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Numa Mazat & Franklin Serrano - An Analysis of the Soviet Economy
24.07.2026 um 11:50
2012 haben die beiden brasilianischen Wirtschaftswissenschafter Numa Mazat und Franklin Serrano einen kurzen Überblick über die Enwicklung des Wirtschaftswachstums der Sowjetunion seit dem Tod Stalins veröffentlicht. Dabei stützen sie sich auf die Analysen anderer Forschender und kommen zu eigentlich bereits bekannten Ergebnissen einer Dreiphasenentwicklung.
- Bis 1973 extensive Akkumulation von Kapital: Ausweitung des fixen Kapitals (neue Unternehmen, Erschließung neuer Landwirtschaftsflächen) sowie der Arbeiterschaft.
- 1973 bis 1985 war gekennzeichnet durch eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, da das Potenzial extensiven Wachstums erschöpft war und Versuche, ein intensives Wachstum zu fördern (Produktivitätssteigerung), mehr oder weniger scheiterten. Das Arbeitskraftreservoir war ausgeschöpft, die extensiv ausgebeuteten Naturressourcen begannen sich zu erschöpfen. Geprägt war diese Phase von hohen Ölpreisen, welche die inhärenten Probleme übertünchen konnten.
- Die Reformen der Perestroika zerstörten das sowjetische Wirtschaftsmodell, ohne jedoch neue Strukturen schaffen zu können. Die Wirtschaftsleistung brach ein. Das Gesetz über Staatsunternehmen beendete die Planwirtschaft, aber die Autonomie der Unternehmen führte zu Chaos und Unterversorgung. Wegen der starken Gewerkschaften wurden bis zu 90 Prozent in Löhne oder Boni gesteckt und kaum für Investitionen genutzt. Das Gesetz über Genossenschaften wurde nicht nur zur Gründung für Kleinunternehmen angewendet, sondern innerhalb von Großbetrieben wurden Genossenschaften gebildet, welche die eigenen Produkte billig aufkauften und teuer weiterverkauften. Dies verschärfte die Versorgungskrise. Das Dekret Über die Außenwirtschaftstätigkeit der staatlichen, genossenschaftlichen und anderen Unternehmen beendete das staatliche Exportmonopol. Mit diesem rechtlichen Rahmen waren die Bedingungen gegeben, dass vor allem hohe Manager großer staatlicher Unternehmen binnen kürzester Zeit ein großes Vermögen erwirtschaften konnten. Dies war für sie die Grundlage, sich zu den sogeannten Oligarchen entwickeln zu können. Den Todesstoß gaben schließlich die Nationalstaatsentwicklungen, die Ende 1991 dazu führten, dass die Sowjetunion aufhörte zu existieren.
Hier der Überblick über die Wachstumsraten in den drei Phasen:

Durchgehend problematisch waren die Priorisierung von Industriegütern gegenüber Konsumgütern sowie der hohe Aneiteil an Wirtschaftsförderung im militärisch-industriellen Sektor, dessen Entwicklungen wiederum aufgrund der Geheimhaltung keinen Spin-Off in den zivilen Bereich erbrachten.
Hier ein Überblick über die Anteilsverteilung zwischen Industriegüterproduktion und Konsumgüterproduktion bis 1975:

In der Landwirtschaft, die bis 1985 wachsende Investitionsanteile verzeichnete, waren aber neben ökonomisch-strukturellen Problemen auch die Distanzen sowie Wetterschwankungen Ursachen für die unsichere Versorgung der Bevölkerung. Der Außenhandel entsprach mit seinem hohen Anteil an Rohstoffexport (seit 1980 50 Prozent) und Fertigwarenimport eher einem Entwicklungsland als einem industrialisierten Staat. Die Industrie war von veralteten Anlagen geprägt, die kaum erneuert wurden. Der Einsatz von Investitionen betrug durchschnittlich über den beobachteten Zeitraum etwa 25 Jahre.
Das Fazit, das gezogen wird: Das sowjetische Modell des expansiven Wachstums war nicht nachhaltig, ein Wandel zu intensivem Wachstum (Produktivitätssteigerung, Einsatz neuer Technologien) war strukturell nicht möglich und Strukturreformversuche nach 1985 scheiterten.
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