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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

101 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Arbeit, Wirtschaft, Mindestlohn ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 12:04
Ja, ich weiß, es gibt schon einige Mindestlohn-Thread aber da diese veraltet sind bzw auf alten Basen aufbauen möchte ich hier nochmal einen aktuellen starten.

Der Mindestlohn bzw seine Höhe ist in vielerlei Hinsicht umstritten. Je nachdem wessen Interessen man folgt hätten die Arbeitnehmer natürlich gerne mehr, einen fairen Lohn mit welchem sich die Arbeit lohnt, Arbeitgeber würden aber gerne "nicht so viel" zahlen, um die Gewinne zu steigern, Geld zu sparen, Geld für andere Dinge ausgeben zu können oder weil sie sich ihre Unternehmen sonst einfach nicht leisten könnten.

Ein Mindestlohn von 9,35€ beutet bei einer Vollzeitstelle:
22 Tage (davon ausgehend, dass Wochenenden frei sind bzw zwei freie Tage pro Woche vorgesehen sind, also ohne Wochenendzuschlag oder sowas)
.. also 22 Tage x 8h = 176h x 9,35€ = 1.645,6€ brutto
Gehen wir von einem Singel, Steuerklasse 1 aus, ohne Kinder und sowas wären das netto 1.206,46 €

Kann man davon leben? Ja. Kann man "gut" davon leben? Das bleibt die Frage.
Was dazu nämlich definiert oder diskutiert werden müsste, was die Grundlage solcher Diskussionen sein müsste wäre eine Einigung darauf was "fair" und "gut" ist. Was das Ziel des Mindestlohns oder des Lohns an sich, der Arbeit sein sollte. Unabhängig von Abschluss, Bildungsgrad usw.

Was kann man sich von 1.206,46€ im Monat leisten?

Eine Wohnung? Ja.
Es kommt natürlich darauf an wo.
https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-11/mietpreise-steigerung-mietspiegel-wohnungsnot-gemeinden
Meine Gegend hat laut dieser Karte etwa 6€ pro Quadratmeter, gehört damit noch zu den "günstigeren" bzw liegt in einem Mittelfeld oder Durchschnitt.
Gehen wir von der 30-Prozent-Mietregel aus bedeutet das ich habe 361,94€ für eine Wohnung (etwa 60qm?). Kalt? Warm wird so eine Wohnung nämlich kaum zu finden sein.
Sagen wir 361,94€ kalt + Nebenkosten + Strom behaupte ich würden wir damit auf etwa 500€ warm kommen.
1.206,46€ - 500€ = 706,46€
Gehen wir jetzt von etwa 100€ Lebensmittelkosten (ich behaupte das ist sparsam), 50€ Internet und 150€ für ein kleines Auto (um zur Arbeit zu kommen (Treibstoff, Versicherungen, Steuer)) aus bleiben also noch 456,46€
Davon abgezogen würden dann noch Hygieneartikel, Kleidung, Versicherungen ggf Freizeitaktivitäten, ein Mobilfunkvertrag (?)...
Das unterscheidet sich natürlich etwas aber ich denke wir können uns darauf einigen, dass zum Schluss nicht mehr wirklich viel übrig bleibt.
Kein (kaum) Geld für Rücklagen, Urlaub oder dem Fall, dass irgendwas unerwartetes passiert (Herd, Waschmaschine, Auto geht kaputt, man selbst wird längerfristig krank, hat einen Unfall, Kurzarbeit, plötzlicher Verlust des Arbeitsplatzes, irgendwas anderes...).
Wäre das ein Leben über den eigenen Verhältnissen? Also vielleicht kein Mobilfunkvertrag, kein Auto, kein Urlaub, keine Freizeitaktivitäten um Geld für Rücklagen zu haben, für den Fall, dass etwas unerwartetes passiert? Lohnt es sich dann dafür zu arbeiten?

