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First-world- oder echtes Problem?

113 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: First-world-problems ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

First-world- oder echtes Problem?

16.10.2017 um 14:58
Probleme sind subjektiv

maslowsche-beduerfnispyramide

Wenn ich damit beschäftigt bin mich um die Probleme einer "wichtigeren" Ebene zu kümmern komme ich nicht dazu mich mit den anderen zu beschäftigen. Sind diese jedoch gedeckt habe ich Platz und Zeit mich um die weniger wichtigen zu kümmern bzw. ihnen mehr Wichtigkeit zu verleihen.
Heißt:
Die Menschen, die sich nicht über solche Probleme beklagen tun das nicht, weil sie andere haben, die gerade wichtiger sind und weil sie auch noch so mit der Lösung dieser beschäftigt sind können sie die Haltung anderer, die nicht in ihrer Situation sind nicht nachvollziehen. Da kommen dann so Sachen zustande wie "wenn ich du wäre, wäre ich dankbar für... *an was es ihnen gerade mangelt aber der andere hat*". Wären sie. Allerdings nicht für immer.
Auch sie würden sich irgendwann an Zustand gewöhnen und damit beginnen sich um andere "mindere" Probleme zu kümmern.
Warum? Weil man durch Problembewältigung weiter kommt.
Wenn du nur zufrieden mit allem bist machst du nichts mehr, du stehst still und das ist nicht gut.
Selbst wenn es nur sowas ist wie "mein Marmeladenbrot fällt immer mit der Marmelade nach unten", Menschen, die keine Marmelade haben verstehen das Problem nicht aber für den betroffenen, der dieses Problem nicht hat ist diese Situation durchaus ein Problem für das er gerne eine Lösung hätte.
Das nur als Beispiel.

Ein First-World-Problem ist also nichts anderes als ein Problem, das du hast, weil all deine Grundbedürfnisse schon gedeckt sind und du deshalb Raum hast um dich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Ich sehe daran nichts falsches.


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First-world- oder echtes Problem?

16.10.2017 um 15:27
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Die Menschen, die sich nicht über solche Probleme beklagen tun das nicht, weil sie andere haben, die gerade wichtiger sind
So in der Art habe ich das gemeint, dass jeder sein eigenes Problemlevel hat.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Problemwahrnehmung individuell und subjektiv ist. Erst gestern habe ich gelesen, dass es z.B. Krebspatienten absolut nichts bringt, wenn man ihnen "Geschichten" erzählt in der Art "Ich kenn einen, der hatte auch Krebs, der hat das ganz toll bewältigt, indem und weil bla-bla..." (Quelle: Apothekenumschau) - Der Patient sei ein Individuum mit einer individuellen Krankheit, die sich von anderen Krebsfällen grundlegend unterscheiden könne und außerdem entwerte man ihn und seine spezielle Situation, wenn man ihn über einen Kamm schere. Ähnlich ist es auch, wenn ich bei harmloseren Dingen als Krebs anderen kommuniziere "Stell dich nicht so an und ist doch nicht so schlimm."

Dennoch kann der Blick über den Tellerrand das eine oder andere relativieren. Wenn ich mir klarmache, das Millionen Menschen z.T. nicht das Nötigste zum Leben haben, löst sich mein individuelles Problem nicht auf - aber subjektiv wird es für mich manchmal kleiner. - Manchmal auch nicht.

https://www.rowohlt.de/taschenbuch/thomas-raab-ich-hab-was-tolles-gemacht-und-keiner-hat-s-gesehen.html

Zuletzt möchte ich noch ein Buch empfehlen, dass Erste-Welt-Probleme ohne Wertung aufzählt, manchmal wohl auch mit etwas Augenzwinkern (wenn es etwa darum geht, dass man seinen Maserati umparken muss, damit Mama mit dem Mercedes rausfahren kann), manchmal auch mit dem Effekt "Das kenn ich!"


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First-world- oder echtes Problem?

