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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

13 Beiträge, Schlüsselwörter: Zucker, Diabetes, Blutgefässe, Kapillare
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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

15.02.2016 um 21:01
die schäden sind ja systematisch und führen zur zig folgeerkrankungen. ferner ist da noch die
korrelation zum industriell verarbeiteten zucker, daran ist ja erstmal nichts künstliches, aber erstmal würde mich interessieren, warum ein überhöhter zuckergehalt in den blutgefässen langfristig so eine schädigende wirkung hat.

basics :normaler zuckerspiegel 70-100 mg/dL - deciliter, also 10ml - eine schädigung erfolgt bei 200mg aufwärts (+/-) - flockt es aus , kristalisierts ? werden die kapillare verstopft oder aufgeschlitzt?


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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

15.02.2016 um 21:24
Mal abgesehen davon, dass der Richtwert heute bei 90-120 mg/dl liegt, und 1dl = 100ml entspricht, habe ich noch das hier gefunden:
Angiopathie: Adern verstopfen

Ist der Zuckergehalt des Bluts andauernd zu hoch, verstopfen die Blutbahnen. Die Adern können sich zwar auch bei Gesunden verschließen. Doch bei Menschen mit Diabetes passiert das viel eher, häufiger und stärker.

Zuerst werden die Wände der Blutbahnen immer dicker. Dann lagern sich Klumpen aus Kalk und Fett, so genannte Plaques, an den Innenwänden ab. Das macht die Adern an diesen Stellen enger, das Blut fließt daran nicht glatt vorbei, sondern drückt sich an dem Hindernis entlang. In schlimmen Fällen kann der Arzt bereits mit dem Stethoskop das Rauschen an den engen Stellen hören. In einem früheren Stadium kann man das auch mithilfe einer Ultraschalluntersuchung feststellen. In der Folge fließt dort weniger Blut, das Gewebe und die Organe werden dann nicht gut mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.

An den Plaques kann das Blut sogar gerinnen. Dann entstehen Blutgerinnsel, Thromben genannt. Sie lösen sich nicht wieder auf, sondern bleiben kleben und flattern wie Fetzen eine Weile im Blutstrom. Irgendwann reißen sie ab und schwimmen im Fluss eine Weile weiter, bis sie in einer kleinen, dünnen Ader stecken bleiben: Sie sind zu dick, um weiter zu kommen. Dann ist diese kleine Arterie mit dem Gerinnsel verstopft.
Blutgerinnsel blockieren die Adern

Davon kann im Laufe der Zeit das Gewebe absterben, das von der Arterie versorgt wird: Das Fleisch stirbt ab und muss amputiert werden. Bei Zuckerkranken werden aus diesem Grund im schlimmsten Fall Zehen oder Füße amputiert.

Lebensgefährlich wird es, wenn ein Blutgerinnsel lebenswichtige Adern verstopft. Dazu zählen die Blutbahnen, die das Herz mit Nahrung und Sauerstoff versorgen: die so genannten Herzkranzgefäße. Dann droht ein Herzinfarkt. Auch die Adern, die das Hirn mit allem Wichtigen beliefern, sind lebensnotwendig. Verstopft eine Hirnarterie oder die Halsschlagader, kann das zum Schlaganfall führen.

Zucker greift auf Dauer aber auch winzige Adern an, die so genannten Kapillaren. Diese winzigen Blutbahnen übergeben allen Organen Nährstoffe und Sauerstoff. Schäden an den Kapillaren können zu verschiedenen Folgekrankheiten führen, zum Beispiel zu Nierenversagen oder zu Sehstörungen.
http://www.stern.de/gesundheit/diabetes/erkrankungen/folgeschaeden-von-diabetes-zucker-schaedigt-schleichend-3428792.htm...

Ich hoffe, das hilft dir ein wenig weiter :D


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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

16.02.2016 um 01:57
oops tatsächlich die einheiten verwechselt, aber mea culpa, da ich von mehr zucker ausging - 100mg pro 100 ml - dies sind dann 6g pro 6 liter beim gesunden - wollte innerlich dies nicht wahrhaben. aber es erklärt die empfindlichkeit gegenüber zucker und zuckeraufnahme - glukose in dem fall.

danke für den artikel, leider wird der wirkmechanismus nicht genau beschrieben, es ist ja nur eine beobachtete korrelation, verstopfung wäre hier die erklärung - aber bei der menge...
auf der anderen seite hat cola mit 0,3 hat ja schon ca. 30 g zucker. mein frühstück mit gefertigten müsli hat ja auch - samt yogurt.

ps: denn 6g sind echt wenig, da hat ja 1 promille alkohol mehr masse.


