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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

27 Beiträge, Schlüsselwörter: Jugoslawien
FordP71
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

23.12.2013 um 21:58
Überall werden die Jugoslawienkriege einfach ignoriert. Ob nun im Schulunterricht, in Dokus im Fernsehen oder in Berichten über die Entwicklung Europas.

Heute habe ich erst wieder einen Fernsehbeitrag über Europa geschaut. Der Beitrag hörte mit der Wiedervereinigung Deutschlands auf. Demnach herrscht seitdem Frieden in Europa.


Warum interessiert sich niemand für diesen Krieg? Möchte man verdrängen, dass es nach Beendigung des Kalten Krieges noch grausame Taten mitten in Europa gab?

Ich kann gut verstehen, dass einige Leuten dieses Thema sehr nervt. Aber man kann es doch nicht einfach vergessen. Heute noch gibt es Spannungen zwischen dem Kosovo und Serbien.
Keine Sau schert sich darum. "Europa lebt seit 1989 friedlich.", denken sich wohl viele.


Dieser Zeitungsartikel ist zwar nun fast ein Jahr alt, zeigt aber, dass gerne sowas verdrängt wird.
http://www.theintelligence.de/index.php/politik/kommentare/5095-jugoslawienkrieg-fuer-gauck-nicht-existent.html
Der erste Absatz alleine erklärt im Groben, worum es geht.



Wie steht ihr zu dem Thema?


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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

23.12.2013 um 22:00
ne frage:
gab es diese spannungen nicht schon immer?
ich hab da irgendwie in erinnerung, daass die auch zum WK I beigetragen haben


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Puschelhasi
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

23.12.2013 um 22:09
Ich denke der Balkan ist ja nun auch nicht teil der EU, also bis auf die slowenen, die ja eh eher Europäer als Balkan sind.

Ich glaube dieser Konflikt wird schlicht als klassischer Balkankonflikt wahrgenommen, nichts was nun als sonderlich ungewöhnliches ereignis erscheint im rückblick.


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FordP71
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

23.12.2013 um 22:17
@Ferraristo
Dort unten ist immer irgendjemand angepisst und Menschen fetzen sich. Also Spannungen gibt es dauernd.

Das Attentat von Sarajevo hat das Fass zum Überlaufen gebracht und der 1.WK war nicht mehr aufzuhalten. Ein bosnisch-serbischer jugoslawischer Nationalist hat den Thronfolger und die Frau Österreich-Ungarns getötet.


@Puschelhasi
Kroatien ist nun auch Mitglied der EU. Außerdem war eine Art Militärpolizei der EU bis 2010 in Bosnien-Herzegowina unterwegs, als NATO-Schutztruppen abgezogen sind. Und die EU unterstützt den Kosovo mit Polizisten, Richtern usw.

"Klassischer Balkankonflikt"? In den 90ern war der Balkan total im Eimer. Es herrschte ein schlimmer Krieg. Menschen wurden vertrieben, getötet, beraubt.
Und ich verstehe nur nicht, wieso man die Menschen nicht darüber lehrt. Und ob der Balkan nun in der EU ist oder nicht... Er ist in Europa und darum sollte man die Menschen über den Jugoslawienkrieg unterrichten.

Man unterdrückt die Konflikte total. Aber über den Irakkrieg und sonstigen USA-Schrott weiß jeder bescheid.


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Puschelhasi
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

23.12.2013 um 22:26
Brandaktuell isses eben nicht mehr. Und verstehen tut das eh keiner worum es da geht. vll liegt es daran?


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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

23.12.2013 um 22:45
Die Serben waren im Balkankrieg sicher nicht die “Guten”.

Das waren die anderen Kriegsparteien jedoch auch nicht.

Der Zusammenbruch des Kommunismus hinterließ ein Machtvakuum, das die Entstehung von neuen Nationalstaaten begünstigte.

