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Zwischenmenschliche Diplomatie

Zwischenmenschliche Diplomatie

05.02.2014 um 23:13
Ein Diplomat der "ja" sagt, meint "vielleicht", der "vielleicht" sagt, meint "nein" und der, der "nein" sagt, ist kein Diplomat. Eine Dame, die "nein" sagt, meint "vielleicht", die "vielleicht" sagt, mein "ja" und die "ja" sagt, ist keine Dame.

"Diplomatie ist die Kunst, mit dem Fuß aufzustampfen, ohne jemandem auf die Zehen zu treten."

Diplomatisches Verhalten nennt man das Tun und Lassen eines Verhandelnden,

• das den Agierenden dabei Kompromissbereitschaft und den Willen bescheinigt, die Absichten und die Wünsche jedes Beteiligten zu erkennen;
• das sogenannte Win-win-Situationen sucht;
• das es möglichst vermeidet, andere Verhandelnde bloßzustellen oder in die Enge zu treiben;
• das geeignet ist, den langfristigen Nutzen zu maximieren (es wäre also undiplomatisch, sich einen kurzfristigen Nutzen zu sichern, dabei aber langfristig Nachteile oder Konflikte zu riskieren bzw. in Kauf zu nehmen).
Wikipedia: Diplomatie

Da ich nun schon einige Jahre hier im Forum bin ist mir über die Zeit mehr und mehr die Bedeutung von Diplomatie bewusst geworden, die eigentlich ja zwischen Nationen angewendet wird, jedoch schon auf zwischenmenschlicher Ebene im Alltag, bei Diskussionen, einem Streit oder Unstimmigkeiten beginnen sollte und auch kann. Es ist sehr schön wenn Menschen reif genug sind und den Wert der Diplomatie zur Konfliktlösung erkannt haben. Der erste Schritt bei der Diplomatie ist es seine eigenen Interessen nicht aus dem Blick geraten zu lassen, sie jedoch nicht dem anderen gegenüber überordnen zu wollen. Sprich eine Balance zwischen eigenen Interessen und den der anderen Person zu finden, einen Kompromiss eben.

In der Dialektik spricht man von These <-> Antithese -> Synthese. Man kann sich natürlich nicht bei allem einig werden, wie z.B. bei der Infragestellung von Grundrechten und der Verletzung von Menschenrechten, wenn eine Seite diese verletzt hat, muss man es dieser auch bewusst machen. Doch wenn beide diese verletzt haben sollten, dann müssen beide Seiten zeigen das die eigene und auch die andere Seite etwas getan hat was nicht ohne Konsequenzen bleiben sollte. Sich jedoch eigene Fehler dieser Art einzugestehen ist in den seltensten Fällen Realität.

Auf der persönlichen Ebene sollte dies aber mit der nötigen Reife und einem gewissen Maß an Selbstkritik und Kritikfähigkeit möglich sein, eigene Fehler einzugestehen.

Daher ist mein Interesse an der Diplomatie nicht nur auf systemischer, politischer Ebene, sondern eben auch auf ganz persönlicher, zwischenmenschlicher Ebene. Im Idealfall kann man untereinander Probleme klären wenn beide Seiten Offenheit und Kritikfähigkeit zeigen, nur gibt es auch viele Menschen die diese Bedingungen nicht erfüllen. Da stellt sich mir die Frage wie ihr in einer Streitsituation verfahrt und wie ihr zur Lösung eines Problems beitragt?

Hier geht es auch um eine Selbsteinschätzung, als Gedankenspiel zum einen wenn der Fehler bei einer anderen Person liegt, zum anderen wenn der Fehler bei einem selbst liegt. Wie würdet ihr in beiden Fällen vorgehen? Schätzt ihr euch selbst als diplomatisch und kompromissbereit ein oder doch eher als kompromisslos und unnachgiebig? Oder je nach Situation und Art des Problems mal so, mal so?

Ich selbst bin ein sehr diplomatischer Mensch, jedoch gibt es Situationen bei denen ich auch sehr unnachgiebig sein kann, z.B. wenn es um die Verteidigung von Grundsätzen, Grundgesetzen, Menschenrechten, die LGBT-Community, Tierrechte, Naturschutz und individuelle Freiheiten, so auch um ein möglichst vielfältiges und soziales Gefüge geht. Wenn diese Prinzipien von einer anderen Person angegriffen werden, z.B. von intoleranten Menschen die dann auch noch Toleranz für ihre Intoleranz als "persönliche Meinung" fordern, hört auch meine Toleranz auf und jede weitere Diplomatie wird schwerfälliger.

