Annotopia 22.08.2026

Dieses Jahr war ich spontan zusammen mit meinem Bruder am Samstag dort. Also, ich wollte sowieso hin, dass mein Bruder mitkam war das spontane Element.

Für ihn war es das erste Annotopia, für mich das vierte.

Wir sind am Nachmittag hin und die Warteschlange war deutlich entspannter als ich sie sonst kannte. Allerdings hat uns der Einzelpreis geschockt. In der Zeitung stand 15€ und mein Handy hatte 19€ gesagt. Die Wahrheit lag bei 28€.

Wir hatten einfach verpasst explizit nach den Samstagspreisen zu schauen.

Nach dieser kleinen Unannehmlichkeit ging es durch das Zeltlager der Ritter und Wikinger. Sie hatten den Eingang etwas versetzt zu dem Jahr davor, ich bin mir über den Grund unklar, mein Gefühl war, dass man direkter dazu eingeladen sein sollte durchs Zeltlager zu laufen.

Kaum angekommen standen wir vor einer abgezäunten Gruppe, die gerade Schwertkunde bekam. Das Schild besagte, dass gerade Kurzschwertunterricht war. Kaum hatten wir angehalten um uns das anzusehen, hat der Mann mit dem Schwert uns angesprochen, ob wir mitmachen wollen. Mein Bruder war sofort dabei, ich habe – zu meinem Glück – entschieden, dass ich passiv vor dem Zaun bleibe. Spontane Gruppenaktivität mit vermutlichen Schwertabläufen? Definitiv nicht.

Und ja, tatsächlich zog sich das auch einfach etwa eine halbe Stunde in der mein Bruder und etwa sieben andere Teilnehmer den Aufbau eines Schwerts, Schwerthaltungen und erste Angriffs – sowie Parierbewegungen gezeigt bekamen.

Ich war absolut froh, mich verweigert zu haben, ich hab mich innerlich das Schwert wegschmeißen, den Platz und Annotopia verlassend gesehen. Soziale Angst, innerer Druck, ein sehr sturer Schutzmechanismus in mir, sobald er getriggert ist, der mich zum Tunnelblickflüchtigen macht.

War schon besser so, ein bisschen awkward als einzig konstanter Zuschauer auf der anderen Seite des Zauns zu sein. Es gab immer wieder Zuschauerverkehr, aber ich war eben die Konstante.

Dabei sind auch die einzigen Fotos entstanden. Dieses Jahr habe ich mir gedacht, Fotos geben eh nie richtig wieder, wie es ist und entweder man ist live da oder hat Pech gehabt. Auf die Art konnte ich es auch selbst deutlich entspannter aufnehmen.

Kein Druck jetzt sozial nach einem Foto fragen zu müssen.

Schon während meines Bruders Schwerttrainings war allerhand zu sehen. Piraten, Star Wars Figuren, auch Einzelne Schwertkampfverkleidete, die das Training kommentierten.

Beispielsweise ein Orkkrieger, der abfällig nörgelte: „Die brauchen das doch gar nicht! Ich mag das nicht, wenn mein Essen sich wehrt!“

Dieser Einstieg war auch zugleich mein einziger Punkt an dem ich mich leidlich daran erinnert fühlte, dass sobald die Begleitperson sich einer Aktivität verschrieben hat, man vorerst gezwungen ist in der Nähe zu bleiben. Ich gönns den Leuten selbst, aber es bedeutet für mich: „Durchhalten!“. Zum Glück war die Sonne relativ gnädig und meine innere Erschöpfung hielt sich, als das Training abgeschlossen war, in Grenzen. Wir haben uns was zu trinken geholt und dann wars gut. Ich hatte etwas mit Bienen um meine Billig-Fanta mit Festivalpreis zu kämpfen, aber auch das war akzeptabel.

Wir sind kurz zur Endzeitszene von Resident Evil gegangen, aber der Bereich war…winzig. Ich weiß nicht, ob wir was übersehen haben, im Vergleich zum Jahr davor stand da fast nichts. Drei Umbrella Soldaten und ein paar ihrer Fahrzeuge. Irgendwo war auch noch vereinzelt Mad Max, aber wo die lagerten habe ich so nicht gesehen. Also ich vermute sie lagerten, weil uns zwei Gestalten davon entgegenkamen.

Lustig war, als ich meinen Bruder Richtung Hauptplatz führte. Er hielt den Anfangsbereich mit dem Zeltlager nämlich für das ganze Festival :D

Wir sind in die Steampunk-Ecke, weil ihn das seit Kurzem fasziniert und ich habe ihn über das Rollenspiel innerhalb der Fantasy-Festivals bezüglich „Es ist Amt“ aufgeklärt. Also über Besucher, die immersiv das Ganze als Reise durch Welten abstempeln lassen und sich quasi per Reisepass ausweisen.