Die “nationale Souveränität” ist ein nachvollziehbares Bedürfnis, auch wenn “echte Unabhängigkeit” oft nur ein Illusion bleibt, und Abhängigkeiten lediglich getauscht werden.

In ethnisch einheitlichen Gebieten stellte die staatliche Neugestaltung kein großes Problem dar. Die Unabhängigkeit von Teilrepubliken, die aus den verschiedensten Gründen ethnisch nicht einheitlich waren, führte hingegen naturgemäß zu schweren Konflikten.


Solche Auseinandersetzungen kennen kein „Gut“ und „Böse“.

Wenn die Teilrepublik ihre nationale Unabhängigkeit erhält, wieso sollte nicht dasselbe Recht auch der ethnischen Minderheit zustehen?

Verfügt die Minderheit über die entsprechende Durchsetzungskraft (idealerweise einen schon bestehenden Nationalstaat mit dem sie sich vereinigen kann) ist eine Auseinandersetzung die fast logische Konsequenz.

Jeder kann von seinem Gesichtspunkt aus im Recht sein.

Erst im Zuge der Auseinandersetzungen geschahen Verbrechen wie Vertreibungen und ethnische Säuberungen.

Der 2. Weltkrieg war hingegen ein ideologischer Konflikt, der anschließende kalte Krieg gegen den Kommunismus ebenso.

Die Absetzung der Taliban und Saddam Husseins fanden im Rahmen der von der USA geführeten “War on Terror” statt. Korrekter wäre freilich die Bezeichnung “Krieg gegen islamistische Terroristen und deren Förderer”

Der Konflikt zwischen Juden und Arabern um Israel war hingegen ursprünglich nicht ideologisch, sondern ähnlich wie der Zypern-Konflikt oder der Kaschmir-Konflikt ein nationaler Konflikt.

Erst seit der islamischen Revolution im Iran ist der Nahost-Konflikt auch ein ideologischer geworden.

Im Fall Jugoslawiens wurde ein “ethnischer Konflikt” als “ideologischer Konflikt” mißverstanden.

Die Serben wurden zunächst noch als “Panzerkommunisten” bezeichnet. Bald wurden sie sogar als neue “Nazis” bzw. “Ultranationalisten” gebrandmarkt.

Ohne Notwendigkeit wurde der kroatische Staat einseitig anerkannt, wodurch der ethnische Konflikt wesentlich potenziert wurde.

Die europäischen Staaten unterstützten zwar vehement die kroatische und später die bosnische bzw. kosovarische Seite, waren jedoch nicht bereit, den Konflikt aktiv – sprich mit militärischen Mitteln - zu beenden. Daher mussten sie die serbische Seite immer stärker dämonisieren, um den Weltpolizisten USA zum Eingreifen zu bewegen.

Die Darstellung, nach der die Serben dabei waren, aus ideologischen Gründen einen Völkermord zu begehen, führte jedoch auch dazu, dass sich Muslime - trotz der Parteinahme des Westens zu ihren Gunsten - als Opfer sahen.

So wurde statt Dankbarkeit ein Aufflammen des weltweiten Jihads geerntet.

Die Amerikaner hatten zwar die militärische Initiative im Jugoslawienkrieg ergriffen – die Sichtweise auf den Konflikt war jedoch von Europa vorgegeben worden. Gerade die ehemaligen Verlierer aus den beiden Weltkriegen – Deutschland und Österreich – hatten sich mit ihrer neuen alten antiserbischen Sichtweise durchgesetzt.

Wirtschaftliche Interessen spielten zwar bei der Anerkennung der neuen Staaten eine starke Rolle – entscheidend war jedoch auch die eigene moralische Entlastung, indem man die Serben zu den “neuen Nazis” und Milosevic zum neuen “Hitler” stilisierte.

