Sidney Lute (19) aus den Niederlanden seit 2016 vermisst
09.10.2026 um 10:55Wie hat er dich seine Reise denn finanziert? Ob man darauf wohl Rückschlüsse ziehen könnte?
Er hatte, laut Filmbeitrag eine Kryptowallet, die nicht mehr aufzufinden ist.ichhier schrieb:Wie hat er dich seine Reise denn finanziert? Ob man darauf wohl Rückschlüsse ziehen könnte?
Ja, ich muss dabei auch sofort an mich selbst denken. Nach außen hin denken die meisten vermutlich auch, dass ich ein gutes Verhältnis zu meiner Familie haben müsste, obwohl ich seit mehreren Jahren nicht mehr in meiner Heimat war und früher jedes Wochenende dort verbracht habe. Meine Mutter und ich haben seit dem Tod meines Vaters ein sehr ambivalentes Verhältnis, weil mir erst danach klar geworden ist, dass mein Vater und meine Großeltern eigentlich alles getan haben, um mich zu schützen, während es meiner Mutter vor allem um ihren Ruf ging. Auch zum Rest meiner Familie und zu meiner Vergangenheit habe ich aus verschiedenen Gründen keinen Kontakt mehr.brigittsche schrieb:Ja, das finde ich auch seltsam. Aber wer weiß, wie er es empfunden hat? Womöglich hatte oder hat er Angst, man würde ihn mit "emotionaler Erpressung" (aus seiner Sicht!) zurückholen wollen? So nach dem Motto: "Wie kannst Du uns das nur antun, wir vermissen Dich so sehr!"
Schwer zu sagen, da man das Verhältnis nur durch die Darstellung kennt.
Da hat ja @ichhier schon etwas Interessantes dazu geschrieben. Er war verschlossen und zurückgezogen. Das könnte schon passen.MrsMistery schrieb:Ja, nur seit 10 Jahren kein Lebenszeichen?
ichhier schrieb:Ich kenne tatsächlich einen jungen Mann welcher in dem Alter nach Kanada gegangen ist. Hier wusste die Familie, dass Kanada das Ziel war, aber er hat danach auch keinen Kontakt gehalten und erst nach Jahren und intensiver Bemühungen durch die Familie konnte wieder ein Kontakt hergestellt werden. Er hätte sich von sich aus aber nie gemeldet.
@MrsMistery Da gebe ich dir vollkommen recht. Menschen wie Du und ich würden das wohl tun. Aber wer weis, wie sein psychischer Zustand war ? In welcher Lage er sich befand ?MrsMistery schrieb:Er hätte zumindest ein einmaliges Lebenszeichen verschicken können, so laut dem Motto : “Ich lebe noch, macht euch keine Sorgen.”
Sehe ich auch so. Ich musste sofort an Rafael Blumenstock denken, der bei XY als fröhlicher, manchmal etwas aufdringlicher Träumer dargestellt wurde. Später kam dann heraus, dass er in einer Einrichtung gelebt hatte, schwere psychische Krisen durchmachen musste und eben nicht nur der nette, harmlose „Till Eulenspiegel“ war, der ein paar Streiche spielte und keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. Er soll auch gestalkt, provoziert und mutwillig fremdes Eigentum beschädigt haben.Volvic schrieb:Das alles hilft wenig um zu ergründen, was passiert ist und wo er abgeblieben ist. IMHO war es aber die XY-typische opferfreundliche Darstellung eines sonderbaren Menschen.
Für mich sind da auch zu viele Fragezeichen. Man hat da wohl bewusst gewisse Informationen weggelassen, um ein ordentliches Bild zu wahren. Was jedoch absolut kontraproduktiv ist, wenn man nach einem Menschen sucht.yetiunderna schrieb:Sehe ich auch so. Ich musste sofort an Rafael Blumenstock denken, der bei XY als fröhlicher, manchmal etwas aufdringlicher Träumer dargestellt wurde. Später kam dann heraus, dass er in einer Einrichtung gelebt hatte, schwere psychische Krisen durchmachen musste und eben nicht nur der nette, harmlose „Till Eulenspiegel“ war, der ein paar Streiche spielte und keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. Er soll auch gestalkt, provoziert und mutwillig fremdes Eigentum beschädigt haben.
Da stellt sich mir schon die Frage, weshalb man solche Aspekte überhaupt beschönigt oder auslässt. Gerade bei der Suche nach einer vermissten Person kann doch jedes Detail relevant sein. Wem hilft es, ein möglichst sympathisches Bild zu zeichnen, wenn dadurch möglicherweise wichtige Informationen verloren gehen?
Weil Suizidenten sich über so etwas idR keine Gedanken (mehr) machen.AktenzeichenXY schrieb:Fragen über Fragen. Ich denke, er wollte sich viele Dinge anschauen. Depressionen können jedoch dafür Sorgen, dass die eigentlichen Pläne plötzlich ganz andere sind. Vielleicht hat sich das Leben genommen. Aber warum sollte er das auf eine Art und Weise tun, dass man ihn nicht findet ?
