Volvic schrieb:Bei mir entstand das Bild eines psychisch labilen Sonderlings, was zwar XY-typisch geschönt wurde, in den Andeutungen aber doch ersichtlich wurde:
Ja, ich hatte auch das Gefühl, dass die Darstellung seiner Person, aber auch des Zusammenlebens mit ihm in der Familie extrem geschönt wirkten. Er war schon vor der Aufnahmeprüfung ziemlich sonderbar und ist danach völlig abgedreht.
Gleichzeitig schien er sich und seine Fähigkeiten zu überschätzen. Ich meine, er will nach Spanien wandern und scheitert schon nach wenigen Tagen, weil es regnet. Wie hat er sich das denn vorgestellt?
Volvic schrieb:Dabei erscheint mir die Ablehnung durch die Armee sehr nachvollziehbar, auch die Begründung. Sidney wirkt wie ein wenig belastbarer, nicht besonders integrativer Sonderling. Armeen suchten, vor allem damals, keine Waldschrate mit Interesse an Selbstverwirklichung bei Geländespielen, sondern integrative Menschen mit guten Vorkenntnissen in irgendeinem Sachgebiet.
Sehe ich genauso.
Volvic schrieb:Die Frage ist: war Sidney das vorher nicht selber klar? Internet, YouTube, Social Media… auch vor 10 Jahren konnte man sich schon informieren und da hätte ihm auffallen können, dass er von seiner Mentalität her nicht reinpasst.
Ich konnte den Berufswunsch und die Begründung null nachvollziehen. Es wurde mit seinem Drang nach Freiheit und dem Leben in der Natur erklärt. Und ich kann mir kaum einen Beruf vorstellen , in dem es mehr strenge Regeln, Einschränkungen der individuellen Wünsche und Zwang zur Konformität gibt, als beim Militär.
Es hieß ja, er habe ich wochenlang intensiv auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet, dabei wurde er gezeigt, wie er am Computer sitzt und sich Webseiten mit Soldaten drauf ansieht. Keine Ahnung, was er da wochenlang getrieben hat, aber ihm muss mit ein bisschen Recherche doch aufgegangen sein, dass der Job beim Militär völlig anders ist als er es sich in seinem naiven Kopf vorstellt. Zumindest hätten die Eltern versuchen sollen, ihm das klar zu machen, statt ihn darin noch immer wieder zu bestärken.
Ziegenpetra schrieb:Ich hatte den Eindruck, dass sie auf diese Frage nicht näher eingehen wollte.
Dazu die Sprachbarriere.
gruselich schrieb:Naja, das war ihr erster Satz, den ich auch jetzt nicht so glücklich fand, aber danach hat sieving mehr dazu gesagt, was sich in der Familie schon geändert hat durch das verschwinden. Ich finde, so eine Situation kann für eine „normale“ nicht medial-professionelle Person auch schwierig sein.
Es ist aber doch nicht so, dass die Leute im Studio dort zum ersten malbauf den Cerne treffen und der sich dann spontan Fragen ausdenkt, die er ihnen um die Ohren hat. Sondern die Fragen und damit auch die Antworten sind vorher abgesprochen. Und bei der Frage kann ich mir vorstellen, dass die sogar auf einem Wunsch der Mutter basiert. Für den eigentlichen Fall ist es unerheblich, wie es den Geschwistern geht, von der Polizei wurde diese Frage sicher nicht vorgeschlagen. Ich denke, den Eltern war es wichtig, sich als stabile, den Kindern Rückhalt gebende Familie darzustellen. Deshalb die Frage und due Antwort.
Die Aussagen der Mutter und die ganze Darstellung im Filmfall ging sehr in die Richtung, dass herausgestellt werden sollte, dass ein gutes, enges Verhältnis zwischen Sydney und den Eltern bestand, diese tolerant waren und alle seine Macken akzeptierten unf duldeten - Friede, Freude, Eierkuchen...
Ich fand das alles ein bisschen drüber, irgendwie zu rosig dargestellt. Ich kann mir vorstellen, dass es doch einige Konflikte gab. Sicher können sie wohl prinzipiel ihm gegenüber eine positive Einstellung und Verständnis für seinen Frust wegen der Ablehnung beim Militär gehabt haben, es kann mir aber keiner erzählen, dass den anderen Fsmilienmitgliedern nicht auch ab und zu der Kragen geplatzt ist.
So jemanden, der sich allem verweigert in der Familie hocken zu haben, ist für alle anderen belastend. Irgendwo hat die Toleranz dann auch ihre Grenzen, zumal die Eltern eben auch Verantwortung für die anderen, jüngeren Kinder haben, die sicher auch unter der Situation gelitten haben. Es wurde im Film gezeigt, wie sowohl Vater als auch die Mutter ihn immer wieder zur Teilhabe aufforderten und einluden und er das immer wieder ausschlug. Irgendwann ist selbst der gutmüdigste Mensch diesbezüglich mit der Geduld am Ende, es kann mir keiner erzählen, dass den Eltern nicht auch öfter mal der Kragen geplatzt ist.
gruselich schrieb:Jeder kann barfuß laufen, die Frage ist nur wo und wie lange.
Ich habe dieses Barfuß-laufen irgendwie als eine Art Schrei nach Aufmerksamkeit empfunden. " Seht her Leute, was für ein krasser Typ ich bin!"
Mir fällt kein anderer Grund ein,warum man das im Alltag und auf der Strasse machen sollte?