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Germanische Verschwörung im Jahre 9 A.D.

229 Beiträge, Schlüsselwörter: Varus, Arminius, Augustus, Kalkriese, Teutoburger Wald, Cherusker

Germanische Verschwörung im Jahre 9 A.D.

18.04.2019 um 17:12
Menedemos schrieb:Außerdem vertraute Augustus dem Varus anscheinend, sonst hätte er ihn ja gar nicht als Statthalter eingesetzt und er scheint ihm sogar nach der Niederlage persönlich wohlgesonnen geblieben zu sein, sonst hätte er kaum erlaubt, dass der von den Germanen abgehandelte Kopf des Varus von dessen Verwandten ehrenvoll bestattet werden durfte. Öffentlich äußerte sich Augustus freilich ganz anders, öffentlich machte er Varus zum Alleinschuldigen an dem Debakel - um Verantwortung von sich selbst abzulenken.
JA da bin ich ja auch völlig bei dir. Es braucht zuviele Annahmen für die VT
Menedemos schrieb:Darüberhinaus galt Varus als Verwaltungsexperte, als Bürokrat - nicht als militärischer Experte und Haudegen. In allen Provinzen, mit denen er zuvor betraut war (Afrika, "Asia", Syrien) gab es kaum oder gar keine militärischen Herausforderungen, sondern vielmehr Verwaltungsaufgaben zu lösen.
So auch mein Eindruck, kein General der Putschen könnte oder dem die Legionen folgen zum Kaiserthron.


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18.04.2019 um 17:26
Fedaykin schrieb:kein General [...] dem die Legionen folgen zum Kaiserthron
Das ist natürlich schwierig zu beurteilen. Das wussten die Putschisten oft selbst nicht sicher, ob ihre Soldaten ihnen folgen würden. Um so weniger können wir es 2000 Jahre später mit Sicherheit sagen.

Aber zur besagten Zeit (9 n.Chr.) galt es als kaum vorstellbar, dass man von den Provinzen aus den Kaiser in Rom stürzen konnte. Dass das möglich ist, wurde erst in den Wirren des Jahres 69 n.Chr. offenbar. Da schrieb Tacitus (ich glaube, es war Tacitus) sinngemäß: "Es hatte sich nun die Tatsache herumgesprochen, dass man auch außerhalb Roms Kaiser werden konnte." Aber, wie gesagt, das galt zuvor als fast unmöglich und Varus war - nach allem, was wir wissen - nicht der Mann, der es auszuprobieren wagte. Außerdem rebellierte der germanische Statthalter Vitellius 69 n.Chr. auch nicht gegen einen ruhmreichen und langjährigen Herrscher wie Augustus, sondern gegen einen Kaiser namens Galba, selbst Putschist, erst wenige Monate auf dem Kaiserthron, der zudem die wenigen Monate dazu "genutzt" hatte, nahezu alle in Rom gegen sich aufzubringen.


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Germanische Verschwörung im Jahre 9 A.D.

19.04.2019 um 11:42
@Menedemos
@Fedaykin
Menedemos schrieb:Varus war, wie gesagt, kein Verwandter von Augustus, damit kam er als dessen Nachfolger und Erbe überhaupt nicht in Betracht. Augustus hätte Varus zwar rein theoretisch adoptieren und zu seinem Nachfolger aufbauen können (spätere Kaiser sind tatsächlich adoptiert worden, wie Hadrian, Trajan, Antoninus Pius). Aber sie wurden eben über lange Jahre aufgebaut. Das war auch nötig, damit sie von der römischen Öffentlichkeit als halbwegs legitime Nachfolger akzeptiert wurden.
Varus war definitiv Mitglied der kaiserlichen Familie sein Kopf wurde im Augustus Mausoleum auf dem Marsfeld bestattet.
Varus war gemeinsam mit Tiberius Konsul, bekleidete das höchste Amt, das noch im Cursus honorum zu erreichen war ebenso wie die folgenden für die Augustus Nachfolge vorgesehen: Marcus Vipsanius Agrippa, Tiberius, Drusus, 😊
Augustus hat Varus nicht als Nachfolger aufgebaut, doch Varus hatte alle Punkte eines solchen, Agrippa wurde auch nicht adoptiert.
Militärisch anspruchsvoll war damals wie heute der Einsatz in Judäa, 50 Jahre später wurde ein Statthalter der ähnliches wie Varus dort versuchte geschlagen, was der Auslöser für den jüdischen Krieg war, von dem Flavius Josephus berichtet. Erfahrung mit militärischen Kommandos hatte er also definitiv und dabei auch bewiesen das er sehr entschlossen handeln konnte.

