Geiseldrama von Gladbeck
11.08.2008 um 13:22
Das sehe ich auch so.
Wirklich unberechenbar erschien zu diesem Zeitpunkt nur die Polizei.
Dieser ständige, nahezu unbefangene Kontakt zu Reportern und Schaulustigen und noch viel stärker die fehlende visuelle Präsenz der Polizei - was ja normalerweise Indiz für eine Bedrohung wäre - sorgen dafür, daß wenig Bewusstsein für die unmittelbare Gefahr entstand.
Auch die Tatsache, das die Freundin Rösners mit auf die Reise ging und unbewaffnet auf dem Beifahrersitz saß, verklärte die Situation zu einer Art "Ausflug".
Ja genau, das Stockholmsyndrom - danke DeadPoet.
Degowski - nicht die Polizei oder Reporter - schien die Situation zu kontrollieren und zu lenken und in Gefahrensituationen sucht man eben bei demjenigen Schutz, der die Lage im Griff hat.
Paradoxer Weise auch dann, wenn die Gefahr von dieser Person ausgeht, doch ging ja vermutlich aus der Sicht Bischoffs die Gefahr von Seite der Polizei aus, die jederzeit eine Eskalation hätte provozieren können - und hat!
Ich kriege noch immer Gänsehaut, wenn ich an den Ausdruck denke, mit dem Degowski über Bischoff sagt: "Zu jung..."
Es wirkt auf mich so verständnisvoll, fast gütig, wie ein Mann, der von der Unschuld ihrer Jugend nahezu entzückt ist. Und die Körperschrache Degowskis, wie er den Arm um sie legt, scheint allein durch die körperliche Nähe und trotz Pistole auch irgendwie schützend.
Naja, reine Assoziation...
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Geiseldrama von Gladbeck
11.08.2008 um 13:33
Auch die Tatsache, daß Rösner der eigentlich aktivere der beiden Geiselnehmer war - er war es, der die Telefonate mit der Polizei führte, den Großteil der Interviews gab, den Bus und den Wagen ständig verließ und auch die Fluchtwagen fuhr - führte dazu, daß Degowski eigentlich hauptsächlich bei den Geiseln blieb und somit Degowski und Bischoff die Ereignisse quasi gemeinsam und aus der gleichen Perspektive erlebten, was deren Beziehung sicherlich ebenfalls intensivierte.
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Geiseldrama von Gladbeck
11.08.2008 um 13:39
meiner meinung nach
offenbart dieses "zu jung" ganz andere gedankengänge.
rössner und degowski,
zwei schulabbrecher mit kleinkrimineller vergangenheit.
degowski hat sich das hübscheste mädel im bus gegriffen,
ein mädchen, das unerreichbar für diesen menschen im leben wäre
buddel
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Geiseldrama von Gladbeck
11.08.2008 um 13:54
@ Buddel
Unsere Assoziationen schließen sich doch gar nicht aus, zumal ich sicher bin, daß die Empfindungen zu diesem Zeitpunkt auch stark ambivalent waren.
Ich weiß zwar nicht, ob bereits die Wahl seiner Geisel diese Intention hatte, aber Du hast sicher recht, daß ihm klar war, daß Bischoff nicht aus seiner Sphäre kommt und normalerweise für ihn unerreichbar wäre. Es ist vorstellbar, daß es ihn erregt hat, nun Kontrolle über so ein hübsches, junges Ding zu haben.
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Geiseldrama von Gladbeck
11.08.2008 um 14:34
und keinen hochgekriegt,
da hat der asi abgedrückt
buddel
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Geiseldrama von Gladbeck
11.08.2008 um 14:41
Toller Beitrag.
Bischoff wurde zudem nach Polizeiangaben von Rösner erschossen.
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Geiseldrama von Gladbeck
11.08.2008 um 14:50
Ich glaube nicht das Degowski geplant hat sie zu erschiessen.
Auch glaube ich nicht das Rösner, sofern die Kugel wirklich aus seiner Waffe stammte, absichtlich auf sie geschossen hat.....