16.10.2017 um 15:42
Zitat von hallo-hohallo-ho schrieb:dass Erste-Welt-Probleme ohne Wertung aufzählt
Erste-Welt-Problem: Ich weiß, wann man dass/das schreibt und mach es trotzdem manchmal falsch :(


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First-world- oder echtes Problem?

16.10.2017 um 15:46
Es gibt auch Schicht übergreifende Probleme wie Angst. Manchmal sehe ich es, dass Menschen aus der Grünen Schicht diese Angst aberkannt wird, mit eben solchen Vergleichen wie "es gibt Menschen, denen geht es schlechter als dir...", das mindert seine Angst vor was auch immer aber nicht.

Wenn man damit argumentieren möchte, dass man, wenn man dieses und jenes Problem aus einer unteren Schicht nicht hat, ja lieber den anderen dabei helfen kann dieses zu bewältigen:
Ja, das klingt nach einer menschlichen und ehrenhaften Tat aber...
Lass mich das mit einem MMORPG vergleichen.
In einem MMORPG startest du im Grunde immer als kleiner Nooby, der nichts hat aber vieles gerne hätte. Das ist dein Bedürfnis an dem Punkt. Du willst stärker werden, bessere Items haben, mit den anderen mithalten können, am Endgame-Content teilhaben können. Also beschäftigst du dich damit deinen Charakter aufzubauen und das macht dir ggf. sogar Freude, deine Fortschritte zu sehen, neue Leute in der selben Situation kennen zu lernen..
Viele Spiele gehen dann aber daher und beschleunigen den Lauf. "Spieler wollen am Endgame Content teilnehmen und wir wollen sie dabei unterstützen."
Also kommst du, durch Hilfe des Betreibers, oder anderer Spieler, die dir helfen, schneller auf Max. Hier verlierst du deine bisherigen Bedürfnisse und tauscht sie gegen neue. Und zwar denen die besten Items zu bekommen, besser zu sein als alle anderen, immer den neusten Content spielen zu können.
Aber an dieser Stelle nimmt das kein Ende mehr. Du bist nur noch auf der Suche nach "mehr".
Bis du irgendwann merkst wie sinnlos das alles ist. An dieser Stelle ziehst du dann entweder los und hilfst anderen kleinen, an einen Punkt zu kommen von dem sie noch nicht wissen, dass sie da eigentlich nicht hin wollen oder du hörst auf.
Für die Betreiber eines solchen Spiels macht es Sinn die Spieler schnellstmöglich ins Endgame zu pushen, weil sie da eher bereit sind Geld hinzulegen um zu bekommen was sie wollen.

Was ich damit sagen will:
Wenn man zu dieser "First-World" gehört und hier vielleicht noch in der oberen Schicht dieser und man möchte sich nicht mehr mit den eigenen faden Problemen beschäftigen. Es ist löblich anderen zu helfen. Aber man sollte sich immer fragen ob man ihnen wirklich hilft, wenn man sie durch diese Hilfe in eine Ebene bringt auf der es Probleme gibt, mit denen man sich selbst nicht mal beschäftigen möchte.


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First-world- oder echtes Problem?

16.10.2017 um 16:31
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Aber man sollte sich immer fragen ob man ihnen wirklich hilft, wenn man sie durch diese Hilfe in eine Ebene bringt auf der es Probleme gibt, mit denen man sich selbst nicht mal beschäftigen möchte.
Nicht jede Art von Hilfe ist sinnvoll. Wobei wir hier abstrakt und allgemein sprechen.

Dann ist auch in den Industriestaaten nicht alles "super". Die Schwellenländer und nicht-industrialisierten Ländern sollten von den Industriestaaten lernen, um deren Fehler zu vermeiden. Wenn man die Smogbilder aus chinesischen Städten sieht, merkt man, dass zumindest China im Bereich Umwelt die gleichen Fehler macht.

Aber die Frage nach richtiger und maßvoller Hilfe darf auch nicht zu einem Ruhekissen werden - Verhungert mal schön, dann müsst ihr euch wenigstens nicht mit erste-Welt-Problemen rumschlagen. Aber ich denke, so meinst du das auch nicht.


