.
Nachdem man die Reihenuntersuchguung an den restliche durch gehabt hätte hätte man um auszuschließen daß die DNA sache irrt alle anderen untersucht.
Und hätte die sache geirrt und es wäre ein tiefschwarzer teint gewesen weiß ich nicht was aus der optischen Identifizierung die angeblich schon auf messers schneide stand geworden wäre.
Ob man sich wohl die Mühe mit den Büschen und dem ÖPNV Fahren noch gemacht hätte oder hätte die Kollegin dann eher Asylantenheime durchkämmt?


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07.12.2016 um 13:19
@Rick_Blaine

Genau der Einwand, der in deinem Link steht, spricht mMn für die Erfassung weiterer phänotypischer Merkmale durch genauere DNA-Auswertung:

Es ist unklar, wo schließlich eine Grenze für den Teilnehmerkreis gezogen werden soll.

Durch eine präzisere Eingrenzung wird der Teilnehmerkreis immer definierter. Im Fall Maria L. hätte man schon mal die ganzen europäischen Studenten nicht zu testen brauchen.

Vielleicht noch ein kleiner historischer Exkurs zur DNA-Reihenuntersuchung: Als die Methode des DNA-fingerprints Mitte der 80er Jahre eingeführt wurde, wurde gleich der erste Fall durch eine Reihenuntersuchung gelöst. Damals hat übrigens ein Freund des Täters für ihn die DNA abgegeben, was er aber leichtsinnigerweise in Trinklaune verraten hat.
Es wurde mit dem DNA-fingerprint übrigens nicht nur der Täter überführt, sondern auch ein bereits Verhafteter entlastet.

Wikipedia: Colin Pitchfork


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07.12.2016 um 13:33
@nephilimfield

Da hast Du Recht, sobald die Ergebnisse dieser erweiterten Analyse auch wirklich belastbar sind. Wie es derzeit damit steht, weiss ich nicht, ich erlebe nur gerade in meinem Berufsfeld, dass es genau in die entgegengesetzte Richtung geht: immer mehr Zweifel an der Zuverlässigkeit der forensischen DNA Analyse werden laut.


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07.12.2016 um 14:02
@Rick_Blaine

Ich nehme an, du meinst die Probleme, die durch die immer größere Sensitivität der Methode entstehen. Da muss man wirklich sehr gut aufpassen, wie man eine jeweilige DNA-Spur interpretiert (wie man auch im Fall Daniela Kammerer gesehen hat oder jetzt aktuell bei Peggy Knobloch).

Gleichzeitig wird es für einen intelligenten Täter natürlich immer möglich sein, eine falsche DNA-Spur zu platzieren, was bei einem herkömmlichen Fingerabdruck natürlich schwer durchführbar ist. Allerdings möchte ich wieder auf den BGH-Spruch verweisen, wonach eine DNA-Spur niemals alleine für eine Verurteilung ausreichen darf. Hier ein Bsp.:

http://www.noz.de/lokales/lingen/artikel/521929/freispruch-trotz-dna-spur-in-lingen

Was die Qualität eines DNA-Profils per se angeht, sind die Fortschritte allerdings unübersehbar. EU-Standard ist momentan z. B. die Auswertung von 16 STR-Systemen, was dazu führt, dass ein vollständiges Profil wirklich nur mehr einmal in der gesamten Menschheit vorkommt und eine zufällige Übereinstimmung praktisch ausgeschlossen ist. Und das "Next Generation Sequencing" wird dazu führen, dass man auch abgebaute (fragmentierte) DNA analysieren kann.


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