Lohnt sich diese Arbeit also bzw was sollte das Ziel der Arbeit sein? "Gerade so" über die Runden zu kommen oder.. sich etwas "Mittelstand" leisten können, Sicherheit haben, "sorglos" leben können, sich auch mal einen Urlaub leisten zu können?
Sind die, die sich so etwas wünschen "verwöhnt" oder undankbar (für ihr "gutes" Leben in Deutschland)? Oder sind das gerechtfertigte Forderungen bzw Voraussetzungen für eine lohnenswerte, faire Arbeit?
Was könnte/sollte man sich leisten können, wenn man für 8h am Tag arbeiten geht? Selbst wenn das nur bei McD oder als Reinigungskraft in einem Altenheim ist?
Und was würde das bedeuten? Wie hoch müsste ein Mindestlohn, mit dem man "sorglos" leben kann, ausfallen? Würde das Firmen in den Ruin treiben? Sind solche Firmen bzw Arbeitsplätze, die auf Ausbeutung aufbauen gerechtfertigt bzw "richtig" oder wichtig? Oder sollten sie von Grund auf verboten werden?
Welchen Einfluss oder welche Auswirkungen hätte das? Würden die Arbeitslosenzahlen steigen und diese sonst ausgebeuteten Menschen würden deshalb zu beinahe bzw teilweise unwürdigen Bedingungen leben müssen?
Sind gar nicht die Arbeitgeber und ihre Löhne das "Problem"? Sondern die immer steigenden Kosten?

Eure Meinung zählt nur bitte: Vergleiche mit den Kindern in Afrika oder anderen ausländischen Konzepten, die es "schlechter" machen (bzw andere Ziele verfolgen oder Prioritäten setzen) helfen niemandem weiter. Die Frage bleibt nämlich die, was das Ziel der Arbeit hier bei uns ist oder sein sollte.

Danke für die Aufmerksamkeit.


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 13:48
Alleinverdienend, keine kinder... muss es eine 60m² wohnung sein? Reichen weniger? Könnte man da sparen? (spoiler ja kann man)

100€ lebensmittelkosten gehen weniger, ich komme allein auf 160€ inkl. hygieneartikel und unnötigen will haben luxus + bio und demeterprodukten (wocheneinkauf ~40€).

Auto um zur arbeit zu kommen kann gbfs auch entfallen je nach nähe zum arbeitsplatz.

so geht das deine ganze liste weiter. Ich sehe unmengen sparpotential und nicht "nur" kleinere unterschiede, aber das ist eben individuell.
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Wäre das ein Leben über den eigenen Verhältnissen? Also vielleicht kein Mobilfunkvertrag, kein Auto, kein Urlaub, keine Freizeitaktivitäten
Oder einfach in einigen bereichen einschränken? 100€ nur für lebensmittel empfinden einige als wenig, andere denken sich: boahr dann hab ich ja noch 50€ über füs sparschwein. Ich denke mir in deiner rechnung auch: 60m² wohnung ist zwar geil, aber mit reichen meine 48m² auch und damit liege ich dann auch warm bei dem, was "deine" bude kalt kostet.

Lohnt es sich für 1.200€ netto arbeiten zu gehen? Nunja das war mein startgehalt und ja ich konnte davon sehr sehr gut leben, daher hat es sich damals gelohnt. Heute nicht mehr. Wenn ich daran denke, was das auto frisst (hatte ich damals nicht), die wohnung (damals 1-raum, warm 120€ inkl strom und wasser) und die katzen (damals nicht vorhanden), dann wird mir ganz ganz anders. Mit dem gehalt steigt meistens auch der lebensstandard. Frag einen studenten, ob es sich für ihn lohnen würde für 1.200€ zu arbeiten und dann frag einen aus der führungsetage eines großbetriebes.

Meiner meinung nach für mich: Ich könnte mit 1.200€ auch heute ein annehmbares leben führen. Das hieße aber einen einschnitt, den ich nicht bereit bin hinzunehmen. Als erstes hieße es da nämlich den größten kostenfaktor in meinem leben abzuschaffen und das sind die katzen. Ohne die gäbe es da keine probleme und ich könnte meinen aktuellen lebensstandard mit weiteren klitzekleinen einschränkungen weiterleben und zudem noch geld zurücklegen. Ich lebe aber auch relativ genügsam und brauche nicht die unmengen an kostspieligen freizeitaktivitäten, auswärts essen gehen, urlaub in "fancy" ländern oder aber massig viel platz.

Aber.... arbeit sollte fair entlohnt werden. Es sollte klar sein, dass man als "ungelernte" reinigungskraft nicht das traumgehalt schlechthin erwarten kann. Es sollte klar sein, dass man in der "firmenhierachie" dann nicht im unteren mittelfeld mitspielt, sondern eben relativ weit unten. Das problem an der sache ist eben nur, dass personalkosten wieder anderweitig eingenommen werden. Sei es doch höhere kosten für lebensmittel, reperaturen und sonstiges, sodass es zwar schön aussieht, wenn man statt der 1.200€ nun 1.600€ verdient.... es aber am ende wohl oder übel nichts ändert, da die lebenserhaltungskosten steigen und am ende das gleiche in der tasche bleibt.