Es ist auch nie von mir angenommen worden das Varus die Absicht hatte gegen Augustus vorzugehen.
Es hätte ausgereicht wenn Tiberius ihn als Konkurrenz in Betracht gezogen hätte.
Augustus war damals ob seines Alters schon vakant sein Ableben nur noch eine Frage der Zeit.
Ein Varus der auch weiterhin so erfolgreich wie bisher war konnte seine Position ohne weiteres noch ausbauen und nutzen. Tiberius war nicht der Typ der solche Risiken einging.
Da Nahezu alle potentiellen Mitbewerber des Tiberius auf die unglückliche Weise ihres Todes das Feld geräumt haben. ...
@Menedemos
Danke für deine Argumentation


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19.04.2019 um 11:48
@MarcusCaelius

Beleg mal.

Scheinbar ist das dem Rest der Historiker nicht so bekannt.

Und nein der Bestattungsort allein sagt darüber nicht viel aus. Marsfeld, das Arlington der Römer


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Germanische Verschwörung im Jahre 9 A.D.

19.04.2019 um 18:37
MarcusCaelius schrieb:Varus war definitiv Mitglied der kaiserlichen Familie
Nur recht weitläufig: Er war (nacheinander) mit zwei Großnichten des Augustus verheiratet, außerdem war seine Schwester (wahrscheinlich) mit einem Großneffen des Augustus verheiratet. (Quelle: Wikipedia: Varus ). Er stand dem Kaiserhaus nahe, das ist richtig, aber "Mitglied der kaiserlichen Familie" ist zuviel gesagt.
MarcusCaelius schrieb:sein Kopf wurde im Augustus Mausoleum auf dem Marsfeld bestattet
Das halte ich für nahezu unmöglich. Zwar hat Ernst Hohl in der Zeitschrift Klio 1938 derartiges behauptet, aber seine Interpretation einer Stelle des Historikers Velleius Paterculus ist recht abenteuerlich; jedenfalls steht er mit seiner Meinung ziemlich allein, D.Timpe oder R.-P. Märtin haben ihm widersprochen.

Darum geht es: "caput [...] missum ad Caesarem gentilicii tamen tumuli sepultura honoratum est" (Vell. Pat. II,119,5)

Ich versuche mal (möglichst neutral) zu übersetzen: "Der Kopf des Varus wurde zum Kaiser geschickt und trotz allem durch eine Bestattung im Familiengrab geehrt."

Die Frage ist halt, was Velleius mit "Familiengrab" (="gentilicius tumulus") meint: Das des Augustus oder das des Varus?

Man darf davon ausgehen, dass Velleius sich nicht missverständlich ausdrücken wollte. Für ihn war die Formulierung wohl eindeutig, ebenso für seine damaligen Leser. Nur heutige Leser, denen es sowohl an Kenntnissen der lateinischen Sprache als auch bestimmter Hintergründe und Gepflogenheiten gebricht, stehen vor Schwierigkeiten.

Wir haben hier vier kritische Wörter: tumulus, gentilicius, sepultura, honorare.

"tumulus" heißt sowohl (Grab-)hügel als auch allgemein Grabmal. Ich kann mir aber schwerlich vorstellen, dass das Mausoleum des Augustus als "tumulus" bezeichnet würde, dazu war es zu groß. Allerdings hatte es trotz seiner Größe durchaus die Form eines Hügels, eines tumulus. Leider verwendet Velleius das Wort "tumulus" nur zwei Mal in seinem Werk, so dass man nicht mit letzter Sicherheit sagen kann, was er mit einem "tumulus" genau meint, weder was er allgemein meint, noch, was er an der konkreten Stelle damit meint.