Die antiserbische Sichtweise wurde zwar zum europäischen Meinungs-Mainstream, die Verantwortung für die miltärische Initiative überließ man jedoch gerne den USA. Das neue Deutschland sollte nicht nur von seiner alten Schuld befreit werden, sondern durch die eigene Geschichte und “die Lehren, die man daraus gezogen hatte”, zum wahren Vertreter des Pazifismus erhöht werden. Dieses neue Selbstverständnis zeigte sich später im vollen Ausmaß bei der Ablehnung des Irak-Kriegs.

Opfer der ethnischen Säuberungen im Jugoslawienkrieg war die muslimische Bevölkerung in Bosnien und im Kosovo. Durch die Stilisierung der im Rahmen des Konflikts geschehenen Übergriffe zu Völkermord wurde jedoch das Eingreifen gegen die Serben als Selbstverständlichkeit angesehen.

Um den militärischen Einsatz im Kosovokonflikt zu rechtfertigen, hatten Amerikaner, Engländer und Deutsche Opferzahlen von 100.000 genannt, die sich mittlerweile als völlig überzogen erwiesen haben. (heute wird vom internationalen UN Kriegsverbrechertribunal in Den Haag von Zahlen bis zu 10.000 auf beiden Seiten ausgegangen)

In den westlichen Medien wurden diese Zahlen jedoch nie revidiert – ganz zu schweigen von der islamischen Welt.

So führte die Parteinahme des Westens lediglich im Kosovo zu einer gewissen Dankbarkeit.

Obwohl man dort später eine Militärbasis errichtete, ist der Kosovo im Grunde für Amerika von keinerlei strategischer Bedeutung.

Wirtschaftlich schwache Länder wie Albanien hätten die Amerikaner jederzeit mit offenen Armen empfangen. Trotz Antiamerikanismus hat sich auch in Deutschland die Freude über die jüngste Schließung von US Basen auf Grund der damit verbundenen wirtschaftlichen Nachteile sehr in Grenzen gehalten.

Durch die in Bosnien und im Kosovo geschaffenen Verhältnisse schuf die Clinton Administration jedoch eine Situation, die früher oder später wieder zum Konflikt mit tatsächlichen potenziellen strategischen Partnern, nämlich Serbien und vor allem dem wieder erstarkten Russland führen musste.

Das heutige Russland ist wirtschaftlich fest mit dem Westen verwoben – den dadurch gewonnenen Wohlstand wird man nicht leichtfertig aufgeben. Außerdem hat man selbst genug mit nach Unabhängigkeit strebenden Minderheiten zu kämpfen. Aus demselben Grund verzichtet sogar China – trotz der Chance auf eine US Erniedrigung - darauf, Südossetien und Abchasien anzuerkennen.

Gute Beziehungen zu Russland sind notwendig. Eine Neuauflage des kalten Krieges für keine Seite wünschenswert. Putin hat dem Land viel Stabilität gebracht. Ein echter Partner kann Russland aber nur als demokratischer Verfassungsstaat sein. Davon hat man sich leider unter Putin mehr entfernt als genähert, auch wenn Gerhard Schröder gerne das Gegenteil behauptet.

Der Konflikt um Abchasien und Südossetien ist kein ideologischer. Das Eingreifen ist ein Luxus, den sich Russland als wiedererstarkte Weltmacht leistet.

Will man Russland dieses Vorgehen vorwerfen, ist das eigene einseitige Vorgehen im Jugoslawienkonflikt eine belastende Hypothek.


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FordP71
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

23.12.2013 um 23:06
Puschelhasi schrieb:Brandaktuell isses eben nicht mehr. Und verstehen tut das eh keiner worum es da geht. vll liegt es daran?
Die Weltkriege sind auch nicht brandaktuell und werden trotzdem gelehrt. Die Jugoslawienkriege aus den 90ern verstehen nur wenige, weil das niemandem beigebracht wird.
Französische Revolution, Römer und sonstwas macht man detailreich bis zum Erbrechen. Aber über ein Ereignis, das vor 20 Jahren vor der eigenen Tür passiert ist, verliert man kein Wort.

Das ist der Punkt, den ich nicht verstehe.


@aronsperber
Für dein Anliegen empfehle ich dir den Thread Diskussion: Balkankonflikt. ;)


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Puschelhasi
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

23.12.2013 um 23:10
@FordP71

Weil dieser lokale Bürgerkrieg eben weltgeschichtlich keinerlei Bedeutung hat, Es hätte kaum eine Auswirkung wenn dort etwas passieren würde. Eine Randnotiz allenfalls.

Es finden ja auch in Afrika oder in anderen unbedeutenden Regionen Kriege und Massaker statt, es wird nunmal irgendwo ein cut gemacht.


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FordP71
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 00:21
Ist aber trotzdem kein Grund zu behaupten, in Europa würde schon so lange Frieden herrschen.

Die Erzählungen stellen es so dar, als wäre nichts gewesen. Und auch wenn der Krieg keine großen Auswirkungen hatte, gehört er zur jüngsten Geschichte Europas.


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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 00:31
FordP71 schrieb:Überall werden die Jugoslawienkriege einfach ignoriert. Ob nun im Schulunterricht, in Dokus im Fernsehen oder in Berichten über die Entwicklung Europas.
Wenn man nicht gerade dort irgendwo verwurzelt ist/war, war die ganze sache nur bedingt interressant. Auch die auswirkungen auf gesamt-Europa waren nur begrenzt


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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 07:54







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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 07:58


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Hermes77
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 09:03
@FordP71
Ein sehr spannendes Thema aber so Komplex und für außenstehende fast unbegreiflich. Hier besteht der Konflikt schon mehrere Jahrhunderte. Ich versuchs mal in vereinfachter Form zu Schildern.

Die Balkanregoin war von je her ein Konfliktbeladenes Land das nur Friedenszeiten erlebte wenn Grossmächte über Sie das sagen hatten. Als das Römische Reich auseinander fiel spaltet sich die Region in eine Christliche und eine Christlich-Orthodoxe auf. Das war sozusagen die Initialzündung für den bis heute andauernden Konflikt. Missgunst, Unverständnis und Neid führten beide Parteien dazu sich soweit voneinander zu entfernen das ein früher Brüderliches Volk sich bis aufs Blut zu bekämpfen anfing.

Mit dem einfallen der Osmanen und der Eingliederung ins Osmanische Reich fand auf dem Gebiet des Balkans vor allem im Gebiet des heutigen Bosnien und Hercegowina(viele Bosniaken nahem den Islam freiwillig an) Zwangs-Taufen statt. In Serbien wurden starke Bestrebungen des Wiederstands brutal unterdrückt zu erwähnen wäre das die Osmanen in Serbien Kinder von getöteten Zivilisten ins Reich schickten und sie zu sogenannten Janitscharen ausbildeten. Sie wurden zur Elitesoldaten erzogen. Trotz all der Gräueltaten blieb es Jahrhunderte lang ziemlich ruhig auf dem Balkan(klar Weltmacht herrscht). Beim Zerfall des Osmanischen Reiches waren es nun schon Drei Religionen auf relativ kleinem Gebiet.

Der erste Weltkrieg wird gerne den Balkanern die Schuld gegeben dabei vergisst man all zu gerne das Ferdinand ein Despot war und die Welt vor allem aber Europa froh war, den los zu haben. In den wirren des ersten Weltkrieges spaltet sich der in Balkan verschiedene Fraktionen die jede Für sich eine andere Kriegspartei unterstützte. Nach Beendigung des 1 Weltkriegs entstand dann das Königreich Jugoslawien des den Viel-Völker staat zu einem vereinten Königreich zusammen schloss. Hier war vor allen Serbische König die Triebfeder. Schnell wurde klar das Kroatien und Bosnien nicht mit der Lösung glücklich werden würde da ja von je her auf Unterschiede der Völker hingewiesen wurde.

