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Du hast keine Wahl. Entscheide Dich!

44 Beiträge, Schlüsselwörter: Wahl Entscheidung Satire

Du hast keine Wahl. Entscheide Dich!

03.12.2013 um 09:08
Entscheidungszwang als lebenslange Strafe

Ein Loriot- Dialog:

>>Berta: "Herrmann?"
Hermann: "Ja?"
Berta: "Was machst du da?"
Hermann: "Nichts!"
Berta: "Nichts? Wieso nichts?"
Hermann: "Ich mache nichts!"
Berta: "Gar nichts?"
Hermann: "Nein."
Berta: "Überhaupt nichts?"
Hermann: "Nein, ich sitze hier!"
Berta: "Du sitzt da?"
Hermann: "Ja."
Berta: "Aber irgendwas machst du doch!"
Hermann: "Nein."
Berta: "Denkst du irgendwas?"
Hermann: "Nichts besonderes."
Berta: "Es könnte ja nicht schaden, wenn du mal etwas spazieren gingest!"
Hermann: "Nein, nein."
Berta: "Ich bringe dir deinen Mantel!"
Hermann: "Nein, danke."
Berta: "Aber es ist zu kalt ohne Mantel!"
Hermann: "Ich geh ja nicht spazieren."
Berta: "Aber eben wolltest du doch noch!"
Hermann: "Nein, du wolltest, daß ich spazieren gehe!"
Berta: "Ich? Mir ist es doch völlig egal, ob du spazieren gehst!"
Hermann: "Gut." << usw, siehe hier: http://www.funparadies.de/Funwords/loriot.html

Die Frau wird hier zur Vertreterin der Gesellschaft. (An FeministInnen: Es ist zufällig die Frau, das hat mit dem Geschlecht nichts zu tun.)
Es ist verdächtig, wenn sich jemand nicht entscheidet. Das wird höchstens an dafür angewiesenen Orten zu akzeptierten Zeiten geduldet.
Etwa im Urlaub am Strand. Da ist immerhin der Konsum- Hintergrund gegeben. Urlaub ist teuer.
Im Alltag müssen wir Muße erklären. Im Gegensatz zur Dauerbeschäftigung.
"Können wir uns am Montag treffen?" ist z. B. eine Frage, die man nicht ungestraft einfach mit "Ja. Ich habe Zeit" beantwortet.
Üblich ist eher "Da passt es mir leider gar nicht" oder "Da muss ich erstmal nachgucken" oder "Also, am Montag gehe ich zum Arzt, dann hole ich das Auto aus der Werkstatt... usw."

Wir sind zu verschiedenen lebenslangen Strafen verurteilt: Beschäftigung, Konsum und Lernen.
Jugendliche wehren sich noch gegen die Vertreibung aus dem unproduktiven Paradies kindlicher Verantwortungslosigkeit.
Sie hängen ab, gehen schon mittags mit Bierflaschen durch die Stadt, feiern Endlos- Partys, welche die eigene Verwertungsmöglichkeit am nächsten Tag stark einschränken.
Schließlich entdecken sie die Wirkung von Konsumprodukten auf andere. Etwa auf das andere Geschlecht. Für den Erwerb möglichst neuer und damit teuerer Textilien, Elektronik oder gar
Fahrzeuge ist schließlich der Eintritt in das Laufrad der Erwerbsarbeit nötig. Dafür gilt es, alles zu lernen, was möglichst hoch honoriert wird. Die Entwicklung des eigenen kreativen Potentials ist dabei
zweitrangig. Die Zivilisations- Übungen und Rituale der Schule werden fortgesetzt. Man sitzt in geschlossenen Räumen und verhält sich gesellschaftlich kompatibel.
Hier vermischen sich nun echte Bedürfnisse, welche neben dem Erhalt des eigenen Körpers auch die Neugier auf das Leben beinhalten, mit Sekundär- Bedürfnissen.
Letztere weckt meist die Werbung. Probleme werden erfunden, um eine dafür geeignete Lösung zu verkaufen. Allein der Aufwand und die Abhängigkeiten, welche ein eigenes Auto mit sich bringen,
führt die Behauptung der Unabhängigkeit, Freiheit und des Zeit- Sparens durch ein Kraftfahrzeug ad absurdum.
Ein Auto ist auch ein idealer Entscheidungs- Lehrer. Durch die Scheibe nach vorn gesehen und durch den Rückspiegel ergänzt, drängen sich in rasender Folge Entscheidungszwänge auf.
Man wird nicht schneller, man legt nur weitere Strecken zurück. Selbst über Land zu fahren, durch die Natur, hat nicht mehr viel mit dem eigentlichen "Erfahren" zu tun.
Der Weg ist vorberechnet, die Straßen gut ausgeschildert. Es gilt nur noch, Zeit und Raum bis zum Erreichen des Ziels tot zu schlagen.
Dabei gibt es gar kein Ziel, denn hinter jedem Ziel lauert ein neues.
An dieser Stelle hat der Autor des Beitrags Lust auf einen Spaziergang. Bis demnächst.


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Du hast keine Wahl. Entscheide Dich!