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First-world- oder echtes Problem?

16.10.2017 um 16:49
Ist es nicht eigentlich auch ein "first-world-problem" wenn man sich über Leute beschwert, die ein "first-world-problem" haben?


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First-world- oder echtes Problem?

16.10.2017 um 18:25
Zitat von mifaganiemifaganie schrieb:Zum Glück haben wir hier in Deutschland sowohl in Großstädten als auch auf dem Land eine sehr gut funktionierende Trinkwasserüberwachung,
Zitat von mifaganiemifaganie schrieb:Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Lebensgefahren, die hierzulande vom Trinkwasser ausgehen, zum Glück verschwindend gering.
Ja, solange die Kommune die Hand darüber hält und die Werke nicht privatisiert werden. Sogar Berlin hat die Stadtwerke von einem privaten Investor zurückgekauft. Aber Wasser finde ich zu wichtig, als nur von einem first-world-problem zu sprechen.


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First-world- oder echtes Problem?

16.10.2017 um 21:43
Zitat von GrouchoGroucho schrieb:Ist es nicht eigentlich auch ein "first-world-problem" wenn man sich über Leute beschwert, die ein "first-world-problem" haben?
Stimmt.

Und man weiß ja auch nicht, ob die mit First-World-Problemen nicht ebenso ernstere Probleme, schwerste traumatische Erlebnisse mit denen sie leben müssen, haben, welche sie aber nicht immer jedem gleich mitteilen.


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First-world- oder echtes Problem?

16.10.2017 um 22:02
Zitat von KcKc schrieb: first-world-problems?
ich denke first-world-problems sind die ökologie, die welt....ich mein wenn es so weiter geht werden wir menschen nicht mehr als 200 jahre leben(globale erwärmung usw.)


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First-world- oder echtes Problem?

17.10.2017 um 02:16
Zitat von SaphiraSaphira schrieb:Und man weiß ja auch nicht, ob die mit First-World-Problemen nicht ebenso ernstere Probleme, schwerste traumatische Erlebnisse mit denen sie leben müssen, haben, welche sie aber nicht immer jedem gleich mitteilen.
Genau das fehlte hier noch, das sprach noch keiner so direkt an.
Zum Beispiel kann einer "rumjammern", weil er nicht in Bahnen berührt werden will, neben anderen Leuten sitzen muss usw. Aber das kann alles ernste Hintergründe haben, falls er mal misshandelt wurde oder sowas Ähnliches. Lärm kann für Schreckhafte schlimm sein, weil die bei Geräuschen oft Adrenalin ausschütten, kann auch auf Erfahrungen der Vergangenheit beruhen usw.

Wie sehr sowas gesellschaftsgeprägt und subjektiv ist sieht man wenn man liest was man früher, vor 100 Jahren oder länger her, über Personen sagte wenn sie sich beschwerten. Taten das Frauen wars zB fast immer nur "Hysterie" oder "Empfindlichkeit" oder irgendeine Zickigkeit. So wurden halt alle Probleme von Frauen per se mit Totschlagargumenten bei Seite geschafft und sie halten als empfindlicher oder Jammerlappen. Bei Kindern findet sich das auch sehr oft. Selbst wenn die verletzt wurden sagen oder sagten viele "ach das ist nur ein Kratzer, so sind Kinder halt haha", was aber dann dazu führt dass man im späteren Lebensverlauf erst recht nie Schmerzen zeigt weil man kein Weichei sein will, also nicht immer förderlich. Generell triffts oft auf andere Gruppen zu. Probleme von Sklaven oder Schwarzen nahm man früher auch nie ernst. Dadurch dass man die halt als minderwertiger an sah, und daher kanns auch sein dass ein Schwarzer auch heute noch Erfahrungen mit Rassismus hat und da ganz anders reagiert, eben wegen dem Vorwissen. Wenn ich als Weißer dieses eine Video sehe wo Japaner "white pig go home" sagen fühlt sich das eher bizarr an, manche findens sogar lustig. Jedenfalls nicht wirklich bedrohlich, aber ein Schwarzer würde ein ähnliches Video gegen Schwarze ganz anders empfinden weil der historische Kontext komplett anders ist. Daher kann ich dann auch nicht sagen "wieso findest du das schlimm, ich fand doch das japanische Video auch nicht schlimm".

