FritzPhantom schrieb:Ich vermute er hat einfach ein paar Gläschen gekauft, sie zu Hause vergiftet und dann in verschiedene Supermärkte gestellt. Das wäre das einfachste.
Ich habe mich etwas mit dem Fall von 2017 beschäftigt. Damals hat es der Täter so gemacht.
FritzPhantom schrieb:Überwachungskameras gibt es ja in den Supermärkten, wird nur eine Heidenarbeit alles durchzusehen
Und so ist er damals wohl auch aufgeflogen:
Am Samstag, den 16.09.2027, hatte der Täter - Jochen S. - fünf Gläser mit vergifteter Babynahrung in verschiedenen Märkten in Friedrichshafen in die Regale geschmuggelt. Warnungen oder Verhandlungen vorab hatte es nicht gegeben. Noch am gleichen Tag hatte S jedoch seine Erpresserbriefe per e-mail verschickt, u.a. auch direkt an das BKA. Die Erpressung richtete sich gegen 10 Handelsketten, die Babynahrung war nur Mittel zum Zweck. Da S. auf betroffene Märkte in Friedrichshafen verwiesen hatte und er die Gläschen kurz vor Ladenschluss deponiert hatte, konnten sie noch rechtzeitig aus dem Verkehr gezogen werden. Sowohl die betroffenen Handelsketten, als auch die EB, gingen zunächst
nicht an die Öffentlichkeit.
S. hatte gefordert, dass die Polizei ihm ein Auto besorgt und in diesem knapp 12 Mio. € in vorgegebener Stückelung - insgesamt 35.000 Scheine - deponiert. Die Übergabe sollte am 30. September 2017 in Sigmaringen erfolgen. Am 24. September schaltete die Polizei - wie von S. gefordert - eine Anzeige in der FAZ am Sonntag, um ihr Einverständnis zu signalisieren, Text "Alles Klar, Sigmaringen, 30.09.2017, 22 Uhr". Wie es dann nach den Vorstellungen des Täters hätte weitergehen sollen, weiß ich nicht.
So oder so, die EB entschieden sich dann zwei Tage vor der geplanten Übergabe, also am 28.08.2017, doch für eine breite Öffentlichkeitsfahndung, bei der man gestochen scharfe Bilder aus Überwachungskameras der betroffenen Supermärkte zeigte. Bereits am nächsten Tag konnte S. festgenommen werden.
Der Fall hatte übrigens noch ein kurioses Nachspiel: Im Januar 2022 berichtete die Bild unter der Überschrift "Knackis in Angst - Giftmischer arbeitet jetzt in Knastküche" darüber, dass S. in der JVA Freiburg in der Essensausgabe eingesetzt werden würde, was bei einigen Mitgefangenen wohl Bedenken ausgelöst hatte.
Wer die Ereignisse von damals nachlesen möchte:
Erster Bericht der Bild vom 28.09.2017:
https://www.bild.de/news/inland/news-inland/erpressungsfall-lebensmittel-53358972.bild.htmlFahndungsfotos - bis heute unverpixelt - und Bericht über die Öffentlichkeitsfahndung vom 29.09.2017 bei der Tagesschau:
https://www.tagesschau.de/inland/erpresser-lebensmittel-101.htmlAnzeige "Alles Klar" bei der FAZ:
https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/polizei-antwortet-lebensmittel-erpresser-per-zeitung-15233624.html"Knackis in Angst", wieder Bild:
https://www.bild.de/ratgeber/sparfochs/bild-kaempft-fuer-sie/knackis-in-angst-giftmischer-arbeitet-jetzt-in-knast-kueche-78969922.bild.htmlIch will hier aber nicht meinen eigenen Faden mit diesem abgeschlossenen Altfall entführen. Ich glaube aber, dass der heutige Täter aus dem Fall gelernt hat. Gestern schon ist mir eine etwas merkwürdige Formulierung eines Pressesprechers von Hipp aufgefallen, die von verschiedenen Medien zitiert wurde:
"Nach aktuellem, behördlich bestätigtem Kenntnisstand betrifft der Fall ausschließlich klar abgegrenzte Vertriebswege", sagte der Hipp-Sprecher Agenturberichten zufolge.
Quelle:
https://orf.at/stories/3427349/Was ist hier mit "klar abgegrenzten Vertriebswegen" gemeint? Ein Täter, der einfach vergiftete Gläschen in Regalen deponiert, kann das doch überall tun, völlig egal wie der Vertriebsweg ist. Auch wird vorliegend ja ganz offensichtlich nicht die Handelskette Spar in Österreich erpresst, sondern Hipp selbst. Kann es sein, dass die Gläser während des Transports oder in einem Zwischenlager ausgetauscht wurden, von dem aus Teile Österreichs, Tschechien und der Slowakei beliefert werden? Dann würde man vergeblich nach Bildern von ihm auf Überwachungskameras aus Supermärkten suchen.