Mit der Ermordung von König Aleksander Karadjordjevic(hier hatten Kroatische Nationalisten um Ante Pavelic die Hände im Spiel) und dem ausbrechen des zweiten Weltkriegs war der Zusammenbruch des Königreichs Jugoslawien unausweichlich. Die Kroaten und Bosniaken schlossen sich dem Deutschen Reich an und Serbien galt nun als Alleinstehender Faktor der Orthodoxen Bevölkerung. Währen auf dem Balkan Massenvernichtungslager für Juden und Serben (darunter das einzige Massenvernichtungslager für Kinder) wie Pilze aus dem Boden schossen spaltete sich die Serbisch Armee in Königtreue Soldaten und den sogenannten Cetniks(freiheitskämpfer die für Ihre Gräueltaten berümt wurden) auf. Gräueltaten auf allen Seiten Folgen und hier wird der Grundstein für den Immerwährenden Hass gelegt. Doch in all dem Sinnlosen Töten gewinnt eine Gruppe die anfangs nur belächelt wurde immer mehr am Bedeutung zu im Krieg und das waren die Partisanen. Ein verband aus allen Völkergruppen versuchte sich der Nationalistischen Strömungen im Kriegsgebiet zu wiedersetzten und strebte einem geeintem Staatenverbund an. Der Ausgang des zweiten Weltkrieges ist ja bekannt und die Geburt eines Sozialistischen Staates Jugoslawien auch.
Fortsetzung folgt......


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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 09:46
Ich bin selbst Bosnier, aber kann schon verstehen das die Jugoslawienkriege in anderen Ländern heute keine große Beachtung finden. Zur gleichen Zeit wie die damaligen Jugoslawienkriege, spielte sich der Völkermord von Ruanda ab, mit ca. 1.000.000 Toten. Das ist eine Katastrophe epischen Ausmaßes gegen welche der Zerfall Jugoslawiens wie ein Nachmittagsspaziergang aussieht. Thematisiert heute noch irgendjemand Ruanda? Nicht das ich wüsste. Von daher überrascht es auch nicht das bedeutend kleinere Ereignisse auch nicht thematisiert werden.


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Hermes77
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 10:11
Nun muss ich mich hier beim Thema Partisanen doch genauer ausdrücken da sonst das ganze ausmass des Problems nicht Sichtlich wird.

Die Partisanen waren am Anfang des Krieges 1942 eher ne Guerillatruppe als ne schlagkräftige Armee. Hoffnungslos unterlegen an Soldaten und Kriegsmaterial zeichneten sie sich mehr durch Koordinierte Blitzangriffe aus. Sie griffen schnell an un verzogen sich auch schnell wieder. Hier kam ihnen vor allem die Überlegenheit auf eigenem Boden kämpfen zu müssen zu Gute. Die Partisanen um ihren Führer Tito wurden im Komunistischem System integriert und standen der Russischen Seite nahe. Zur Person Tito komme ich vll. noch später(falls gewünscht) weil er bis vor kurzen eine mysteriöse Enigma für das eigene Volk war.

Nach Beendigung des Krieges und der daraus folgenden Gründung des Sozialistischen Viel-Völkerstaates Jugoslawien wurden aus meine Sicht die Grössten Fehler begangen und die Historische Chance vertan den Konflikt auf dem Balkan ein für alle mal zu beenden. Ich hoffe es hier einigermaßen verständlich rüber bringen zu können. Als Jugoslawien den Krieg hinter sich ließ wurden große Fehler gemacht von Seiten Titos und seiner Kommunistischen Partei. Anstatt die Gäueltaten zu verurteilen die von allen Parteien begangen wurden, hat man sich auf ein halbherziges verfolgen der Täter geeinigt, um so ein Nationalistisches Gedankengut zu unterdrücken. Man forcierte den Gedanken von Brüderlichkeit und Einigkeit ohne den selbstverschuldeten "Dreck" der Vergangenheit zu beseitigen. Die Völker wurden alle auf eine Linie getrimmt und Personen die aus der reihe tanzten wurden in Arbeitslager verfrachtet. Religion wurde durch Arbeit ersetzt und das Individuum für das Kollektiv geopfert. Meinungsfreiheit gabs nur in den eigene vier Wänden und so wurde der Nährboden für den zukünftigen Krieg gelegt.