Ich habe gelernt mich in Geduld zu üben und über vieles erhaben zu sein, doch dann und wann fällt auch mir das schwer und die Suche nach Kompromissen wird schwerer. Bei solchen Situationen versetze ich mich wieder in größere Konflikte die scheinbar unlösbar erscheinen, wie z.B. Konflikte in Ländern wie Syrien. Wenn ein Problem schon auf persönlicher Ebene schwer zu lösen ist, wie ist es dann auf der nationalen, wirtschaftlichen oder gar globalen Ebene?

Diplomatie bedeutet offen für Dialoge zu sein, sei es in Zeiten des Krieges oder auch des Friedens, Diplomatie ist nicht nur zur Konfliktbewältigung da, sondern auch zur Suche nach Kompromissen um präventiv Konflikte zu vermeiden.
"Ein Genie hätte den Krieg zu verhindern gewußt" –Admiral Yamamoto Isoroku
Also kurz und knapp, wie denkt ihr über die Diplomatie auf zwischenmenschlicher und politischer Ebene? Schätzt ihr euch selbst als diplomatisch oder undiplomatisch ein? Was wäre ein idealer Einstig für einen Dialog zur Konfliktvermeidung oder Konfliktbewältigung? Mit einer Lüge oder der Wahrheit? Mit der Benennung und Aufzählung der Probleme, die die andere Seite bei einem selbst erzeugt oder mit der Benennung der Probleme die von einem selbst ausgehen und den anderen belasten?

Ich denke wir alle sind Menschen die mit der Reife auch mehr diplomatisches Geschick erfahren. Gewalt sollte nie das Mittel zur Lösung von Konflikten sein, sei’s mit den Nachbarn die man vielleicht nicht so gut leiden kann oder sei es mit anderen Nationen, Völkern und Religionen. Humanismus beginnt mit einem gesunden Verständnis von Diplomatie.


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05.02.2014 um 23:23
cRAwler23 schrieb:Was wäre ein idealer Einstig für einen Dialog zur Konfliktvermeidung oder Konfliktbewältigung?
Leider ist es so - das viele im Alltag keinerlei gespür haben für Diplomatie und auch jeden Vorschlag als alles abtun, außer was gutem. Es wäre als würde man versuchen mit einem Ameisenhügel Diplomatie zu betreiben - es fehlt an Kommunikationsweg - und außerdem haben viele eine Art gefallen daran Streitigkeiten anzufechten und vollends zu genießen. Scheint so ein Druckventil oder so zu sein für die


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gotoxy
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06.02.2014 um 00:33
Es hat seinen Grund, warum das Wort "Diplomatie" in meinen Ohren mehr einen politischen Anklang hat, als einen menschlichen. Diplomatisch zu sein wird heute kaum noch als eine indivduelle Eigenschaft gesehen, den Menschen geht es meist nur noch um ihre eigene Meinung und ihr eigenes Wohl, und sie verlassen sich darauf, dass die Politik die diplomatischen Dinge regelt. leider ...

Ich selbst halte mich auch nicht immer für einen diplomatischen Menschen, aber wenigstens ist es mir nicht egal, ob ich Anderen mit meinen Ansichten Schaden zufüge ...


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Jesussah
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06.02.2014 um 01:19
@cRAwler23


Politik ist etwas für den politischen Menschen, nicht für den ganzen. Warum sollte ein ganzer Mensch, der in Wirklichkeit lebt, Diplomatie brauchen, wenn für jeden, in dieser, alles gleich ist? Für den ganzen Menschen gibt es keine Unterschiede, die Diplomatisches Geschick brauchen. :)


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gotoxy
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06.02.2014 um 01:25
@Jesussah
Ich finde nicht, dass die sog. "Wirklichkeit" für jeden gleich aussieht. Täte sie das, so gäbe es heute keine zufriedenen und keine unzufriedenen Menschen. Jeder sieht die Welt ein bisschen anders :)


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Jesussah
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06.02.2014 um 01:30
@gotoxy
gotoxy schrieb:Ich finde nicht, dass die sog. "Wirklichkeit" für jeden gleich aussieht
Ist der Grund auf dem du gehst etwa anders, als der, den andere gehen? Die Wirklichkeit kann nicht anders für jeden sein, weil sie für alle gleich wirkt. Gefühle wirken gleich, der Sauerstoff wirkt gleich, dein Körper wirkt gleich....deine Gedanken wohl nicht. :)
gotoxy schrieb:Täte sie das, so gäbe es heute keine zufriedenen und keine unzufriedenen Menschen. Jeder sieht die Welt ein bisschen anders :)
Das es solche Menschen gibt, liegt an ihren Verwirrungen, nicht an der Wirklichkeit. Sehe dir die Tiere an, die Natur. Wie klar sind diese Lebensformen im Vergleich zu uns? :)