Die Wertigkeit von Problemen ist halt immer auch vergangenheits-, gruppen- und milieubedingt. Wenn jemand von klein auf so erzogen wurde dass er wertlos sei wenn er in der Schule keine Einsen anschafft dann heult der vielleicht wenn er eine Zwei hat, was dann aus meiner Sicht sehr nach First-World-Problem wirkt, entweder weil mir Noten generell scheißegal sind oder weil ich froh bin wenn ich mal eine Drei habe.


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First-world- oder echtes Problem?

17.10.2017 um 13:16
Zitat von BauliBauli schrieb:Ja, solange die Kommune die Hand darüber hält und die Werke nicht privatisiert werden. Sogar Berlin hat die Stadtwerke von einem privaten Investor zurückgekauft. Aber Wasser finde ich zu wichtig, als nur von einem first-world-problem zu sprechen.
Und gerade deshalb ist das Trinkwasser in Deutschland so gut überwacht. Denn unabhängig vom TW-Versorger gibt es immer noch übergeordnete Behörden, die die Einhaltungen von Rechtsvorschriften wie der Trinkwasserverordnung überwachen und bei Überschreitungen gewisser Parameter Maßnahmen ergreifen.
Von daher denke ich, dass du mit deiner Aussage, dass von unserem Trinkwasser hier Lebensgefahren ausgingen, ein bisschen übertreibst. Selbst die Abwässer, die unsere Kläranlagen verlassen, sind teilweise von höherer Qualität als die Brühe in den Buddellöchern, die andere trinken müssen.
Zitat von Sixtus66Sixtus66 schrieb:Genau das fehlte hier noch, das sprach noch keiner so direkt an.Zum Beispiel kann einer "rumjammern", weil er nicht in Bahnen berührt werden will, neben anderen Leuten sitzen muss usw. Aber das kann alles ernste Hintergründe haben, falls er mal misshandelt wurde oder sowas Ähnliches. Lärm kann für Schreckhafte schlimm sein, weil die bei Geräuschen oft Adrenalin ausschütten, kann auch auf Erfahrungen der Vergangenheit beruhen usw.
Aber mal Hand auf's Herz, hierbei handelt es sich doch nicht um die Mehrheit, oder? Es geht nicht darum, Menschen mit psychischen Problemen/Störungen zu diffamieren, sondern dass es traurig ist, dass viele Leute lieber rumjammern und sich über scheinbar belanglose Dinge aufregen, obwohl es ihnen im Vergleich zu den meisten anderen Menschen auf der Erde gut geht. Ich finde, dass es vielen an Empathie mangelt.


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First-world- oder echtes Problem?

17.10.2017 um 20:44
Zitat von Sixtus66Sixtus66 schrieb:Genau das fehlte hier noch, das sprach noch keiner so direkt an.
Zum Beispiel kann einer "rumjammern", weil er nicht in Bahnen berührt werden will, neben anderen Leuten sitzen muss usw. Aber das kann alles ernste Hintergründe haben, falls er mal misshandelt wurde oder sowas Ähnliches. Lärm kann für Schreckhafte schlimm sein, weil die bei Geräuschen oft Adrenalin ausschütten, kann auch auf Erfahrungen der Vergangenheit beruhen usw.
Und genau das trifft auf mich zu. Ich habe als junges Kind sehr traumatiches erlebt und die Fahrten mit der Bahn sind für mich immer sehr schwer, weshalb ich immer gerne, viel laufe. Es gab schon Situationen da bekam ich regelrechte Panikattacken in der Bahn, innerliche, bekamen andere nicht mit. Ich musste aussteigen, mir war total schlecht und schwindelig, das Ergebnis davon weil man mir zusehr auf die Pelle gerückt ist. Ich saß dann nach dem ich ausgestiegen bin wie ein häufchen Elend da, jemand der mich bewusst wahrgenommen hätte hätte mich bestimmt für auf Drogen gehalten. Nein natürlich hatte das Trauma nichts mit der Bahn zutun, es geht um die Panik beim Körperkontakt bzw. wenn mir einer zu nahe kommt. Das dürfen bei mir nur wenige.