"gentilicius" = "zu einem Geschlecht gehörig": Varus gehörte definitiv nicht zur Iulischen "Gens", sondern zu der der Quinctilier. Trotzdem bietet auch dieses Wort hier einen gewissen Interpretationsspielraum, da nicht klar gesagt wird, von welcher Familie gerade die Rede ist. Augustus könnte theoretisch - ja - den Mann auch ins Grab seiner Gens aufgenommen haben. Dennoch meine ich, dass sich Velleius anders ausgedrückt hätte, wenn er hätte sagen wollen, dass Varus ins Augustusmausoleum aufgenommen worden wäre. So soll es wohl schlicht und einfach heißen: Er kam in sein Familiengrab.

"sepultura" = "Begräbnis": Eine "sepultura" ist nicht einfach ein Verscharren, sondern eine gewisse feierliche Beisetzung. Ich kann mir unmöglich vorstellen, dass Augustus dem Versager Varus eine noch so bescheidene Feierstunde vor seinem Mausoleum zugestanden hätte.

"honorare" = "ehren": Augustus ehrte also den Varus. Was aber ist damit gemeint? Eine offizielle Feierstunde, ein Staatsakt? Wohl kaum. Ich deute das "honorare" eher so, dass er dem Toten "die letzte Ehre" erwies, dass er eine ordentliche Beisetzung erlaubte. Das war bei den Römern keineswegs immer eine Selbstverständlichkeit, vor allem nicht in solchen Fällen.



Zugegeben, die Interpretation der Textstelle allein, ohne Kontext, führt zu keiner absoluten Klarheit, auch wenn ich meine, dass Velleius sich ganz anders ausgedrückt hätte, wenn er das Mausoleum des Augustus gemeint hätte.


Wir müssen also den Kontext betrachten: Ins Mausoleum kamen, zumindest zu Augustus' Lebzeiten, nur ganz nahe Verwandte: Adoptivsöhne, Stiefsöhne, Schwiegersöhne, Schwestern des Kaisers. Varus gehörte einfach nicht zu diesem engen Kreis, bei Weitem nicht, warum sollte er also Aufnahme gefunden haben und noch dazu nach solch unglücklichem Agieren?

Außerdem war Augustus sehr abergläubisch, genauso seine Landsleute. Sein und seiner Familie Grabmal mit dem Kopf eines Versagers, eines Unglücksraben zu beschmutzen, zu entweihen, ja zu verfluchen, ist UNDENKBAR!

Vom Aberglauben abgesehen: Augustus musste die Katastrophe in Germanien verkapseln, die Verantwortung abschieben! Das tat er, dass er die Ereignisse als "clades Variana", also als "Niederlage des Varus" der Öffentlichkeit verkaufte. Nicht seine Niederlage, nein, Varus war schuld, und zwar alleine. Seine Weltfremdheit, seine Naivität, sein diplomatisch Ungeschick, seine militärische Inkompetenz habe die Niederlage verschuldet, so war die offizielle Lesart. Hätte er Varus in sein Familiengrab aufgenommen, wäre diese Propaganda konterkariert worden. Plötzlich wäre die Niederlage doch wieder das Problem des Augustus und seiner Familie gewesen. Wäre völlig bescheuert gewesen, so etwas zu tun. Selbst wenn Augustus und Varus sich zuvor sehr nahegestanden hätten, wie du postulierst, hätte sich Augustus zumindest hinterher von Varus deutlich distanzieren müssen.

Mein Fazit ist, dass die Textstelle eben doch sehr eindeutig ist. Velleius hat sich anscheinend überhaupt nicht vorstellen können, dass jemals Leute auf die Idee kommen könnten, mit "gentilicius tumulus" könnte das Grabmal des Augustus gemeint sein. Sonst hätte er sich wohl klarer ausgedrückt. Aber das erschien ihm wahrscheinlich als dermaßen abwegig, dass er gar nicht darüber nachgedacht hat.


