Organic-Flow-Batteries, made only in Germany ?
Auf den ersten Blick wird man geblendet von der vermeintlichen Innovationskraft der Idee "Organic-Flow-Batteries" mit nachwachsenden Rohstoffen.
Beim genaueren Recherchieren entdeckt man allerdings so einige Ungereimtheiten. Jedenfalls sind die organischen Elektrolyte relativ weit weg von natürlichem Lignin. Lignin ist einfach nur der theoretisch ubiquitär und unbegrenzt nachwachsende Rohstoff, auf dem die elektrochemisch brauchbaren Elektrolyte aufbauen. Das ist auf jeden Fall eine gute Ausgangslage für Forschung.
Patentierbare und skalierbare chemische Derivate von Lignin, die wirklich als Elektrolyte geeignet sind,
müssen aber natürlich erst synthetisiert werden und die Eignungstests bestehen, bevor die Industrialisierung folgen kann.
Zum Beispiel hat das europäische Patentamt das folgende CMBlu-Patent EP2017/000461
https://patentscope.wipo.int/search/en/detail.jsf?docId=WO2018146342überhaupt nicht akzeptiert, weil es keinerlei Innovation enthält und sehr blumig -aber auch sehr ungenau- beschreibt, was man so vor hat:
https://patentscope.wipo.int/search/docs2/pct/WO2017174206/pdf/Hw5aXaBWESdgA7GDX_S0TydCXbTPzNd4Z_98UtOCmVqo1q6PSvogmV9sYYtMgak_nhWg0NOyriETsxxobtnKQFr-4Q3QiUTG8Pu2Ko3Q_UeDCG5zHsIxXJ09chaq_uN3?docId=id00000039651849Unverständlich, dass der Patentanwalt, der dieses Patent in München beim EPO eingereicht hat, dies nicht selbst gemerkt hat.
Es mag sein, dass inzwischen konkretere Claims in neuen Patenten von CMBlu beschrieben werden.
Das ist allerdings auch dringend nötig, weil parellel zu BluEnergy weltweit noch andere Institute auf diesem Feld aktiv sind.
Insgesamt dürfte das Konzept aber nicht so einfach skalierbar zu sein, wie behauptet wird.
Schon allein, weil die globale Papierindustrie insgesamt eine rückläufige Entwicklung zeigt, da der globale Papierverbrauch wegen der Digitalisierung schon seit Jahren sinkt. Die finnische Papierindustrie hat dies schon früh realisiert und neue Geschäftsfelder entwickelt. Eine komplexe Problematik wird in den Erklärungen von CMBlu Energy vielleicht doch zu sehr vereinfacht.
Ausserdem sind für die Modifikation von Lignin natürlich Chemieprozesse erforderlich und damit bleibt die Frage, wie umweltfreundlich die Technik nun wirklich sein kann, wenn sie denn einmal in die Industrialisierung geht. Allerdings ist natürlich jede Form der Energiegewinnung mit Umweltbelastungen verknüpft. Dies ist sicher unvermeidbar. Lignin ist ganz sicher leichter zugänglich als Lithium oder Kobalt.
Es ist weiterhin erstaunlich, dass in den Werbeprospekten von CMBlu Energy nur simple IBC-Container abgebildet werden.
Das ist nun eine wirklich sehr weitgehende Vereinfachung.
Die Performance der eigentlichen Flusszelle wird nicht beworben. Wahrscheinlich liegt hier das eigentliche Problem:
Anzahl der möglichen Cyclen und maximaler Energiefluss.
Dass die Kapazität der Speicher beliebig ausbaubar ist, je grösser die Speicher werden ist klar. Aber wenn man hohe Energiemengen transportieren muss, kommt es eben vor allem auf die Performance der Durchflusszelle an und nicht allein auf die Speicherkapazität.
Hier steckt der Teufel natürlich im Detail. Das ist jedem Profi klar.
Außerdem gelten auch hier die Gesetze der Thermodynamik. Physikalische Chemie ist nicht so leicht zu überlisten.
Dass Schäffler und Mann+Hummel eingestiegen sind, bedeutet deshalb auch noch nicht viel.
Diese Firmen haben kein tiefes Verständnis für elektrochemische Grundlagen.
Erst wenn echte Chemiefirmen einsteigen, wird es spannend.
Was lernen wir daraus: Allzu plakative Werbung wird eingsetzt, um potentielle Investoren zu beeindrucken.
Wirklich entscheidend für den Beleg der Innovationskraft eines Unternehmens sind die von den Patentämtern akzeptierten die Patente.
Von den Patentämtern akzeptierte Patente entscheiden über das technologische Potential auf dem globalen Markt.
Und danach kommt die Phase der Realisierung, in der aus einem Patent eine wirklich konkurrenzfähige Technologie oder ein Produkt/Prozess wird.
Auf jeden Fall wünschen wir CMBlu Energy aber viel Erfolg.
Vielleicht steckt hinter der plakativen Werbung ja doch noch mehr ?