Hinter, für andere Kleinigkeiten, können immer Traumata stecken.

Beispiel, ausgedacht: Jemand würde mir sagen, dass er oder sie panische Angst vor Hüten hat, dann würde ich es nicht ins Lächerliche ziehen, sondern daran denken, dass die Person vielleicht sehr schlimmes erlebt hat, Misshandlung, schwerste sexuelle Gewalt, und ein Hut dabei eine Rolle spielte. Kenne niemanden, der Angst vor Hüten hat, sollte auch nur als Beispiel dienen.


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First-world- oder echtes Problem?

17.10.2017 um 20:53
Zitat von mifaganiemifaganie schrieb:Aber mal Hand auf's Herz, hierbei handelt es sich doch nicht um die Mehrheit, oder? Es geht nicht darum, Menschen mit psychischen Problemen/Störungen zu diffamieren, sondern dass es traurig ist, dass viele Leute lieber rumjammern und sich über scheinbar belanglose Dinge aufregen, obwohl es ihnen im Vergleich zu den meisten anderen Menschen auf der Erde gut geht. Ich finde, dass es vielen an Empathie mangelt.
Ich war nach dem Tod meines Vaters immer wieder sehr depressiv, schwer depressiv, über Jahre, selbst heute bin ich noch sehr labil, neige noch schnell zu Depressionen, denn verarbeitet habe ich es nie, kann ich auch nicht wirklich. Aber es geht darum dass in der Zeit wo es einem so richtig dreckig geht, dass man da auch mal über Kleinigkeiten jammert. Ich hätte ab und an bei fast jeder Kleinigkeit weinen können, was ich nicht tat, das Gefühl war aber da. Hätte ich es getan, hätten andere gedacht: "Was, deswegen weint sie, man was für ein First-World-Problem, dann hat sie sich halt die Hose ruiniert" Die Person hätte aber nicht gewusst, dass ich in Wahrheit extremst in Trauer und sehr depressiv war, quasie am Ende.

Körperlich ist es doch auch so, hat man ne sehr schlimme Erkrankung, dann kann dich bereits eine Erkältung umbringen.

So auch mit der Seele, jemand dem es seelisch scheiße geht, in Depressionen ist, PTBS hast sonst was, dem können schon Sachen in Verzweiflung bringen, die für andere mit nem harmlosen Kratzer zuvergleichen sind.


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First-world- oder echtes Problem?

17.10.2017 um 21:21
@Saphira

Das tut mir sehr leid für dich. Ich kann gut nachvollziehen, wie du dich fühlst. Habe im März meine Mutter verloren. Aber jeder Mensch ist da anders. Seit dem Tag, an dem meine Mutter ins Krankenhaus kam und 10 Tage später verstorben ist, kommen mir gerade diese first-world-problems mehr als unwichtig und lächerlich vor. Keines dieser kleinen "Problemchen" wiegt für mich derzeit selbst in potenzierter Form so viel wie der Verlust meiner Mutter. Was gibt es denn schlimmeres, als nicht gesund zu sein, nicht die Möglichkeit haben, sicher zu leben, nicht seine Lieben im sich herum zu haben oder um sich herum haben zu können? Waren diese first-world-problems vorher für mich schon unwichtig, so sind sie jetzt gänzlich von meiner Bildfläche verschwunden.

Und wenn ich jetzt meine taktlose Kollegin höre in ihrem immerwährenden Gejammer über bedeutungslose Kleinigkeiten, kann ich nicht mal mehr müde lächeln.