Das heißt leider gar nichts.AktenzeichenXY schrieb:Er hatte doch zu beiden Elternteilen Kontakt.
Ich hatte den Eindruck, dass sie auf diese Frage nicht näher eingehen wollte.yetiunderna schrieb:Was ich damit sagen will: Die Familie kann nach außen hin vieles erzählen, und ich glaube, dass es gute Gründe geben kann, den eigenen Eltern gegenüber nur vage zu antworten. Vorausgesetzt, Sidney war psychisch gesund und tatsächlich einfach ein eigenbrötlerischer und spezieller Mensch, muss seine Zurückhaltung gegenüber seiner Familie nicht zwangsläufig bedeuten, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Es ist ebenso möglich, dass seine Eltern das Verhältnis zu ihm positiver wahrgenommen haben, als er es selbst empfunden hat, oder bestimmte Probleme gar nicht erkannt haben beziehungsweise nicht erkennen wollten. Nur weil Eltern davon ausgehen, ein gutes Verhältnis zu ihrem Kind zu haben, muss das nicht bedeuten, dass das Kind diese Einschätzung teilt. Vielleicht gehen die Wahrnehmungen hier schlicht auseinander, oder die familiäre Situation wird im Nachhinein anders dargestellt, als Sidney sie selbst erlebt hat.
Seine Mutter sagte im Studio außerdem, dass sich für seine Geschwister seit seinem Verschwinden nichts verändert habe. Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen.
Ganz genau.AktenzeichenXY schrieb:Aber wer weis, wie sein psychischer Zustand war ? In welcher Lage er sich befand ?
Das leidige Thema, dass die Opfer bei Azxy in ein "gutes" Licht gerückt werden, sodass möglichst viele Hinweise eingehen.AktenzeichenXY schrieb:Man hat da wohl bewusst gewisse Informationen weggelassen, um ein ordentliches Bild zu wahren. Was jedoch absolut kontraproduktiv ist, wenn man nach einem Menschen sucht.
Das sehe ich genau so. Er ist/war wohl kein schlechter Mensch. Jedoch wohl mit sich und seinem Leben überfordert.Ziegenpetra schrieb:Andererseits glaube ich hier tatsächlich, dass Sidney kein schlechter Mensch ist/war.
Evtl. mit dem Leben an sich und den entsprechenden Herausforderungen überfordert.
Ich hoffe sehr, dass ihm nichts geschehen ist.
Original anzeigen (1,5 MB)Laut XY räumte er sein Zimmer, nach der erfolglosen Bewerbung bei der niederländischen Armee, komplett um. Auch seine sozialen Kontakte sowie sein Hobby Kickboxen hat er aufgegeben. Das spricht dafür, dass er mit etwas abschließen bzw. mit etwas Neuem beginnen wollte. Er hat nach Aufbruch seiner Reise am 30.10.2016 mehrere Wochen selber für sich gesorgt, unabhängig von seiner Familie, und drückte sich in seinen WhatsApp Nachrichten nur kurz aus. Möglich ist, dass er noch am Leben ist und als Aussteiger/Selbstversorger an einem unbekannten Ort lebt(muss nicht Frankreich oder Deutschland sein). Mich erinnert dieser Fall sehr an den von Till Ramming, in dem Zusammenhang, dass er freiwillig sein Elternhaus verlassen hat.yetiunderna schrieb:Er hatte 2016 die Schule abgeschlossen und wollte ursprünglich zur niederländischen Armee, wurde dort jedoch abgelehnt, laut XY weil er kein Teamplayer sei. Am 30. Oktober 2016 brach er allein zu einer Reise auf. Seinen Eltern teilte er nicht genau mit, wohin er fahren und wie lange er unterwegs sein wollte. Während der ersten Wochen bestand noch sporadischer Kontakt zu seiner Familie.
Seine Reise konnte später teilweise anhand digitaler Spuren rekonstruiert werden:
* Bis zum 19. November 2016 hielt er sich in einem Ferienbungalow in Groesbeek auf.
* Anschließend fuhr er nach Den Oever und wohnte dort in einem Ferienpark.
* Am 9. Dezember 2016 wurde er in Den Oever von der Überwachungskamera eines Supermarktes aufgenommen.
Woher er genügend Geld hatte, kann ich auch nur spekulieren.AktenzeichenXY schrieb:- Woher kamen die finanziellen Mittel ?