04.12.2013 um 12:04
@Koreander

Loriot ist immer wieder köstlich zu lesen :D


Von wegen der Entscheidungsfreiheitszwängen und der Probleme dabei: hier ein link mit vielen guten Tipps, die uns im täglichen Leben dabei helfen sollen :

http://www.wunderweib.de/liebeundlifestyle/lifestyle/artikel-3118094-lifestyle/Entscheidungen-treffen-so-faellt-s-leicht...

Besonders hilfreich ist doch dieser Satz aus dem link, wenn ich so an Dein erstes Beispiel und meines im video denke:
Nun ist es so weit. Schlafen Sie noch eine Nacht drüber oder zwei. Dann aber können Sie sich ein letztes Mal auf Ihre Intuition besinnen. Was sagt sie Ihnen? Folgen Sie dem - Sie werden richtig entscheiden.
Ich fürchte allerdings, dass wir dann am Hunger/Dursttuch nagen werden ;D


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Banana_Joe
ehemaliges Mitglied

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Du hast keine Wahl. Entscheide Dich!

04.12.2013 um 12:13
Tor 3 bitte :trollsanta:


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Du hast keine Wahl. Entscheide Dich!

05.12.2013 um 09:53
Noch ein Beispiel dafür, dass wir oft keine Wahl haben.

"Denn sie dürfen nicht, was sie sollen"

Über die Schizophrenie der schulischen Erziehung

Prof. Marianne Gronemeyer, Erziehungswissenschaftlerin, über die Ansprüche an SchülerInnen und die Unmöglichkeit, diese zu erfüllen:
- Sie sollen lernen, sich sozial und rücksichtsvoll, kooperativ und solidarisch zu
benehmen, aber belohnt werden sie dafür, dass sie andere in der härter werdenden
Konkurrenz des Ausbildungsalltags zur Strecke bringen. ...

-- Die Lernenden sollen lernen, aufmerksam und bei der Sache zu sein, tatsächlich
aber ist der ganze konsumistische Betrieb, an dem ja das vergötzte industrielle
Wachstum hängt, darauf angesetzt, sie zu zerstreuen und mit Nebensachen zu
beschäftigen.

- Sie sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen, aber sie leben in einer Welt, in
der es für sie nichts zu verantworten gibt, weil alles so unverrückbar feststeht, dass
sie nur noch befolgen können, was ihnen vorgeschrieben ist. Der Radius ihres
Wirken-Könnens ist ja nicht annähernd so groß, wie der ihres Bewirkt-Werdens.

- - Sie sollen lernen, Vertrauen zu haben und zuversichtlich zu sein, erfahren aber
beständig, dass man ihnen nicht traut, weshalb sie mit Kontrolle und Überwachung
drangsaliert und mit Zensuren diszipliniert und entwertet werden.

- Sie sollen kreativ und erfinderisch sein, werden aber mit Dingen überschüttet, und
in Verfahren eingefädelt, die jede eigene Idee im Keim ersticken. ...
http://www.marianne-gronemeyer.de/resources/Brugg+2012+Schule.pdf

Tatsächlich führt das Vergeben von Zensuren dazu, dass der Konkurrenzdruck in der Schule zunimmt. Ständig rechnet man sich aus, an welcher Stelle der Leistungs- Hierarchie man steht.

Aufmerksamkeit, Konzentration auf ein Sachgebiet: wie würden wir damit klar kommen, wenn wir uns an fünf Tagen in der Woche jeweils auf fünf verschiedene Themengebiete konzentrieren müssten?
Wäre das nicht so, als würden wir fünf verschiedene Filme nacheinander ansehen? Wüßten wir dann noch, welches Detail in welchen Film gehört?
Dazu kommt, dass die alltägliche Reizüberflutung uns überlastet. Wie schön ist es dagegen, sich eine Woche Zeit für ein dickes Buch zu nehmen. Das können die meisten nur im Urlaub.

Kontrolle, Überwachung: eine schlechte Zensur ist eine Strafe. Alle SchülerInnen sollen in der selben Zeit etwas begreifen. Dass jemand langsamer lernt als ein anderer, dafür durchaus ein besseres Ergebnis erzielen kann, wird ausgeblendet. Es gilt das Mittelmaß, welches Statistiker den Behörden vorlegen, die daraus einen allgemein verbindlichen Lehrplan basteln. Zur Durchsetzung dieser Vorgaben muss ständig kontrolliert werden. Bestraft wird, was nicht in die Norm passt. Sind alle Menschen gleich?
Weshalb werden sie für ihre Unterschiedlichkeit bestraft?

Kreativität: Was macht die ungeheure Menge von Wissen mit der eigenen Kreativität? Wer hat noch Zeit, Eigenes zu entdecken, wenn er ständig damit beschäftigt ist, das zu lernen, was andere vor ihm gedacht haben? Am besten scheint ein Schüler heute klarzukommen, wenn er ein fotografisches Gedächtnis hat. Dann braucht er nur noch abzuspulen, was er speichern konnte.
Kennen wir sie nicht, die Mitmenschen, bei denen man nur ein Stichwort geben muss, um sie zu einem langen Vortrag zu bewegen?
Die das dann herunterleiern, ohne Rücksicht auf unsere schwindende Aufmerksamkeit?
Warum machen sie das? Sind sie "Autisten"? Meist wohl nicht, aber solches Verhalten wird in der Schule belohnt.


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