Lange Rede, kurzer Sinn. Was ich sagen wollte - und auch schon geschrieben habe - ist, dass Leute, die aufgrund psychischer Probleme dieses "Jammern" haben, meiner Ansicht nach nicht die Mehrheit vertreten.

Noch ein Beispiel. Als meine Mutter auf der Intensivstation lag, waren feste Besuchszeiten vorgeschrieben. Manchmal musste man auch warten, weil gerade Visite war, ein neuer Patient fertig gemacht wurde oder andere Patienten nach OPs wieder an den Gerätschaften angeschlossen wurden. Da hat sich doch eine ältere Dame erdreistet und behauptet, das Personal der Intensivstation würde uns Besucher absichtlich warten lassen, die hätten doch nichts zu tun. Da ist mir dezent der Kragen geplatzt und ich hab sie zurechtgewiesen, wie anmaßend sie sei und dass sie froh sein solle, dass das Personal sich dort die Zeit für die Patienten nehme, die nötig sei.
Warum kann man nicht einfach froh sein, dass sie hier on Deutschland eine so gute medizinische Betreuung haben und dass uns überhaupt eine Chance auf Heilung gegeben wird? Nein, da wird gemeckert und verurteilt, nur weil man mal 10 Minuten länger warten muss??


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First-world- oder echtes Problem?

17.10.2017 um 22:31
Für mich persönlich sind "First-World Probleme", jedes Jahr ein neues Smartphone zu haben (weil das alte nicht mehr cool genug ist), rum heulen, weil grade das Bild für Facebook nicht hochlädt...
Übrigens Facebook: Für jedes hochgeladene Bild nach "Likes" gaffen, gehört für mich persönlich ebenso dazu.

Und: Probleme erschaffen, wo keine sind.

Meine Meinung. Es gibt wirklich wichtigere Probleme, die man NICHT aus den Augen verlieren und der Gesellschaft vorenthalten sollte.


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First-world- oder echtes Problem?

17.10.2017 um 22:34
@mifaganie

Danke dir. Tut mir natürlich auch für dich leid, sowas ist sehr schwer zu verkraften.
Zitat von mifaganiemifaganie schrieb:Und wenn ich jetzt meine taktlose Kollegin höre in ihrem immerwährenden Gejammer über bedeutungslose Kleinigkeiten, kann ich nicht mal mehr müde lächeln.
Aber das ist es ja, vielleicht hörst du mal irgendwann jemanden über so Kleinigkeiten jammern, und es steckt viel mehr dahinter. Vielleicht der Tod einer geliebten Person, oder anderes traumatisches Erlebnis.


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First-world- oder echtes Problem?

18.10.2017 um 07:18
Zitat von SaphiraSaphira schrieb:Aber das ist es ja, vielleicht hörst du mal irgendwann jemanden über so Kleinigkeiten jammern, und es steckt viel mehr dahinter. Vielleicht der Tod einer geliebten Person, oder anderes traumatisches Erlebnis.
Grundsätzlich hast du recht. Hier ist es aber so, dass ich meine Kollegin sehr gut kenne und weiß, dass es ihr gut geht. Sie hat zwei gesunde Kinder, die mit beiden Beinen im Leben stehen, sie verdient gut Geld, ihr Mann verdient gut Geld, sie haben Wohneigentum, fahren mindestens dreimal im Jahr in den Urlaub. Sie ist einer jener Menschen, die nie zufrieden sind. Sie jammert sogar mit Floskeln, von denen sie absolut keine Ahnung hat. Als wir mal eine Gehaltserhöhung von 3,5 Prozent bekommen haben, meinte sie: "Was will ich denn damit, das ist ja nicht mal die Inflationsrate!" - Sie weiß nicht mal, was die Inflationsrate ist, geschweige denn, wie hoch sie zum Stand der Gehaltserhöhung war.
Ich find es traurig, dass es solche Leute gibt. Und den Menschen, wie du sie beschrieben hast, wird in der Konsequenz dann weniger Beachtung beigemessen. Leider.


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First-world- oder echtes Problem?