Die kritik am mindestlohn ist da nicht angebracht, solange es "hohe tiere" gibt, die sich massenweise geld in die eigene tasche stopfen, statt auf einen kleinen teil zu verzichten und das geld lieber in höhere personalkosten steckt. Traurig genug, dass einige ohne mindestlohn noch weniger verdienen würden.


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 13:58
Zitat von gastricgastric schrieb:Alleinverdienend, keine kinder... muss es eine 60m² wohnung sein? Reichen weniger? Könnte man da sparen? (spoiler ja kann man)
Das war ein theoretisches Beispiel, ich hab danach mal nachgeschaut, solche Wohnungen gibt es hier nicht, im Angebot ist eine einzige für 365€ kalt mit 50qm :D
Das ist aber auch die günstigste, die ich finden konnte. Ich hab mir ihren Zustand nicht näher angesehen.

Und das mit den "notwendigen" Einschränkungen ist genau die Frage, die mit all deinen "Spartipps" offen bleibt. Wenn ich arbeiten gehe, will ich mich dann dermaßen einschränken müssen? Oder möchte ich "etwas davon haben" und mir ohne ein schlechtes Gewissen ein Auto, einen Urlaub und ein Hobby leisten können?
Klar kann man immer an allem sparen aber wo ist die Grenze zwischen leben und existieren?
Und braucht unser System vielleicht die (ausgebeuteten) Armen, die sich bis zum Äußersten einschränken und sparen müssen damit sich die "reichen" ihren Reichtum und Wohlstand leisten können?


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 14:08
Also nochmal zur Erklärung:
Wenn wir von 1.206,46€ ausgehen und die 30-Prozent-Mietregel sagt die Miete sollte nicht mehr als 30% meines Gehalts kosten würde das bedeuten 30% von 1.206,46€ = 361,94€.
Wenn der Mietspiegel (siehe Link) sagt hier würden Wohnungen (im Schnitt? scheint ja irgendwie nicht zu stimmen :D) 6€ pro qm kosten rechnest du 362€ / 6€ und kommst damit auf etwa 60.
Also solltest du theoretisch in der Lage sein eine 60qm Wohnung für 362€ kalt zu bekommen. Theoretisch.. praktisch ist das aber wieder eine ganz andere Geschichte. Von dem Zustand dieser Wohnung ganz zu schweigen.


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 14:15
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Wenn ich arbeiten gehe, will ich mich dann dermaßen einschränken müssen? Oder möchte ich "etwas davon haben" und mir ohne ein schlechtes Gewissen ein Auto, einen Urlaub und ein Hobby leisten können?
Klar möchte man das.
Ist man dann auch willens eigene Anstrengungen zu unternehmen um aus dem Niedriglohnsektor heraus zu kommen?
Abendschule?
Zusätzliche Qualifikationen erwerben?
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Klar kann man immer an allem sparen aber wo ist die Grenze zwischen leben und existieren?
Da wird jeder seine eigene Grenze ziehen.

Natürlich kann man hingehen und den Mindestlohn auf 12.-€ hochsetzen, aber dann muss man auch damit leben dass Dinge teurer werden, denn natürlich ziehen höhere Lohnkosten auch Mehrkosten für den Endverbraucher nach sich, und auch damit, dass Arbeitsplätze wegfallen, weil man aufgrund der höheren Lohnkosten nicht mehr wettbewerbsfähig ist.
Da die Balance zu halten ist schwierig.