Es sei erwähnt, ein durchgängiger Running Gag des Tages war, dass ich der Nerdguide bin, der ihn über alle Franchises und Genres aufzuklären hatte. Was meistens klappte. Ich kenn auch nicht alles.

Star Wars, Elfen verschiedener Art, Fluch der Karibik und derlei stellten aber kein Problem dar. Ich war sogar etwas…irritiert, dass er zwar die Uniform einer Dame als „Harry Potter“ zuordnen konnte, aber mich dann völlig ahnungslos ansah, als ich „Slytherin“ ergänzte. Von den vier Häusern Hogwarts‘ hatte er keine Ahnung.
Was das anging wunderte mich aber auch, warum Slytherin dieses Jahr dort so beliebt war. Also abgesehen von Hagrid und Dumbledore habe ich nur Slytherins dort gesehen. Verdächtig *murmelt, verschwörerisch umschau*

Mein Bruder lief dann auch in lang nicht gesehene Bekannte. Derartiges blieb mir erspart. Wen auch immer ich dort hätte kennen können, das wäre keine schöne Erinnerung gewesen. Schlicht weil meine regionale Lebensgeschichte das nicht hergibt.

Die für mich bekannten Gesichter waren zugleich distanzierte Personen, was mir zusagt. Also eine Moderatorin des Ganzen und ein Wolverine-Double. Beide kannte ich von vor zwei Jahren, als eine meiner Besten mich begleitet hatte.

Bei einem Mann in humanoider Drachenrüstung war ich eine Fingerspitze breit entfernt nach einem gemeinsamen Foto zu fragen, weil er mich nicht zu knapp an Akandors und Kakandors Hybridform aus meinem Atlanta-Buch erinnerte.
Auf der Höhe dessen hatte ich auch nach einer gewissen… Gothic-Dame aus dem Jahr zuvor Ausschau gehalten, aber diese war (zum Glück für meine Nerven und mein Herz?) nicht zu sehen.

Die Stände waren ansehnlich. Ich persönlich besitze schon viel zu viel Kram und kann immer schön sagen „meine Vitrine ist zu voll“, was stimmt, ich bräuchte eine Zweite, aber auch dafür fehle der Platz, meh. Währenddessen hat mein Bruder Gefallen dran gefunden, dort für alle Liebsten Zuhause Souvenirs abzuklappern.
Diesmal war es sogar vor der Bühne gut aushaltbar, der Bass hat mich nicht so kreislauftechnisch durchgeschüttelt wie zuvor.

Einmal hatte ich auch „Freigang“. Während mein Bruder an einer Schlange für seinen Fleischspieß anstand bin ich einmal rundgelaufen. Ironischerweise kommt mir da als erstes ein sehr menschlicher Moment hoch, da ein kleines Mädchen entsetzlich von einem Bienenstich weinte. Ich bin nach außen ein sehr distanzierter Mensch, aber fuuuck ich bin innerlich so schnell emotional verbunden. Ich hab richtig mitgelitten.

Die Stände waren erwartbar kreativ – und unkreativ, beides vertreten. Im Sinne von „erwartbar“ und „wow, ok?“
Also Accessoires etlicher Natur, Deko etlicher Natur (wieder einmal, volle Vitrine! xD), Kleidung, Waffen – fake wie real (ja, das war durch Sicherheitsmaßnahmen möglich) – und natürlich alkoholisches Allerlei. Cool fand ich kleine 3D Houses. Winzige Details für Mini-Bewohner.
Was mich immer etwas skeptisch macht sind diese realen Lootboxen, die sich „Mystery Tüte“ nennen. Teuer Geld bezahlen und dann auf etwas Gutes hoffen… Beim Gacha-Game weiß ich wenigstens ab welchem Pull was Gutes kommen MUSS (Pity-System).
Was mich irritierte war, als mein Bruder mich bat für unsere Schwester eine solche Tüte auszuwählen und ich auf mein eigentlich gutes Intuitionsgespür setzen wollte, kam da… nichts. Ganz seltsam. Keine der Tüten sprang mir wirklich ins Auge, keine hatte diesen „nimm mich“-Funken. Also habe ich mehr oder weniger einfach zugegriffen.

Gibt es noch etwas zu erzählen? Nun, die meisten Reize waren visuell und damit in Textform weniger beeindruckend.

Am Ende zählt, dass mein Bruder und ich beide abnicken konnten, hat sich gelohnt!