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gotoxy
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06.02.2014 um 01:39
@Jesussah
Sowas Ähnliches hab ich heut schon woanders geschrieben :D Unsere Wahnehmung basiert ja nur auf Reaktionen. Und da es Unterschiede in der Gehirnstruktur, an den Farbzäpfchen in den Augen und so geben kann, muss nicht jeder die Welt genauso wahrnehmen wie ein Anderer.


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gotoxy
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06.02.2014 um 01:40
@Jesussah Und ohhh... du kennst die wahre Grausamkeit der Natur wohl noch nicht? Wie alles zefällt und gefressen wird ...


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Jesussah
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06.02.2014 um 01:42
@gotoxy
gotoxy schrieb:Sowas Ähnliches hab ich heut schon woanders geschrieben :D Unsere Wahnehmung basiert ja nur auf Reaktionen
Ganz genau. :)
gotoxy schrieb:Und da es Unterschiede in der Gehirnstruktur, an den Farbzäpfchen in den Augen und so geben kann, muss nicht jeder die Welt genauso wahrnehmen wie ein Anderer.
Wer Unterschiedlich denkt, der muss wohl auch unterschiedliche Gehirnstrukturen haben. Dieser eine lebt dann aber nicht in der Wirklichkeit, sondern in seiner eigenen Welt, worin er eigen reagiert. :)
gotoxy schrieb:Und ohhh... du kennst die wahre Grausamkeit der Natur wohl noch nicht? Wie alles zefällt und gefressen wird ...
Was hat nun der Tod mit Diplomatie zu tun? :)


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gotoxy
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06.02.2014 um 01:51
@Jesussah Und was hat ein ebenmäßiges Weltbild mit uns zu tun? Ich denke jedenfalls nicht, dass wir alle irgendwann im Gleichschritt marschieren, ohne Diplomatie, weil die Welt ja für alle gleich auszusehen hat. Diplomatie ist für den einzelnen Menschen schon wichtig um verschiedene Sichtweisen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, aber sie nicht komplett zu verdrängen.

p.s. der Tod ist der beste Diplomat dens gibt!


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Jesussah
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06.02.2014 um 01:59
@gotoxy
gotoxy schrieb:Und was hat ein ebenmäßiges Weltbild mit uns zu tun?
Viel, den jeder sucht sich die aus, die in seinem Weltbild willkommen sind. Diese Verhaltensweise resultiert doch aus den eigenem Unverständnis, denn man folgt dort einem Weltbild, wo die Welt wirklich ist. Da braucht es keine Weltbilder mehr, um wirklich zu leben. :)
gotoxy schrieb: Ich denke jedenfalls nicht, dass wir alle irgendwann im Gleichschritt marschieren, ohne Diplomatie, weil die Welt ja für alle gleich auszusehen hat.
Bist du denn frei in dem was du nun tust? Ist der Mensch frei in den ungleichen Schritten, die er tut? Wie man sehen kann, wohl nicht wirklich. Es geht hier nicht um eine Einheit, denn das denkst du hierbei. :)
gotoxy schrieb:Diplomatie ist für den einzelnen Menschen schon wichtig um verschiedene Sichtweisen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, aber sie nicht komplett zu verdrängen.
Warum braucht ein Mensch, bei einem anderen Menschen, Diplomatie? Weil er Unterschiedlich denkt? Warum denkt er unterschiedlich? Weil er unterschiedliches erfahren hat? Warum hat er unterschiedliches erfahren? Weil Menschen Unterschiede sehen? Warum sehen Menschen Unterschiede? Weil sie Unterschiedliches brauchen? Warum brauchen sie Unterschiedliches? Weil sie das Gleiche nicht verstehen. Warum verstehen sie das Gleiche nicht? Weil sie verwirrt sind.