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 14:22
Oh und bevor das hier auf extreme ausartet: Es geht ja nicht darum, dass bspw. eine Reinigungskraft erwartet in einer großen, luxuriösen Wohnung zu wohnen, einen Ferrari zu fahren und 4x im Jahr in den Urlaub zu fahren. Es geht darum, was ihre Arbeit wert ist, mindestens.
Wenn also mal angenommen eine 8h Reinigungskraft (und ich finde schon, dass das harte Arbeit ist) es nicht verdient hat sich eine angemessene (?) Wohnung leisten zu können, Rücklagen bilden zu können und auch mal in den Urlaub fahren zu können.
Zitat von ZyklotropZyklotrop schrieb:Ist man dann auch willens eigene Anstrengungen zu unternehmen um aus dem Niedriglohnsektor heraus zu kommen?
Abendschule?
Zusätzliche Qualifikationen erwerben?
Aber darum geht es doch gar nicht. Irgendjemand muss diese Arbeiten schließlich auch machen und die Frage ist dann eher, ist die Arbeit der Reinigungskraft "nichts" wert bzw so wenig bzw so viel weniger als die eines anderen (mit Ausbildung)?
Es geht nicht um "selbst Schuld", nicht darum Arbeiten in der Form zu vergleichen, nicht darum zu sagen vielleicht verdient der Bankangestellte oder Betriebsleiter ja zu viel (weil er so viel mehr verdient), sondern darum sich die geleistete Arbeit an sich anzusehen und daraus sagen zu können, was sie wert ist oder sein sollte. Ab wann oder ob sie sich lohnt.


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 14:32
Was hier übrigens noch gar nicht angemerkt wurde ist welche Auswirkungen der Mindestlohn (bei Vollzeit) auf die spätere Rente hat oder haben sollte. Wenn 9,35€ für das Aufstocken zu einer Grundsicherung und damit verbundener Altersarmut führen bleiben sie weiter fraglich.


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 14:34
Außerdem ist es sinnvoll sich so auf den Mindestlohn zu konzentrieren oder wäre es nicht doch sinniger für mehr Tarifgebundenheit zu sorgen? (Ähnlich wie in Schweden)


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 14:39
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Aber darum geht es doch gar nicht. Irgendjemand muss diese Arbeiten schließlich auch machen und die Frage ist dann eher, ist die Arbeit der Reinigungskraft "nichts" wert bzw so wenig bzw so viel weniger als die eines anderen (mit Ausbildung)?
Der Wert der Arbeit bemisst sich auch höchst individuell. Kommt immer darauf an, was es dem AG wert ist. Damit das nicht beliebig nach unten geht wurde der Mindestlohn ja eingeführt.
Natürlich ist auch die Arbeitskraft der Reinigungskraft etwas wert, aber halt nicht so viel wie die des Chirurgen.
Welchen Mindestlohn hältst du denn für angemessen und warum?


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 14:44
@YaaCool

Beim Thema Mindestlohn bin ich immer zwiegespalten:

Einerseits ist es ein Eingriff in die Autonomie und möglicherweise führt ein Mindestlohn auch zum Wegfall einiger Arbeitsplätze.

Andererseits darf es nicht sein, dass in Deutschland jemand dauerhaft in Vollzeit gearbeitet hat und am Ende landet er / sie in der Altersarmut. Das ist beschämend. Auch wer 2, 3, oder 4 Jahre für die Pflege von Kindern oder Angehörigen aufgebracht hat, darf am Ende nicht Flaschen sammeln müssen. Das liegt aber nicht nur am Lohn, sondern auch an unserer im internationalen Vergleich peinlich miesen Rentenquote.

Die mit Riester und Rürup o.ä. zuzukleistern, gelingt halt meist denen nicht, die es wirklich brauchen würden.

Die Frage ist nur: Sollte man da nur beim Arbeitgeber ansetzen, um über höhere Löhne höhere Renten zu generieren oder doch auch am Rentensystem? Fast alle unsere Nachbarländer krigen bei vergleichbarer Alterspyramide das Thema besser gelöst.


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 14:45
@YaaCool
Das problem an der geschichte ist eben schon: wir haben unterschiedliche auffassungen von einschränken. Ich habe aktuell nach abzug der kosten nur für die katzen ~1.100€ zur verfügung. Kann mir davon ne wohnung leisten, nen auto, nen urlaub einmal im jahr (nur eben nicht für 5.000€ usa o.ä.), habe hobbys, netflix und co, musikstreaming natürlich auch und schaffe es 100€ monatlich zurückzulegen (für auto kaputt, waschmaschine im eimer, herd in flammen aufgegangen, größere kosten tierarzt blablabla). Ich schränke mich nirgens massiv ein. Wären 1.200€ mein netto verdienst, könnte ich halt ganz simpel keine 4 chronisch kranken katzen halten oder aber müsste mich eben massivst einschränken.