18.10.2017 um 07:36
Zitat von mifaganiemifaganie schrieb:Grundsätzlich hast du recht. Hier ist es aber so, dass ich meine Kollegin sehr gut kenne und weiß, dass es ihr gut geht. Sie hat zwei gesunde Kinder, die mit beiden Beinen im Leben stehen, sie verdient gut Geld, ihr Mann verdient gut Geld, sie haben Wohneigentum, fahren mindestens dreimal im Jahr in den Urlaub. Sie ist einer jener Menschen, die nie zufrieden sind. Sie jammert sogar mit Floskeln, von denen sie absolut keine Ahnung hat. Als wir mal eine Gehaltserhöhung von 3,5 Prozent bekommen haben, meinte sie: "Was will ich denn damit, das ist ja nicht mal die Inflationsrate!" - Sie weiß nicht mal, was die Inflationsrate ist, geschweige denn, wie hoch sie zum Stand der Gehaltserhöhung war.
Ich frage mich, warum man solchen Menschen aktiv zuhören sollte? Warum tust du es?
Ich mache das immer so, dass ich während solcher Gespräche beginne auf mein Handy oder in den PC zu schauen und nicht mehr alles abnicke.
Wenn ich einen guten Tag habe, gibt es direkt Kontra in Form von Gegenfragen. Beispielsweise wäre das in deinem Fall, wie hoch denn die Inflationsrate generell ist.

Ansonsten haben wohl beide Lager durchaus Recht, indem von außen betrachtet viele Probleme banal klingen, aber durch tiefergehende Problematiken auch damit überdeckt werden können.
Z.B. Bei psychischen Erkrankungen bemerkt man dies oft, indem Jammern ein Ausdruck von Depressionen oder Angstzuständen sein kann ohne dass es demjenigen oder dem Umfeld bewusst ist.

Man muss, um sich ein Urteil bilden zu können, schon den ganzen Menschen anschauen und ihn im besten Fall auch gut kennen.
Was ich auch noch zu Bedenken gebe. Viele Menschen kreisen nur um die eigene Achse und wissen gar nicht, dass es andere Lebenswirklichkeiten gibt. Da ist es dann auch kein Wunder, wenn aufgrund mangelnder Weitsicht Nichtigkeiten als Problem betrachtet werden. (Beispiel: neue Reiseziele suchen, da Türkei und Ägypten ja wegfallen. Erlebt im weiteren Bekanntenkreis).

Ich versuche solchen Leuten aus dem Weg zu gehen, da mir meistens die grundsätzliche Ignoranz auf die Nerven geht und es ohnehin dann nur Stress und Streit gibt.


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First-world- oder echtes Problem?

18.10.2017 um 08:14
Zitat von -Alexa--Alexa- schrieb:Ich frage mich, warum man solchen Menschen aktiv zuhören sollte? Warum tust du es?
Ich habe mir fast 6 Jahre ein Büro mit ihr geteilt. Das Abschalten klappte mit der Zeit zwar ganz gut, wenn ich aber persönlich angesprochen werde, kann ich das nicht einfach wegignorieren, das finde ich wiederum respektlos.
Zitat von -Alexa--Alexa- schrieb:Wenn ich einen guten Tag habe, gibt es direkt Kontra in Form von Gegenfragen. Beispielsweise wäre das in deinem Fall, wie hoch denn die Inflationsrate generell  ist.
Das habe ich mittlerweile aufgegeben, weil es eh nichts bringt. Als sie sich damals, als eines der vielen Boote mit Flüchtlingen im Mittelmeer gekentert war, darüber aufgeregt hat, wie blöd die Flüchtlinge doch seien, wenn sie sich einbildeten, dass das Mittelmeer im Sommer ruhig genug sei, um es gefahrlos überfahren zu können, hat es mir schier die Sprache verschlagen. Damit hat sie es in meinem Umfeld auf Platz 1 der taktlosesten und anmaßensten Personen geschafft.
Zitat von -Alexa--Alexa- schrieb:Ich versuche solchen Leuten aus dem Weg zu gehen, da mir meistens die grundsätzliche Ignoranz auf die Nerven geht und es ohnehin dann nur Stress und Streit gibt.
Das ist der richtige Weg. Wo es mir möglich ist, mach ich es auch so. Ich hab mittlerweile ein Einzelbüro und bin froh, dass die Tür zu meiner Kollegin zu ist und bleibt! :-)


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First-world- oder echtes Problem?