Der Mensch, der gleich Mensch ist

Mensch = Mensch

dieser, braucht bei einem anderen Menschen keine Diplomatie, denn der ist nicht verwirrt. Das brauchen nur die, die sich nicht gleich dem sehen, was sie sind.Denn die sehen, denken, brauchen Unterschiede, weil sie nichts anderes als das kennen. Wer denkt schon selbst. :)


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gotoxy
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Zwischenmenschliche Diplomatie

06.02.2014 um 02:06
@Jesussah Jetzt verstehe ich, glaub ich, worauf du hinaus willst :) Nämlich das zu erkennen, was wir alle miteinander Teilen, oder? Das wir aufhören zu kategorisieren z.B. in "gut" und "schlecht". Weil alles auf seine Art weder gut noch schlecht ist.

Meinst du das? Denn genau das, will doch die diplomatische Haltung auch erreichen.


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Jesussah
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06.02.2014 um 02:09
@gotoxy
gotoxy schrieb:Weil alles auf seine Art weder gut noch schlecht ist.
Du hast es erfasst. :)
gotoxy schrieb:Denn genau das, will doch die diplomatische Haltung auch erreichen.
Wie will man etwas erreichen, was schon in Wirklichkeit erreicht ist? Alles andere wäre bzw ist nur ein Schauspiel. :)


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gotoxy
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Zwischenmenschliche Diplomatie

06.02.2014 um 02:13
@Jesussah Danke! bin wieder ein bisschen schlauer geworden ^^


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Jesussah
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06.02.2014 um 02:14
@gotoxy


Darauf wollte ich nicht hinaus.....aber keine Ursache. :)


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Billy73
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Zwischenmenschliche Diplomatie

06.02.2014 um 08:19
@cRAwler23


Ich denke, Diplomaite beruht auf Rationalität. Im einzelnen Menschen übernimmt diese Funktion das Grosshirn. In grauer Vorzeit wurde das Grosshirn wahrscheinlich weniger beutzt und man arbeitete meist mit dem Kleinhirn.

Insofern ist die zwischenmenschliche Diplomatie eine wichtige Grundlage für entwickelte Gesellschaften.


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rockandroll
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06.02.2014 um 08:31
dyplomatie beruht darauf gewisse mechanismen des symphatischen systems (glaub so heisst der nervliche mechanismus, welcher den menschen ruhig oder nervös werden lässt) nicht zu betätigen. dafür gibt es eingeübte verahltensweisen. sitten, gebräuche, riten, etc.. es geht letzlich darum seinen gegenüber nicht zu nervös zu machen, um seine kognitive leistungsfähigkeit nicht zu sehr zu überstrapazieren, die bei einer zu hohen emotionalität zu sehr in mitleidenschaft gezogen würde


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Zwischenmenschliche Diplomatie

06.02.2014 um 09:09
Diplomatie heißt Sachlichkeit, Sachlichkeit und nochmal Sachlichkeit.
In dem Moment, wo die Sachebene verlassen wird und Diskussionsteilnehmer auf persönlicher Ebene belastet werden, wird das Gespräch ineffektiv. Viel Potenzial wird für Verteidigung aufgewendet, was dem eigentlichen Thema dann fehlt. Meist findet die Verteidigung ebenfalls auf der persönlichen Ebene statt.

Wenn auch die Versuchung manchmal groß ist, es bringt definitiv nichts, undiplomatisch zu werden.

Ich selbst halte mich für zu diplomatisch und zu leise. Wenn Wahrheiten zu sehr verdiplomatisiert werden, versteht sie keiner mehr.
Diplomatie schließt Wahrheit und Ehrlichkeit nicht aus. Es ist aber eine Gratwanderung, die viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen erfordert.


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Orbiter...
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Zwischenmenschliche Diplomatie

06.02.2014 um 20:04
Diplomatisch sein heisst auch professionell Lügen. So etwas privat zwischenmenschlich zu praktizieren
wäre langfristig kontraproduktiv. Trotzdem könnte man sich etwas von Diplomaten abschauen.

Das wären schätzungsweise skills wie Souveränität, Respekt, Empathie und Freundlichkeit.


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Zwischenmenschliche Diplomatie

06.02.2014 um 21:15
RobbyRobbe schrieb:Leider ist es so - das viele im Alltag keinerlei gespür haben für Diplomatie und auch jeden Vorschlag als alles abtun, außer was gutem. Es wäre als würde man versuchen mit einem Ameisenhügel Diplomatie zu betreiben - es fehlt an Kommunikationsweg - und außerdem haben viele eine Art gefallen daran Streitigkeiten anzufechten und vollends zu genießen. Scheint so ein Druckventil oder so zu sein für die
Das stimmt schon, jedoch nimmt sich ein diplomatischer Mensch ehr ein Beispiel an denen die Kompromisse eingehen können um so einen Streit schlichten zu können. Es ist auch eine Frage welche Einstellung man hat, welche Erziehung man genossen hat und welche Erfahrungen das Leben geprägt haben. Die Denkweisen können zwar auch unabhängig davon so oder so sein, im Ganzen kann man aber erkennen wer sich selbst etwas zurückhalten und zurücknehmen kann, wird mehr Chancen haben einen Konflikt zu bewältigen als ein Mensch der mit dem Kopf durch die Wand rennt.