Wie ist eigentlich der aktuelle Status der Personen?
Rösner lebenslänglich mit Sicherheitsverwahrung, aber was ist mit Degowski? Der sitzt ja nun schon 20 Jahre......
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Geiseldrama von Gladbeck
11.08.2008 um 15:15
Nach dem multiplen Versagen der Polizei hätte man sich (auch nach Auswertung der zahlreichen Interviews) dazu entscheiden sollen die Verfolgung abzubrechen. Ich bin mir ziemlich sicher das die Geiselnehmer die Geiseln hätten laufen lassen.... Wozu hätten sie sie töten sollen? Die beiden waren ja zu der Zeit häufiger im Fernsehen als der Melittamann, da wären die Beiden keine wichtigen Zeugen gewesen.
Wären die Geiseln erstmal in Sicherheit gewesen hätte man die Täter in Ruhe suchen können, weder der Grips noch das Geld war vorhanden um dauerhaft unterzutauschen....
(300000-400000 Mark Beute reichen für sowas nicht...)
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Geiseldrama von Gladbeck
11.08.2008 um 16:43
@ September
"ach, dachtest du, dass ich das nicht gewußt habe?"
Du bist überhaupt nicht gemeint.
Mein Beitrag folgt auf Buddels Post und der ist auch gemeint, da er offensichtlich davon ausgegangen ist, daß Degowski (von dem die Rede war) Bischoff erschossen hat.
Sag mir bitte nicht, daß ich richtig lesen soll.
Nichts für ungut...
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Geiseldrama von Gladbeck
13.08.2008 um 10:59
Je kleiner die Persönlichkeit, um so grösser die Macht, die ihr durch eine Waffe verliehen wird.
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Geiseldrama von Gladbeck
20.06.2013 um 09:22
Freiheit für Geiselgangster Degowski?
Arnsberg (dpa/lnw). Das Landgericht Arnsberg prüft derzeit, ob der Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski nach 24 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen werden kann. «Es ist noch ein Anhörungstermin geplant und dann soll zeitnah darüber entschieden werden», bestätigte eine Gerichtssprecherin einen Bericht in der heutigen Ausgabe der «Westfalenpost». Die Entscheidung werde frühestens Mitte Juli fallen.
Der heute 57-Jährige Degowski hat im August 1988 zusammen mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner eine Bank in Gladbeck überfallen. Bei ihrer spektakulären Flucht vor der Polizei starben drei Menschen. Dafür wurden die beiden Männer 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt. Für Rösner wurde außerdem Sicherheitsverwahrung angeordnet.
20.06.2013
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Geiseldrama von Gladbeck
02.06.2014 um 10:00
GEISELGANGSTER
Gladbecker Geiselgangster Degowski wird auf die Freiheit vorbereitet
01.06.2014 | 19:03 Uhr
Werl/Gladbeck. Der Geiselgangster von Gladbeck darf ausgehen, in Begleitung, aber ohne Handschellen. Frühestens in zwei Jahren könnte Dieter Degowski endgültig freikommen. 60 Jahre wäre er dann und gelernter Koch. Doch darüber haben die Gutachter zu entscheiden.
