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29. September - Der GAU lange vor Tschernobyl
Ein Sonntag 1957. Am späten Nachmittag erschreckt eine schwere Explosion die Menschen, die östlich des Uralgebirges auf den Feldern arbeiten. Nahe der Gemeinde Kyschtym bebt die Erde, eine Rauchwolke schießt in den Himmel, erst grau, dann rot. Es handelt sich um 80 Tonnen radioaktives Material, das in den nächsten Stunden ein über 100 Kilometer langes Gebiet verseucht. Cäsium-137, Strontium-90 und Plutonium-239 heißen die Stoffe, die auf ahnungslose Menschen niederregnen. Der Unfall ereignet sich in der geheimen Fabrik Majak, in der die Sowjets waffenfähiges Plutonium herstellen. Das Kühlsystem eines Abfallbehälters im Boden war ausgefallen, die chemische Brühe darin kristallisiert zu explosiven Verbindungen. Ein Funke aus einem defekten Messgerät führt zur Detonation. Die Menge des freigesetzten Materials ist vergleichbar mit dem Tschernobyl-GAU. Über 30 Jahre wird der Kyschtym-Unfall verschwiegen. Viele Opfer dienen in der Folgezeit ohne ihr Wissen als Versuchskaninchen - in Untersuchungen über langfristige Strahlenschäden.