Engstirnigkeit und das gänzliche Fehlen von Diplomatie kann man an den Konsequenzen des syrischen Bürgerkriegs erkennen, bei dem Extremisten aufeinander treffen und meist die Menschen treffen die eigentlich nur in ruhe leben wollen.
gotoxy schrieb:Es hat seinen Grund, warum das Wort "Diplomatie" in meinen Ohren mehr einen politischen Anklang hat, als einen menschlichen. Diplomatisch zu sein wird heute kaum noch als eine indivduelle Eigenschaft gesehen, den Menschen geht es meist nur noch um ihre eigene Meinung und ihr eigenes Wohl, und sie verlassen sich darauf, dass die Politik die diplomatischen Dinge regelt. leider ...
Die Diplomatie als Vorgang ist durchaus politischer Natur, doch die Politik beginnt wie auch die Diplomatie schon im Alltag und auf zwischenmenschlicher Ebene, denn beides sind Vorgänge die die zwischenmenschliche Interaktion, den Austausch und Konfliktbewältigung beschreiben. Also ist das immer auch etwas rein menschliches. Aber ich gebe dir recht, viele geben ihre Verantwortung gern mal an Verantwortungsträger ab, die Frage ist ob diese auch verantwortungsbewusst und diplomatisch sind oder doch nur ihre eigene, ganz persönliche Agenda haben. Das merkt man leider meist wenn es zu spät ist, doch es gibt auch Menschen denen man die Konsequenzen ihres Handelns vor Augen führen kann und sich dann doch noch zur Diplomatie bewegen lassen. Manchmal muss man auf solche gewählten oder selbsternannten Verantwortungsträger Druck ausüben damit sie ihre Aufgabe nicht vergessen und aus den Augen verlieren.
Jesussah schrieb:Politik ist etwas für den politischen Menschen, nicht für den ganzen. Warum sollte ein ganzer Mensch, der in Wirklichkeit lebt, Diplomatie brauchen, wenn für jeden, in dieser, alles gleich ist? Für den ganzen Menschen gibt es keine Unterschiede, die Diplomatisches Geschick brauchen. :)
Natürlich nicht, aber wir beide wissen ja wie verbohrt Menschen sein können, die ihre Ganzheitlichkeit noch nicht erkannt haben oder auch nie erkennen werden. Ein politischer Mensch kann jedoch durchaus ein ganzheitlicher Mensch sein, der sich jedoch eine spezifische Aufgabe gegeben hat oder ihm gegeben wurde. Die Politik bestimmt das Handeln eines Menschen in einem gesellschaftlichen Gefüge, Politik beginnt schon bei alltäglichen Entscheidungsprozessen wo man sich mit anderen Menschen abstimmen muss. Ganzheitliche Menschen brauchen tatsächlich keine Diplomatie mehr, da sie den Kern des Menschen erkannt haben und mit anderen Menschen in Einklang und Harmonie leben können. Nur trifft das leider auf ganz wenige Menschen zu und die Diplomatie ist ein notwendiges Übel um zwischenmenschliche Gewalt bei Unstimmigkeiten zu verhindern. Bei der Diplomatie geht es darum Gewalt als Mittel zur Problemlösung zu verhindern, denn Gewalt schafft am Ende immer nur Gegengewalt, Aktion und Reaktion. Die Diplomatie versucht diesen kausalen Kreis zu durchbrechen, durch Konsensbildung, Interessenangleichung und eben zahlreiche Kompromisse.
Billy73 schrieb:Insofern ist die zwischenmenschliche Diplomatie eine wichtige Grundlage für entwickelte Gesellschaften.
So ist es und das konnte man nach dem 2.WK sehr gut in Europa betrachten, wo aus ehemaligen Feinden mehr und mehr Partner und Freunde wurden. Darum ist es gerade heute wichtig den Wert der Diplomatie zu erkennen um schlimmes zu verhindern, besonders bei Staaten, Systemen und Menschen zwischen denen eine große Spannung und Anspannung herrscht. Nur ist das Finden von Kompromissen nicht immer leicht, manchmal fast unmöglich (Siehe Naher Osten).