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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

16.02.2016 um 12:15
@deckard2029
Das dürfte mehrere faktoren sein. Ist alles noch nicht sonderlich gut aufgeklärt. Diesbezüglich gibt es mehrere hypothesen. Die eine theorie sind schädigungen der gefäßwände, die durch die zunahme der viskosität des blutes bei hohem blutzuckerspiegel entsteht (es wird quasi dicker). Dadurch gibt es sicherlich kleinere verletzungen, die die gefäßwände verdicken lassen. Zum anderen geht meist mit einem zu hohen blutzuckerspiegel auch ein zu hoher insulinspiegel einher. Dieser regt das wachstum glatter muskulatur in den gefäßen an, welche arteriosklerose ebenfalls begünstigen. Ausserdem geht mit hohem blutzuckerspiegel auch meist ein gestörter fettstoffwechsel einher und damit auch eine zunahme der blutfette. Das lagert sich dann eben auch noch an.

Sind aber alles bisher nur hypothesen bzw der ganz genaue mechanismus ist einfach noch nicht bekannt. Prinzipiell macht eine schädigung durch "dickes" blut gerade in schmalen kapillaren schon sinn.


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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

16.02.2016 um 16:44
@gastric
diese sekundären faktoren sind es wohl, denn dass molekül kann in der konzentration wohl nicht schädlich sein, zucker verklummpt nicht - löslichkeit ist bei 470-900 g (wiki DE oder EN) pro liter. Und kurze hohe spitzen überlebt man ja. damit sind auch die vielen diättips erklärbar, wenn man den insulinspiegel gering hält, bleibt man länger gesund.

ein gedanke noch zur beobachtung der schädigungen - die müssten ja bei leuten ausbleiben, die kein insulin produzieren....ich schau mal ob es da was gibt.

ich bin immer noch geschockt von der menge im blutvolumen - 6g - im vergleich zu den blutzellen - 800-1000g (13-17g/dl) oder lipiden - 27-50g. salze etc... alles drüber.



PS:wird langsam zeit der niere beizubringen den süssen "sprit" abzulassen ;)


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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

16.02.2016 um 20:33
Glykosiertes Hämoglobin macht darüberhinaus die roten Blutkörperchen unflexibel, sie können dadurch nicht mehr durch die feinen Kapllaren gequetscht werden und verstopfen die


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hagen_hase
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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

16.02.2016 um 20:37
deckard2029 schrieb:die schäden sind ja systematisch und führen zur zig folgeerkrankungen. ferner ist da noch die
korrelation zum industriell verarbeiteten zucker
Wie das eine rolle spielen soll ist mir aber ein rätsel, ob verarbeitet oder nicht macht keinen unterschied...


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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

19.02.2016 um 15:31
@Mittelscheitel

danke für den hinweis mit dem Glykosierten Hämoglobin, hab allerdings nur gefunden, dass es den sauerstoff stärker bindet - (en-wiki): increased glycosylation of hemoglobin increases its affinity for oxygen, therefore preventing its release at the tissue and inducing a level of hypoxia in extreme cases.

hauptsächlich dient ja Glykosierten Hämoglobin als langzeit-marker für erhöhte zuckerwerte.

könntest Du den hinweis mit der inflexibilität belegen?


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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

28.02.2016 um 05:44
@deckard2029

Ne, dass hat mal ein Doc in der Diabetesschulung so erklärt. quelle hab ich dafür aber auch keine.


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28.02.2016 um 11:23
Generell führt ein dauerhaft erhöhter Glucosespiegel im Blut zur Modifikation zahlreicher Proteine, was u.a. die Versteifung von Gefäßwänden durch Quervernetzung des Kollagens zur Folge hat.
Nachlesen kann man das z.B. in dem Paper

http://clasfaculty.ucdenver.edu/bstith/glucoseaging.pdf ,

wobei das ein ziemlich alter, aus dem Scientific American gemopster Artikel ist.
Man kann sicher neuere finden, wenn es einen interessiert.


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DoctorThrax
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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

11.05.2016 um 01:29
@deckard2029
Ich glaube auch, dass es so 100%ig noch nicht aufgeklärt ist. Allerdings gibt es durchaus Theorien, mit denen man die Diabetes assoziierten Mikroangiopathien molekularbiologisch zu erklären versucht.

Du scheinst es ja ganz genau wissen zu wollen.

So wie ich es gelernt habe, führt die Hyperglykämie dazu dass sich die Glucose im Blut irreversibel an freie Aminogruppen anlagert. Diese glykosylierten Proteine binden dann ihrerseits an Rezeptoren der Zellmembran und bewirken eine Ablagerung von Kollagen in den Basalmembranen der Gefäße.

