Jan_ schrieb:Zumindest erschwert man Anschlaege - so spontan mal in die Fußgängerzone fahren geht halt nicht mehr mit den Pollern.
Erschweren ist ja grundsätzlich in Ordnung. Aber die Verhältnismäßig zwischen Maßnahme und Einschränkung sollte dabei natürlich gewahrt werden. Es sollte darüber hinaus auch keine Maßnahme sein, die sinnlos ist, nur gut klingt. Da liegt das Problem. Die Poller sind z.B. nicht überall verbaut und wirksam, weil man ja auch Zulieferverkehr braucht. Der muß in die Fußgängerzone einfahren. Oder Rettungskräfte. Oder Busse. Das ergibt dann Lücken, die wieder nicht geschlossen werden können und man nutzen kann. Außerdem sind die Kübel auch eine ästhetische Beleidigung für jedes Auge. Also nur temporär eine Lösung. Jedoch nur gegen Autos. Mehr nicht. Ein Messerverbot? Geradezu lächerlich. Du kannst fast jeden erlaubten Gegenstand zu einer Hieb- und Stichwaffe machen. Außerdem ist der Kontrollaufwand viel zu groß. Das kostet nur Geld und verhindert rein gar nichts. Nur zwei Beispiele. Ich habe tatsächlich noch keine Maßnahme gesehen, die ich absolut sinnvoll finde. Ich fände es sinnvoll die Ursachen zu bekämpfen. Aber das ist scheinbar politisch nicht gewollt oder umsetzbar.
Jan_ schrieb:Heutzutage gibt es halt Sicherheitsknzepte und Dinge wie Einlasskontrollen werden ja gut akzeptiert, so ist mein Eindruck.
Einlasskontrollen für einen Weihnachtsmarkt können doch nicht die Lösung sein. Das ist übertrieben und zerstört doch jede Stimmung. Wer will schon einen Glühwein in hermetisch abgeriegelter Knastatmosphäre trinken? Dann können wir auch noch Schützengräben drumherum ziehen und Wachtürme aufbauen. Dazu lückenlose Überwachung in Bild und Ton und alle 10 Meter ein Team mit Maschinengewehr. Das ist doch wahnsinnig. Mal ehrlich, was ist denn das Signal daraus? Das wir Angst haben. Das wir uns freiwillig einschränken. Das wir auf Spaß und Freiheit verzichten, dass wir uns der Macht und dem Terror derer beugen, die solche Attentate begehen. Das ist doch der völlig falsche Weg und bestärkt diese fehlgeleiteten Subjekte noch in ihrem Handeln. Genau das wollen sie doch erreichen. Deshalb müssen wir an die Wurzeln.
Jan_ schrieb:(...) fliegen ist z.B.so sicher, weil hier ganz konsequent Sicherheit eine ganz hohe Prioritaet gegeben wird.
Wenn ein paar Leute mit Flugerfahrung auf einem Kleinflugzeug und Teppichmessern in der Hand scheinbar in der Lage sind, über 3000 unschuldige Menschen zu opfern und damit sogar Kriege auszulösen, dann ist das Fliegen nicht so wahnsinnig sicher. Auch heute nicht. Der Mitnahmesuizid des Verkehrspiloten Andreas Lubitz an Bord einer Eurowings-Maschine hat gezeigt, dass die wegen des 11. Septembers eingebauten Panzertüren zum Cockpit auch ein Sicherheitsrisiko sein können.
Für die Terroristen ist es natürlich viel kostenintensiver und komplizierter, als mit einem 30 Tonner durch eine Menschenmenge zu rasen oder eine Rohrbombe zu basteln. Zudem ist ein Attentat auf einem Weihnachtsmarkt auch ein starkes Zeichen. Es rüttelt an Glauben und am Sicherheits-/Geborgenheitsgefühl gleichermaßen. Von daher wird diese Methode auch vorgezogen. Wenn man will, kann man auch -nach wie vor- ein Flugzeug als Waffe einsetzen oder ein Attentat darauf verüben.
Jan_ schrieb:Sicherheitskleidung fuer Fahrrad- und Motrradfahrer hinterfragt man heute auch nicht mehr.
Weil sie gegen einen Fall schützt der extrem wahrscheinlicher ist als ein Attentat, nämlich einem Unfall/Sturz. Das passiert jeden Tag zig mal und es muss nicht einmal eine andere Person daran beteiligt sein. Da ist es sinnvoll, einen entsprechenden Schutz vorzuschreiben und auch damit zu leben. Aber ich persönlich möchte nicht mit Schutzweste und Helm auf den Weihnachtsmarkt gehen, nur damit ich gegen Attentate mit Messern/Schusswaffen/Sprengstoff etwas besser geschützt bin. Alles für einen Fall, der so gut wie nie eintritt:
Die Wahrscheinlichkeit bei einem Autounfall zu sterben liegt bei etwa 1:7000, durch Flugzeugabsturz bei ca.1:6000000 und durch die Folgen eines Terroranschlages bei 1:27000000. Wie sinnvoll ist es da so viele Einschränkungen in Kauf zu nehmen?
Jan_ schrieb:Man muss halt schauen, wie und warum es zu diesen 'Luecken' kam und Massnahmen treffen, um dies in Zukunft zu vermeiden. Vermutlich durch Schulung und bessere Kommunikation.
Da kann man aber mit dranbleiben. Immer mehr Maßnahmen, immer mehr Einschnitte... Und wofür? Um relativ sicher einen Glühwein hinter Betonkübeln/Bauzäunen/Einlasskontrollen und mit bewaffneten Polizeipatrouillen zu trinken? Das hat doch nichts mehr mit "stiller Nacht" zu tun. Da hat man eher den Eindruck auf einem Militärstützpunkt im Krisengebiet zu sein.
Jan_ schrieb:Das stelle ich mir echt schwer vor. Hier braucht man dann noch immer eine Datenzusammenstellung, aus der ersichtlich wird, wann jemand 'abdriftet', also anfaengt, sich zu radikalisieren.
Die Ursachen haben fast immer politische Gründe. Diese Subjekte radikalisieren sich ja im Regelfall nicht zum Spaß. Nochmal, es ist sinnvoller die Ursachen zu bekämpfen und nicht nur die Symptome.