@rockandroll
Erinnert mich etwas an die Vulkanier aus Star Trek, denn diese üben sich ihr ganzes Leben in Zurückhaltung und Logik um Konflikte zu verhindern, da sie einst auch vor ihrer Auslöschung standen, als sie leidenschaftlich aggressiv waren. Ich denke auch wenn sie fiktiv sein mögen, könnte man sich in Sachen Diplomatie, eine Scheibe von Spock abschneiden und sich an dieser Mentalität ein Beispiel nehmen :)
allmotley schrieb:Diplomatie heißt Sachlichkeit, Sachlichkeit und nochmal Sachlichkeit.
In dem Moment, wo die Sachebene verlassen wird und Diskussionsteilnehmer auf persönlicher Ebene belastet werden, wird das Gespräch ineffektiv. Viel Potenzial wird für Verteidigung aufgewendet, was dem eigentlichen Thema dann fehlt. Meist findet die Verteidigung ebenfalls auf der persönlichen Ebene statt.
Genau das ist die Motivation hinter der Diplomatie, objektiv und sachlich zu bleiben. Auch hier im Forum zeigt es sich schon dann und wann sehr klar und deutlich ob ein Mensch diplomatisch ist oder nicht, ob er sachlich argumentiert oder eben gleich auf die persönliche Ebene geht. Es ist meist eine Frage von Geduld und Gefasstheit, auch ratsam ist es seine innere Mitte zu kennen. So ist es auch wünschenswert ganzheitlich zu denken.
allmotley schrieb:Wenn auch die Versuchung manchmal groß ist, es bringt definitiv nichts, undiplomatisch zu werden.
Wenn man es doch macht, wird man meist sofort und ohne Umwege die Konsequenzen zu spüren bekommen, wenn man wieder in die Welt kausaler Kräfte abtaucht, bei dem Kraft auf Gegenkraft trifft.
allmotley schrieb:Ich selbst halte mich für zu diplomatisch und zu leise. Wenn Wahrheiten zu sehr verdiplomatisiert werden, versteht sie keiner mehr.
Diplomatie schließt Wahrheit und Ehrlichkeit nicht aus. Es ist aber eine Gratwanderung, die viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen erfordert.
Da sind wir uns sehr ähnlich im Denken und Handeln, nur dann und wann neigt es mich dazu auch mal etwas provokant zu schreiben. Nur im Alltag bin ich auch sehr leise und fast schon zu diplomatisch. Direkt und nachdrücklich werde ich erst wenn ich Unrecht erfahre und beobachte und jemanden Gewalt angetan wird oder man mir meine Freiheiten nehmen will, ab diesem Punkt würde ich vielleicht auch die Ebene der Diplomatie verlassen und in den Verteidigungsmodus gehen.

Einfühlungsvermögen und Empathie sind die Essenz für Diplomatie, man muss sich auch in die andere Seite reinversetzen können. Wer das nicht kann, wird sich schnell als starrsinnig und auch engstirnig zeigen oder eben gar kompromisslos und unnachgiebig.
Orbiter... schrieb:Diplomatisch sein heisst auch professionell Lügen. So etwas privat zwischenmenschlich zu praktizieren
wäre langfristig kontraproduktiv. Trotzdem könnte man sich etwas von Diplomaten abschauen.
Nicht unbedingt Lügen, denn eine Lüge würde immer die Vertrauensbasis verletzen und eine Lüge wäre somit schon undiplomatisch, es sei denn es ist eine Notlüge. Es gilt aber auch bei Notlügen das sie meist kurze Beine haben und sollte die Gegenseite erfahren das ein Gespräch und eine Verhandlung auf einer Lüge aufbaut, dann wäre das vielleicht schon der Vertrauensbruch der aus Diplomatie einen offenen Konflikt werden lässt. Also ich wäre gerade bei der Diplomatie so ehrlich wie möglich und so zurückhaltend wie nötig. Man muss nicht alles offen äußern, manchmal hilft es auch sich seinen Teil zu denken und etwas zu verschweigen (nicht unterschlagen).
Orbiter... schrieb:Das wären schätzungsweise skills wie Souveränität, Respekt, Empathie und Freundlichkeit.
Das sind die Kerneigenschaften einer guten und effektiven Diplomatie, nur sollte man auch nicht ein großes Maß an Geduld vergessen, selbst wenn es einen dann und wann mal in den Fingern zuckt :)


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