18.10.2017 um 08:14
Zitat von SaphiraSaphira schrieb:Aber das ist es ja, vielleicht hörst du mal irgendwann jemanden über so Kleinigkeiten jammern, und es steckt viel mehr dahinter. Vielleicht der Tod einer geliebten Person, oder anderes traumatisches Erlebnis.
Zitat von mifaganiemifaganie schrieb:Und den Menschen, wie du sie beschrieben hast, wird in der Konsequenz dann weniger Beachtung beigemessen. Leider.
Wenn ich jemanden gar nicht oder zu wenig kenne, dann kann ich nunmal nicht wissen, ob derjenige z.B. gerade traurig schaut, weil er tatsächlich ein schlimmes Ereignis wie einen Todesfall verarbeiten muss oder ob er wegen eines "Pseudoproblems" schlecht drauf ist oder ob sein Gesichtsausdruck gar nichts zu bedeuten hat, weil er einfach immer so aussieht, auch wenn er gutgelaunt ist. Da ist es mir nunmal nicht möglich, angemessen auf diese Person zu reagieren. Das hat aber nichts damit zu tun, dass viele (angeblich oder tatsächlich) wegen Pseudoproblemen rumjammern, sondern es liegt an der Tatsache, dass ich nicht alle Menschen und ihre Befindlichkeiten (er)kennen kann.

Wenn ich hingegen jemanden (gut) kenne, habe ich ganz andere Möglichkeiten, ihn einzuschätzen und auf ihn einzugehen, bzw. gbf. auch zu ignorieren.
Zitat von -Alexa--Alexa- schrieb:Ich frage mich, warum man solchen Menschen aktiv zuhören sollte? Warum tust du es?
Ich kenne ne handvoll Menschen, bei denen ich prima auf Durchzug schalten kann, sobald sie den Mund aufmachen. Das liegt aber daran, dass ich diese Leute nur selten seh. Selbst diejenigen aus dieser Gruppe, die ich am häufigsten sehe, treff ich nur zwei- bis viermal im Jahr. Wenn ich hingegen so eine Person acht Stunden am Tag/fünf Tage die Woche um mich herum hätte, würde mein Durchzugprogramm irgendwann explodieren. So viel und oft und lange könnte ich das nicht durchziehen.
Zitat von SaphiraSaphira schrieb:Beispiel, ausgedacht: Jemand würde mir sagen, dass er oder sie panische Angst vor Hüten hat, dann würde ich es nicht ins Lächerliche ziehen, sondern daran denken, dass die Person vielleicht sehr schlimmes erlebt hat, Misshandlung, schwerste sexuelle Gewalt, und ein Hut dabei eine Rolle spielte. Kenne niemanden, der Angst vor Hüten hat, sollte auch nur als Beispiel dienen.
Es gibt tatsächlich eine Knopfphobie. Manche Leute finden Knöpfe schrecklich eklig. - Wenn mir das jemand erzählen würde, dann ist es halt so. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich dann auch nicht meinen Pulli mit der Knopfleiste anziehen, wenn ich weiß, dass ich an diesem Tag auf diese Person treffe. Aber ich weiß auch nicht, ob man immer gleich den Teufel an die Wand malen muss. Ich habe eine Spinnenphobie, wurde aber nie im Beisein von Spinnen gefoltert und vergewaltigt, ich hab diese Phobie "einfach so". Und ja, es hilft mir einen Scheißdreck, wenn der Standartspruch kommt "Die tun doch nix und sind soooo nützlich.". Das ist so ein typischer Satz, der bei mir Kopfdurchzug auslöst :D


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