Schon kurz vor dem Tod Titos wurden Nationalistische Strömungen im Lande wach und ein bevorstehender Krieg war schon abzusehen da begann sich Europa zu einen und die Sowjetunion zerfiel. Hier wird nun ein Golbaler Faktor bemerkbar nämlich das Slowenien und Kroatien Europa zugewandt waren und Serbien Montenegro den Russen. Die Grossen begannen die Kleinen zu unterstützen und das Ergebnis ist mit dem Balkankriegen allen Bekannt.


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Hermes77
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 10:24
@kickeric
Das stimmt und ich gebe Dir da voll Recht. Aber weil wir geografisch näher am Balkan sind interessieren wir uns auch mehr für sie. Sehr Traurig aber Wahr...


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Hermes77
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 10:44
Den Wenigsten außenstehenden ist bekannt das Franjo Tudjman(Kroate) und Slobodan Milosevic den Balkan unter sich aufteilen wollten. Der plan Sah vor Slowenien als Unabhängig zu akzeptieren. Kroatien würde mit der Bosnische Herzegowina fusioniert und der Rest würde dem Grosssrebien zu geschrieben werden. Sie haben den Plan ohne die Bosnier gemacht die zwar unorganisiert und am Anfang des Blakankrieges noch unschlüssige Nation, die aus der Not heraus(von beiden Parteien ausgenutzt) ihren eigenen Staat forderten.

Somit haben die drei Grossen: Izetbegovic, Tudjman und Milosevic bewusst oder unterbewusst die Katastrophe noch viel Grösser gemacht als sie schon war.


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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 11:49
aronsperber schrieb:Der 2. Weltkrieg war hingegen ein ideologischer Konflikt, der anschließende kalte Krieg gegen den Kommunismus ebenso.
Der kalte Krieg war ein ideologischer Konflikt, das ist sicher unbestritten. Der II. WK war aber kein ideologischer Konflikt. Ideologien rückten im II. WK sogar stark in den Hintergrund, das zeigt sich auch daran, dass die Aliierten sich mit der Sowjetunion "verbrüderten", um gemeinsam gegen die Achsenmächte zu kämpfen.
aronsperber schrieb:Die Absetzung der Taliban und Saddam Husseins fanden im Rahmen der von der USA geführeten “War on Terror” statt. Korrekter wäre freilich die Bezeichnung “Krieg gegen islamistische Terroristen und deren Förderer”
Die Taliban wurden angegriffen, weil diese Osama Bin Laden, dem wahrscheinlichen Architekten von 9/11, Gastrecht gewährten. Hätte sich OBL im Jemen aufgehalten, dann wären vermutlich Bomben auf den Jemen gefallen.