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19.04.2019 um 19:01
Nachtrag:

@MarcusCaelius

Auch wenn ich bisher vor allem widersprochen habe - interessant ist deine Hypothese trotzdem!!


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Germanische Verschwörung im Jahre 9 A.D.

19.04.2019 um 20:21
@MarcusCaelius
@Fedaykin


Noch ein Nachtrag:

Also, wie gesagt, eine steile These von @MarcusCaelius ! Aber nicht sooo absurd, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Habe hier auf Allmy jedenfalls schon wesentlich größeren Unsinn gelesen...

Überzeugt bin ich noch nicht! Und dass der Kopf des Varus im Augustusmausoleum gelandet ist, halte ich für nahezu unmöglich. Aber die Grundthese ist durchaus einer Überlegung wert:

Augustus schätzte seinen designierten Nachfolger, Tiberius, nicht besonders, das ist hinlänglich bekannt. Tiberius hatte dazu maßgeblich beigetragen, Germanien zu erobern. Ein endgültiger Sieg, gar die Ausrufung einer neuen Provinz, war aber noch nicht erfolgt. Zu diesem Ziel hin sollte aber Varus arbeiten. Sah Tiberius seine Felle davonschwimmen, sich um seinen Ruhm gebracht?

Ein in Germanien erfolgreicher Varus hätte unter Umständen wirklich zu einer Gefahr für Tiberius werden können. Wie lange Augustus noch zu leben hatte, wusste keiner, womöglich hätte er noch Zeit gehabt, Varus als Nachfolger zu installieren. Dass er Varus sehr schätzte, glaube ich auch, er hatte ihm zuvor schon die reichsten Provinzen übertragen und mit Germanien eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe übertragen.

Hinterher wurde natürlich alles ganz anders dargestellt. Augustus selbst distanzierte sich öffentlich von Varus, musste er tun, um nicht selbst Schuld an dem Debakel zu tragen. Aber richtig gehässig wurde die Varus-Darstellung in der Tat erst zu Zeiten des Tiberius. Dadurch wurde das Geschichtsbild natürlich ziemlich verzerrt.

Aber bewiesen ist natürlich noch nichts. Eine offene Frage ist z.B., was eigentlich Arminius davon gehabt hätte, sich als Handlanger in so einem innerrömischen Komplott bereitzufinden. Klientelverhältnis zu Tiberius - reicht das aus? Zumal das auch erst noch bewiesen werden müsste, das es das gab. Was konnte Tiberius ihm bieten?

Aber ohne Parallele wäre eine solche Instrumentalisierung nicht: Im Bürgerkriegsjahr 69 n.Chr. kämpfte der Germane Iulius Civilis gegen die römischen Soldaten am Rhein - weil er anscheinend von dem Putschisten (und späteren Kaiser) Vespasian dazu aufgefordert worden war (siehe R.Urban, "Bataveraufstand" und "Gallia rebellis").

Aber, wie gesagt, es gibt noch viel zu tun... Bis dato ist es nicht mehr und nicht weniger als eine interessante Idee. Möglicherweise auch unbeweisbar.


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Germanische Verschwörung im Jahre 9 A.D.

23.04.2019 um 11:53
Auch wenn sich @MarcusCaelius vorerst nicht mehr meldet, möchte ich noch ein paar Gedanken ergänzen:

Zunächst zu der Behauptung, Quinctilius Varus habe die Ehre bekommen, im Augustusmausoleum bestattet zu werden. Je mehr ich darüber nachdenke, um so unsinniger erscheint mir diese Interpretation der Velleiusstelle (siehe früheres Post).

"caput [...] missum ad Caesarem gentilicii tamen tumuli sepultura honoratum est" (Vell. Pat. II,119,5)

Velleius wollte sich, wie gesagt, nicht unverständlich ausdrücken. Wenn er schreibt, Varus kam ins Familiengrab, dann meint er sicherlich damit, was jeder Leser als Erstes annimmt: Dass er in sein Familiengrab kam, also das der Quinctilier - da gehört er nämlich hin. Wäre Varus im Familiengrab der Iulier (wo er nicht hingehört), also im Augustusmausoleum bestattet worden, wäre das nicht nur reichlich merkwürdig, Velleius hätte es dann auch ganz anders formuliert.

