T.Maljartschuk
Bild: Zbrud/Wikimedia. Lizenz: CC BY-SA (4.0 international)

Die ukrainische Schriftstellerin Tanja Maljartschuk hat bei ihrer Rede am Bachmann-Literaturwettbewerb in Österreich der Literatur abgeschworen, da sie an der Sprache und der Literatur verzweifelt.
Seit über einem Jahr, das sich wie drei Ewigkeiten anfühlt, führt Russland einen brutalen Angriffskrieg gegen mein Land. In dieser Welt wüten auch andere Kriege, die genauso schmerzen und stumm machen, so wie jeder Krieg aus der Vergangenheit dies getan hat. Wie mir scheint, ist es ein ewiger Krieg, der schmerzt und stumm macht und nicht aufhört, egal wie sehr wir es uns wünschen. Und das Hauptinstrument aller Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die Sprache, die schönste Gedichte hervorbringt, kann auch dazu dienen, Befehle kundzutun, zum Abschuss von Raketen, die Zivilisten töten, oder zum Vorrücken von Panzern. Die Sprache ist daher nie unschuldig [...]

Ich verdanke alles in meinem Leben der Literatur, die ich mir als Blüte am Ast eines Baumes vorstelle. Einerseits ermöglicht sie die Fortpflanzung der Ideen, und doch fällt sie bei einem Unwetter als erste ab. Auch im Donbas haben in diesem Frühling Bäume geblüht. In den verlassenen Dörfern, vor den zerbombten Häusern, über den noch nicht entdeckten Massengräbern. Ein Baum blüht, während ein Soldat ein Mädchen auf den Wurzeln des Baumes vergewaltigt. Ein blühender Baum ist machtlos und hilflos der Gewalt gegenüber, die Menschen einander antun.
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