Saddam hat den Terror übrigens kaum unterstützt. Saddam war auch alles andere als ein islamischer "Eiferer". Saddam Hussein war primär daran interessiert, selbst an der Macht zu bleiben. Ironischerweise haben sowohl der Krieg gegen die Taliban wie auch der Krieg gegen den Irak eher dazu geführt, dass in den entstandenen Machtvakuums ideale Brutstätten für den (islamischen) Terrorismus entstehen konnten.
aronsperber schrieb:Die Amerikaner hatten zwar die militärische Initiative im Jugoslawienkrieg ergriffen – die Sichtweise auf den Konflikt war jedoch von Europa vorgegeben worden. Gerade die ehemaligen Verlierer aus den beiden Weltkriegen – Deutschland und Österreich – hatten sich mit ihrer neuen alten antiserbischen Sichtweise durchgesetzt.
Die Serben wurden praktisch nur von den Russen unterstützt, was ihnen im Westen mehr geschadet als genutzt haben dürfte. Der antirussische Reflex ist auch heute in Deutschland und anderen westlichen Ländern noch immer sehr stark, was man fast täglich in den Medien bestätigt bekommt. Anfangs der 90er war das noch ausgeprägter. Und natürlich ist es einfacher, militärische Interventionen zu befürworten, wenn man der Öffentlichkeit ein stark verzerrtes gut und böse Bild der tatsächlichen Vorkommnisse präsentiert.
kickeric schrieb:Ich bin selbst Bosnier, aber kann schon verstehen das die Jugoslawienkriege in anderen Ländern heute keine große Beachtung finden. Zur gleichen Zeit wie die damaligen Jugoslawienkriege, spielte sich der Völkermord von Ruanda ab, mit ca. 1.000.000 Toten. Das ist eine Katastrophe epischen Ausmaßes gegen welche der Zerfall Jugoslawiens wie ein Nachmittagsspaziergang aussieht. Thematisiert heute noch irgendjemand Ruanda? Nicht das ich wüsste. Von daher überrascht es auch nicht das bedeutend kleinere Ereignisse auch nicht thematisiert werden.
Nur schon wegen der geografischen Nähe müsste man den Konflikten auf dem Balkan in Europa viel mehr Beachtung einräumen. Verdrängen und vergessen ist keine Lösung. Dabei sollte es weniger um Schuldzuweisungen als viel mehr um eine Analyse gehen, wie ein lange schwelender Konflikt plötzlich zu einem Krieg werden konnte. Die Jugoslawienkriege gehören deshalb in den europäischen Geschichtsunterricht.

Emodul


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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 14:14
FordP71 schrieb:Das ist der Punkt, den ich nicht verstehe.
Themen die das eigene Land direkt beeinflussen sind wichtiger als Themen die das nicht tun?

Du hast recht das macht überhaupt gar keinen Sinn.


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FordP71
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Jugoslawienkriege? Vergessen wir mal lieber...

24.12.2013 um 14:45
nahtern schrieb:Wenn man nicht gerade dort irgendwo verwurzelt ist/war, war die ganze sache nur bedingt interressant. Auch die auswirkungen auf gesamt-Europa waren nur begrenzt
Ein Grund, den Krieg nirgends zu erwähnen und einfach zu sagen, seit dem 2.WK ist in Europa keine Bombe mehr gefallen?

@kickeric
Der Balkan liegt im Gegensatz zu Ruanda in Europa. Und wenn man die Geschichte Europas in der Schule behandelt, kann man nicht einfach im Jahr 1989 aufhören. Man sollte zumindest erwähnen, dass sich danach noch Jugoslawien in einem Krieg aufgelöst hat.
Vor noch 22 Jahren hatte Europa ganze 6 Staaten weniger. 5 Staaten wurden unabhängig und eines neu gegründet. Serbien ist nicht aufgelistet, da es sozusagen aus dem Rest Jugoslawiens entstand.
Man blendet die 90er komplett aus.

@Tyon
Im Geschichtsunterricht und in Fernsehbeiträgen geht es in der Regel nicht nur um Themen über das eigene Land. Dort lernt man Dinge, die auch außerhalb der Heimat so passiert sind.
Deinem Beitrag nach sollte man die Leute nur über Dinge informieren, die sie direkt betreffen. Ein Bild über die Situation in der gesamten Welt braucht wohl niemand.



@Chavez
@Hermes77
@emodul
Interessante Videos und sehr guter ausführlicher Text, aber das passt eher in diesen Thread: Diskussion: Balkankonflikt
Da wird über den Krieg so diskutiert, wie ihr es hier tut. In diesem Thread geht es nur um die Frage, wieso die Kriege in keinen Berichten und Beiträgen Beachtung kriegen. ;)


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