Ein anderer Pathomechanismus, der für die Pathogenese des Morbus Kimmelstiel-Wilson maßgeblich ist, beruht darauf dass der Glucoseüberschuss im Blut die Bildung von Diacylglycerol in Gefäßzellen anregt. DAG entsteht ja aus Phosphatidylinositol-4,5-bisphosphat unter Mitwirkung der Phospholipase C. Diacylglycerol wird durch den langfristig erhöhten Glucosespiegel nun also vermehrt gebildet und stimuliert dann entsprechend die Aktivität der Proteinkinase C. Die Proteinkinase C phosphoryliert und aktiviert dann weitere Enzyme, setzt dadurch weitere Signalkaskaden in Gang (z.B. die MAPK-Signalkaskade), die dann in der Aktivierung von Transkriptionsfaktoren münden, welche dann unter anderem über die gesteigerte Bildung von Kollagen einen sklerotischen Umbau der extrazellulären Matrix der Gefäßwand bewirken. Darüber hinaus werden auf diesen Weg noch weitere Wachstumsfaktoren und mitogene Zytokine exprimiert, die das Wachstum von Gefäßendothelzellen stimulieren. Beim M. Kimmelstiel-Wilson ist die Ursache für den Verlust der Nierenfunktion dieser sklerotische Umbau der Nieren Glomeruli.

Bei den Gefäßen kommt wohl noch zusätzlich hinzu, dass die Permeabilität der Gefäße ebenso wie die Aktivität der Phospholipase A2 stimuliert werden, wohingegen die Aktivität der Na/K-ATPase gehemmt wird, was dann zur Schädigung der kleinen Gefäße und konsekutiv zur Entstehung der Mikroangiopathien führt. Und nach der Schädigung der kleinen Gefäße war ja hier gefragt.

Dieser Mechanismus ist dann auch insbesondere für die Pathogenese von diabetischen Mikroangiopathien verantwortlich. Überall dort wo eben kleine Gefäße geschädigt werden.

Aber es gibt auch andere Quellen, die es sich einfacher machen und einfach "die Ablagerungen glykierter Proteine und Blutzellen mit konsekutiver Schädigung des Gefäßendothels" und die daraus resultierenden Stenosierungen/Gefäßokklusionen für die Mikroangiopathien verantwortlich machen.

Ich hab jetzt versucht das Relevanteste für diese Fragestellung herauszufiltern. Falls du wirklich vor hast die ganze Biochemie zu diesem Themenkomplex nachzulesen, viel Spaß. Theoretisch kannst du da jede Menge aufschlussreiche Daten zu finden. Vermutlich auch zahlreiche Fachbücher und Studien, die allesamt unterschiedliche Theorien für die Pathogenese der diabetischen Mikroangiopathie haben.

Quellen
http://flexikon.doccheck.com/de/Proteinkinase_C#Biochemie
http://flexikon.doccheck.com/de/Diacylglycerin#Funktion
http://flexikon.doccheck.com/de/Diabetische_Angiopathie#diabetische_Mikroangiopathie


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DoctorThrax
ehemaliges Mitglied

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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

11.05.2016 um 01:40
Achso. Und was die diabetische Retinopathie angeht, erinnere ich mich an eine Physiologie-Vorlesung, wo der Prof erklärte dass dafür wohl indirekt auch Wachstumsfaktoren wie VEGF und EGF verantwortlich seien. Die Verdickung der Basalmembranen durch die Einlagerung des Kollagens führt zu einer Verengung der Gefäßlumina, sodass distal der Stenose liegende Gewebeabschnitte weniger Blut und damit weniger Sauerstoff erhalten was dort eine Hypoxiebedingte Ausschüttung von Wachstumsfaktoren hervorruft. Die Wachstumsfaktoren stellen einen Reiz zur Angioneogenese dar, wobei allerdings diese neugebildeten Gefäße wohl brüchiger sind als die physiologisch angelegten Kapillargefäße, wodurch es vor allem bei multimorbiden Patienten (vgl. metabolisches Syndrom) mit arterieller Hypertonie durch die erhöhte mechanische Beanspruchung durch den Bluthochdruck bevorzugt zu Rupturen dieser kleinen Gefäße kommt.

Man unterscheidet in der Augenheilkunde auch wieder zwischen proliferativer und nicht-proliferativer Retinopathie. Was da wieder die Unterschiede sind, ist mir jetzt allerdings egal. :D

Hier jedenfalls ein Bild vom Augenhintergrund bei einer proliferativen Retinopathie:

m 1444985294


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Warum schädigt ein hoher Zuckerspiegel die Kapillargefäße?

14.05.2016 um 21:30
@DoctorThrax

sehr umfassend, 1000dank

kommen diese krankhaften veränderungen bereits durch die tägliche flutung mit zucker
zur stande oder braucht es eine hyperglykämie des diabetikes?


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