Die frage lautet nicht, wie gut oder schlecht man mit 1.200€ leben kann, sondern, wen/was man damit alles durchfinanzieren muss. Allein (für mich) kein problem damit ein 08/15 leben zu führen aber eben mit der einschränkung nicht jährlich die welt zu bereisen und haustiere zu haben, dessen arztkosten mich quasi in den ruin treiben. Hätte ich noch massive schulden aus früheren dämlichen entscheidungen oder schicksalsschlägen, sähe die sache ebenfalls anders aus. Schuldenfrei und ohne horrende kosten für irgendwelches viehzeug..... machbar ohne großartige einschränkung... es sei denn, man wohnt in münchen oder berlin....
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Wenn 9,35€ für das Aufstocken zu einer Grundsicherung und damit verbundener Altersarmut führen bleiben sie weiter fraglich.
Nun muss man sich eben fragen, warum sie dazu führen. Ist es sinnvoll allen einfach mehr geld zu geben? Wo kommt es her? Wie wird es erwitschaftet? Was steigt dafür an kosten und ist einem dann geholfen, wenn auf dem lohnzettel mehr geld steht, in der tasche aber nicht mehr geld ankommt?


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 14:46
@gastric

Wenn Du Deinen Betrag dann aber mit einer Rentenquote von 55% in Beziehung setzt, würde es dann nach Renteneintritt aber ziemlich eng werden.


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 14:55
@sacredheart
Nicht zwingend. Allein aktuell die kosten fürs auto können komplett entfallen und wie sich mein lebensstandard in den nächsten 33 jahren entwickeln wird, kann ich nicht vorhersagen. Wenn dieses jahr die wichtigsten dinge so klappen, wie geplant, dann ist das auch komplett banane darüber nur ansatzweise nachdzudenken, denn dann krempelt sich mein leben um 180° um. Sowohl verdienst, als auch (private) altersvorsorge, wohnkosten und sonstige ausgaben. Drück mir die daumen :D


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 15:02
Zitat von gastricgastric schrieb:Das problem an der geschichte ist eben schon: wir haben unterschiedliche auffassungen von einschränken.
Und ich finde, dass das festgelegt werden sollte was genau man sich leisten können sollte, wenn man einer Vollzeitarbeit, egal welcher Art, nachgeht. Nicht nach dem was du denkst, was du brauchst oder ich, was "einzelne" bereit wären "hinzunehmen", zu sparen usw. sondern, was es einfach ermöglichen sollte.
Für mich wäre das mindestens ein "normaler" Einkauf (https://singlehaushaltskosten.de/lebensmittel-monatlich/), also sich nicht ungemein einschränken zu müssen was die Lebensmittelfrage und Ernährung angeht, mindestens ein Hobby (ich zähle die Katzen bzw Haustiere allgemein mal unter "Hobby"), mindestens ein Urlaub im Jahr aber am aller wichtigsten ist: keine Sorgen um Altersarmut bzw. seine Existenz haben zu müssen.
Wenn ich trotz Arbeit um meine Zukunft fürchten muss, dann ist das mehr als belastend (und macht krank).
Wie gesagt, es geht mir nicht darum, dass jeder gleich "reich" wird, sondern darum, dass die Auszahlung eine Form der Wertschätzung ist. Und damit darum wie hoch diese sein müsste, damit sie eben das zum Ausruck bringt, damit der Mitarbeiter einigermaßen sorglos und zufrieden sein kann.


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 15:03
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Und ich finde, dass das festgelegt werden sollte was genau man sich leisten können sollte, wenn man einer Vollzeitarbeit, egal welcher Art, nachgeht. Nicht nach dem was du denkst, was du brauchst oder ich, was "einzelne" bereit wären "hinzunehmen", zu sparen usw. sondern, was es einfach ermöglichen sollte.
Und mit welchem Mindestlohn kann man das deiner Meinung nach erreichen?


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 15:13
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Und ich finde, dass das festgelegt werden sollte was genau man sich leisten können sollte, wenn man einer Vollzeitarbeit, egal welcher Art, nachgeht. Nicht nach dem was du denkst, was du brauchst oder ich, was "einzelne" bereit wären "hinzunehmen", zu sparen usw. sondern, was es einfach ermöglichen sollte.
Und genau da kommen wir eben zur frage, was ist möglich, was ist nötig? Ich sags dir, wie es ist: ich komme nicht auf 100€ im monat an reinen lebensmittelkosten und das, obwohl ich hochwertig einkaufe. Ich achte nicht auf preise, kaufe einfach nur nach liste. Ich schränke mich nicht ein, ich hungere nicht. Da stellt sich die frage, warum mehr reine lebensmittelkosten festgelegt werden sollten? Das gleiche gilt für alles andere. Wonach setzt man das fest? Sind 100€ lebensmittelkosten wirklich extrem sparsam? Ich kann das nicht bestätigen.... Und das garantiert nicht, weil ich von laden zu laden renne und nach angeboten geiere oder aber mich in irgendeiner art und weise massiv einschränke.
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:sondern darum, dass die Auszahlung eine Form der Wertschätzung ist
Da gehe ich ja vollkommen mit. Ich würde das nur nicht von irgendeiner liste abhängig machen, was jeder sich leisten können muss.


