Hoefler-Feuerwanzen

In diesem 2022 veröffentlichten Jugendbuch thematisiert Stefanie Höfler Armut in einer hochentwickelten Gesellschaft (Deutschland). Die 14-Jährigen Nityananda (Nits) und Mischa sind Freunde, Ersterer ist hyperaktiv und auch nicht der beste in der Schule, Zweiterer hochbegabt und immer mit gebügeltem weißen Hemd an der Schule. Sie kennen sich seit der Grundschule und haben noch immer ein Kleinkindhobby: Von einer Brücke auf Autos spucken. Auch wenn Mischa oft bei der Familie von Nits zu Gast war, weiß Nits jedoch nicht viel von seinem Freund, außer dass sein Vater wie ein cooler Rocker aussieht und artistisch sehr begabt ist und seine Mutter im Urwald die Tierwelt erforscht.

Doch Nits kommt langsam etwas eigenartig vor: Mischa kann nicht schwimmen gehen, da seine Badehose Löcher habe, auch sind seine Schuhe wie sein Schulrucksack in einem sehr erbärmlichen Zustand. Als Nits doch mal in die Wohnung Mischas kommt ist er schockiert: Es gibt fast keine Möbel und der Zustand ist erbärmlich. Es stellt sich heraus, dass Mischas Vater nur Gelegenheitsarbeiten nachgeht, meist bei der städtischen Müllabfuhr. Das Jugendamt beobachtet die Familie, ob die beiden Kinder (Mischa und seine kleine Schwester Amy) auch wirklich angemessen versorgt sind.

Dass Mischa Jahre lang gelogen hat, um die Armut zu verbergen, und auch an der Schule ein gefälschtes Allergieattest vorlegt, um nicht schwimmen gehen zu müssen (kein Geld für eine Badehose), wurmt ihn extrem.

Skurril wird es, als Mischas Vater verschwindet und die Kinder beobachten, wie er an einem Teich von zwei zwielichtigen Gestalten attackiert wird und diese sogar in Mischas Wohnung einbrechen. Anscheinend schuldet er ihnen Geld. In Kinderdetektiv-Manier gehen die drei Kinder (Nits, Mischa und Amy) den Typen nach und gleich ums Eck ist in einem Hinterhof deren "Hauptquartier". Dort ist aber Mischas Vater nicht, sondern er wird von einem legasthenen Dönerbudenbesitzer in der "kleinsten Dönerbude Deutschlands" versteckt.

Die Rettung: Nits Bruder Ole ist fanatischer Sportler, der jedoch alle paar Wochen die Sportart wechselt, und so verhökert Mischa als 14-Jähriger auf E-Bay Teile der Sportausrüstungen, die Ole aussortiert hat - und Nits selbst lügt auf E-Bay auch, er gibt sich als Über-Achtzehnjähriger aus. Absolut unglaubwürdig ist, dass der Klassenlehrer Nits' von ihm eine Kletterausrüstung kauft, nachdem dieser ihm versichert hat, dass sein Bruder und seine Eltern dies eh wüssten (nächste Lüge). Ein privater Geschäftskontakt zwischen Schülern und Lehrern dürfte wohl auch in Deutschland ein No-Go sein.

Gutes Ende: Auch vor der Polizei und dem Jugendamt geht alles in Ordnung, weil nicht mehr gelogen wird. Mischas Vater hat gestohlene Sportausrüstungen für eine Diebesbande verhökert und Teile des Erlöses für sich behalten, um den Kindern neue Schuhe und anderes zu kaufen. Strafe gibt es keine. Die Diebsbande wird wohl verhaftet werden können, weil die Kinder ihren Stützpunkt entdeckt haben.

Idylle am Schluss: Beide Familien essen bei Mischa zu Abend, Nits Vater repariert einen tropfenden Wasserhahn. Und die letzte Lüge purzelt: Mischas Mutter ist keine Biologin, sie ist einfach abgehaut.

Titel: Eine Feuerwanze klettert über Schuhe, anstatt sie zu umlaufen. Die Lehre liegt auf der Hand: Schwierigkeiten sollen überwunden und nicht umgangen werden.

Nochwas zur Sprache: Nits reimt gerne, nur sollte die Autorin das zumindest auch auf einem gewissen Niveau können, wenn sie reimt. Die Kapiteleingangsreime sind nicht immer geglückt.

Fazit: Pädagogischer Holzhammerroman mit zum Teil sehr an den Haaren herbeigezogenen Plottwists. Overrated (nominiert für den deutschen Jugendbuchpreis).