„dass er den Wunsch hatte in der Natur zu leben.“Quelle: https://www.zdf.de/play/magazine/aktenzeichen-xy-ungeloest-110/aktenzeichen-xy-international-vom-7-oktober-2026-100
„Er hat sich Videos auf Youtube angesehen, um zu lernen wie das alles funktioniert und er hatte auch einige Ausrüstungen, um in der Natur zu überleben“
Die Niederlande hatten 2016 bereits eine Berufsarmee, dh nach bestandenen Eignungstest, wäre es in die Grundausbildung plus anschließender Spezialausbildung für zb Pionierdienst gegangen. Und der zb beinhaltet nicht nur im Gelände rumrennen, Camping und Sport bei Wind und Wetter, sondern ua auch je nach Spezialisierung Umgang mit Baumaschinen, Baggern, Planierraupen, Brückenbau , Elektronik etcVolvic schrieb:Das sind Eliten, besonders harte Jungs - und da passt der Sidney, der im Film dargestellt wurde, so überhaupt nicht hin. Sportlich und vom Naturbezug mag es passen, aber vom Menschenschlag her überhaupt nicht. Das sehe ich wie du.
Vermisster Niederländer: Familie sucht im Müllerthal nach neuen Hinweisen
Fast zehn Jahre ist es her, als der damals 19-jährige Sidney Lute im Elsass verschwunden war. Die Familie hat nun Flyer entlang des Müllerthal Trails aufgehängt.
Quelle: https://www.wort.lu/luxemburg/osten/vermisster-niederlaender-familie-sucht-im-muellerthal-nach-neuen-hinweisen/158659112.htmlDiese Route (Bettendorf – Reisdorf – Hoesdorf – Wallendorf (D)) erinnert an die dramatischen Ereignisse, die sich in dieser Gegend von Ende 1944 bis 1945 zutrugen. Was heute eine kleine, friedliche und idyllische Landschaft ist, war einst ein hart umkämpfter Ort unermesslichen menschlichen Leids.Quelle: https://www.mullerthal.lu/tour/remembrance-walk
Der Typ, von welchem ich berichtete, weißt ähnliche Parallelen auf. Er wollte ebenfalls zur Bundeswehr, wurde aber wegen psychischer Bedenken abgelehnt. Ist sehr eigenbrödlerisch, hatte in seiner Zeit in Deutschland immer depressive Episode, melancholisch-bedrückte Stimmung. Es hätte wohl im Nachhinein niemanden gewundert, wenn er in Kanada sein Leben beendet hätte. Inzwischen hat er aber 20 Jahre später dort Fuss gefasst und ich könnte mir einfach vorstellen, dass er durch Kontakt mit seiner Familie keine alten Wunden aufreißen möchte. Die Eltern betonen immer wieder, wie sehr er fehlt, aber hinfliegen machen sie auch nicht. Da kann sich jeder sein Teil denken, aber da war schon vor seinem Verschwinden einiges im Argen.AktenzeichenXY schrieb:Da hat ja @ichhier schon etwas Interessantes dazu geschrieben. Er war verschlossen und zurückgezogen. Das könnte schon passen.
Dies fand ich auch auffallend. So weit weg war er nicht, 100kms nur von zuhause und dann wochenlang in einem Ferienhaus in einem Ferienpark in der Pampa? Das klingt für mich nicht zufällig und danach, dass jemand junges, spontanes, der barfuß durch Wälder geht und outdoorsy drauf ist, seine Freiheit sucht. Mir scheint es eher wie eine Wahl um unauffällig etwas Abzuwarten. Nur was? Warum geht er in ein Ferienhaus und nicht in eine Herberge, oder Hotel? Weil er dort alleine sein kann und nicht angesprochen wird, außer von dem Vermieter. Kein Frühstücksbüffet, keine Rezeptionisten. Weglaufen von zuhause, Eltern gegeneinander erstmal ausspielen. Im Heimatland wochenlang „auf Urlaub“, obwohl junge Leute doch eher weiter weg wollen. Dazu darknet, Krypto wallet und spärliche Antworten zur Family. Er hätte ganz schnell wieder zurück kommen können. Er wollte nicht einfach ausbrechen um herum zu reisen, wäre er dann nicht gleich nach Straßburg oder noch weiter weg gefahren?!Volvic schrieb:Auch die seltsamen langen Aufenthalte im Ferienpark vor dem Kontaktabbruch fallen auf.
War er wirklich wochenlang alleine dort? Warum? Wie veränderte er sich dort?
Auch die Story, dass er wegen Regen seine Wanderung nach Spanien noch in Holland abgebrochen hatte (das Gespräch im Café mit anderem Jobber), klingt jetzt nicht so wirklich nach Vollblut Abenteuer und hart im nehmen, und ja, es machte ihn auch etwas lächerlich, fand ich,Volvic schrieb:Insgesamt stellte man Sydney Luthe als melancholischen, nachdenklichen Menschen dar. Das dürfte kein Zufall, sondern bewusste Absicht gewesen sein
Naja, das war ihr erster Satz, den ich auch jetzt nicht so glücklich fand, aber danach hat sieving mehr dazu gesagt, was sich in der Familie schon geändert hat durch das verschwinden. Ich finde, so eine Situation kann für eine „normale“ nicht medial-professionelle Person auch schwierig sein.yetiunderna schrieb:Seine Mutter sagte im Studio außerdem, dass sich für seine Geschwister seit seinem Verschwinden nichts verändert habe. Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen.