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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

28 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Gott, Religion, Kirche ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

15.10.2026 um 09:23
In letzter Zeit beobachte ich eine Entwicklung innerhalb der katholischen Kirche, die mich zunehmend nachdenklich stimmt und bei der sich für mich die Frage nach der Glaubwürdigkeit und Konsequenz kirchlicher Werte stellt.

Besonders auffällig finde ich die zunehmende öffentliche Unterstützung der LGBTQ+-Bewegung. Regenbogenfahnen an Kirchen, spezielle Gottesdienste für queere Menschen und Informationsmaterial entsprechender Organisationen sind vielerorts inzwischen Teil des kirchlichen Erscheinungsbildes.

Eines möchte ich ausdrücklich vorwegnehmen:

Ich begrüße es, wenn queere Menschen Anerkennung, Respekt und Gleichberechtigung erfahren. Niemand sollte aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität ausgegrenzt oder diskriminiert werden. Das ist für mich eine Frage der Menschenwürde und der christlichen Nächstenliebe.

Meine Kritik richtet sich deshalb ausdrücklich nicht gegen queere Menschen, sondern gegen die katholische Kirche als Institution und die Frage, wie glaubwürdig ihr gegenwärtiger Kurs tatsächlich ist.

Denn hier sehe ich erhebliche Widersprüche.

Während sich Teile der katholischen Kirche zunehmend offen und demonstrativ gegenüber der LGBTQ+-Gemeinschaft zeigen, bleiben andere grundlegende Fragen der Gleichberechtigung weiterhin ungelöst.

Frauen dürfen bis heute nicht zu Priesterinnen geweiht werden. Trotz jahrzehntelanger Diskussionen hält die katholische Kirche an dieser Beschränkung fest. Auch gleichgeschlechtliche Paare können weiterhin keine sakramentale Ehe nach katholischem Verständnis schließen.

Zwar wurden inzwischen Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare ermöglicht, doch eine vollständige kirchenrechtliche Gleichstellung ist damit keineswegs verbunden.

Wie passt das zusammen?

Wie kann eine Institution einerseits Offenheit, Vielfalt und Gleichberechtigung öffentlichkeitswirksam vertreten, andererseits aber innerhalb ihrer eigenen Strukturen an grundlegenden Ungleichbehandlungen festhalten?

Hinzu kommt eine weitere Entwicklung, die man meiner Meinung nach nicht außer Acht lassen sollte.

Die katholische Kirche verliert seit Jahren massiv an Mitgliedern. Allein 2025 traten in Deutschland nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 307.117 Menschen aus der katholischen Kirche aus.

Vor diesem Hintergrund stellt sich für mich eine durchaus kritische Frage:

Erleben wir hier tatsächlich einen tiefgreifenden Wandel aus christlicher Überzeugung, oder versucht eine Institution, die zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung verliert, durch die demonstrative Hinwendung zu neuen gesellschaftlichen Zielgruppen ihre eigene Zukunft zu sichern?

Ich möchte damit keineswegs behaupten, dass sämtliche Verantwortlichen aus Berechnung handeln. Gerade innerhalb der katholischen Kirche gibt es sicherlich zahlreiche Geistliche und engagierte Gemeindemitglieder, deren Einsatz für queere Menschen aus aufrichtiger christlicher Überzeugung entsteht.

Dennoch sollte es erlaubt sein, zwischen persönlicher Überzeugung einzelner Menschen und der strategischen Ausrichtung einer großen Institution zu unterscheiden.

Für mich entsteht zumindest der Eindruck einer selektiven Offenheit: Dort, wo gesellschaftliche Akzeptanz gewonnen werden kann, zeigt man Reformbereitschaft. Dort, wo grundlegende kirchliche Machtstrukturen und traditionelle Privilegien berührt werden, bleiben Veränderungen dagegen aus.

Christliche Nächstenliebe sollte aber weder eine Frage gesellschaftlicher Trends noch eine Strategie zur Mitgliedergewinnung sein.

Eine glaubwürdige Kirche muss ihre Werte auch dann vertreten, wenn sie unbequem sind, und bereit sein, eigene Widersprüche kritisch zu hinterfragen.

Vielleicht tue ich der katholischen Kirche mit meiner Einschätzung in Teilen unrecht. Gerade deshalb interessiert mich, wie andere Menschen diese Entwicklung wahrnehmen.

Ist die zunehmende Offenheit gegenüber queeren Menschen Ausdruck einer ehrlichen theologischen und gesellschaftlichen Neuausrichtung? Oder erleben wir teilweise einen institutionellen Opportunismus, bei dem gesellschaftliche Anerkennung und der Erhalt kirchlicher Relevanz eine größere Rolle spielen als tatsächliche Reformbereitschaft?

Ich freue mich auf eine sachliche und respektvolle Diskussion – ausdrücklich auch mit Menschen, die meine Einschätzung nicht teilen.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

15.10.2026 um 09:38
Zitat von chandelier1979chandelier1979 schrieb:Besonders auffällig finde ich die zunehmende öffentliche Unterstützung der LGBTQ+-Bewegung. Regenbogenfahnen an Kirchen, spezielle Gottesdienste für queere Menschen und Informationsmaterial entsprechender Organisationen sind vielerorts inzwischen Teil des kirchlichen Erscheinungsbildes.
Eine Entwicklung, die ich persönlich sehr positiv empfinde, und die mich nach vielen Jahren tatsächlich der (katholischen) Kirche wieder näher bringt, obwohl ich seit Jahrzehnten eine große Distanz dazu aufgebaut hatte. Ich bin sehr froh, dass die Kirche sich endlich auch diesen Menschen gegenüber offen zeigt, zumal viele LGBTs eigentlich eine starke Hinwendung zur Kirche fühlen sich auch wünschen, von ihr willkommen geheißen zu werden.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

15.10.2026 um 09:43
Zitat von martenotmartenot schrieb:Eine Entwicklung, die ich persönlich sehr positiv empfinde, und die mich nach vielen Jahren tatsächlich der (katholischen) Kirche wieder näher bringt, obwohl ich seit Jahrzehnten eine große Distanz dazu aufgebaut hatte. Ich bin sehr froh, dass die Kirche sich endlich auch diesen Menschen gegenüber offen zeigt, zumal viele LGBTs eigentlich eine starke Hinwendung zur Kirche fühlen sich auch wünschen, von ihr willkommen geheißen zu werden.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du diese Entwicklung positiv empfindest. Und genau genommen begrüße ich diese Offenheit ebenfalls. Jeder Mensch sollte unabhängig von seiner sexuellen Orientierung in einer christlichen Gemeinschaft willkommen sein.

Mein kritischer Gedanke richtet sich allerdings weniger gegen diese Entwicklung selbst als vielmehr gegen die Widersprüchlichkeit innerhalb der katholischen Kirche.

Warum zeigt man sich bei bestimmten gesellschaftlichen Fragen zunehmend offen, während man beispielsweise Frauen weiterhin den Zugang zum Priesteramt verwehrt und an anderen traditionellen Ausschlüssen festhält?

Gerade angesichts der seit Jahren sinkenden Mitgliederzahlen frage ich mich, ob diese Entwicklung ausschließlich aus einer ehrlichen theologischen Überzeugung heraus entsteht oder ob auch institutionelle Interessen eine Rolle spielen.

Deine persönliche Erfahrung zeigt natürlich, dass diese Öffnung tatsächlich Menschen wieder näher an die Kirche heranführen kann. Das ist etwas Positives.

Allerdings bleibt für mich die Frage bestehen, ob wir hier einen grundlegenden Wertewandel erleben oder lediglich eine selektive Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen.

Ich finde, dass man diese Frage stellen darf, ohne die Öffnung selbst infrage zu stellen.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

15.10.2026 um 09:53
Zitat von chandelier1979chandelier1979 schrieb:Warum zeigt man sich bei bestimmten gesellschaftlichen Fragen zunehmend offen, während man beispielsweise Frauen weiterhin den Zugang zum Priesteramt verwehrt und an anderen traditionellen Ausschlüssen festhält?
Diese Frage ist natürlich sehr berechtigt, und ich könnte auch keine Antwort geben (dafür bin ich der katholischen Kirche nicht nah genug). Ich würde vermuten, dass es zahlreiche konservative Kräfte in der Kirche gibt, die sich weiterhin dagegen verwehren, ohne dass allerdings wüsste, warum.

Es gibt einen besonders konservativen Geistlichen, von dem ich vor einer Weile gelesen habe. Er heißt Edmund Waldstein und vertritt den sogenannten Neo-Integralismus, in der anscheinend unter anderem generell gefordert wird, dass sich die "weltliche" der "geistlichen" Macht unterzuordnen habe. Ich könnte mir vorstellen, dass sich in diesen sehr konservativen Denkwelten Frauen als Priester generell verbieten (sicher aber auch für LGBT-Menschen kein Platz vorgesehen ist).


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

15.10.2026 um 10:08
Zitat von martenotmartenot schrieb:Es gibt einen besonders konservativen Geistlichen, von dem ich vor einer Weile gelesen habe. Er heißt Edmund Waldstein und vertritt den sogenannten Neo-Integralismus, in der anscheinend unter anderem generell gefordert wird, dass sich die "weltliche" der "geistlichen" Macht unterzuordnen habe. Ich könnte mir vorstellen, dass sich in diesen sehr konservativen Denkwelten Frauen als Priester generell verbieten (sicher aber auch für LGBT-Menschen kein Platz vorgesehen ist).
Ich denke allerdings, dass die Erklärung, innerhalb der katholischen Kirche gebe es zahlreiche konservative Kräfte, die Veränderungen verhindern, etwas zu kurz greift.

Mir geht es dabei weniger um die Frage, ob eine Kirche konservativ oder progressiv sein sollte. Vielmehr beschäftigt mich die Frage, nach welchen Maßstäben die katholische Kirche entscheidet, wann sie an ihren traditionellen Überzeugungen festhält und wann sie gesellschaftlichen Veränderungen entgegenkommt.

Gerade beim Thema Frauen im Priesteramt beruft sich die Kirche auf die apostolische Tradition und ihre überlieferte Lehre. Gleichzeitig zeigt sie sich bei anderen gesellschaftlichen Fragen zunehmend offen und bemüht sich sichtbar um Akzeptanz.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich die respektvolle und menschenwürdige Behandlung homosexueller Menschen begrüße. Christliche Nächstenliebe sollte selbstverständlich jedem Menschen gelten.

Aber genau hier beginnt für mich die eigentliche Frage nach der Glaubwürdigkeit.

Wenn die Kirche ihre Traditionen als verbindlich betrachtet, muss sie nachvollziehbar erklären können, weshalb bestimmte Positionen unveränderlich sein sollen, während bei anderen Themen eine deutlich größere Offenheit möglich erscheint.

Es reicht meines Erachtens nicht aus, sämtliche Widersprüche mit dem Einfluss konservativer Kräfte zu erklären.

Eine Kirche sollte ihre Haltung nicht danach ausrichten, welche gesellschaftlichen Positionen gerade Zustimmung versprechen. Sie sollte vielmehr auf einer klaren, nachvollziehbaren und glaubwürdigen theologischen Grundlage handeln.

Denn christliche Nächstenliebe und gesellschaftliche Anpassung sind nicht automatisch dasselbe.

Und genau diese Unterscheidung halte ich in der gegenwärtigen Entwicklung der katholischen Kirche für besonders wichtig.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

15.10.2026 um 10:19
Zitat von chandelier1979chandelier1979 schrieb:Denn christliche Nächstenliebe und gesellschaftliche Anpassung sind nicht automatisch dasselbe.
Nein, aber dass man bisher marginalisierte Menschengruppen in Zukunft stärker erreichen und sich für sie öffnen möchte, halte ich nicht für "gesellschaftliche Anpassung", sondern für gelebte Nächstenliebe.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

15.10.2026 um 10:33
Zitat von martenotmartenot schrieb:sondern für gelebte Nächstenliebe.
Du denkst, wenn der Wind sich drehen würde, dann würde die katholische Kirche an dieser "Öffnung" festhalten und diese auch verteidigen und nicht mit schneller als man "Vater unser" sagen kann, zu den "alten Werten" zurückkehren?

Aus meiner Sicht ist es völlig unverständlich, dass sich Menschen da überhaupt zugehörig fühlen können.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

15.10.2026 um 10:34
Zitat von martenotmartenot schrieb:Nein, aber dass man bisher marginalisierte Menschengruppen in Zukunft stärker erreichen und sich für sie öffnen möchte, halte ich nicht für "gesellschaftliche Anpassung", sondern für gelebte Nächstenliebe.
Ich habe nichts dagegen, dass sich die Kirche bisher ausgegrenzten Menschen öffnet. Im Gegenteil, christliche Nächstenliebe sollte selbstverständlich sein.

Meine Kritik richtet sich vielmehr gegen die Widersprüchlichkeit kirchlicher Positionen. Wenn jahrzehntelang bestimmte Überzeugungen als verbindliche Glaubenslehre vertreten wurden und sich die öffentliche Haltung nun deutlich verändert, darf man doch fragen, ob dahinter eine theologische Neubewertung oder gesellschaftlicher Anpassungsdruck steht.

Nächstenliebe und Glaubwürdigkeit sollten sich schließlich nicht gegenseitig ausschließen.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

15.10.2026 um 10:35
Zitat von MotzfusselMotzfussel schrieb:Du denkst
Bezüglich der katholischen Kirche denke ich weniger als du denkst. Ich sprach eher von meiner persönlichen Einstellung, die eben die Akzeptanz von LGBT-Personen als gelebte Menschen- und Nächstenliebe sieht (im Gegensatz zum Ausgrenzen von Menschen aufgrund unveränderlicher Eigenschaften).

Natürlich wäre die vollständige Gleichstellung der Frauen in der Kirche inklusive Zulassung zu allen Ämtern ebenfalls Bestandteil dieser gelebten Nächstenliebe.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

15.10.2026 um 11:00
Zitat von chandelier1979chandelier1979 schrieb:Allerdings bleibt für mich die Frage bestehen, ob wir hier einen grundlegenden Wertewandel erleben oder lediglich eine selektive Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen.
Rom ist eher an alten Werten interessiert.
Die deutsche katholische Kirche eher etwas Richtung Reform interessiert, –jedenfalls soweit ich weis.

Reformbewegungen oder liberale Bewegungen
kamen früher schon im Christentum und Judentum aus Deutschland.

( liberale islamische Bewegungen z.B. der "Liberal-Islamische Bund" nun auch seit langer Zeit. Webseite von denen )

Das Sache mit Rom: Die haben das sagen.
Folgende Gedanken könnten in Rom stattfinden:
In manchen Ländern wo die katholische Kirche missioniert, könnte eine Liberalisierung für ihre Missionsarbeit vielleicht von Nachteil sein.

Der Missionserfolg hängt ja nicht nur von der eigenen Leere ab, sondern auch von dem (traditionellen) Weltbild der Leute die z.B. in Afrika zu bekehren sind.
*("zu bekehren sind", aus der Denke der römisch katholischen Kirche.)

Und zudem sind ja in Afrika sehr, sehr viel mehr Menschen, als die paar Deutschen, somit wäre eine Liberalisierung im Ganzen eher ein Nachteil für den Missionserfolg weltweit.
In Indien, wo ja auch sehr viele Menschen sind, könnte eine zu sehr liberalisierte kath. Kirche im Moment auch 'noch' eher von Nachteil sein, jedoch nur als Vermutung, da ich die Zahlen nicht kenne. Das Kastensystem der Hinduisten ist ja sehr traditionell, sozusagen.

Traditionelle Moslems z.B. in Pakistan oder sonst wo, die an einen Religionswechsel denken, also auf die wäre eine LGBTQ-Kirche ziemlich abschreckend, wieder wie bei '*' zu verstehen.

Die Differenz wäre zu groß zu ihrem ursprünglichen Glauben.

Der Horizont zu weit entfernt um so einen Sprung zu machen.
Das geht allgemein eher nicht, mit natürlich Ausnahmen.

Das ist nicht meine Meinung☝️, sondern ich versuche das aus der Perspektive eines Moslems zu sehen, der z. B. in Ägypten oder Syrien auf einen katholischen Priester trifft und was der, oder beide dann denken, wie sie sich sehen und aus welchem Gedankenbild heraus sie Urteile fällen.

Oder in kurz: Deutschland bietet kaum Möglichkeiten um zu missionieren und deshalb ist es für Roms Pläne nicht relevant.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

16.10.2026 um 16:48
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich finde deine internationale Betrachtungsweise durchaus nachvollziehbar.

Allerdings berührst du damit genau den Punkt, der mich ursprünglich zu meiner Kritik bewegt hat.

Wenn die katholische Kirche in Deutschland zunehmend liberale Positionen vertritt, während sie in anderen Teilen der Welt deutlich konservativer auftritt, stellt sich für mich die Frage nach ihrer Glaubwürdigkeit.

Natürlich muss eine Weltkirche kulturelle Unterschiede berücksichtigen. Aber sollten christliche Überzeugungen nicht unabhängig davon Bestand haben, in welchem Land sie vertreten werden?

Für mich liegt der entscheidende Unterschied zwischen christlicher Nächstenliebe und gesellschaftlicher Anpassung. Jeder Mensch verdient Respekt, Würde und einen Platz in der Glaubensgemeinschaft, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung. Das steht für mich außer Frage.

Wenn allerdings religiöse Positionen zunehmend von gesellschaftlichen Erwartungen, kulturellen Gegebenheiten oder strategischen Überlegungen beeinflusst werden, muss man auch die Frage nach Opportunismus stellen dürfen.

Ich erwarte von einer Kirche keine gesellschaftliche Ausgrenzung, sondern theologische Klarheit, Glaubwürdigkeit und Konsequenz.

Denn sollte sich eine Glaubensgemeinschaft in erster Linie danach richten, was gesellschaftlich gerade Zustimmung findet, stellt sich irgendwann die Frage: Orientiert sich die Gesellschaft noch am Glauben oder der Glaube zunehmend an der Gesellschaft?


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

24.10.2026 um 02:21
Villeicht mal e
Zitat von chandelier1979chandelier1979 schrieb am 15.10.2026:Erleben wir hier tatsächlich einen tiefgreifenden Wandel aus christlicher Überzeugung, oder versucht eine Institution, die zunehmend an gesellschaftlicher Bedeutung verliert, durch die demonstrative Hinwendung zu neuen gesellschaftlichen Zielgruppen ihre eigene Zukunft zu sichern?
Ja meiner Meinung ist das klar ein Versuch nicht irrelevant zu werden und dem Humanismus gefällig zu sein und dabei wirft man nach meinem Bibelverstädnis einige historische und biblische Dogmen und Werte über Bord. Und versucht ein Spagat zwischen den Ideen der sogenannten Woken Ideologie und dem Denken der Konservativen in verschiedenen Länder zu meistern und sich noch an einige Traditionen dennoch zu klammern.
Zitat von chandelier1979chandelier1979 schrieb am 15.10.2026:Ist die zunehmende Offenheit gegenüber queeren Menschen Ausdruck einer ehrlichen theologischen und gesellschaftlichen Neuausrichtung?
Nach meinem Verständnis müsste „ehrlich theologisch“ im Sinne der Bibel, eine Ehe etwas zwischen Mann und Frau sein und Homosexualität Sünde und Fluch. Da gibt’s genug Bibelstellen die Homosexualität, als Sünde und Fluch werten. Und das anders zu sehen ist denke ich schwer. Aber lest selbst:
Quelle 3. Mose 18,22 (Altes Testament)
„Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.“
Quelle: Römer 1,26–27 (Neues Testament):
26 Darum hat sie Gott auch dahingegeben in schändliche Lüste: denn ihre Weiber haben verwandelt den natürlichen Brauch in den unnatürlichen;
27 desgleichen auch die Männer haben verlassen den natürlichen Brauch des Weibes und sind aneinander erhitzt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihres Irrtums an sich selbst empfangen.
Wenn die KK homosexuelle Paare segnet und überlegt die Trauung zu erlauben, dann ist das meiner Auffassung nach wahrscheinlich schon ideologisch unglaubwürdiger Opportunismus.

Ist sowas biblisch-christlich glaubwürdig eigentlich eher so gar nicht, denke ich zumindest.
Bekommt man Ansehen von Menschen? Ja siehe der Chat hier.
Aber bringt so eine Anpassung dem Herrn Jesus näher? Ich bezweifle das extrem und maximal mit tiefer Überzeugung.
Ist es Richtig Sünde im Namen der Nächstenliebe zu erlauben und zu fördern ? Humanistisch atheistisch vielleicht ja, biblisch ziemlich sicher nein.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

24.10.2026 um 15:33
Zitat von UnschweigsamUnschweigsam schrieb:Wenn die KK homosexuelle Paare segnet und überlegt die Trauung zu erlauben, dann ist das meiner Auffassung nach wahrscheinlich schon ideologisch unglaubwürdiger Opportunismus.
Danke für Deine Meinung zu diesem Thema 🙏
Du hast den Kern meines ursprünglichen Posts genau verstanden und erkennst die Diskrepanz zwischen dem was in der Bibel steht und wie das heute von der KK gelebt wird.
Ich denke es ist wie Du erwähnt hast ein verzweifelter Versuch ist nicht an Bedeutung zu verlieren.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

26.10.2026 um 08:13
Zitat von UnschweigsamUnschweigsam schrieb:Aber bringt so eine Anpassung dem Herrn Jesus näher?
Wenn Christus wirklich so barmherzig ist, wie es heißt, dann ist die Segnung homosexueller Paare meines Erachtens eindeutig in seinem Sinne. Ging es nicht auch darum, ausgegrenzte Minderheiten und Menschen, die Verachtung erfahren haben, nicht länger auszuschließen?

Warum sollte es im Sinne von Jesus sein, Homosexuelle nicht zu segnen? Warum nicht?

Jedenfalls: solange sowas ernsthaft immer noch diskutiert wird, weiß ich, dass ich mich für mich richtig entschieden habe, als ich mich vor Jahren von den Religionen abgewandt habe.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

26.10.2026 um 11:07
Zitat von martenotmartenot schrieb:Wenn Christus wirklich so barmherzig ist, wie es heißt, dann ist die Segnung homosexueller Paare meines Erachtens eindeutig in seinem Sinne.
Ich gebe hier mein Verständnis von dem biblischen Weltbild wieder:

Jesus spricht von einem Feuersee oder Ofen im allgemeinen „Hölle“ genannt, wo jeder Sünder hinkommt. Und zwar jeder Mensch, der nicht Buße tut und im Herzen an Jesus anfängt zu glauben und ihm nachzufolgen. Es ist egal, welche Sünde man getan hat eine Sünde reicht um zu sterben. Und man kann mit den ganzen Sünden zu Jesus kommen und frei werden. Aber im christlichen Glauben, darf man nicht einfach weiter in Sünde leben.
49 So wird es am Ende der Weltzeit sein: Die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern 50 und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird das Heulen und Zähneknirschen sein.
Matthäus 13
Mein Verständnis von der Bibel:
Wie gesagt eine Barmherzigkeit die Sündern ohne Buße zugesprochen wird, ist nicht Jesu Barmherzigkeit. Ich denke die Verse oben zeigen, dass Homosexualität für den biblischen Gott, Sünde sein müsste. Die Hölle und das Leid auf dieser Welt passt ja auch nicht zur Bamherzigkeit und Liebe. Das liegt daran, dass die Menschen sogar in hohen christlichen Ämtern nicht Gottes (die biblische) Definition gebrauchen sondern ihre eigene, Die Frage ist: Will man Christ sein im Sinne des historischen Christi (der Bibel) oder Christ im Sinne der Gesellschaftlichen Moral.

Allerdings sind die Katholischen und Evangelischen Kirchen noch mehr und andere Kirchen ebenfalls auf dem Weg, die “Wissenschaft“ anzunehmen
Aber das hat dann wenig mit dem ursprünglichen christlichen Weltbild zu tun. Wo es sowas wie eine 6-7 Tage Schöpfung, Sinflut, Kriege, Leid, Moral, Jesu Tod und Auferstehung, Weltgericht, Trübsalszeit… gibt. Das ist ja den meisten Christen unangenehm und muss verdreht werden, damit man Glaubwürdig bleiben kann. So mein Eindruck.

Außerdem ist bekannt, dass es selbst mindestens 1 wahrscheinlich mehr Päpste gab, die trotz Zölibat Kinder hatten. Der Opportunismus der KK ist viel früher dagewesen und Teil des Dogmas und irgendwie bestimmt auch ok aus ihrer Sicht. Ich meine man sieht das auch an ökumenischen Ideen gewissen Verurteilungen… So versteh ich zumindest alles.

Es gibt schon Gründe, warum die KK die Auslegung der Schrift allein bei sich sieht und Übersetzer, wie William Tyndale tötete bzw. Luther für Vogelfrei erklärten.

Quelle: Wikipedia: Alexander VI.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

26.10.2026 um 12:02
Zitat von UnschweigsamUnschweigsam schrieb:Ich denke die Verse oben zeigen, dass Homosexualität für den biblischen Gott, Sünde sein müsste.
Wie hieß es schon seinerzeit in einem Lied: "Kann denn Liebe Sünde sein?" In meinem Verständnis fällt es mir tatsächlich schwer, etwas als Sünde und somit nicht gottgewollt zu sehen, das Menschen zueinander bringt bzw. Menschen einander lieben und füreinander sorgen lässt. Und heißt es nicht an anderer Stelle "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist?"

Wie sollten sich denn Homosexuelle verhalten oder leben, damit sie keine Sünden begehen? Oder ist schon die pure Existenz der Menschen sündhaft?


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

26.10.2026 um 12:53
Zitat von martenotmartenot schrieb:Kann denn Liebe Sünde sein?
Ich denke ja. Ich will das nicht ausführen aber romantische Liebe zu Minderjährigen oder zu Tieren oder im ersten Grad der Verwandtschaft, da ist denke ich nicht nur biblischer sondern auch noch gesellschaftlicher Konsens, dass das Sünde sein muss selbst wenn das Einvernehmlich geschehen sollte. Auch wenn ich Sorge habe, dass man auch diese Grenzen in Zukunft in Frage stellen wird. Ja Liebe muss manchmal Sünde sein. So wie die Liebe zur Sünde zur Amoral, Sodomie, die Liebe grundlos zu Töten. Ich denke, da werden sie mir auch zustimmen. Da gab es doch mal Skandale in der KK, weil Liebe selbst in der unchristlichen Gesellschaft in Extremfällen Sünde ist. Und einige Amtsträger in der KK das sogar missachtet haben sollen. Und wirklich Gräuel getrieben haben. Nochmal zum Thema Glaubwürdigkeit.