Es ist sicher nicht einfach, unerkannt eine Pommes essen zu gehen, wenn ein Justizvollzugsbeamter und ein Psychologe auf Schritt und Tritt folgen, wenn man vor 26 Jahren als Mörder im Gladbecker Geiseldrama bekannt wurde, wenn man Dieter Degowski ist. Er versucht es dennoch. Seit Februar hat der Häftling des Werler Gefängnisses „begleiteten Ausgang“ – einmal im Monat und ohne Handschellen. Degowski wird so auf die Freiheit vorbereitet
„Der Gefangene darf weitgehend selbst entscheiden, was er unternimmt“, erklärt Detlef Feige, Sprecher des NRW-Justizministeriums. Pommes oder Café, Waldspaziergang oder Schlendern am See. Was Degowski genau unternimmt und wo, das wird natürlich nicht verraten. „Er ist eher ein zurückgezogener Typ, wie ich hörte.“
„Bitte beenden Sie das Gespräch“
Bisher scheint es Degowski gelungen zu sein, unauffällig zu bleiben. „Er sieht natürlich nicht mehr so aus wie auf den alten Bildern“, sagt Feige. Und sein Bewacher wie auch der Psychologe tragen selbstverständlich zivil. In der Regel halten sie sich einige Schritte hinter dem Gefangenen, und sollte der doch einmal erkannt werden, „entscheidet der Beamte, wie es weiterlaufen soll. Er kann sagen: Bitte beenden Sie das Gespräch. Er kann auch die Handfesseln anlegen.“
Der Psychologe dagegen soll den Mörder beobachten, der 1988 eiskalt den 15-jährigen Italiener Emanuele de Giorgi erschoss, als der sich schützend vor seine neunjährige Schwester stellte. Darum sah das Gericht bei Degowski später eine „besondere Schwere der Schuld“, weswegen er mindestens 24 Jahre absitzen musste.
Wie ist seine „Art im Umgang“ heute? Bislang habe es keine Probleme mit Degowski gegeben. „Er weiß, was auf dem Spiel steht“, sagt Feige. Die Bewertung des Psychologen wird eine große Rolle spielen, wenn frühestens 2016 über die Freiheit von Degowski entschieden wird – „unter strengen Auflagen“.
Rund zweieinhalb Jahre dauert der Prozess der Entlassungsvorbereitung. Eingeleitet haben ihn die Justizbehörden nicht etwa aus freien Stücken. Als Degowski seine 24 Jahre abgesessen hatte, stellte seine Anwältin Lisa Grüter einen Haftprüfungsantrag. Das Landgericht Arnsberg entschied darauf im August vergangenen Jahres, dass auch Degowski das Recht hat, vorbereitet zu werden auf ein Leben in Freiheit.
Kurz darauf begannen erste kurze Ausführungen in Fesseln. Aktuell befindet er sich in Stufe zwei dieses Prozesses. Bald wird er auch in Freiheit übernachten dürfen – begleitet, versteht sich. Und danach? Rente, Arbeitslosenhilfe, Wohnungsfrage – all diese Dinge bespricht er mit einem Sozialarbeiter. Ein Standardprozedere.
Gelernter Koch von 60 Jahren mit Vorgeschichte sucht...
Auf dem Papier zumindest hat der 58-Jährige sich gut geführt. „Er hatte keine Disziplinarverfahren“, erklärte seine Anwältin nach dem Prozess. „Er hat bewiesen, dass er sich an Regeln halten kann.“ Der Werler Gefängnisdirektor Michael Skirl dagegen sagte schon zuvor, Degowski habe sämtliche Therapien „nur angekratzt“.
Er vegetiere in der Haft wehleidig vor sich hin und arbeite als Hofreiniger, weil er für andere Jobs nicht geeignet sei. Eine Kochlehre habe man ihn nur wegen des Erfolgserlebnisses bestehen lassen. „Degowski ist nun mal wenig intelligent, ein Mitläufer.“ Das Leben in Freiheit mache nur Sinn, wenn man ihn zum Beispiel in einem Heim unterbringe.
Degowskis in Rheinbach einsitzender Kumpan Hans-Jürgen Rösner zeigte sich allerdings deutlich unkooperativer. 2009 wurden in seiner Zelle sieben Gramm Heroin gefunden, was ihm sechs weitere Monate einbrachte. Und da bei ihm als „Hangtäter“ auch Sicherungsverwahrung verhängt wurde, stehen seine Chancen deutlich schlechter, zeitig herauszukommen. Was ihn nicht hindert, entsprechende Anträge zu stellen. (tom)
http://www.derwesten.de/region/rhein_ruhr/gladbecker-geiselgangster-degowski-wird-auf-die-freiheit-vorbereitet-id9409908.html
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