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 15:13
Zitat von ZyklotropZyklotrop schrieb:Und mit welchem Mindestlohn kann man das deiner Meinung nach erreichen?
Wenn ich etwas dazu hätte sagen wollen, hätte ich das schon im Eingangspost getan.
Es ging mir mit der Aussage darum, dass der (aktuelle) Mindestlohn sich eher oder stark am Tarifindex orientiert, nicht so sehr am Medianlohn und sich auch nicht wirklich mit der Frage beschäftigt was Arbeit wert sein sollte.
Wenn die Politik definieren kann was ein Existenzminimum ist (nach dem sich AL2 richtet oder es sollte), dann sollte sie auch in der Lage sein zu definieren was den Mindeststandard eines arbeitenden Menschen ausmachen sollte. Wenn sich dieser Mindeststandard nur minimal vom Existenzminimum unterscheidet hat die Arbeit kaum einen Wert.


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 15:18
@gastric

Hast du dir nur die Tabelle angesehen oder auch weiter gelesen? :D


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Mindestlohn - Ziele, Sinn und Auswirkungen

23.04.2020 um 15:19
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Wenn die Politik definieren kann was ein Existenzminimum ist (nach dem sich AL2 richtet oder es sollte), dann sollte sie auch in der Lage sein zu definieren was den Mindeststandard eines arbeitenden Menschen ausmachen sollte.
Die wenigsten hier dürften Politiker in den entscheidenden Positionen sein.
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Wenn sich dieser Mindeststandard nur minimal vom Existenzminimum unterscheidet hat die Arbeit kaum einen Wert.
Du redest permanent vom Wert der Arbeit möchtest diesen Wert (den sie deiner Meinung nach haben sollte) aber nicht beziffern.
Ist etwa so sinnvoll wie über die Tiefsee zu reden, aber ängstlich zu vermeiden mal klar vorzugeben bei wieviel Meter unter dem Meeresspiegel sie anfängt.
Als AG hätten mich deine Vorstellungen da mal interessiert, aber es ist natürlich zu tolerieren, wenn du dich dazu nicht äussern möchtest.


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23.04.2020 um 15:30
@gastric

Erst mal drücke ich Dir gerne die Daumen, dass alles so laufen wird, wie Du es planst.

Ich erinnere mich auch, dass ich als Student geradezu reich war. BaFöG habe ich erst gar nicht beantragt, meine Eltern hatten mich ein bißchen unterstützt, ich konnte aber ganz gut 'auf die Kralle' verdienen. Ist ja nun auch schon bald 30 Jahre her. Da reichten 1300 Mark sehr sehr locker zum Leben.

Wenn man aber Kinder bekommt, werden die Karten noch mal neu gemischt und alle Wetten ungültig. Dann hat man plötzlich einen viel höheren Finanzbedarf. Und auch wenn die Kinder aus dem Haus sind, hat man irgendwie nicht mehr Geld zur Verfügung.

Viele einfache Berufe erlauben aber - wenn man in ihnen verbleibt - kaum eine Lohnsteigerung vom Einstiegsgehalt bis kurz vor das Rentenalter. Man kann aber nicht von jedem Erwarten, neben der Arbeit sich auch noch höher zu qualifizieren.

Und so richtig doppelt angeschissen sind Geringverdiener mit sehr verschleißenden Berufen. Wer kann denn noch mit 66 1/2 Jahren als Gerüstbauer arbeiten? Da wird erst mal pro Monat relativ wenig Rente 'angespart' und die langen Berufsjahre werden fast nie erreicht.

Das sollte bei allen Rentenzuschüssen bedacht werden. Natürlich kann man im Büro beim Straßenverkehrsamt locker sich 40 Jahre lang den Arsch plattsitzen, aber im Autobahnbau kriegt das doch keiner hin.


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