Quelle: Wikipedia: Fälle des sexuellen Missbrauchs in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland

Aber gerne nochmal biblisch ist halt auch Homosexualität laut den Versen oben Sünde nach meiner Überzeugung. Nicht nur Inzest, Sodomie…. . Man kann natürlich sein eigenes moralisches Ding, als Gesellschaft machen und irgendwie auf die Empathie und Freiheitsschiene das als Sündlos erklären. Das sollte aber dann nicht mehr christlich moralisch sein, zumindest wenn ich mit meiner Auslegung recht habe.
Zitat von martenotmartenot schrieb:Und heißt es nicht an anderer Stelle "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist?"
Das stimmt, aber dann wurde ja die Männin also Frau erschaffen. Nicht ein zweiter Mann. Und Fortpflanzungstechnisch funktioniert auch nur Mann und Frau, weil die Natur das so wollte oder villeicht doch eher Gott das so wollte? Stimmt es, dass niemand etwas für seine sexuelle Orientierung kann und an ihr nicht arbeiten kann, sie zu verändern? Muss ein Pädophiler pädophil bleiben? Ich hoffe nein. Ich hoffe er kann seine Lust und Verlangen ändern.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

26.10.2026 um 12:55
Zitat von UnschweigsamUnschweigsam schrieb:nd Fortpflanzungstechnisch funktioniert auch nur Mann und Frau, weil die Natur das so wollte
Es ist aber nun mal so, dass es auch Homosexualität gibt. Das denken sich die Menschen ja nicht spaßeshalber aus, sondern sie existiert und ist somit auch ein Produkt der Natur. Die Frage ist also weiterhin, was Homosexuelle korrekterweise bzw. nach göttlichem Willen tun sollen? Man soll nicht allein leben, aber auch nicht zu zweit (weil man dann ja sündig wäre).

Aus meiner Sicht ist das ein Paradoxon der Kirchen, das sie nicht lösen können und das wegen ihrer Widersprüchlichkeit dazu geführt hat, dass ich mit den Kirchen nichts mehr anfangen kann. Solange die Kirchen und Religionen auf dieser Widersprüchlichkeit beharren, ist für mich die Rückkehr in eine der Kirchen keine Option.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

26.10.2026 um 13:12
Zitat von martenotmartenot schrieb:Es ist aber nun mal so, dass es auch Homosexualität gibt. Das denken sich die Menschen ja nicht spaßeshalber aus,
Das ist richtig. Aber es gibt auch, andere Neigungen und Vorlieben, wie oben genannt, die sind ebenfalls nicht ausgedacht.
Zitat von martenotmartenot schrieb:Die Frage ist also weiterhin, was Homosexuelle korrekterweise bzw. nach göttlichem Willen tun sollen?
Ich möchte mit einem Bibelwort antworten.
9Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht: Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Weichlinge, noch Knabenschänder, 10weder Diebe noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben. 11Und solche sind etliche von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und in dem Geist unseres Gottes!
1. Korinther 6
Einige Ausleger verstehen das Wort Weichlinge als Homosexuelle. Was ich persönlich auch für die einzig ehrliche Auslegung halte.
Aber unabhängig davon wir sehen in der Formulierung und solche sind etliche von euch gewesen, dass Gott Ehebrecher Trunkenbolde veränderte, ebenso Lästerer Weichlinge Knabenschänder und ein Mensch der sich in nur eine Sache davon befindet, wird das Reich Gottes nicht erben. Also darf ein Christ in diesen genannten Sünden keinesfalls mehr leben. Sonst wird er das Reich Gottes nicht erben. Deshalb ein Christ ist ein begnadigter Sünder, der durch den Heiligen Geist erneuert wurde in seinem Sinn, Herzenswünschen, seinem Lüsten und seinem Handeln. Meine persönliche Auslegung. Ich hoffe sie ist nachvollziehbar.


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Katholische Kirche: Zwischen Nächstenliebe und Opportunismus

26.10.2026 um 13:14
Zitat von UnschweigsamUnschweigsam schrieb:Einige Ausleger verstehen das Wort Weichlinge als Homosexuelle. Was ich persönlich auch für die einzig ehrliche Auslegung halte.
Ich glaube, ich habe genug gelesen, um zu wissen, dass ich diesem Thread (und auch den Kirchen) fernbleiben sollte. Es grüßt der Weichling martenot....


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