Wichtiger Disclaimer: Ich spreche über den Film aus filmischer Sicht. Ob er cineastisch überzeugt, nicht ideologisch.

Citizen Vigilante – der vermeintliche Skandalfilm von Uwe Boll.

Ein Medium, das den Stempel „indiziert“ bekommt, ist natürlich spannend, reizvoll. Was ist so skandalös, so böse oder „wahr“ an diesem Film, das er nicht offen beworben werden darf?

Auch ich wollte das wissen und habe ihn angeschaut.
Plot: Ein amerikanischer Geschäftsmann ist gerade in Europa tätig und bekommt die Zustände der Migrationsgewalt mit. Im Szenario des Films wird diese offen kritisiert und als klares Problem in den Nachrichten benannt. Wohingegen Juristen und Polizisten die Situation herunterspielen.
Der Mann entscheidet sich im Temu-John Wick Style, ein paar der bösen Jungs und Mädels in Selbstjustiz zu beseitigen. Während er nebenher in kleinen Abschnitten vor verpixelter Kamera seine Beweggründe schildert.

Kurz gehalten, es ist ein Trash-Actionfilm im klassisch billigen Uwe Boll Gewand.

Das einzig Kontroverse an dem Film ist die aufgegriffene, gesellschaftliche Krise, die unser aktuelles, europäisches Gesamtbild durchzieht. Sprich, das gewaltsame Zusammentreffen von Kulturen und die Verrohung der Gesellschaft im Allgemeinen.

Ein populärer Aufhänger für einen ansonsten völlig plakativen, plumpen Filmaufbau.

Der Film dauert 120min hätte seinen Inhalt aber auch in 45 Minuten erzählen können.

Es gibt lächerlich viele langgezogene Szenen. Wenn das SEK ein Haus stürmt, reicht mir als Zuschauer doch die erste Aufnahme, dass die jetzt in geschlossener Reihe die Treppe zum Haus erklimmen. Dann gerne einen Cut zum Aufbrechen der Tür. Hier kann man sie allen Ernstes 2, 3 Minuten beobachten, wie sie Treppenabsatz für Treppenabsatz, Geländer um Geländer hochlaufen bis sie endlich an der Tür sind. Das Ganze von einer vermeintlichen Actionmusik unterlegt, die so tut als wäre das gerade voll spannend.

Sein Besuch im Bordell kam so out of nowhere, dass ich erstmal mit Fragezeichen hier saß, ob das jetzt dafür ist eine Sexquote zu erfüllen, die es noch im Film-Konzept umzusetzen galt.
Fast schon unfreiwillig lustig war dann die regelrechte Monk-Auflösung, dass dem Typen die Immobilie gehört und er neben der Aktivität mit der Dame auch gleichzeitig die Räumlichkeiten inspizierte.

Das Finale war eine Mischung aus „endlich sagst mal jemand“ und gleichzeitig, aufgrund der kompletten Überspitzung, die sich durch den Film zieht, ein klarer Akt von Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und einem Versuch wie ein Freiheitskämpfer zu wirken.

Die Reaktion seiner Taten wurde natürlich ebenfalls weltfremd von den Nachrichten und Social Media aufgegriffen und gefeiert.
Es gibt keine große Konsequenz. Keine Auflösung als solches. Es gibt im Verlauf des Films Andeutungen, dass er später verhört wird, aber wie das ausgeht bleibt ungeklärt.
Der Film trifft mit seiner Kritik den Puls der Zeit, das ja. Die politische Schere, das Problem von „westlicher Lebensstil trifft auf östliches Moralverständnis“. Die Gerichtsurteile, über die man sich oft streiten kann.

Doch ernst zu nehmen ist nichts davon, denn nichts davon ist neu. Der Film will die Wut im Bauch ansprechen. Er legt dar, was jeder tagtäglich in den Medien sehen und lesen kann. Und bietet dafür eine kompromisslose, rein emotionale Kurzbefriedigung.

Ich verstehe zum Teil die Begründung der Indizierung, dass man Befürchtungen hat, er könnte Menschen motivieren dem Selbstjustiz-Schützen nachzueifern. Wie aber anfangs gesagt, der jetzt „verbotene“ Film hat gerade dadurch eine ganz neue Aura bekommen. Einen den er rein filmisch überhaupt nicht verdient hat.

Er ist eindimensional.
In dieser Wunschwelt gibt es keinen echten, bürgerlichen Widerstand gegen einen Serienmörder. Dem Film hätte rein vom Szenario eine Gegenstimme gut getan. Ein paar Demonstranten oder auch „Gutmenschen“, die den eigentlichen Ermittlungen der Polizei bei der eigenen Recherche in die Quere kommen während sie einen gemeinsamen Feind in ihm haben. Sozusagen die andere Selbstjustizfront. Oder auch eine Begegnung mit einem Migranten, die positiv verläuft, sodass das vermittelte Muster mal die Ausnahme erfährt. Ein kleiner Moment, der das schwarz-weiß, gut und böse durchbricht. Doch dafür hat der Film trotz genannter, zeitlich überstreckter Szenen, wieder keine Zeit.

Das bleibt alles außenvor. Ein Semi-cleverer Typ mit Waffenarsenal und Wortkargheit „Do you want justice?“ macht sein Ding. Okay, er sagt einige weitere Sachen, aber die Kernessenz ist halt: „Die Justiz versagt, die Politik sieht bewusst weg und die Täter bleiben ungestraft unter uns. Tut was, jetzt.“

Und das sind Aussagen, die findet man tagtäglich in den Social Medias als Abziehsticker. Nicht originell, nicht einmal rebellisch. Einfach nur ein schlechter Actionfilm, der darum jetzt so verrucht erfolgreich wird, weil er sich das passende, aufgeladene Grundthema nimmt.