Das Einzige, was an der Stelle auf den ersten Blick etwas seltsam klingt und zu der besagten Interpretation Anlass geben könnte, ist die Formulierung "honoratum est" = "er wurde [durch das Begräbnis] geehrt".

Aber die Passivformulierung hat kein Agens. Es steht nicht da, dass Augustus ihn geehrt hat (was ich zunächst auch irrtümlich so verstanden habe). Es könnte seine Familie gemeint sein, vielleicht ist es auch allgemein gemeint.

Dazu muss man die Vorgeschichte bedenken: Varus ist auf dem Schlachtfeld im tiefsten Germanien gestorben. Seine Leiche kam in die Hände des Arminius, der den Leichnam verstümmelte, indem er den Kopf abtrennen ließ. Arminius schickte die "Trophäe" anschließend nach Böhmen an den Markomannenfürsten Marbod, der sich an dem Aufstand nicht beteiligt hatte, offenbar um zu sagen: "Da schau her, du Feigling, was MIR gelungen ist!" Marbod wiederum konnte mit dem Kopf nichts anfangen und wollte sich wohl auch im Nachhinein nicht in die Sache hineinziehen lassen. Er sendete das grausliche Haupt nach Rom weiter, zu Augustus. Doch damit war die Reise des Varuskopfes noch nicht ganz zu Ende. Augustus hätte das verwesende Etwas, das ja auch Dokument seiner eigenen Niederlage war, in den Tiber werfen lassen können. Das tat er aber nicht, sondern übergab den Kopf des Varus dessen Familie zu einer ehrenhaften Bestattung.

Angesichts dieser Vorgeschichte, dieses Irrwegs kann man es sehr wohl als erwähnenswert betrachten, dass die sterblichen Überreste des Varus am Ende noch im Familiengrab beigesetzt werden konnten, dass die Angehörigen ihm noch die letzte Ehre geben konnten und er im Kreise seiner Ahnen seine letzte Ruhe finden durfte. Damit erklärt sich die Formulierung "honoratum est" m.E. vollständig.

Es wäre auch, wie gesagt, undenkbar, dass Augustus mit dem Kopf eines Versagers Fluch und Schande auf das Grabmal seines eigenen Geschlechts gelegt hätte.




Den Gedanken, dass Tiberius den Varus als Rivalen betrachtete, halte ich aber nach wie vor für interessant und weiter verfolgungswert.

Dass Tiberius jedoch Arminius aufgestachelt haben soll, Varus durch einen germanischen Aufstand zu beseitigen, ist meiner Meinung nach jedoch abwegig:

1. Es fehlt darauf meines Wissens nach jeder Hinweis in den antiken Quellen. Ein Motiv allein macht noch keine Tat. Daher dürfte die Behauptung unbeweisbar bleiben.

2. Hätte Tiberius keine andere Möglichkeit gehabt, Varus loszuwerden? Hätte er dazu Zigtausende römische Soldaten opfern müssen?

3. Nach seiner Machtübernahme führte Tiberius Krieg gegen Arminius, um Rache zu nehmen und um Germanien vielleicht doch noch zu erobern. Zwar etwas halbherzig, wie manche meinten, aber immerhin. Arminius hatte sich in dieser Zeit nie beschwert oder irgendwie auf solche Weise geäußert, dass er doch 9 n.Chr. im Auftrag gehandelt habe. Die römischen Historiker hätten solche Verlautbarungen genüsslich aufgenommen und wiedergegeben, denn sehr beliebt war Tiberius nicht.

4. Die Sache hätte ja auch ganz anders ausgehen können: Varus hätte (was eh die meisten erwartet hatten) auch über Arminius siegen, triumphieren können - und was dann? Dann hätte Tiberius ein noch viel größeres Problem mit Varus gehabt! Allein aus diesem Grund halte ich die "Verschwörung" für unplausibel.


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